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Veröffentlicht am 05.07.2025

Zwei nautische Erzählungen

Die Flaschenpost. Erzählungen
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In „Die Flaschenpost“ sind zwei nautische Erzählungen von Edgar Allan Poe versammelt. Den Auftakt bildet die titelgebende Erzählung, in der sich ein namenloser Ich-Erzähler nach einem Schiffbruch auf einem ...

In „Die Flaschenpost“ sind zwei nautische Erzählungen von Edgar Allan Poe versammelt. Den Auftakt bildet die titelgebende Erzählung, in der sich ein namenloser Ich-Erzähler nach einem Schiffbruch auf einem mysteriösen Schiff wiederfindet. Spannung entsteht hier einerseits durch die Unwissenheit des Ich-Erzählers (der, wie das Nachwort schön herausarbeitet, auch als unzuverlässiger Erzähler gelten kann) über die Vorgänge auf dem Schiff, andererseits durch die latent gruselige Stimmung, die auf dem Schiff herrscht. Perfekt ist hier auch das Ende. Die zweite Erzählung ist „Hinab in den Maelstrom“. Ein namenloser, ich-erzählender Wissenschaftler lässt sich hier von einem Seemann, der in den Maelstrom geriet, dessen Erlebnisse schildern. Diese Erzählung lebt insbesondere von den anschaulichen Beschreibungen des Seemannes, der die Schrecken des Maelstroms lebendig darstellt. Auch hier entsteht eine schaurige Atmosphäre, die mit dem Unbekannten der Tiefe spielt. Abgeschlossen wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein Nachwort, das kurz in die Entstehungsgeschichten der beiden Erzählungen eintaucht.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Ein flüssig zu lesender Coming of Age-Roman mit interessanter Erzählstimme

Für Polina
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Inhalt: Hannes Prager wächst in einer im Verfall begriffenen Villa auf. Dort kümmert sich seine Mutter – gemeinsam mit ihrem kauzigen Vorgesetzten, der immer mehr zu Hannes Ersatzgroßvater wird – um das ...

Inhalt: Hannes Prager wächst in einer im Verfall begriffenen Villa auf. Dort kümmert sich seine Mutter – gemeinsam mit ihrem kauzigen Vorgesetzten, der immer mehr zu Hannes Ersatzgroßvater wird – um das Moor, das die Villa umgibt. Hannes ist eher still; hat abgesehen von seiner Mutter und dem Ersatzgroßvater kaum soziale Kontakte. Seine Freizeit verbringt er hauptsächlich mit dem Klavierspielen. Zwar kann er keine Noten, doch gelingt es ihm, Melodien zu komponieren, die die Zuhörenden in ihrem Wesen berühren. Daneben ist häufig die beste Freundin seiner Mutter mit ihrer Tochter Polina vor Ort, die Hannes schon sein ganzes Leben kennt. Doch je älter er wird, desto deutlicher erkennt er, dass er mehr für Polina empfindet als Freundschaf.

Persönliche Meinung: „Für Polina“ ist ein Coming of Age-Roman von Takis Würger. Erzählt wird die Handlung von einem auktorialen Erzähler, der das Leben Hannes darlegt. Die auftretenden Figuren sind allesamt verschroben und mit ihren Eigenheiten etwas überspitzt gezeichnet, was mir sehr gut gefallen hat, da so eine schöne Prise Humor in die Handlung kommt. Um nur einige Beispiel zu nennen: Hildebrand, der Ersatzgroßvater ist, kauzig und menschenfremd, hat aber sein Herz auf dem rechten Fleck, Polina ist recht forsch und besitzt eine Obsession für orientalische Teppiche, Hannes kann sich eigentlich nur durch seine Melodien adäquat ausdrücken, vor Menschenmassen zu spielen, ist ihm eine Qual. Die Handlung selbst besitzt typische Elemente vom Coming of Age: die erste Liebe, Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen, Abgrenzung von der Elterngeneration, Umgang mit Tod sowie das Finden des Platzes in der Gesellschaft. Dementsprechend ist „Für Polina“ eine Achterbahnfahrt der Gefühle, in der sich tragische und leichte Szenen häufig wechseln. Erzählt wird die Handlung in einem leicht spöttelnden Ton, der aber keineswegs negativ bzw. defizitorientiert ist: Die Eigenarten der Figuren werden liebevoll, mit Ironie herausgearbeitet. Insgesamt ist „Für Polina“ ein flüssig zu lesender Coming of Age-Roman mit ungewöhnlichen Figuren und einer humoresken Erzählstimme.

