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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2023

Abgrundtief

Einer von den Guten
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Im dritten Band um Ben Neven, Beamter der Wiesbadener Polizei, spitzt sich die Lage um ihn langsam zu, denn Ben hat eine Neigung, die nicht ans Licht kommen darf. Verheiratet und Vater einer Tochter, mit ...

Im dritten Band um Ben Neven, Beamter der Wiesbadener Polizei, spitzt sich die Lage um ihn langsam zu, denn Ben hat eine Neigung, die nicht ans Licht kommen darf. Verheiratet und Vater einer Tochter, mit einem anspruchsvollen Job, sollte man doch glauben, dass alles in geregelten Bahnen läuft, aber weit gefehlt. Seine sexuelle Vorliebe wird ihm immer mehr zum Verhängnis und die Abgründe die sich für Ben dabei auftun werden stetig dunkler und tiefer.

Der Autor schafft es auch im 3. Teil unaufgeregt, aber auf eindringliche Art seiner Hauptfigur Ecken und Kanten zu verpassen, bei denen sich der Leser zwangsläufig fragt: „Ist Ben wirklich noch einer von den Guten?“
Mit seinem ganz eigenen, schon sehr besonderen Schreib- und Erzählstil schafft es Jan Costin Wagner mich in die Welt seines Protagonisten hineinzuziehen, die der sich immer wieder schönredet. Einerseits sieht man den liebevollen Familienmenschen und den Polizisten, der gute Arbeit leistet, aber andererseits hat man auch die Person mit dieser abartigen Neigung vor Augen. Immer wenn ich dann bei diesen Passagen bin, möchte ich am liebsten das Buch zuklappen. Aber der Autor erzählt hier so nüchtern und schon fast kühl über einen Zwiespalt, dass ich doch am Ausgang der Geschichte interessiert bin. Wie dieser allerdings ist, verrate ich hier nicht.

Fazit: Auch Teil 3 ist wieder kein typischer Krimi, aber ein Buch mit einer kriminellen Handlung. Die Charakterisierung der Hauptfiguren und der schon beherrschte Umgang mit der unnatürlichen Verhaltensweise gepaart mit dem so typischen Wagner Erzählstil, machen dieses Buch für mich zu einem Lesehighlight. Und deshalb gibt es von mit auch volle 5 Lesesterne.

Veröffentlicht am 11.08.2023

Stürmischer 2. Fall für Lilly Hed

Im Sturm
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Lilly Hed ermittelt diesmal gemeinsam mit ihrer guten Freundin Liv Kaspri, mit der sie einst die Polizeischule absolvierte. Gemeinsam sollen sie in einem entlegenen Städtchen die Todesumstände eines alten ...

Lilly Hed ermittelt diesmal gemeinsam mit ihrer guten Freundin Liv Kaspri, mit der sie einst die Polizeischule absolvierte. Gemeinsam sollen sie in einem entlegenen Städtchen die Todesumstände eines alten Mannes klären. So weit so gut. Doch kaum vor Ort fegt ein Sturm über das Gebiet und schneidet alle von der Außenwelt ab. Jetzt ist Initiative und Durchhaltevermögen gefragt, denn auf herkömmliche Hilfsmittel, wie sonst üblich bei Ermittlungen, wie Handy oder Computer, können sie diesmal nicht zurückgreifen. So werden die Ermittlungen zu einer waren Geduldsprobe und auch die Wetterunbilden tun ihr übriges, um die beiden an ihre Limits zu bringen.

Wie schon in Teil 1 „Im Feuer“ verbindet Pernilla Ericson auch hier die durchdachte und spannend erzählte Krimihandlung mit den Auswirkungen der klimatischen Veränderungen auf Natur und Mensch. Da es nicht bei einem Mord bleibt, kommen die beiden Ermittlerinnen mehr und mehr in Zugzwang, doch ihre Hartnäckigkeit und Kombinationsgaben bringen sie Stück für Stück dem Motiv und Täter näher. Eine tragische Geschichte aus der Vergangenheit, die nun gesühnt wird, ist der Auslöser all dieser Morde. An dieser Stelle muss ich gestehen, war ich vom Ausgang des Falles überrascht, denn mit dieser Auflösung hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Neben der spannenden Krimihandlung bekommt Lilly wieder etwas mehr Profil und auch über Liv erfährt man einiges Privates, so dass durch die Charakterisierungen, auch der Nebenfiguren, ein ausgewogener Krimi entstanden ist.

Fazit: Auch Teil 2 der Lilly Hed Reihe konnte mich wieder in seinen Bann ziehen. Schreib- und Erzählstil sind flüssig und mitreißend, die einzelnen Figuren wirken authentisch und, was am wichtigsten ist, die Krimihandlung ist durchdacht, nachvollziehbar und fesselnd. Ich kann „Im Sturm“ absolut weiterempfehlen und vergebe gern 5 von 5 Lesesterne.

Veröffentlicht am 06.08.2023

Ein heikles Thema hervorragend umgesetzt

Am roten Strand
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„Am roten Strand“ ist der 2. Einsatz für Ben Neven und Christian Sandner und schließt wirklich nahtlos an den Band „Sommer bei Nacht“ an. Deshalb empfehle ich an dieser Stelle den ersten Teil vorab gelesen ...

„Am roten Strand“ ist der 2. Einsatz für Ben Neven und Christian Sandner und schließt wirklich nahtlos an den Band „Sommer bei Nacht“ an. Deshalb empfehle ich an dieser Stelle den ersten Teil vorab gelesen zu haben. Das erleichtert doch das Verständnis der Umstände die hier erzählt werden um ein Vielfaches.

