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Veröffentlicht am 14.11.2023

Leckere, abwechslungsreiche Ofengerichte

Kochen mit Christina
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MEINE MEINUNG
Die sympathische österreichische Bäuerin, leidenschaftliche Foodbloggerin und erfolgreiche Backbuch-Autorin Christina Bauer hat im Löwenzahn Verlag ein neues Buch herausgebracht.
In „KOCHEN ...

MEINE MEINUNG
Die sympathische österreichische Bäuerin, leidenschaftliche Foodbloggerin und erfolgreiche Backbuch-Autorin Christina Bauer hat im Löwenzahn Verlag ein neues Buch herausgebracht.
In „KOCHEN MIT CHRISTINA - 70 Rezepte für den Backofen, die immer gelingen“ dreht sich wieder alles um ihren liebsten Küchenhelfer - den Backofen, doch geht es diesmal nicht um Brot, Kuchen & Co. sondern um leckere, vielseitige Ofengerichte, die garantiert gelingen und schnell zubereitet sind.
Die Autorin hat für uns über 70 unterschiedlichste Rezepte für jeden Geschmack und Anlass zusammengestellt und natürlich auch viele Tipps und Tricks rund um das Kochen im Ofen.
Ganz nach ihrer Küchenphilosophie „Gutes ganz einfach“ zeigt uns Christina, dass leckeres, bodenständiges Essen auch ohne außergewöhnlichen Zutaten, lange Vor- und Zubereitungszeiten oder komplizierte Zubereitungsschritte auskommen kann. Sehr praktisch ist bei den Ofengerichten ja, dass sich gleich größere Mengen zubereiten lassen und man zudem die Zeit anderweitig nutzen kann, während das Essen im Ofen ist. Darüber hinaus präsentiert uns Christina verschiedene Möglichkeiten, wie sich aus einem Grundrezept ganz unkompliziert verschiedene ofenwarmen Köstlichkeiten zubereiten lassen.
Von pikanten Cannelloni über knusprige Flammkuchen, herzhaft gefüllte Paprika, klassische Spätzle bis hin zu flaumig-warmen Mehlspeisen wie Apfelstrudel oder Dampfnudeln – die Auswahl an schmackhaften, alltagstauglichen Rezepten ist so vielfältig, dass jeder etwas Passendes finden wird, das hervorragend schmeckt und ohne großen Aufwand zuzubereiten ist.
Für alle, die gerne ganz auf Fleisch verzichten möchten, gibt es vielseitige und abwechslungsreiche vegetarische Gerichte aus dem Backofen wie gefüllte Zucchini, würziges Gemüsegratin oder knusprige Pizzataschen. Und für den süßen Heißhunger noch den guten alten Milchreis, der sich auch problemlos im Ofen zubereiten lässt!
Großes Know-how ist für die Zubereitung der Gerichte übrigens nicht erforderlich. Insgesamt richtet sich das Buch daher weniger an Kochprofis, die die vorgestellten Rezepte sicher schon in ihrem Repertoire haben.
Unter den köstlichen Rezepten findet man trotzdem jede Menge Anregungen für leckere, unkomplizierte Mahlzeiten und spannende Ofenrezept-Variationen bis hin zu etwas anspruchsvolleren Gerichten, die sicher auch eingeladene Gäste begeistern können. So finden sich schließlich auch Rezepte für die ganz große Runde, vom klassischen Schopfbraten oder deftigen Rindsgulasch für kalte Herbst- oder Wintertage über Moussaka bis hin zu überbackenem Lachsfilet mit Kräuterkruste!
