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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.08.2017

Harter Tobak

Und es schmilzt
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Auf die Entfernung wirkt das Cover zu „Und es schmilzt“ unscheinbar, doch wenn man das Buch in die Hand nimmt erkennt man, mit welcher Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde. Die Buchstaben wirken nahezu ...

Auf die Entfernung wirkt das Cover zu „Und es schmilzt“ unscheinbar, doch wenn man das Buch in die Hand nimmt erkennt man, mit welcher Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde. Die Buchstaben wirken nahezu naturgetreu wie in Eis gefrorene Blumen, so dass man fast damit rechnet, beim Berühren die Kälte spüren zu können.

Lize Spit stand mit ihrem Debütroman ein Jahr lang auf Platz 1 der Bestsellerliste in Belgien. Wenn ich so etwas höre, dann schraubt dies meine Erwartungen immens in die Höhe. Das muss ja ein wahnsinns Buch sein, wenn es so viele Leute begeistern kann, dachte ich mir.

Und auch mir fiel der Einstieg in die Geschichte sehr leicht. Von der ersten Seite an war ich von „Und es schmilzt“ gefesselt und ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen. Ich habe wirklich in jeder freien Minute darin gelesen und hatte es nach wenigen Tagen beendet.
Dabei könnte ich noch nicht einmal eindeutig benennen, was genau mich an der Handlung so dermaßen interessiert hat, denn über weite Teile des Buches passiert im Grunde nicht wirklich viel.

Eva ist als mittleres Kind einer sozial schwachen Familie auf dem Land aufgewachsen. Mittlerweile arbeitet sie als Lehrerin in Brüssel. Nach 9 Jahren kehrt sie in das Dorf ihrer Kindheit zurück und öffnet somit die Schleuse für allerlei Erinnerungen.

Bei der Schilderung der Ereignisse bedient sich die Autorin zum Teil einer sehr direkten Ausdrucksweise, die in ihrer Schonungslosigkeit an manchen Stellen abstoßend wirkt.

In Nebensätzen schildert Eva die familiären Lebensumstände und erzählt dabei mit einer Gleichgültigkeit und Resignation wie sie wohl nur Kinder empfinden können, die nichts anderes kennen – Mutter war betrunken, die Matratze verschimmelt – tja, war eben so.

Es hat mich sehr betroffen gemacht, über dieses trostlose Leben zu lesen und Evas verzweifelte Suche nach richtigen Freunden und Anerkennung zu verfolgen.

Mit der Bewertung von „Und es schmilzt“ tue ich mir ein wenig schwer. Für den Spannungsbogen und das Erzähltalent der Autorin hätte der Roman in jedem Fall 5 Sterne verdient. Aber kann man eine Handlung, die dermaßen furchtbar ist, wirklich mit der Note 1 bewerten? Zumal die Geschehnisse im Sommer 2002 in einen folgenschweren Vorfall gipfeln, dessen brutale Beschreibung ein Gefühl der Übelkeit in mir auslöste.

Dieser Roman geht in jedem Fall unter die Haut und ließ mich nachdenklich und erschüttert zurück.

Veröffentlicht am 15.02.2026

Dunkle Machenschaften

Schattenmädchen
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Zum Glück war die Wartezeit auf Band 3 der Fredrika Storm Reihe kürzer als auf Band 2. „Schattenmädchen“ reiht sich in meinem Ranking der Reihe direkt hinter „Schwarzvogel“ ein.
Es handelt sich um einen ...

