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Veröffentlicht am 17.08.2023

Die liebe Familie

Schönwald
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Die Eröffnung eines queeren Buchladens in einem Berliner Szeneviertel lässt die Schönwaldfamilie aufeinandertreffen. Die Freudenfeier wird gründlich ruiniert durch einen Farbbeutelanschlag einer linken ...

Die Eröffnung eines queeren Buchladens in einem Berliner Szeneviertel lässt die Schönwaldfamilie aufeinandertreffen. Die Freudenfeier wird gründlich ruiniert durch einen Farbbeutelanschlag einer linken Gruppierung, die behauptet, das Startkapital stamme aus Nazivermögen.
In dieser Katastrophe lernt man die ganze Familie Schönwald in all ihren Facetten der Gegenwart und auch der Vergangenheit kennen.
Das Zentrum bildet Ruth, eine brillante Thomas Mann-Kennerin, die ihre Karriere der Familie opferte und zeitlebens ihren Träumen hinterher trauert.
Sie ist wenig sympathisch in ihrer Dominanz und ihrer manipulativen Art. Während man die Lebenswege der anderen Familienmitglieder verfolgt, wird immer deutlicher, welchen Schaden Ruth den anderen zugefügt hat. Beschädigt sind sie alle auf die ein oder andere Weise, und alle wahren ihre Geheimnisse, um nach außen hin im Erfolg strahlen zu können. Aber auch gesellschaftliches Ansehen kann nicht über seelische Armseligkeit hinwegtäuschen. Vieles wäre besser gelungen, wenn man beizeiten offene Worte miteinander gesprochen hätte.
Man ist direkt mittendrin bei den Schönwalds. Man glaubt fast, alle Personen berühren zu können, so detailreich werden sie von Oehmke beschrieben. Er geht dabei sehr in die Tiefe, scheut keinen philosophischen oder geschichtlichen Diskurs, was sich im Umfang des Romans widerspiegelt. Vielleicht schlägt er dabei manchmal über die Stränge und verliebt sich in seine eigenen Gedankenmodelle, aber letztendlich findet er im großen Bogen immer wieder zu seinen Schönwalds zurück.
Deren Kommunikationsunfähigkeit führt ständig zu skurrilen Situationen, die bühnenreif wären, und dadurch die Handlung so lebendig wirken lassen.
Mir hat Schönwald in allen Aspekten ausnehmend gut gefallen. Das Buch liest sich leicht, ist dennoch sehr anspruchsvoll und birgt auf jeder Seite viel Stoff zum Nachdenken.
Ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 14.08.2023

Ein mieses Spiel

Die letzte Nacht
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Slaughter-Fans wie ich wissen natürlich, dass Sara Linton ein Trauma mit sich herumträgt. Vor Jahren wurde sie brutal vergewaltigt. Seitdem kann sie keine Kinder bekommen. Mit ihrem Partner, dem bärenstarken ...

Slaughter-Fans wie ich wissen natürlich, dass Sara Linton ein Trauma mit sich herumträgt. Vor Jahren wurde sie brutal vergewaltigt. Seitdem kann sie keine Kinder bekommen. Mit ihrem Partner, dem bärenstarken Cop Will Trent, konnte sie endlich mit der Vergangenheit abschließen und sich auch mit der ungewollten Kinderlosigkeit abfinden.
Doch als ihr in der Notaufnahme ein Vergewaltigungsopfer buchstäblich unter den Händen wegstirbt, sieht sie sich in der Pflicht, den Täter zur Strecke zu bringen, erst recht, als er sich mit den teuersten Anwälten einen Freispruch erkaufen kann. Doch Sara lässt nicht locker und was sie und ihre besten Freunde ans Tageslicht bringen, ist an eiskalter Grausamkeit nicht zu überbieten.
Man hat keine Verständnislücken, wenn man die Vorgeschichte nicht kennt, aber dennoch ist es besonders schön, die persönliche Weiterentwicklung von allen mitzuerleben und hautnah an allen großen und kleinen Problemen teilzuhaben.
Das Familiäre geht allerdings nicht auf Kosten der Krimihandlung, sondern läuft quasi ebenbürtig parallel. Der Krimi selbst ist knallhart und bedarf einer gewissen Abgebrühtheit des Lesers.
Karin Slaughter ist eine geniale Autorin. Ich kann da nur hoffen, dass sie noch lange nicht auserzählt ist.

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Veröffentlicht am 11.08.2023

Entfesselte Kräfte

Bronwick Hall – Dornengift
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Auf der Hexenuniversität Bronwick Hall ist Blaine eine Außenseiterin. Sie will um keinen Preis auffallen, schließt keine Freundschaften und ist per se eine Musterschülerin. Ihr haftet der Makel an, dass ...