Das rund 180 Seiten starke Buch umfasst neben übersichtlich gestaltetem Inhaltsverzeichnis und einer kurzen Einleitung der Autorin, einen vorangestellten allgemeinen Teil, den eigentlichen Rezeptenteil zu verschiedenen Themenbereichen, eine kleine „Pannenhilfe“ sowie ein alphabetisches Rezeptregister.
Da ein bisschen Grundwissen nie schaden kann, hat Christina uns einige Basics und hilfreiche Tipps rund ums Kochen mit dem Backofen zusammengestellt.
So erläutert Christina gut verständlich, was man so alles wissen sollte und gibt zahlreiche Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Einstellungen am Ofen, Vorheizen und den richtigen Temperaturen beispielsweise bis hin zu Erste-Hilfe-Lösungen, wenn mal etwas nicht so läuft wie geplant. Zudem widmet sie sich in einem sehr informativen Extrakapitel auch den Vorbereitungen im Alltag, die dabei helfen viel Zeit und Nerven zu sparen. Hierin erfahren wir jede Menge nützliche Antworten auf häufige Fragen sowie praktische Tipps rund um Vorratshaltung und Lebensmittellagerung sowie zu Einkauf und Wochenplanung.
Der eigentliche Rezeptteil ist in verschiedene Themenbereiche untergliedert.
Ob es nun schnell gehen muss, man eher mal Lust auf Süßes als Hauptgericht oder Dessert hat, sich Besuch angekündigt hat, die besten Beilagen wie Pasta, Gemüse und Co. sucht, lieber den Ofen statt den Herd benutzen oder nur Reste verwerten möchte oder etwas Vegetarisches angesagt ist – in all den Abschnitten findet man zu den jeweiligen Anlässen etliche ansprechende und sehr schmackhafte Ofengerichte. Bei dieser Vielfalt ist es gar nicht so einfach sich zu entscheiden, was man als erstes ausprobieren möchte.
Die meist für 4 Personen konzipierten Rezepte sind sehr übersichtlich gestaltet und jeweils auf einer Doppelseite abgedruckt, so dass alle wichtigen Informationen zu dem ausgewählten Gericht auf einem Blick ersichtlich sind. Neben einem appetitanregenden Farbfoto des Gerichts finden sich eine Auflistung der benötigten Zutaten, Zubereitungs-, Rast- und Backzeit sowie Angaben zur Backtemperatur. Die einzelnen Zubereitungsschritte sind verständlich und nachvollziehbar beschrieben. Zudem gibt es unter der farblich abgesetzten Rubrik Tipp hilfreiche Hinweise zur Zubereitung und zusätzliche Vorschläge für Abwandlungen und Variationsmöglichkeiten.
Alle von mir ausprobierten Ofengerichte wie die Topfenstrudel-Lasagne oder der Ofenkürbis ließen sich problemlos zubereiten, waren äußerst lecker und haben mich sehr überzeugt.
Das äußerst gelungene Buch ist wieder sehr hochwertig und mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Insbesondere die vielen appetitanregenden und sehr natürlich wirkenden Fotos von Nadja Hudovernik sind echte Blickfänger, so dass man das Buch auch gerne einfach nur zum Stöbern und sich Inspirierenlassen in die Hand nimmt.

