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Veröffentlicht am 16.04.2025

Was gewinne ich einem alten neutestamentarischen Buch noch ab?

David
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Die Geschichte von Davids Aufstieg vom Hirtenjunge zum König Isreals, dem von Gott Auserwählten, der dann als König seine Gegner mit unbarmherziger Gewalt auslöschen lässt, der Ehebruch begeht, viele Frauen ...

Die Geschichte von Davids Aufstieg vom Hirtenjunge zum König Isreals, dem von Gott Auserwählten, der dann als König seine Gegner mit unbarmherziger Gewalt auslöschen lässt, der Ehebruch begeht, viele Frauen hat, Widersacher perfide ausschaltet wird in diesem schmalen Band gut erzählt, für mich allerdings nicht wirklich neu. Offen bleiben die Fragen, wie ein Mensch, der sich so verhält, der Gesalbte Gottes sein kann, aus dessen Geschlecht der Erlöser der Menschheit stammt. Nur um die Erlösungswürdigkeit des Menschen zu demonstrieren? Eingefügt in die Geschichte sind immer wieder Psalme, wie sie David gesungen haben könnte. Dabei verfremdet der Autor den Wortlaut mit einer für mich pseudomodernen Auslegungen, die allerdings einzig das Ziel zu verfolgen scheint, die Schlechtigkeit des Menschen und der Welt anzuklagen: die Ungerechtigkeit, die Gewalttätigkeit, die Ausbeutung und Zerstörung des Planeten. Moderne, immer wieder besungene Zivilisationsuntergangsgesänge. Eingefügt sind zudem Fotos, meist anderer Fotografen, die recht einfach zu einer Art Collage umgestaltet wurden und die in den Psalmen beklagten Missstände plakativ untermalen. Das wirkt auf mich sehr artifiziell und überstilisiert. Fragwürdig ist für mich auch die Prämisse, unter der das Buch steht: die Klage Jesu am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“, die auch ein Zitat eines alttestamentarischen Psalmes ist. Soll darin eine Gottferne in der, wie oben dargestellten, beklagenswerten Welt konstatiert werden? Worauf stützt sich dann die Hoffnung und die Mühe, diesen alttestamentarischen Text wieder hervorzuholen? Gleichzeitig liest sich das Buch wie eine Anklage an Gott, der nicht hilft, der aber zugleich verantwortlich gemacht wird für die Mängel seiner Schöpfung. Problematisch dabei ist, wenn man einen Bibeltext aus seinen Zusammenhängen und aus der biblischen Tradition reißt. Denn so dürfte doch für die Schöpfung gelten, dass sie so, wie sie von Gott gedacht war, gut war, wenn man der ersten Schöpfungserzählung Glauben schenken darf. Und so bleibt aus der David-Geschichte hier nur der grausame Kriegsgott über, der er für das von einer Übermacht an Feinden bedrängten Volk Israel auch gewesen ist und auf dem all seine Hoffnung ruhte, ein Land zu finden, in dem es in Frieden leben konnte. Für Israel ist das sicherlich ein immer noch aktueller Zustand. Aber das christliche Gottesbild setzt neben dieses noch andere Akzente, die mir in diesem Buch fehlen. So lese ich aus dem Buch ein letztlich recht trostloses Bild von einem Gott, der den erlösungsbedürftigen Menschen sich selbst überlassen hat, ohne dass dieser das Bedürfnis nach Erlösung zumindest nicht durch einen Gott zu haben scheint. Fehlt dieser Zivilisationskritik nicht ein konstruktiver Ansatz?

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Veröffentlicht am 04.02.2025

Schwaches Finale

Die Glücksfrauen – Das Geheimnis der Rosen
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Im dritten Teil der „Glücksfrauen“ von Anna Claire wartet der Leser gespannt auf die Auflösung der Rätsel um die drei Freundinnen Luise, Maria und Anni. Während es in den ersten beiden Bänden um Luise ...