Zum Glück war die Wartezeit auf Band 3 der Fredrika Storm Reihe kürzer als auf Band 2. „Schattenmädchen“ reiht sich in meinem Ranking der Reihe direkt hinter „Schwarzvogel“ ein.
Es handelt sich um einen spannenden Ermittlerkrimi, der meine Neugierde schnell wecken konnte und die das komplette Buch über anhielt.
Eine Studentin verschwindet nach einer Party spurlos. Niemand will sie gesehen haben. Indizien deuten auf den Tech Millionär Markus Zenberg hin, doch egal, wieviel Mühe sich Fredrika gibt, die Beschaffung eindeutiger Beweise schlägt immer wieder fehl. Als Markus noch Student, war, ist schon einmal eine Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Ist er etwa ein Serientäter?
Fredrika ist felsenfest von seiner Schuld überzeugt. In ihrer Verbissenheit merkt sie nicht, dass sie immer mehr mit Scheuklappen den Fall betrachtet. Generell mag ich Fredrika ziemlich gerne aber in „Schattenmädchen“ ging mir ihre fehlende Weitsicht zunehmend auf die Nerven. Sie ist so auf ihr Thema fokussiert, dass sie alles andere ausblendet. Seien es Hinweise auf mögliche andere Verdächtige und Spuren oder ihr Verhalten gegenüber ihrem Freund Jonas. Der arme Mann hat mir teilweise ganz schön leidgetan, wie rücksichtlos Fredrika mit seinen Gefühlen umspringt.
Als Leser ahnte man schon, dass die Auflösung doch nicht so offensichtlich ist, wie es schien. Die genauen Details konnte ich allerdings nicht vorhersehen. Den finalen Plottwist fand ich ausgesprochen überraschend aber auch ziemlich unrealistisch.
Frida Sybäck konnte mich einmal mehr mit einem kurzweiligen Krimi unterhalten. Ich lese diese Reihe sehr gerne. Nun bin ich gespannt, wie es mit Henry im nächsten Band weitergeht. Zum Glück kommt Teil 4 schon im Juli 2026 raus.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Quadratische Träume

Das Signal
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Wenn ich zu einem Buch von Ursula Poznanski greife, gehe ich davon aus, dass mich kurzweilige Unterhaltung erwartet. Auch „Das Signal“ konnte mich ab dem ersten Kapitel abholen und fesseln.
Nach einem ...

Wenn ich zu einem Buch von Ursula Poznanski greife, gehe ich davon aus, dass mich kurzweilige Unterhaltung erwartet. Auch „Das Signal“ konnte mich ab dem ersten Kapitel abholen und fesseln.
Nach einem Unfall, an den sie sich nicht erinnern kann, wacht Viola im Krankenhaus mit amputiertem Bein auf. Als wäre das nicht schlimm genug, verhält sich ihr Mann äußerst sonderbar und nach ihrer Entlassung empfängt sie zu Hause eine wortkarge Pflegerin.
Ursula Poznanski schafft eine sehr beklemmende Grundstimmung. Die Vorstellung, nach so einem schweren Unfall in ein zu Hause zu kommen, in dem man sich nicht mehr wohlfühlt, ist sehr gruselig. Wie Viola tappt man zunächst im Dunklen, wieso sich ihre private Situation so dermaßen gedreht hat. Dass mit ihrem Mann und der Pflegerin etwas faul ist, ist so dermaßen offensichtlich, dass es mir schon fast zu viel erschien. Insbesondere ihr Mann Adam tritt extrem unsympathisch und verdächtig auf, dass man sich fragt, wie sich die freundliche Vio überhaupt in ihn verlieben konnte bzw. wie es sein kann, dass er sich so verändert hat.
Viola hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen. Sie lässt sich nicht unterkriegen und steckt den Kopf nicht in den Sand, obwohl sie jeden Grund dafür hätte. Sie ist mutig und einfallsreich und versucht hinter das Rätsel zu kommen. Ich fand ihre Einfälle sehr kreativ und es hat Spass gemacht, mit ihr zusammen die anderen Personen zu beobachten. Die ersten dreiviertel des Thrillers waren 5 Sterne für mich. In der Gesamtbewertung entscheide ich mich allerdings doch nur für 4 Sterne, da mir die Auflösung und der Grund für das Ganze nicht so gut gefallen haben. Ich hätte erwartet, dass mehr hinter all dem steckt, als es tatsächlich war.
Alles in allem ist „Das Signal“ ein empfehlenswerter Thriller, wenn man einfach mal vom Alltag abschalten möchte oder vielleicht sogar in einer Leseflaute steckt, denn es las sich sehr flüssig und man kann das Buch nur schwer aus der Hand legen.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Spurlos verschwunden

Kaiserwald
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„Kaiserwald“ von Anja Jonuleit wird aus drei Perspektiven und auf drei Zeitebenen erzählt.
In den 90er Jahren verliebt sich die Lehrerin Rebecca in den Vater einer Schülerin und hofft, mit ihm ein neues ...

