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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Hat mich in den Bann gezogen ...

Der Teufel vom Hunsrück
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Nach ein bisschen Stöbern muss ich feststellen, dass es zu diesem Buch doch recht unterschiedliche Bewertungen und Rezensionen gibt. Ich muss sagen, mich persönlich hat das Buch sehr beeindruckt. Die Geschichte ...

Nach ein bisschen Stöbern muss ich feststellen, dass es zu diesem Buch doch recht unterschiedliche Bewertungen und Rezensionen gibt. Ich muss sagen, mich persönlich hat das Buch sehr beeindruckt. Die Geschichte bewegt sich auf drei Zeitebenen, die einen Zeitraum von insgesamt 15 Jahren abdecken. Man muss anfangs beim Lesen ganz genau darauf achten, in welcher der drei Ebenen man sich gerade befindet, später ergibt es sich eigentlich von selbst. Für mich persönlich war der Kern des Romans das Schalten und Walten, oder sollte man besser sagen das „Wüten“, des unheimlichen Christman Gniperdoliga, auch „Groperunge“ genannt, der der Überlieferung nach innerhalb von rund dreizehn Jahren mehr als neunhundert Menschen ermordete. Natürlich sind die Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit recht spärlich, so dass sich die Autorin hier sicher einigen Spekulationen hingibt, aus denen sie aber eine rundum gelungene, spannende Geschichte zaubert. Immer wieder habe ich als Leserin mitgelitten, besonders natürlich mit der armen Maria aus Boppard, die sich doch eigentlich nur mit ihrem Verlobten vereinen wollte und in die Fänge des Serienmörders gerät. Aber auch das Schicksal der sympathischen Sybille, die verzweifelt ihren verschollenen Bruder sucht, geht einem ans Herz. Sie hat einen ausgesprochen starken Willen und einen Dickschädel, den sie mehr als einmal gegen die Wand fährt. Das Ende der Geschichte ist bald vorhersehbar, dennoch hielt mich das Buch bis zum Schluss in Atem. Ich kam nicht umhin, bei Christman einige Parallelen zu der Romanfigur Jean-Baptiste Grenouille aus Das Parfum von Patrick Süskind zu ziehen, der jedoch neben Groperunge fast wie ein Waisenkind wirkt. Es ist erschreckend, angsteinflößend und trotzdem auf eine perfide Weise faszinierend, was die Psyche mit manchen Menschen anstellt. Wer leicht zu Albträumen neigt, sollte vielleicht auf diese Lektüre verzichten.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eine berührende Geschichte ...

Albertos verlorener Geburtstag
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Was für ein zauberhaftes Buch. Schon das Format als kleines Hardcover macht es richtig sympathisch.

Was damals für Johanna Spyri für ihre Geschichte um das kleine Mädchen Heidi und ihren granteligen Almöhi ...

Was für ein zauberhaftes Buch. Schon das Format als kleines Hardcover macht es richtig sympathisch.

Was damals für Johanna Spyri für ihre Geschichte um das kleine Mädchen Heidi und ihren granteligen Almöhi Opa funktioniert hat, passt auch in diesem Roman wunderbar zusammen – vielleicht sogar noch besser, denn Alberto, Tinos „Apu“, ist ein sehr netter alter Mann. Die Zusammenfassung der Geschichte wird im Klappentext beschrieben, nicht zum Ausdruck kommt jedoch die wundervolle Art, wie uns die Autorin mit der Vergangenheit vertraut macht. Jeder wichtige Mensch im Leben des jungen Albertos bekommt eine eigene Stimme in einem rückblickenden Kapitel. Wieder spielt auch in diesem Buch die Geschichte eine große Rolle. Als Leser erfährt man über den Bürgerkrieg in Spanien kurz Ausbruch des zweiten Weltkriegs. Nie war es mir bewusst gewesen, wie stark der Hass auf beiden Seiten vertreten war. Leidtragende waren, wie so oft, die Kinder, die nicht selten im Waisenhaus landeten, wo man versuchte, sie zur richtigen Einstellung umzuerziehen. Auch der Weinbau spielt eine nicht unwichtige Rolle und führt schließlich zur Zielerreichung der angetretenen Reise. Jedes zweite Kapitel widmet sich Albertos und Tinos Reise auf der Suche nach dem verlorenen Geburtstag.