FAZIT
Ein empfehlenswertes Kochbuch rund um Ofengerichte für alle Lebens- und Stimmungslagen - mit leckeren, abwechslungsreichen Rezeptideen für easy-peasy Gerichte aus dem Ofen und vielen hilfreichen Tipps und Tricks!

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Veröffentlicht am 13.08.2023

Beeindruckende Autobiografie

Die Zeitreisende
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MEINE MEINUNG
Anlässlich ihres im Juli anstehenden 60. Geburtstags nimmt uns die international erfolgreiche Grande Dame des Chansons Ute Lemper in ihrer Autobiografie „Die Zeitreisende“ tatsächlich mit ...

MEINE MEINUNG
Anlässlich ihres im Juli anstehenden 60. Geburtstags nimmt uns die international erfolgreiche Grande Dame des Chansons Ute Lemper in ihrer Autobiografie „Die Zeitreisende“ tatsächlich mit auf eine höchst spannende Reise „Zwischen Gestern und Morgen“ und beschert uns einen aufschlussreichen Blick auf ihr ereignisreiches Leben und ihre eindrucksvolle Karriere als eine gefeierte Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin mit einem beeindruckend umfangreichen Repertoire. Als Musicaldarstellerin, Showstar und Chanson-Interpretin genießt sie weltweit höchste Anerkennung.
Ute Lemper blickt zurück auf die vielen Stationen ihres künstlerischen und privaten Lebens, gewährt uns überraschend persönliche Einblicke auf die Höhen und Tiefen und erzählt über persönliche Glücksmomente, Enttäuschungen, Kummer und Sehnsüchte. Die vielfältigen Einblicke in ihre Erfahrungen und Bewältigung der Herausforderungen zeigen auf faszinierende Weise auf, wie sie zudem dank harter Arbeit, ihrem großen Talent und ungebrochenem Engagement zu der Ausnahmekünstlerin wurde, die sie heute ist. Hierbei spart sie auch einige traumatische Situationen in ihrem Leben nicht aus und lässt uns an zutiefst menschlichen, verletzlichen Aspekten teilhaben, die über das von den Medien über sie als Powerfrau und emanzipierte Femme Fatale portraitierten Glamourbildes hinausgehen und eher die Realität abbilden.
Die melancholisch-kraftvolle Stimme von Ute Lemper spiegelt sich auch in ihrem oft poetischen, variantenreichen und ausdrucksstarken Schreibstil. Mühelos konnte ich sie mir als sanft- verführerische Diva im Marlene Dietrich-Styling mit einem Glas in der Hand lasziv auf einem Barhocker sitzend vorstellen und zugleich in ihre Lebenserinnerungen eintauchen.
Die herausragende Ausnahme-Künstlerin spricht sehr offen und ungeschönt über die Anfänge ihrer Karriere in den 80er-Jahren, ihre großen und kleinen Erfolge, die Herausforderungen ihres Nomadenlebens, ihre spannenden künstlerischen Projekte aber auch herben Rückschläge im Laufe ihrer langen Karriere, während sie gleichzeitig ihre Rolle als Mutter von vier Kindern auszubalancieren hatte. Es ist aber auch ein faszinierender Blick zurück auf eine bewegte Zeitgeschichte mit bedeutsamen zeitgeschichtlichen Erlebnissen und politischen Geschehnissen, an die auch wir uns zurückerinnern können.
Spannend sind ihre Schilderungen über wichtige künstlerische Begegnungen und Zusammenarbeit mit vielen berühmten Künstler*innen aus verschiedensten Ländern und Kontinenten, bei denen sich oft neue kreative Richtungen und inspirative Projekte ergaben.
Besonders beeindruckend fand ich die eingefügten Passagen aus ihrer ersten Autobiografie „Unzensiert“, die im Jahre 1995 erschienen ist. Hier erleben wir eine faszinierende Gegenüberstellung von Vergangenheit und Gegenwart, die sich deutlich in Sprache und Emotionalität unterscheidet. Sehr aufschlussreich ist es, die damals so enthusiastischen und leidenschaftlichen Schilderungen zu Beginn ihrer Karriere zu lesen, über die Häme und ungnädigen, verletzenden Kritiken durch die deutsche Presse zu erfahren und kommentierend Lempers retrospektive, reife und deutlich abgeklärtere Sichtweise auf die Vergangenheit und Neubewertung der Geschehnisse und ersten Erfolge aber auch der Persönlichkeit ihres jüngeren Ichs mitzuerleben.
Im Laufe der fesselnden literarischen Zeitreise macht sie sich schließlich auch Gedanken über die Weltgeschichte und parallele historischen Ereignisse in einer sich immer schneller verändernden Welt.
Abgerundet wird die interessante Autobiografie im Mittelteil mit sehr stimmungsvoll zusammengestellten Fotografien der Künstlerin aus ihren vergangenen künstlerischen Schaffensphasen, die ihre Entwicklung so anschaulich dokumentieren.

