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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2024

Gruselig

Der Salon der kühnen Frauen
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Marie d’Aulnoy lädt monatlich in ihren Salon ein. Zu Gebäck und Naschereien gibt es märchenhafte Geschichten. Klingt ungefährlich! Nein, da die Frauen ihre Märchen wie Fabeln erzählen, fühlen sich die ...

Marie d’Aulnoy lädt monatlich in ihren Salon ein. Zu Gebäck und Naschereien gibt es märchenhafte Geschichten. Klingt ungefährlich! Nein, da die Frauen ihre Märchen wie Fabeln erzählen, fühlen sich die Männer am Hof von Ludwig dem XIV. bedroht, erkennt sich doch mancher als wenig schmeichelhafter Charakter wieder. Für die Frauen jedoch sind sie Erleichterung, fördern ihren Zusammenhalt und geben ihnen Mut. Allen bekannte Märchen wie das von der Gänsemagd, Blaubart, Rotkäppchen oder vom gläsernen Pantoffel entstanden dort.
Clare Pollard erzählt detailreich, blumig, stattet ihre Geschichten mit viel Phantasie opulent aus. Mitunter geht ihr Sarkasmus ins Ordinäre, sie beschönigt die Zustände nicht. Eindrucksvolle Beschreibungen des Schlosses von Versailles, des Lebens des Königs gehören dazu. Bekannte Namen erkennt man. Ebenso die Entstehungsgeschichte der Salons. Sehr ausführlich. Und mit vieldeutigen, nein, eindeutigen Anspielungen gespickt. Das Leben der Frauen ist stets in Gefahr. Schreckliche Zeit.

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Veröffentlicht am 02.08.2024

Frauen in Wien

Café Hawelka
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Nach dem Prolog mit dramatischen Ereignissen zu Beginn des 2. Weltkrieges taucht man gern ein in die gemütliche, leicht angestaubte Atmosphäre des Cafés Hawelka im Jahr 1968. Dort trifft man ein gemischtes ...

Nach dem Prolog mit dramatischen Ereignissen zu Beginn des 2. Weltkrieges taucht man gern ein in die gemütliche, leicht angestaubte Atmosphäre des Cafés Hawelka im Jahr 1968. Dort trifft man ein gemischtes Publikum, Schriftsteller, Schauspieler, Studenten. Auch Jutta, eine moderne junge Frau, ist dort anzutreffen. Sie möchte Jura studieren, fährt Mofa und ist in Bodo verliebt. Nebenbei arbeitet sie für einen Rechtsanwalt. Und trifft auf den Fall eines Gaswagenfahrers in einem Konzentrationslager. Ab jetzt interessiert sie sich für die Taten der Faschisten und vertritt kämpferisch ihre Ansichten. Sie nimmt die Gnade der späten Geburt als Nachkriegsgeborene vehement und rechthaberisch in Anspruch. Auch weitere Taten zeichnen sie als Gutmenschen.
Regelmäßig wechseln im Roman die Zeitebenen; Nachkriegszeit und 60er Jahre stehen im Focus.
Nochmal ist es 1945. Wien ist eine Trümmerstadt. Elses sechsjährige Schwester Fritzi geht verloren. Besonders engagiert ist Elses Suche nicht, ihr geht es gut bei Frau Hawelka, einer mütterlichen Frau, die unerklärlicherweise bestens für sie sorgt. Trotz Elses Nachlässigkeiten. Else ist reichlich naiv, verlässt sich darauf, dass eine fremde Frau viele Monate lang ihre kleine Schwester versorgt. Ach ja, das Café hat kurz nach dem Krieg ein ziemlich gutes Angebot. Lebensmittelmarkenfrei. Wie schön.
Und o.g. Jutta … Richterin wird sie erst einmal nicht.
Maria Wachter beschreibt die Wiener Gesellschaft in der Nachkriegszeit und in den sechziger Jahren, bezieht Lokalkolorit und historische Ereignisse mit ein. Auch Mode und Mahlzeiten werden beschrieben, der Schreibstil ist angenehm zu lesen. Das ist interessant. Das glückselige Hineintapsen ihrer Figuren in die Frauenfalle allerdings nicht… . Der Autorin gelingt es, ihre Frauenfiguren nicht sonderlich stark oder sympathisch darzustellen. Die Klischees und Zufälle sind mir zu viel. 3,5 von 5 Punkten von mir.