Auf der Hexenuniversität Bronwick Hall ist Blaine eine Außenseiterin. Sie will um keinen Preis auffallen, schließt keine Freundschaften und ist per se eine Musterschülerin. Ihr haftet der Makel an, dass ihr Vater vor Jahren einen Aufstand gegen die Herrscherin angezettelt hat. Nur widerwillig hat die Großmutter sie in die Familie aufgenommen, doch übt diese im Gegenzug gefühllosen Druck auf Blaine aus, die immer befürchten muss, auf die Straße gesetzt zu werden.
Ihre einzige Hoffnung auf Freiheit wäre die Heirat mit ihrem Verlobten Karan, doch die Rebellen ihres Vaters stürmen die Uni und verletzen Karan mit einem unbekannten tödlichen Gift.
Im Kampf entfesselt Blaine ihre ungeahnten Kräfte und steht so ungewollt im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Doch diese Kräfte helfen ihr auch auf der Suche nach einem Gegenmittel für Karan.
Magische Schulen sind immer wieder ein beliebtes Thema für Fantasy-Bücher. Auch dieses hier ist spannend geschrieben. Blaine ist eine sehr sympathische junge Frau, die sofort die Sympathien des Lesers gewinnt, weil sie unverschuldet so schlecht von allen Personen in ihrem Umfeld behandelt wird. Zusammen mit ihren Mitschülern und ihrem undurchsichtigen Professor muss sie in einer gefährlichen Unterwelt das Gegengift finden. Hier hat die Autorin wirklich eine düstere, magische Welt voller gefährlicher Wesen erschaffen.
Es gibt noch eine abschließende Fortsetzung, die zu lesen sich bestimmt lohnt, weil die Autorin einen gelungenen Mix aus Fantasie, Romantik und Spannung bietet.

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Veröffentlicht am 12.07.2023

Faszinierende Hauptperson

Refugium
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Schon der glatte Hochglanz-Umschlag mit dem rauen Baumstamm ist ein haptischer Wow-Effekt.
Genaugenommen ist die ganze erste Folge der Stormland-Trilogie ein einziges Wow. Stormland ist in meinen Augen ...

Schon der glatte Hochglanz-Umschlag mit dem rauen Baumstamm ist ein haptischer Wow-Effekt.
Genaugenommen ist die ganze erste Folge der Stormland-Trilogie ein einziges Wow. Stormland ist in meinen Augen ein würdiger Nachfolger von Stieg Larssons Millennium-Trilogie.
Auf einer Schäreninsel wird bei dem Mitsommerfest eine ganze feiernde Gesellschaft durch Maschinengewehrsalven getötet. Die Autorin und Ex-Polizistin Julia Malmros und ihr jugendlicher Geliebter Kim Ribbing werden Augenzeugen dieses Verbrechens. Sie versuchen sich selbst an der Aufklärung der Tat. Julia braucht Stoff für ihr neues Buch und Kim ist ein begnadeter Computerspezialist. Insbesondere er wird zur schillernden Hauptfigur dieses Thrillers, denn er ist seit einer unvorstellbar grausamen Kindheit absolut furchtlos, unfassbar reich und zu allem Überfluss auch noch eine Kampfmaschine. Kurz gesagt, er ist ein Superheld wie aus einem Kinofilm.
Die Handlung selbst ist sehr spannend konstruiert, die Auflösung geht nur in kleinen Schritten voran und erfordert Nachforschungen in der ganzen Welt. Natürlich geraten Julia und vor allem Kim immer wieder in große Gefahr. Der Spannungsbogen ist von Anfang an straff gespannt. Der Autor gibt auch ausreichend Einblicke in das Seelenleben der Beteiligten, sodass man einen persönlichen Bezug zu den Akteuren erhält. Deswegen freut man sich auch schon auf die Fortsetzung. Natürlich erwartet man wieder jede Menge Action, aber mindestens genauso spannend wird die Weiterentwicklung der verschiedenen, zum Teil doch sehr komplizierten Beziehungen sein.

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Veröffentlicht am 30.06.2023

Spannender Serienstart

Sommersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 1)
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Der Buchschnitt ist in den sonnigen Farben des Einbandes gehalten, was dem Thriller eine besondere Note verleiht und ihn in einer Buchhandlung auffällig macht.
Es geht hier um eine Reihe rassistisch motivierter ...

Der Buchschnitt ist in den sonnigen Farben des Einbandes gehalten, was dem Thriller eine besondere Note verleiht und ihn in einer Buchhandlung auffällig macht.
Es geht hier um eine Reihe rassistisch motivierter Sexualmorde. Die Handlung wird jeweils aus der Sicht von zwei Personen erzählt: Vera Berg, einer Journalistin unter enormen Erfolgsdruck, die sich auch zu illegalen Aktivitäten hinreißen lässt und Kriminalkommissar Tomas Wolf, der traumatisiert aus dem Bosnienkrieg zurückgekehrte und der von seiner Vergangenheit, vor allem aber von seinen rassistischen Brüdern in die Enge getrieben wird.
Die Ermittlung an sich ist aufregend, hätte aber spannender gestaltet werden können. Für das Autorenduo liegt wohl in erster Linie die menschliche Komponente der Erzähler im Blickpunkt. Hier bieten sich die größeren Effekte, denn beide befinden sich irgendwie an einem Wendepunkt in ihrem Leben, ja bei Vera geht es sozusagen sogar ums Überleben.
Obwohl das Buch insgesamt gut ist und eine abgeschlossene Geschichte bietet, lässt ein dramatischer Cliffhanger Raum für eine Fortsetzung.

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