Schlussendlich kann sich der Leser auf ein eingeschränktes Happy End freuen bei dem bei manchem die Augen etwas feucht werden könnten. Mir hat das Buch sehr gut gefallen!

Veröffentlicht am 27.04.2026

Amerika ... ich komme!

Die Stewardessen. Bis zum Horizont
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In diesem Abschlussband der Dilogie rund um die sympathische Stewardess Margot Frei reise ich erneut in die späten 1950er-Jahre. Seinerzeit waren Flugreisen bei weitem nicht so normal wie in unserer heutigen ...

In diesem Abschlussband der Dilogie rund um die sympathische Stewardess Margot Frei reise ich erneut in die späten 1950er-Jahre. Seinerzeit waren Flugreisen bei weitem nicht so normal wie in unserer heutigen Zeit und das Personal unterlag immer noch einer Vielzahl von strengen Vorschriften.
Während es bei der Lufthansa für Margot aufgrund ihres Geheimnisses immer enger zu werden scheint, ergreift sie, ohne zu zögern die Chance, bei der legendären US-Fluggesellschaft Pan Am anzuheuern. Hier glaubt sie zunächst, nahtlos in den neuen Job schlüpfen zu können, doch weitgefehlt … sie fängt nochmal von Null an! Sie meistert jedoch alles mit Bravour und ihrem neuen Leben, verbunden mit einer neuen Liebe, scheint nichts im Weg zu stehen? Oder doch? Stewardessen müssen nach wie vor unverheiratet bleiben und auch von ihrer Familie zu Hause in Deutschland erhält sie wenig Rückhalt. Aber ist ein Leben in Amerika wirklich die Erfüllung all ihrer Träume?
Der Autorin Svea Lenz ist es auch in ihrem zweiten Band wieder hervorragend gelungen, ein authentisches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Lustigerweise las ich das Buch tatsächlich im Flugzeug auf dem Weg in den Urlaub und ich konnte nicht umhin, damals mit heute zu vergleichen. Ich habe mal wieder viel gelernt – nicht nur über die Fliegerei – und habe mich bestens unterhalten gefühlt. Ich vergebe hier gerne von 4,5 auf 5 aufgerundete Sterne verbunden mit einer uneingeschränkten Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein interessanter Einblick in die Politik der 70er Jahre ...

Die Frau der Stunde
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Ich freue mich sehr zu Die Frau der Stunde gegriffen zu haben, denn hiermit legt Heike Specht ein vielschichtiges, klug komponiertes Buch vor, das persönliche Lebenswege mit größeren gesellschaftlichen ...

Ich freue mich sehr zu Die Frau der Stunde gegriffen zu haben, denn hiermit legt Heike Specht ein vielschichtiges, klug komponiertes Buch vor, das persönliche Lebenswege mit größeren gesellschaftlichen Fragen verknüpft. Im Zentrum steht eine Frau, die in einem entscheidenden Moment ihres Lebens handeln muss – und damit nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern auch ihre Rolle in einer von Erwartungen und Machtstrukturen geprägten Umwelt neu definiert.
Spechts Stärke liegt vor allem in der Figurenzeichnung. Die Protagonistin wirkt glaubwürdig und komplex, fern von einfachen Heldinnenklischees. Ihre Zweifel, inneren Konflikte und Entscheidungen werden feinfühlig und psychologisch überzeugend dargestellt. Dadurch entsteht eine große Nähe zur Figur, die es leicht macht, sich in ihre Situation hineinzuversetzen. Auch die Nebenfiguren sind sorgfältig ausgearbeitet und tragen dazu bei, das erzählte Umfeld lebendig und authentisch wirken zu lassen.
Stilistisch überzeugt der Roman durch eine klare, präzise Sprache, die zugleich atmosphärisch dicht ist. Heike Specht nimmt sich Zeit für Zwischentöne und lässt wichtige Themen – etwa Selbstbestimmung, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage nach Verantwortung – organisch aus der Handlung heraus entstehen, ohne belehrend zu wirken. Das Erzähltempo ist ruhig, aber konsequent, und unterstützt die nachdenkliche Grundstimmung des Buches.
Die Frau der Stunde ist kein lauter, effekthaschender Roman, sondern ein leises, nachhaltiges Leseerlebnis. Er richtet sich an Leserinnen und Leser, die sich für starke Frauenfiguren, historische oder gesellschaftliche Kontexte und eine reflektierte Auseinandersetzung mit persönlichen Entscheidungen interessieren. Nach der letzten Seite bleibt vor allem eines: das Gefühl, eine Geschichte gelesen zu haben, die lange nachwirkt. Von mir gibt es für diesen gut durchdachten Roman 4,5 Sterne, die ich gerne auf die volle Punktzahl aufrunden. Sicher werde ich noch das ein oder andere Buch dieser interessanten Frau in die Hände nehmen, bin schon sehr gespannt auf ihre Biografien!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Zwei Frauen kämpfen für ihre Rechte ...

