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Veröffentlicht am 09.10.2023

Erschreckende Zukunftsversion

Memoria
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Harriet rettet bei einem Waldbrand eine Frau, die sie zu kennen scheint, während sie Harriet völlig unbekannt ist. Diese Begegnung löst Zweifel und eine zunehmende Unsicherheit bei der Protagonistin aus ...

Harriet rettet bei einem Waldbrand eine Frau, die sie zu kennen scheint, während sie Harriet völlig unbekannt ist. Diese Begegnung löst Zweifel und eine zunehmende Unsicherheit bei der Protagonistin aus und erschüttert wie ein Beben ihr bisheriges Leben. Das auffällige Cover mit den intensiven Farben, den Flammen und den verfremdeten seismischen Wellen steht für mich für dieses einschneidende Erlebnis.
Harriet kann manchmal nicht mehr zwischen Träumen und Erinnerungen unterscheiden, sie bemerkt immer mehr Erinnerungslücken, je mehr sie sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt und macht sich auf den Weg in ihre Heimatstadt München, um herauszufinden, was vor dem Umzug nach Frankfurt geschehen ist.

Zoë Beck schreibt prägnant, die Figuren sind gut ausgearbeitet, trotzdem bleiben sie für mich auf Distanz. Nüchtern und dennoch bildhaft stellt die Autorin Deutschland in naher Zukunft dar und denkt dabei die aktuelle Situation weiter. Es herrschen hohe Temperaturen und Waldbrände treten selbst in Mischwäldern häufig auf, Missernten aufgrund jahrelanger Dürre sind an der Tagesordnung, Securityfirmen boomen, mit deren Hilfe sich Wohlhabende vor Armen schützen. Harriet bewohnt ein Zimmer in einem früheren Büroturm in Frankfurt. In diesen 'Gemeinschaftswohnflächen' sind Strom und Wasser täglich rationalisiert und relativ sicher sind nur die oberen Stockwerke.

Erzählt wird aus Harriets Perspektive, so dass ich als Leserin keinen Wissensvorsprung habe, sondern mit Harriet zusammen nach Antworten suche. Der Spannungsbogen ist hoch in diesem komplexen Thriller, die Auflösung auf mehr als einer Ebene erschütternd. Ich bleibe mit der Frage zurück, was Wissenschaft darf und ab wann sie Grenzen überschreitet.
Ich empfehle 'Memoria' nicht nur Thriller-Fans, sondern allen Lesern, die sich für Zukunftsvisionen interessieren.

Veröffentlicht am 12.09.2023

Von gefühlten Holdings und blindem Aktionismus

Pirlo - Gefährlicher Freispruch
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Im dritten Band um die Strafverteidiger Sophie Mahler und Anton Pirlo arbeitet der Autor die Corona-Maßnahmen während der Pandemie auf. Vordergründig geht es um die Verteidigung eines Clanmitglieds und ...

Im dritten Band um die Strafverteidiger Sophie Mahler und Anton Pirlo arbeitet der Autor die Corona-Maßnahmen während der Pandemie auf. Vordergründig geht es um die Verteidigung eines Clanmitglieds und alten Schulfreundes Pirlos, der beschuldigt wird, einen Brandanschlag auf ein Testzentrum verübt zu haben. Bei den Ermittlungen decken Pirlo und Mahler Mauscheleien und unglaubliche Vorgänge nicht nur was die Herstellung und Lieferung der Masken angeht, sondern auch auf Behördenebene auf.

Der Anfang des Buchs dreht sich hauptsächlich um Pirlos depressiven Gemütszustand aufgrund der Ereignisse im Vorgängerband und ist dadurch etwas langatmig, trotz manchen Wortwitzes ausschweifend und durch lange Sätze anstrengend zu lesen. Als Pirlo und Sophie dann das neue Mandat haben und mit Ermittlungen beginnen, macht das Buch zunehmend Spaß. Pirlo ist wieder der charismatische Chaot und Sophie kann die Sorgen um ihren Chef zurückstellen und so clever und gründlich agieren, wie ich sie aus den Vorgängerbüchern kenne. Ich empfehle, zumindest den ersten Band gelesen zu haben, um die Hintergründe der Protagonisten und ihre Entwicklung besser nachvollziehen zu können.