Im dritten Teil der „Glücksfrauen“ von Anna Claire wartet der Leser gespannt auf die Auflösung der Rätsel um die drei Freundinnen Luise, Maria und Anni. Während es in den ersten beiden Bänden um Luise ging, die mit dem Geld der Freundinnen in New York ein Café eröffnen wollte, wohin sie vor den Nazis geflohen war, und um die Jüdin Maria, die im letzten Moment auf einer abenteuerlichen Fluchtroute den Nazis entkommen konnte, so geht es im letzten Band um Anni. Sie ist eigentlich glücklich liiert mit Siegfried. Der allerdings arbeitet für die Gestapo, und im Laufe der Zeit wird Anni immer misstrauischer den Zielen der Nazis gegenüber und auch gegenüber Siegfried, der sich nicht so für das Gute einzusetzen scheint, wie er vorgibt. Ein drastisches Erlebnis und ein Verrat durch Siegfried veranlassen Anni zu einer spontanen Flucht nach England, wo sie als Agentin gegen die Deutschen arbeitet. Später dann verschlägt es sie nach Tansania, wo sie eine Rosenfarm gründet, auf der die Enkelinnen von Luise und Maria dann auch Annis Enkelin finden, damit sie gemeinsam den letzten Teil des Rätsels lösen. Dabei geht es auch um die Enkelinnen, ihre Lebensentscheidungen und natürlich um die Liebe.
Schon die ersten beiden Bände zeigen Schwächen bei der Umsetzung einer interessanten Idee mit interessanten Figuren. Aber der dritte Teil übertrifft diese, wie ich finde, bei weitem. Er ist ein mehr als unbefriedigendes Ende einer Buchreihe, die vor allem wegen der Suche nach der Lösung des Geheimnisses von Luise lesenswert erscheint. Allerdings ist diese Lösung wenig plausibel und passt nicht in den Handlungsverlauf. Man fragt sich unwillkürlich, ob man etwas Wichtiges überlesen hat. So geht es an anderen Stellen auch recht unlogisch zu. Und der Stil ist sehr hölzern und schlicht. Die Figur der Anni ist in sich schon nicht stimmig angelegt. Dem naiven Mädchen, die dem Erzählstil eine Kleinmädchenausdrucksweise verleiht, ist eine Karriere als Agentin nicht wirklich zuzutrauen. Das Konzept geht leider gar nicht auf. Sehr schade, denn die Geschichte hätte auf jeden Fall Potential für mehr gehabt. Und auch das Schicksal der Spioninnen im 2. Weltkrieg ist sicherlich ein dankbarer Plot für ein spannendes Buch. Aber Anni kann diesen Erwartungen nicht gerecht werden.

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Veröffentlicht am 23.07.2023

Eerfüllt die Erwartungen nicht

Das Leben, das uns bleibt
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Ruth ist eigentlich keine Goldschmiedin. Sie muss ihre Lehre in der Schmuckabteilung eines Kaufhauses abbrechen, als sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern wegen ihrer jüdischen Herkunft oder ...

Ruth ist eigentlich keine Goldschmiedin. Sie muss ihre Lehre in der Schmuckabteilung eines Kaufhauses abbrechen, als sie mit ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern wegen ihrer jüdischen Herkunft oder wegen der herannahenden Russen aus Breslau fliehen muss. Dabei verliert sie nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre große Liebe. In Freiburg lernt sie dann den Sohn des Inhabers eines Juwelierladens kennen. Und weil sie es immer allen Recht und ihrer Familie keine Sorgen machen möchte, heiratet sie ihn, obwohl sie noch immer an ihre alte Liebe denken muss. Eine starke Frau ist sie also (lange) auch nicht. Im stillen Kämmerlein entwirft sie Schmuck und lässt sich nach Feierabend von einem Goldschmied a. D. Nachhilfestunden in Sachen Handwerk geben. Und natürlich ist sie es, die mit ihrem Verkaufstalent und ihren Entwürfen den Laden vor dem Untergang rettet, als Vorwürfe laut werden, ihre Schwiegervater habe den Laden einst einem Juden abgepresst.
Obwohl die Idee eigentlich viel Potential zu einem spannenden historischen Roman böte, ist dieser das schließlich auch nicht. Statt spannender Handlung arbeitet sich der Leser seitenweise durch Gefühlsergüsse der Protagonistin oder zur Abwechslung den Träumen ihrer jüngeren Schwester sowie die sozialkritischen Anwandlungen des Bruders, der sich anklägerisch an die Nachkriegsgesellschaft wendet, die die Vergangenheit zu vergessen bestrebt ist. Allein durch den sprunghaften Wechsel fällt es schwer, in der Geschichte anzukommen. Im letzten Drittel dann verhalten sich die Figuren so unmotiviert, dass es schwer fällt, das Gelesene noch Ernst zu nehmen. Figuren, die zuvor noch aus Liebesschmerz bereit waren, alles zu tun, entdecken auf einmal, dass sie sich dem eigenen Geschlecht eher zugehörig fühlen, oder vermeintlich Turtelnde offenbaren, dass dies alles nur vorgetäuscht war und in Wirklichkeit alles ganz anders.
Für Ruth erscheint quasi als deus ex machina die alte Freundin Marga aus Berlin, die die Lösung all ihrer Probleme auf einem Silbertablett serviert. Dabei gerät sie mit ihren markigen Sprüchen und Lebensweisheiten und ihrer pseudo-berliner Schnauze wohl eher unfreiwillig zur Witzfigur.
Ruth muss sich nur noch entscheiden, zu allem Ja und Amen zu sagen. Macht das eine starke Frau aus, als die sie dem Leser angepriesen wird?