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Veröffentlicht am 02.08.2024

Ein gelungener zweiter Band

Nebel über Rønne
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Inhalt: Bornholm. Eine kleine Privatmaschine landet auf dem Flughafen von Rønne. Eigentlich ein Routinevorgang: Der Pilot ist ein Vielflieger, der das Landemanöver kurz zuvor den Abläufen entsprechend ...

Inhalt: Bornholm. Eine kleine Privatmaschine landet auf dem Flughafen von Rønne. Eigentlich ein Routinevorgang: Der Pilot ist ein Vielflieger, der das Landemanöver kurz zuvor den Abläufen entsprechend angekündigt hat. Doch als das Flugzeug gelandet ist, bleiben die Türen verschlossen, auf Funksprüche kommt keine Antwort mehr. Als das Flugzeug geöffnet wird, sind alle drei Insassen tot. Für Lennart Ipsen beginnt ein neuer, vertrackter Fall. Denn: Jeder der Insassen trug ein Geheimnis mit sich…

Persönliche Meinung: „Nebel über Rønne“ ist ein Kriminalroman von Michael Kobr, der auf der dänischen Urlaubsinsel Bornholm spielt. Es handelt sich um den zweiten Band der Reihe um den Kriminalpolizisten Lennart Ipsen (da die Handlung des Krimis in sich abgeschlossen ist, kann er auch ohne Kenntnis des Vorgängers gelesen werden). Erzählt wird die Handlung aus der personalen Perspektive von Lennart, der mittlerweile im Inselleben angekommen ist. Die Handlung selbst besitzt eine schöne Spannungskurve. Einerseits beginnt sie durch die sekundenschnelle Ermordung im Landeanflug sehr rätselhaft, andererseits haben alle drei Passagiere (mehr oder weniger großen) „Dreck am Stecken“, sodass man nicht sicher sagen kann, wem der Mordanschlag tatsächlich galt (dementsprechend finden sich auch mehrere potentielle Verdächtige). Neben dem eigentlichen Fall spielt auch erneut das Leben auf Bornholm eine große Rolle innerhalb des Romans: So wird neben dem Privatleben Lennarts (die Liebe, das Verhalten seiner pubertierenden Töchter und ein Besuch seines liebevollen, aber auch fordernden Vaters auf der Insel) auch ein kleines Sightseeing auf der Insel unternommen (einige Sehenswürdigkeiten der Insel sind Handlungsorte des Krimis). Bornholm wird dabei atmosphärisch dicht beschrieben, sodass während der Lektüre ein angenehmes Urlaubsfeeling aufkommt. Der Schreibstil von Michael Kobr ist angenehm, humorvoll und sehr flüssig zu lesen, sodass man wirklich durch den Roman fliegt (no pun intended). Insgesamt ist „Nebel über Rønne“ ein spannender Kriminalroman, in dem – trotz der Morde – ein schöner Urlaubsflair aufkommt.

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Veröffentlicht am 14.09.2023

Ein spannender und wendungsreicher High Fantasy-Roman

Wolfszeit
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Inhalt: Der Krieg, ausgehend von den Drei Herrinnen, wirft seine Schatten über das Königreich. Während Kaya mit Mitgliedern ihres Stammes in den Krieg zieht, bricht ihr Partner Haku in den schneereichen ...

Inhalt: Der Krieg, ausgehend von den Drei Herrinnen, wirft seine Schatten über das Königreich. Während Kaya mit Mitgliedern ihres Stammes in den Krieg zieht, bricht ihr Partner Haku in den schneereichen Norden auf: Seine Totemtiere, die Wölfe, haben ihm den Auftrag gegeben, eine einsam gelegene magische Stadt aufzusuchen. Zugleich begeben sich die Elfe Elais, der ehemalige Ordenskrieger Tkemen und Thea, die Anführerin der Diebesgilde, auf die Suche nach den sagenumwobenen schwarzen Steinen – jene Steine, aus denen die Drei Herrinnen ihre Macht ziehen.