Pirlos Brüder, Clanmitglieder und Sophies Familie sind wieder mit von der Partie und werden ironisch und teilweise überspitzt dargestellt, auch andere Charaktere erscheinen überzeichnet. Das Düsseldorfer Flair finde ich wieder treffsicher und unterhaltsam dargestellt. Der Schreibstil ist gewohnt eigenwillig, augenzwinkernd und wortgewandt, das Cover passt zu den Vorgängerbänden und hat einen hohen Wiedererkennungswert.
Höhepunkt der Geschichte ist für mich der Prozess und Pirlos Vorgehensweise dabei, hier beweist Ingo Bott, selbst erfolgreicher Anwalt mit eigener Kanzlei, seinen Einfallsreichtum und sein Können.

Bemerkenswert finde ich, dass die Betitelung der fünf Teile, die laut des vorangestellten Zitats von Pirlos Doktorvater die Phasen einer Straftat benennen, auch zu Pirlos Vorgehen in der Geschichte passt.

Veröffentlicht am 28.08.2023

Spannender und sehr gut recherchierter Near-Future-Wissenschaftsthriller

Der Wald
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Das Cover mit der sogar Stein sprengenden Schlingpflanze beeindruckt auch mit haptisch unterschiedlich gestalteten Bereichen, das Buch macht schon beim In-die-Hand-nehmen neugierig auf die Geschichte. ...

Das Cover mit der sogar Stein sprengenden Schlingpflanze beeindruckt auch mit haptisch unterschiedlich gestalteten Bereichen, das Buch macht schon beim In-die-Hand-nehmen neugierig auf die Geschichte. Von Beginn an ist der Leser, genau wie die Figuren des Thrillers, mit einer weltweit auftretenden, bisher völlig unbekannten Pflanze konfrontiert, die enorm schnell wächst, in allen Teilen giftig ist für Mensch und Tier und andere Pflanzen vernichtet und verdrängt. Wissenschaftler und Ermittler tappen im Dunkeln, sowohl was die Herkunft als auch die Möglichkeiten der Bekämpfung der Pflanze angeht.

Der Schreibstil ist bildhaft und lebendig, flüssig und angenehm zu lesen. Ein hohes Erzähltempo, zahlreiche Perspektiven und unterschiedlichste Charaktere, eine zweite Zeitebene und Cliffhanger am Ende jedes Kapitels sorgen für große Spannung und machen es schwierig, eine Lesepause einzulegen. Die Kapitel werden mit Zeitangabe und Namen überschrieben, so dass eine Zuordnung immer möglich ist, dennoch empfand ich den Lesefluss manchmal gestört durch die vielen verschiedenen Perspektiven, aus denen wechselnd erzählt wird. Wobei die Figurenzeichnung eher blass bleibt und manche Details aus dem Privatleben der Protagonisten mir wenig interessant und nicht handlungsrelevant erschienen.

Sehr gut recherchiert und wirklich spannend dargestellt sind die wissenschaftlichen Hintergründe und auch geschichtliche Informationen und philosophische Überlegungen haben mir gut gefallen. Tibor Rode gelingt es, viele interessante und aktuelle Themen in seinen Near-Future-Thriller einzubinden, über Künstliche Intelligenz bis zur bisher generell ignorierten Möglichkeit (oder vielleicht sogar Notwendigkeit), Pflanzen als unsere Mitgeschöpfe auf diesem Planeten zu betrachten.
Mich hat 'Der Wald' gut unterhalten und ich empfehle das Buch Thriller-Lesern mit Interesse an möglichen technologischen Entwicklungen und Gefahren.

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Veröffentlicht am 13.08.2023

Berührender Entwicklungsroman

Das Glück der Geschichtensammlerin
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Janice ist eine zurückhaltende, geduldige, nachdenkliche Frau und eine gute Beobachterin, sie liebt Bücher und ist unglücklich in ihrer Ehe. Beruflich ist sie eine hervorragende Putzfrau, auch mit handwerklichen ...