Die Akte Schneeweiß
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Wie man es von Felicitas Fuchs, vielen auch bekannt als Carla Berling, gewohnt ist, sind ihre Bücher ein Garant für gute und oft sehr spannende Unterhaltung. Neben Kriminalromanen und Romanen, die einen ...

Wie man es von Felicitas Fuchs, vielen auch bekannt als Carla Berling, gewohnt ist, sind ihre Bücher ein Garant für gute und oft sehr spannende Unterhaltung. Neben Kriminalromanen und Romanen, die einen ganz bestimmten Sinn für Humor enthalten, wagt sie immer wieder auch an Geschichten aus dem realen Leben und hat mit „Die Akte Schneeweiß“ einen sehr persönlichen Roman geschrieben, dessen Inhalt auf einer wahren Begebenheit basiert. Zunächst ist nicht klar, wie das Schicksal von Katja Schilling in den 60er Jahren und das von Mathilde Schneeweiß in den 30er Jahre des vorherigen Jahrhunderts zusammenhängen.

Wir lernen die 14jährige Katja kennen, die in jungen Jahren schon weiß, wie sie ihre Zukunft gestalten will. Sie will sich ihren Traum erfüllen zu studieren, um Ärztin zu werden. Bei ihren Eltern beißt sie trotz ihres beeindruckenden Notendurchschnitts damit auf Granit. Ihre jüngere Schwester Heidi kann sich hingegen niemals vorstellen so lange die Schulbank zu drücken. Sie will sich schick machen, ausgehen, flirten … lediglich der Großvater versteht die ehrgeizige Katja und steht hinter ihr. Doch diese Unterstützung bricht schlagartig weg, als dieser von jetzt auf gleich von der Bildfläche verschwindet. Er wird fortan tot geschwiegen fast so, als hätte es ihn nie gegeben. Doch so einfach gibt Katja nicht auf. Nach vielen Jahren gelangt sie schließlich einem Geheimnis auf die Spur, die eine junge Frau namens Mathilde Schneeweiß zu tage führt. Sie gibt ihr ein großes Rätsel auf. Wer war sie, was trieb sie an und warum musste sie so jung sterben?

Die Autorin schafft es auf fesselnde Weise die Lebensgeschichten der beiden mutigen Frauen zu einem großen Ganzen zu verweben. Man fragt sich beim Lesen, was sich – außer der Sorge um Leib und Leben – in den Jahren zwischen dem Tod Mathildes und dem Leben Katjas verändert haben soll. Noch immer müssen Frauen um ihre Rechte kämpfen und noch immer haben die Männer die Oberhand. Doch einen kleinen Meilenstein haben sowohl Katja als auch Mathilde geschaffen und ich fühle mich dankbar, dass ich sie dabei lesenderweise begleiten durfte. Von mir gibt es dafür 4,5 von 5 Sternen und natürlich eine von Herzen kommende Leseempfehlung.

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