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Veröffentlicht am 08.11.2023

Die Fensterputzerin und ihre Tassen

Weit über der smaragdgrünen See
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Tress liebt Charlie, Charlie liebt Tress. Allerdings ist Charlie der Sohn eines Herzogs und soll eine Prinzessin heiraten. Tress ist Tassen sammelnde Fensterputzerin. Auf einer Brautsuch- Reise wird Charlie ...

Tress liebt Charlie, Charlie liebt Tress. Allerdings ist Charlie der Sohn eines Herzogs und soll eine Prinzessin heiraten. Tress ist Tassen sammelnde Fensterputzerin. Auf einer Brautsuch- Reise wird Charlie von einer fiesen Zauberin gefangen genommen.
Und wer will ihn befreien, na, wer wohl?
Brandon Sandersons Schreibstil ist absolut ungewöhnlich. Feiner Humor, unerwartete und unübliche Kommentare ziehen sich durch das Buch, Ironie blitzt auf. Häufige abrupte Ereignisse machen das Geschehen interessant. Man muss nicht alle Einfälle mögen, oft sind sie verdreht oder blödsinnig, originell aber auf jeden Fall.
Tress verfolgt also hartnäckig ihr Ziel, lernt Feinde kennen und gewinnt ungewöhnliche Freunde. Ob sie ihren Charlie wohl findet? Die Chancen stehen schlecht.
Ein phantasievolles und sehr ungewöhnliches Buch, teilweise durchaus spannend, aber zu ausführlich und stellenweise ermüdend.

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Veröffentlicht am 10.08.2023

Cosy Crime mit Humor

Kommissar Jennerwein darf nicht sterben
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Auch ein Kommissar Hubertus Jennerwein braucht mal Urlaub. In einem Sporthotel (!) sollte das klappen … . Oder doch nicht? Ein von 12 Knastis angeheuerter Superkiller soll ihn für immer am Ermitteln hindern. ...

Auch ein Kommissar Hubertus Jennerwein braucht mal Urlaub. In einem Sporthotel (!) sollte das klappen … . Oder doch nicht? Ein von 12 Knastis angeheuerter Superkiller soll ihn für immer am Ermitteln hindern. Genau das möchte aber ein aufdringlicher Asiate nicht.
Wer die vorangegangenen 14 Jennerwein-Fälle verfolgt hat ( oder auch nur einige davon) kennt Jörg Maurers hintergründigen Humor ebenso wie seine eigenwilligen Wortschöpfungen. Einen Ganoven in der Hotelküche stundenlang Zwiebeln schälen lassen, also bitte. Nicht das einzige unterhaltsame Missgeschick. Auch angedachte Team-Arbeit einer Buffetschmarotzerin mit dem Ermittler bietet Potenzial.
Nicht durchgängig spannend ( Technikkram und Künstliche Intelligenz nehmen zu breiten Raum ein), mit vielerlei Twists und satirischen Überspitzungen schreitet die Handlung voran. Zielstrebig agiert der clevere Kriminalhauptkommissar, Wellness und Kräuterspaziergänge weitgehend ignorierend. Aber ob er trotzdem Erfolgt hat?
Gut zu lesen, gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 11.07.2023

Juweliergeschichte

Das Haus der Perlen – Glanz des Glücks
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Henriette Julia Schmerler, kurz Henya, tritt ihre Wunschstelle als Schmuckverkäuferin in München an. Und das im »Haus der Perlen«! Schon in der Anfangszeit stellt sie den Besitzer und die Kunden zufrieden, ...

Henriette Julia Schmerler, kurz Henya, tritt ihre Wunschstelle als Schmuckverkäuferin in München an. Und das im »Haus der Perlen«! Schon in der Anfangszeit stellt sie den Besitzer und die Kunden zufrieden, tritt sympathisch und engagiert auf. So hätte es gern weitergehen können. Natürlich spielt das Persönliche auch weiterhin eine große Rolle, man kann in dieser Geschichte aber zunehmend ein Sachbuch verorten. Sehr viele historische, politische oder technische Fakten werden einbezogen. Charlotte Jacobi hat ausführlich recherchiert, vermittelt Wissen. Mir hätte eine ansprechende Familien- und Unternehmensgeschichte ( diese ist wieder spannend und unterhaltsam angelegt) völlig gereicht. Der letzte Teil des Buches liest sich gut und hat mich für knappe vier Sterne stimmen lassen.

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