Janice ist eine zurückhaltende, geduldige, nachdenkliche Frau und eine gute Beobachterin, sie liebt Bücher und ist unglücklich in ihrer Ehe. Beruflich ist sie eine hervorragende Putzfrau, auch mit handwerklichen Fähigkeiten, und wird von ihren Kunden sehr geschätzt, manchen ist sie fast freundschaftlich verbunden und macht sich Gedanken um die betreffenden Personen. Sie sammelt und hütet die Geschichten, die ihr bei der Arbeit erzählt werden oder die sie im Bus aufschnappt. Sie hat strenge Regeln für diese Geschichten in ihrem Kopf, bis eine neue Kundin und ein freundlicher Busfahrer beginnen, diese Regeln ins Wanken zu bringen und bei Janice eine Veränderung in Gang zu setzen.

Die Geschichte wird aus Janice' Perspektive erzählt in einem angenehmen, zurückhaltenden Schreibstil, der zu diesem eher leisen Roman passt. Die Charakterzeichnung aller Protagonisten ist gelungen, die Autorin Sally Page ist ihren Figuren nah und zugewandt und kann Janice' Entwicklung glaubhaft darstellen.

Das Cover ist auch auf den Innenseiten aufwendig und zur Geschichte passend gestaltet. Sally Page ist ein beeindruckender Debütroman gelungen, der auch schwere Themen mit scheinbar leichter Hand und unterhaltsam vermittelt. Im Nachwort erklärt die Autorin, dass fast jede Geschichte, die im Buch erzählt wird, wahr ist.
Ich habe diesen berührenden, humorvollen und auch tiefgründigen Roman gern gelesen und kann ihn als bereichernde Lektüre empfehlen.

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Veröffentlicht am 07.08.2023

Aktueller und spannender Wissenschaftsthriller

Toxin
7

In Berlin sterben zwei Obdachlose an Milzbrand. Hat die Firma Janus Therapeutics damit zu tun, die an einem Krebsmedikament auf Basis von Anthraxerregern arbeitet? Die Mikrobiologin und Wissenschaftsjournalistin ...

In Berlin sterben zwei Obdachlose an Milzbrand. Hat die Firma Janus Therapeutics damit zu tun, die an einem Krebsmedikament auf Basis von Anthraxerregern arbeitet? Die Mikrobiologin und Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg kann gleichzeitig ihren Freund, Gereon Kirchner, Chef des Biotech-Startups, nicht mehr erreichen, der in das Permafrosttunnel-Camp in Alaska gereist ist, wo anthraxverseuchte Karibuüberreste entdeckt wurden. Nina bittet ihren guten Freund Tom Morell, Reise- und Foodblogger unterwegs in Kanada, nach Gereon zu suchen.

Der Thriller hat ein hohes Erzähltempo und durch parallel verlaufende Handlungsstränge und häufige Perspektivwechsel werden viele Protagonisten eingeführt, die detailliert, teilweise etwas klischeehaft und dennoch glaubwürdig beschrieben werden. Durch den ausführlich geschilderten jeweiligen Hintergrund der verschiedenen Figuren werden im ersten Drittel des Buchs viele Themen angesprochen, nicht nur in Zusammenhang mit dem Klimawandel, sondern auch aus dem gesellschaftspolitischen Bereich. Bevor die Vielzahl dieser nicht handlungsrelevanten Aspekte die Geschichte überfrachtet, wird das eigentlichen Thema wieder aufgenommen und der Wissenschaftsthriller um die Freisetzung gefährlicher Erreger im durch den Klimawandel tauenden Permafrost erweist sich als spannend und sehr gut recherchiert. Die wissenschaftlichen realen Hintergründe werden auch für Laien verständlich und anschaulich geschildert. Der Schreibstil der Autorinnen ist flüssig und angenehm zu lesen, die Zusammenarbeit der Mikrobiologin, Biochemikerin und Wissenschaftsautorin Susanne Thiele und der Schriftstellerin Kathrin Lange finde ich gut gelungen. Ich hatte keine Probleme, in diesen zweiten Band der Reihe um die Protagonisten Tom Morell und Nina Falkenberg einzusteigen, da Rückblenden zu 'Probe 12', dem ersten gemeinsamen Buch, mich mit notwendigen Informationen versorgt haben.

'Toxin' als gelungene Mischung aus informativem Wissenschaftsthriller und rasantem Actionkrimi mit einigen Wendungen und beeindruckendem Showdown schildert die Gefahren des tauenden Permafrosts sehr anschaulich, und das ist nur ein Aspekt der Klimaveränderung. Ein informatives Nachwort unter anderem um Kipppunkte unseres Klimas rundet den Roman ab.

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  • Spannung