FAZIT
Eine interessante literarische Reise durch das Leben einer beeindruckenden Künstlerin mit bewegter Vita und faszinierenden Persönlichkeit sowie ein eindrucksvolles Dokument unserer Zeitgeschichte.
Nicht nur für Ute Lemper Fans eine mitreißende Lektüre!

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Veröffentlicht am 06.08.2023

Berührende, tiefsinnige Erzählung

Die Erinnerungsfotografen
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MEINE MEINUNG
Für ihren originellen und wundervoll warmherzigen Roman „Die Erinnerungsfotografen“ hat die japanische Autorin Sanaka Hiiragi eine berührende und nachdenklich stimmende Geschichte ersonnen, ...

MEINE MEINUNG
Für ihren originellen und wundervoll warmherzigen Roman „Die Erinnerungsfotografen“ hat die japanische Autorin Sanaka Hiiragi eine berührende und nachdenklich stimmende Geschichte ersonnen, die mich mit ihrer poetisch-mystischen Note und tiefgründigen Botschaft rasch gefangen genommen hat.
In drei sehr einfühlsam erzählten Episoden nimmt uns die Autorin an einen faszinierenden Ort, der eine Art Zwischenreich darstellt, in das man kurz nach dem irdischen Ableben übergangsweise gelangt, bevor man sich auf den endgültigen Weg ins Reich der Toden begibt. Hier haben die Verstorbenen die Möglichkeit, ihre kostbarsten Emotionen und glücklichsten Erinnerungen aufleben und so ihr Leben noch einmal Revue passieren zu lassen. Im Mittelpunkt steht der liebenswürdige Erinnerungsfotograf Hirasaki, der Verstorbene in seinem gemütlichen Fotoatelier willkommen heißt und ihnen dabei hilft, sich zu erinnern und Ungelöstes zu klären, um sich endgültig von der irdischen Welt verabschieden zu können. Mit Hilfe von für jedes Lebensjahr ausgewählten Fotos sollen die Gäste von Herrn Hirasaki bedeutungsvolle Stationen ihres Lebens in einer Art Kaleidoskop rekonstruieren und können so schließlich in Frieden ihre letzte Reise ins Jenseits antreten.
Der feinfühlige Schreibstil mit seiner Leichtigkeit und der richtigen Prise Humor lässt eine außergewöhnliche Atmosphäre mit viel japanischem Flair entstehen.
Ob nun die betagte Kindergärtnerin, das ermordete Yakuza-Mitglied oder das vernachlässigte Mädchen – mit feinen Strichen fängt die Autorin die Lebensschicksale und Persönlichkeiten dieser so unterschiedlichen Menschen ein und bringt uns ihre jeweilige Vorgeschichte eindringlich nahe. Der Autorin gelingt es hervorragend, uns aufschlussreiche Einblicke in die spirituellen Hintergründe der japanischen Kultur zu vermitteln und insbesondere den besonderen Umgang mit dem Tod in der japanischen Gesellschaft, der tief in Traditionen und religiösem Aberglauben verwurzelt ist, näher zu bringen.
Die beeindruckende Schlichtheit und die sorgsam durchdachte Inszenierung der tiefsinnigen Geschichte mit ihren subtilen Details und vielen Lebensweisheiten versprühen einen ganz einzigartigen Charme.
Nach einer überraschenden Wendung fügt sich am Ende alles zu einem logischen, stimmigen Ganzen zusammen. Der tröstliche Ausklang und die wundervolle Botschaft dieses recht kurzen, aber sehr bewegenden Werks über die Kunst des glücklichen Erinnerns konnten mich sehr begeistern.