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Veröffentlicht am 23.07.2023

Mit Längen

Der Bornholm-Code
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Archäologische Funde vor Bornholm, die eine Verbindung zwischen der Varus-Schlacht und dem legendären Schatz der Nibelungen erahnen lassen, ziehen nicht nur Taucher und Wissenschaftler an, sondern auch ...

Archäologische Funde vor Bornholm, die eine Verbindung zwischen der Varus-Schlacht und dem legendären Schatz der Nibelungen erahnen lassen, ziehen nicht nur Taucher und Wissenschaftler an, sondern auch machthungrige Politiker, die damit die Weltherrschaft erstreben.
Insbesondere die Bezüge zwischen Varus und Siegfried bieten durchaus interessantes Potential, leider veranlassen sie die Hauptfigur zu langen, sich des öfteren wiederholenden belehrenden Vorträgen, denen zu folgen gerade in der Hörfassung schwer fällt. Diese dominieren die ersten zwei Drittel so sehr, dass die Thrillerhandlung, auch wenn sie im letzten Drittel an Fahrt aufnimmt und dabei zugegebenermaßen schon recht absurde Züge annimmt, mich als Zuhörer gar nicht mehr in den Bann ziehen konnte. Dies wird durch die recht monotone Vortragsweise, mit der sowohl die Wissensreferate als auch die Partien mit mehr Handlung (Entführung, Mordanschlag uswusf.) gleichermaßen vorgetragen werden, nicht gerade besser. Ein eher zähes Hörvergnügen.

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Veröffentlicht am 28.06.2023

Die Wirren der Liebe

Schicksalskinder
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Im dritten Teil der Familiensaga um die Lavernes von Katja Maybach geht es um die Jahre 1945 bis 1948. Die Story entspinnt sich zwischen Ostpreußen, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien. Die ...


Im dritten Teil der Familiensaga um die Lavernes von Katja Maybach geht es um die Jahre 1945 bis 1948. Die Story entspinnt sich zwischen Ostpreußen, Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien. Die Mitglieder der Familie sind zum einen zerstreut, finden sich aber immer mal wieder in Bad Lichtenberg ein, dem Stammsitz der Lavernes. Nicht nur die Wirren des Kriegsendes, sondern auch viele private Schicksalsschläge lassen die Familienmitglieder nicht zur Ruhe kommen. Sie ver- und entlieben sich, finden sich wieder, verlieren sich erneut oder finden zu anderen. Insgesamt ist dieser Liebesreigen zwischen der Vielzahl an Figuren ziemlich verwirrend und sehr sprunghaft. So wie die gesamte Handlung wenig motiviert ist. Der historische Hintergrund wird in Stichwortmanier abgearbeitet und spielt mit Ende des Krieges eigentlich gar keine Rolle mehr. Die Dialoge der Figuren sind sehr hölzern und der Stil insgesamt sehr gefühlsschwanger und melodramatisch. Zu einzelnen Figuren eine engere Beziehung aufzubauen, fällt schwer, weil die Geschichte immer wieder hin und herspringt und alle Konstellationen nur kurz angerissen und dann wieder fallen gelassen werden. Das kann soweit gehen, dass die Geschichte der Figur der Olga Reimann, deren Vater ein alter Bekannter aus dem vorangegangenen Teil, sogar gänzlich in Vergessenheit gerät: Ihr Racheplan an der Familie Laverne verpufft, am Ende wird nur kurz ihre Abreise konstatiert.
Wer an historischen Romanen interessiert ist, kommt hier, wie ich für mich feststelle, nicht auf seine Kosten.

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