Im ersten Teil konnten die beiden Ermittler die Entführung eines kleinen Jungen aufklären und kamen dabei einem Pädophilenring auf die Spur. Geendet hat dies mit einem erschossenen Mittäter und einem Hauptverdächtigen in Untersuchungshaft. Nun heißt es für Neven und Sandner weitere Männer aus dieser Szene zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen. Doch dann geschehen weitere Morde und die beiden Ermittler müssen sich fragen werden die Opfer von einst nun zu Tätern?

Wie schon im vorangegangenen Band gibt es auch hier wieder kurze Kapitel bei denen jeweils die Perspektive wechselt. Das schafft Dringlichkeit und Spannung und lässt einen so schnell nicht das Buch aus der Hand legen. Aber was wohl den meisten Lesern ein Wechselbad der Gefühle bescheren dürfte ist der Zwiespalt des einen Ermittlers, der einerseits die Pädophilen jagt und andererseits selbst nicht frei von schändlichen Aktivitäten ist. An diesem Punkt der Geschichte schafft es der Autor allerdings ohne Effekthascherei das diffizile Thema überzeugend zu erzählen und mit einem erschütternden Schluss zu enden.

Fazit: Dieses Buch ist keine leichte Kost. Der Autor hat hier Kindesmissbrauch in all seinen Facetten und mit all seinen Konsequenzen für Täter und Opfer zum Thema gemacht, welches wohl so manchen Leser nachdenklich aber vielleicht auch ratlos zurücklassen wird. Bei mir jedenfalls hat das Buch noch lange nachgewirkt. Ich kann dieses Buch absolut empfehlen, verweise aber gern noch mal darauf den ersten Teil gelesen zu haben, und vergebe volle 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.08.2023

Aufwühlend, spannend, herzergreifend

Von hier bis zum Anfang
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Der neueste Roman von Chris Whitaker ist ein brillanter, intensiver und wunderschön geschriebener Roman über die kämpferische 13-jährige Duchess, der das Leben übel mitspielt, die aber ihren Lebensmut ...

Der neueste Roman von Chris Whitaker ist ein brillanter, intensiver und wunderschön geschriebener Roman über die kämpferische 13-jährige Duchess, der das Leben übel mitspielt, die aber ihren Lebensmut nie verliert und sich den Widrigkeiten stellt.
Whitakers knallharte Erzählung handelt von gebrochenen Menschen, von Liebe, Verlust, Hingabe, Geheimnissen, Familie, Bedauern, Rache und Vergeltung und ist herzergreifend. Er erzählt von der Suche nach Absolution und Erlösung und von der Unmöglichkeit, jemanden zu retten, der nicht gerettet werden will. Die einzelnen Figuren, allen voran Duchess, sind unglaublich gut charakterisiert, und ich habe mit jeder einzelnen mitgefühlt. Dieser Roman ist nicht nur ein Familiendrama, er mutet teils wie ein Krimi an und ist aber auch ein Buch über das Erwachsenwerden. Die Beschreibungen der Kleinstadtatmosphäre war wunderbar anschaulich und ließen die Schauplätze vor meinem inneren Auge förmlich Gestalt annehmen.
Fazit: „Von hier bis zum Anfang“ ist ein ergreifender Roman, der eine Sogwirkung entwickelt und einen nicht mehr loslässt. Ich bin total überwältigt. Ich kann diesen Roman absolut weiterempfehlen und vergebe 5 von 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.06.2023

Sehr gelungener Serienauftakt

Sommer bei Nacht
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In diesem Roman, der neuen Reihe von Jan Costin Wagner, treten die beiden Ermittler Ben Neven und Christian Sandner zum ersten Mal ihren Dienst an. Und der Fall den es zu lösen gilt ist alles andere als ...

In diesem Roman, der neuen Reihe von Jan Costin Wagner, treten die beiden Ermittler Ben Neven und Christian Sandner zum ersten Mal ihren Dienst an. Und der Fall den es zu lösen gilt ist alles andere als ein Selbstläufer. Ein kleiner Junge, Jannis, wird vermisst, Eile ist also geboten. Doch eine sofort eingeleitet Suche bleibt ergebnislos, so dass es nun für Neven, Sandner und ihr Team heißt, sich in die Materie einzugraben. Ihre Suche führt sie dabei von Wiesbaden über Frankfurt, Berlin, und Rosenheim bis nach Salzburg und wird sie bis an ihre Grenzen bringen.

Ganz allmählich entfaltet der Autor Jan Costin Wagner hier das Psychogramm einer Tat, bei der Kindesentführung und -missbrauch das Thema sind. Erzählt wird aus immer wieder wechselnder Perspektive, so dass der Leser stets über das Seelenleben der mit dem Fall verbundenen Figuren – Opfer, Täter, Ermittler, Familien – aber auch über den Fortgang der Ermittlungen im Bilde ist. Der Schreib- und Erzählstil ist dabei anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, beschränkt sich der Autor doch auf die wesentlichsten Worte. Aber hatte ich erst einmal meinen Lesefluss gefunden, konnte ich von dem Buch auch nicht mehr lassen. Die dunkle und kalte Atmosphäre, die man ja sonst nur aus seinen skandinavischen Krimis kennt, kommt hier, passend zum Thema, sehr gut zum tragen, und stellt einen weiteren Pluspunkt dieses Romans dar.

Mein Fazit: „Sommer bei Nacht“ ist ein in allen Teilen – Handlung, Figuren, Atmosphäre, Schreib- und Erzählstil – ein sehr gelungener Serienauftakt. Das Ende dieses Bandes gibt eigentlich eine interessante Ausgangslage für einen nächsten Band vor. Hier bin ich mal gespannt, ob und wie Jan Costin Wagner seine Ermittler weiter agieren lassen wird. Aber bis dahin bewerte ich diesen Roman mit vollen 5 Sternen und empfehle: UNBEDINGT Hören.