FAZIT
Eine berührende, einfühlsam erzählte Geschichte über geglücktes Leben, die Schönheiten des Alltags und die friedvolle Reise ins Jenseits mit hochinteressanten Einblicken in die japanische Spiritualität und Kultur.
Für Liebhaber von eher leisen Geschichten sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 30.04.2023

Ein sehr beeindruckender Roman

Sibir
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MEINE MEINUNG
In ihrem neuen Roman „Sibir“ widmet sich die deutsche Autorin Sabrina Janesch einem wenig bekannten, vergessenen Kapitel deutsch-russischer Geschichte.
Hunderttausende deutschstämmige Zivilisten ...

MEINE MEINUNG
In ihrem neuen Roman „Sibir“ widmet sich die deutsche Autorin Sabrina Janesch einem wenig bekannten, vergessenen Kapitel deutsch-russischer Geschichte.
Hunderttausende deutschstämmige Zivilisten aus den Ostgebieten wurden 1945 nach Ende des 2. Weltkriegs von der Sowjetarmee in die kasachische Steppe nach Sibirien verschleppt. Viele von ihnen durften erst 1955 gemeinsam mit den Kriegsgefangenen aus den Gulags nach Deutschland heimkehren.
Zugleich spürt Janesch ihrer eigenen Familiengeschichte nach, denn das Schicksal der Deportation nach Sibirien ist auch ihrem Vater und seiner Familie widerfahren. Nach ihrer Heimkehr nach Deutschland blieben die Aussiedler in ihrem eigenen Land Fremde, gehörten nie wirklich dazu und wurden als „Russen“ ausgegrenzt.
So finden sich in ihrer sehr bewegenden, teilweise fiktiven Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt, auch viele autobiografische Bezüge und aufschlussreiche Elemente ihres eigenen Erlebens.
Mitreißend und bildgewaltig erzählt Sabrina Janesch in ihrem vielschichtigen Roman die Geschichte zweier Kindheiten, einmal die des jungen Josef Ambacher in Zentralasien nach dem Zweiten Weltkrieg und zum anderen die seiner Tochter Leila, die viele Jahre später in den 90ger Jahren in Norddeutschland mit diesem „Anderssein“ aufwächst. Dabei verwebt sie diese beiden Erzählebenen virtuos miteinander, lässt die Geschichten ineinanderfließen und beleuchtet anschaulich ihre Parallelen.
Gekonnt stimmt uns Janesch in ihrer einfühlsam und eindringlich geschilderten Rahmenhandlung in die Ausgangslage ein, die mich mit ihrer Intensität rasch in ihren Bann gezogen hat.
Dem plötzlich vor sich hinsprechenden Vater der Protagonistin und Ich-Erzählerin Leila wird die Diagnose Demenz gestellt. Offenbar hat Josef mit den Stimmen der Vergangenheit von einem entlegenen Ort in der kasachischen Steppe zu kämpfen. Quälende Erinnerungen an bedrückende Geschehnisse und verdrängte Schuldgefühle brechen hervor, während andere Erinnerungen in einem zähen Nebel auf immer ins Vergessen zu entgleiten drohen. Leila beschließt, die alten Geschichten ihres Vaters aufzuschreiben und ihre Leerstellen zu rekonstruieren, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Zugleich versucht sie dieses wichtige „Erbe“ ihres Vaters an sie festzuhalten und dem Ganzen ihre eigene Stimme entgegen zu setzen.
Man spürt beim Lesen sehr deutlich die vielfältigen persönlichen Bezüge der Autorin zum Thema und Verbundenheit zu ihrer Familie.
Auf den meisterlich komponierten Erzählebenen gewährt uns Janesch Einblicke in ein bewegendes Familienschicksal, das auch die Nachfahren nachhaltig geprägt hat. Zugleich erzählt sie eindrücklich über Verdrängen, über Generationen weitergereichte Traumata, über die Suche nach Heimat und die Bedeutung des Miteinanderredens. Durch einen Wechsel der Handlungsstränge und den verschiedenen Schauplätzen wird der Spannungsbogen allmählich immer mehr gesteigert.
Hervorragend gelungen ist der Autorin auch die einfühlsame, vielschichtige Zeichnung ihrer faszinierenden Charaktere, die sehr authentisch und lebendig wirken.
Mich persönlich haben vor allem die Schilderungen des Überlebenskampfs in der unwirtlichen Steppe und des unvorstellbar harten Alltagslebens der verschleppten Zivilgefangenen in Kasachstan beeindruckt. Sehr gelungen sind auch die Einblicke in die nomadische Kultur und die beeindruckenden Schilderungen der Wildnis und der Naturgewalten.