„Kaiserwald“ von Anja Jonuleit wird aus drei Perspektiven und auf drei Zeitebenen erzählt.
In den 90er Jahren verliebt sich die Lehrerin Rebecca in den Vater einer Schülerin und hofft, mit ihm ein neues Leben beginnen zu können.
Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit Rebeccas Tochter Penelope, ihrer Kindheit und Teenagerzeit nach dem Verschwinden ihrer Mutter.
In der Gegenwart treffen wir auf Mathilda, die sich unter Vorwand an den reichen Falk von Prokhoff heran macht.

Am Anfang musste ich mich ziemlich durch den Roman durchbeißen. Rebeccas Handlungsstrang empfand ich als sehr ausschweifend und langatmig. Ich habe mich immer gefreut, wenn wir wieder zu Mathilda wechseln konnten. Sie war für mich der interessanteste Charakter und hier war auch am meisten los.

Es lohnt sich aber, an „Kaiserwald“ dran zu bleiben. Zunächst ist alles recht verwirrend. Es gibt häufig Zeitsprünge und viele Charaktere, die man erst nicht mit einander in Verbindung bringen kann. Wie alles zusammenhängt ist der große Plottwist des Buches, der mir allerdings schon eine Weile klar war.
Ansonsten endet der Roman ohne große Enthüllungen. Am Ende ist immer noch alles offen, da die Geschichte in zwei Bände unterteilt wurde. Für sich alleine macht „Kaiserwald“ nicht viel Sinn. Dies sollte man wissen, bevor man mit dem Lesen beginnt.
Ich werde nun direkt im Anschluss mit „Sonnenwende“ starten, da ich unbedingt wissen muss, was denn nun mit Rebecca passiert ist und wie alles ausgeht.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Aufgeben ist keine Option

Lebensbande
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Mechthild Borrmanns neuer historischer Roman „Lebensbande“ erzählt das Schicksal von drei Frauen, die eigentlich nur ihre Jugend ausleben möchten, aber denen der zweite Weltkrieg und alles, was damit verbunden ...

Mechthild Borrmanns neuer historischer Roman „Lebensbande“ erzählt das Schicksal von drei Frauen, die eigentlich nur ihre Jugend ausleben möchten, aber denen der zweite Weltkrieg und alles, was damit verbunden ist, dazwischen kommt.

Lene liebt den Holländer Joop, doch eine Beziehung mit dem Feind ist unmöglich. Zusätzlich hat sie große Sorge um ihren kleinen Sohn, der wegen seines Stotterns in die Fänge der Nazi Ärzte gerät.
Krankenschwester Nora hadert ebenfalls mit diesen Behandlungsmethoden.
Nach dem Krieg landet Nora gemeinsam mit ihrer Freundin Lotte in einem Gulag, wo sie sich gegenseitig zum Überleben motivieren.

„Lebensbande“ ist mit 270 Seiten ein kurzer, knackiger Roman, der sehr eindringlich die harten Lebensbedingungen und Ungerechtigkeiten der damaligen Zeit beschreibt.
Die drei Frauen müssen für Sünden bezahlen, die sie nicht begangen haben. Lene und Joop lieben sich sich und müssen doch akzeptieren, dass sie für die Gesellschaft auf verfeindeten Seiten stehen. Nora und Lotte müssen im Zuge der Reparationszahlungen im Gulag schwere Zwangsarbeit leisten, obwohl sie keinerlei Schuld am Krieg tragen.
So wie viele andere verlieren die jungen Frauen Jahre ihres Lebens und verlieren dennoch weder Mut, noch die Hoffnung oder ihre Menschlichkeit.
„Lebensbande“ ist eine eindringliche, berührende Geschichte über starke Charaktere. Beim Lesen breitet sich Dankbarkeit aus, dass man nichts von all dem erleben muss.

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