Persönliche Meinung: „Wolfszeit – Die Schwarze Stadt“ ist ein High Fantasy-Roman von Bjela Schwenk. Es handelt sich um den dritten Band der „Wolfszeit“-Reihe. Da die Kernhandlung von „Die Schwarze Stadt“ nicht direkt auf die ersten beiden Bände aufbaut, lässt sich der dritte Band auch ohne Kenntnis der Vorgänger lesen (Ich habe die Vorgänger (noch) nicht gelesen. Anfangs brauchte ich ein bisschen, um mich zu orientieren, konnte mich dann aber gut in der Handlung von „Die Schwarze Stadt“ zurechtfinden). „Die Schwarze Stadt“ wird wechselweise aus verschiedenen personalen Perspektiven in mehreren Handlungssträngen (die jeweiligen im Inhaltsteaser benannten Aufgaben/Missionen der Hauptfiguren) erzählt. Durch die Perspektivwechsel entsteht insgesamt ein schönes Erzähltempo; für Spannung sorgt, dass die Kapitel mit Cliffhangern enden, wodurch man unbedingt weiterlesen möchte. Zur Handlung will ich ansonsten gar nicht zu viel spoilern. Nur: Sie ist wendungsreich und – in Bezug auf Handlungsort(e), Inhalt(e) sowie die Gefühls- und Gedankenwelten der handelnden Figuren – sehr abwechslungsreich und vielfältig. „Die Schwarze Stadt“ endet mit mehreren Cliffhangern, die neugierig auf den bereits erschienenen vierten Band machen. Der Schreibstil von Bjela Schwenk lässt sich sehr flüssig lesen und ist bildreich, sodass während der Lektüre ein detailliertes Kopfkino entsteht, durch das man sich zügig in die jeweiligen Szenerien einfinden kann. Insgesamt ist „Die Schwarze Stadt“ ein spannender sowie wendungsreicher High Fantasy-Roman mit lebendig ausgestalteten Figuren.

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Veröffentlicht am 24.01.2023

Ein schöner Roman über das Erwachsenwerden, die Musik und die Freundschaft

Alive!
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Inhalt: Anfang der 90er Jahre, irgendwo in der südbadischen Provinz. Ritchie hat gerade sein Abi gemacht, ist jetzt im Zivildienst, weiß aber noch nicht genau, wie es danach weitergehen soll. In seiner ...

Inhalt: Anfang der 90er Jahre, irgendwo in der südbadischen Provinz. Ritchie hat gerade sein Abi gemacht, ist jetzt im Zivildienst, weiß aber noch nicht genau, wie es danach weitergehen soll. In seiner Freizeit investiert er jede Minute in seine größte Leidenschaft: die Musik. So tingelt er mit einer Hard-Rock-Coverband, in der er gemeinsam mit ein paar Freunden spielt, von Dorffest zu Dorffest. Als Ritchie sich nach einiger Zeit doch zu einem Studium in Freiburg aufraffen kann, hört er zum ersten Mal den Grunge, eine neue Musikrichtung, mit der ein ungeahntes Lebensgefühl einhergeht – eine Entdeckung, die nicht folgenlos für die Coverband sein wird.

Persönliche Meinung: „Alive!“ ist ein Coming of Age-Roman von Marc Hofmann. Erzählt wird der Roman aus der Ich-Perspektive von Ritchie, der mit allerlei Problemen des Erwachsenwerdens konfrontiert ist: Seine Eltern nehmen ihn nicht wirklich ernst, er weiß nicht, wohin mit seinen Gefühlen, seit Beginn des Studiums kriseln seine alten Freundschaften und auf die Frage, was er wirklich in der Zukunft machen möchte, hat er noch keine Antwort. Verstärkt werden diese Problemlagen durch seinen Umzug nach Freiburg: Vor dem Hintergrund des neuen Lebensgefühls, das er in der Stadt kennenlernt, erscheint ihm seine Heimat immer mehr als verkrustet und vorgestrig. Alle diese Konflikte werden innerhalb der Handlung glaubhaft, realitätsnah und lebendig geschildert. Neben dem Coming of Age nimmt die Musik eine große Rolle in „Alive!“ ein: Gemeinsam mit Ritchie spielen wir auf (mal mehr, mal weniger) erfolgreichen Konzerten, entdecken Pearl Jam und Nirvana, erleben die Querelen innerhalb einer Band, komponieren Riffs und schreiben Songs und lernen nicht zuletzt die Fallstricke der Musikindustrie kennen. Erzählt wird dies authentisch und mit einer rauschhaften Intensität. Generell ist „Alive!“ sehr eingängig und lässt sich flüssig lesen – besonders, weil es immer mit einer Prise Humor gewürzt ist. Insgesamt ist „Alive!“ ein Roman, an dem sowohl Coming of Age-Fans als auch Musikliebhaber ihre Freude haben werden.

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