FAZIT
Eine äußerst bewegende Familiengeschichte und ein faszinierender Roman über ein wenig bekanntes Kapitel deutsch-russischer Geschichte – grandios komponiert und eindrucksvoll erzählt!
Ein absolutes Lesehighlight!

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Veröffentlicht am 09.04.2023

Hochinteressanter autobiografischer Roman

Das glückliche Geheimnis
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MEINE MEINUNG
Bei dem neuen Roman „Das glückliche Geheimnis" des mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichneten österreichischen Schriftstellers Arno Geiger handelt es sich um ein autobiografisches Werk, ...

MEINE MEINUNG
Bei dem neuen Roman „Das glückliche Geheimnis" des mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichneten österreichischen Schriftstellers Arno Geiger handelt es sich um ein autobiografisches Werk, in dem er sehr persönliche, bemerkenswert ehrliche und höchst aufschlussreiche Einblicke in sein Leben gibt.
Hierin blickt er auf sein nunmehr 25jähriges, bewegtes Schriftstellerleben zurück und offenbart uns hierin ein Geheimnis, das er jahrzehntelang beinahe schamvoll geheim gehalten hat, obwohl es ihn anfangs als junger Autor quasi über Wasser gehalten, inspiriert, körperlich ertüchtigt und oftmals richtig glücklich gemacht hat. Eindringlich, selbstironisch und mit erfrischender Offenheit berichtet er uns über sein „schmutziges Montagsgewerbe", seine große Leidenschaft und sein erstaunliches Doppelleben. „Hier das Leben als öffentliche Person. Dort das Leben als Lumpensammler in den Straßen Wiens. Meine neue Normalität.“
Seine Touren führten ihn zu den Altpapiercontainern Wiens, um das, was andere für Wertlos hielten und wegwarfen, zu retten und dem Vergessen zu entreißen. Seine Sammlung von Büchern, Briefkonvoluten, Tagebüchern und Postkarten wurde eine Ressource seiner Arbeit und hat sein eigenes Werk nachhaltig beeinflusst. Äußerst spannend ist es zu erfahren, wie aus den weggeworfenen Fundstücken, insbesondere Lebensberichten völlig fremder Menschen, neue Einsichten erlangen, kreative Anregungen für neue Geschichten herausziehen konnte und dieses Material in seine Werke einfließen ließ.
„Meine künstlerische Entwicklung wurde nicht nur von Weltliteratur vorangetrieben, sondern ganz wesentlich auch von Abfall, von Hingeschmiertem und Verworfenem.“
In seinen Rückblicken gewährt uns der Autor sehr persönliche Einblicke in sein Privatleben, seine chaotische Liebesbeziehungen aber auch seinen spannenden schriftstellerischen Werdegang, der keineswegs einfach war. So lässt er uns Anteil nehmen an seinen erfolglosen Anfängen als Schriftsteller, seinen Selbstzweifeln und Existenzängsten, bis hin zu seinen ersten Erfolgen.
Gekonnt lässt er ebenfalls aufschlussreiches Hintergrundwissen über seine früheren Romane in seine Geschichte einfließen, was mich sehr neugierig auf seine früheren Romane gemacht hat.
FAZIT
Ein hochinteressanter autobiografischer Roman, in dem der Autor nicht nur über sein bisher geheimes Leben erzählt, sondern uns auch spannende Einblicke in seine Werke gibt – unterhaltsam, selbstironisch und sehr persönlich!

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