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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.11.2023

ein gefährliches Thema

Küstenmord: Kein Wort zu viel
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Ein spannender Kriminalroman, der ein brisantes Thema anspricht, die Ausbeutung von osteuropäischen Frauen am heimischen Arbeitsmarkt. Erst muss ein Unglück geschehen und eine Frau tot aufgefunden werden, ...

Ein spannender Kriminalroman, der ein brisantes Thema anspricht, die Ausbeutung von osteuropäischen Frauen am heimischen Arbeitsmarkt. Erst muss ein Unglück geschehen und eine Frau tot aufgefunden werden, bis jemand reagiert. Der Fall beschäftigt auch noch im Nachhinein, denn zwar konnten Katja und Daniel den Mordfall lösen, allerdings bleiben die schlechten Arbeitsbedingungen und die desolaten Wohnverhältnisse sowie die Unterdrückung und Ausbeutung der ausländischen Mitarbeiterinnen weiterhin bestehen und schon bald schaut niemand mehr hin, bis das nächste Unglück geschieht. Weder die Ermittlerinnen haben die Ressourcen, um sich näher damit zu beschäftigen und auch die Journalistinnen stehen gewissen Barrieren hilflos gegenüber oder haben nicht den Mut sich selbst in Gefahr zu bringen.
Der Kriminalroman lebt einerseits aufgrund der aktuellen Handlungsgeschichte und auf der anderen Seite durch die authentischen Ermittler
innen. Das gesamte Team wird mit Stärken und Schwächen beschrieben, die sie sympathisch machen, allen voran Daniel und Katja. Daniel beginnt sich mit seinem Liebesleben auseinanderzusetzen und versucht herauszufinden, was für ihn passt, nicht was die Gesellschaft oder was seine Familie ihm vorschreiben, das finde ich gut.
Ich würde sehr gerne den nächsten Fall lesen und hoffe, Katja darf ihren Hund mit in die Dienststelle bringen, wäre bestimmt für alle eine Bereicherung und manchmal eine emotionale Deeskalation.

Veröffentlicht am 26.10.2023

alle lügen

Rotkäppchen lügt
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Der erste Teil der Trilogie hat es in sich. Der Thriller lässt sich aufgrund der kurzen und abwechslungsreichen Kapitel zügig lesen und die Geschichte entwickelt sich langsam zu einem Gesamtbild. Am Anfang ...

Der erste Teil der Trilogie hat es in sich. Der Thriller lässt sich aufgrund der kurzen und abwechslungsreichen Kapitel zügig lesen und die Geschichte entwickelt sich langsam zu einem Gesamtbild. Am Anfang hat man viele mögliche Zugänge und als Leserin absolut keinen Plan in welche Richtung die Reise geht, das mag ich persönlich sehr gerne und am Ende hat man zumindest einen Teilzusammenhang hergestellt, allerdings werden im ersten Teil nicht alle losen Fäden zusammengeführt und nicht alle Geschehnisse aufgeklärt. Der Thriller ist blutrünstig, es werden einige brutale Morde begangen und auch ausführlich, mit sämtlichen Details, geschildert.
Es sind einige interessante Charaktere im Spiel. Mir gefällt Nora als Charakter sehr gut, obwohl sie ihren Mitmenschen gegenüber eine distanzierte Art hat, die ihre Kolleg
innen eher von ihr fernhält. Wenn sie sich in einen Vorfall oder eine Sache verbissen hat, lässt sie sich nicht davon abbringen und auch nicht einschüchtern und sie kombiniert sehr gut, oft schneller als andere. Manja finde ich als Charakter noch immer undurchschaubar und ich bin mir nicht sicher, auf welcher Seite sie steht. Auf der einen Seite hat sie eine gute Aufklärungsrate, aber auf der anderen Seite wirkt sie auch erpressbar und hat sich mit dubiosen Leuten eingelassen. Ich bin gespannt, ob sie sich im nächsten Teil noch klarer positioniert.
Das Ende des Buches lässt mich etwas ratlos zurück. Ich hätte mit der Person als Täter*in nicht gerechnet, bin aber jetzt aufgrund des Cliffhangers schon sehr gespannt, welche Geheimnisse im zweiten Teil gelöst werden. Da ich offene Enden nicht mag, ist es für mich eine Motivation, mir schnell den nächsten Teil zu besorgen.

Veröffentlicht am 24.10.2023

nützlich in allen Lebenslagen

Good Inside - Das Gute sehen
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Das Cover ist fröhlich und bunt gestaltet, es fällt auf und symbolisiert das Miteinander. Die Autorin vermittelt ihre Aussagen so, dass sie für eine breite Zielgruppe leicht verständlich sind und sich ...

Das Cover ist fröhlich und bunt gestaltet, es fällt auf und symbolisiert das Miteinander. Die Autorin vermittelt ihre Aussagen so, dass sie für eine breite Zielgruppe leicht verständlich sind und sich jede*r in den vorgestellten Situationen wiedererkennt. Ich finde es toll, dass es praxisnah und alltagstauglich geschrieben ist, nicht nur theorielastig ohne konkrete Handlungsansätze. Die wichtigste Message ist es, das Gute zu sehen und auch in schwierigen Situationen nicht aus den Augen verlieren. Mir gefällt auch der Ansatz, dass wir zuerst herausfinden müssen, was eigentlich dahinter steckt. Ein bedeutender Schritt ist schon getan, wenn man sich dessen bewusst ist und eine Veränderung anstrebt. Kinder wollen verstanden werden und je nach Alter oder Gefühlslage können sie sich besser oder schlechter artikulieren.
Es gibt natürlich keine allgemeingültigen Rezepte und Regeln, wie man sich in bestimmten Situationen verhalten sollte und welches Ergebnis dann dabei herauskommen wird, wie immer, wenn man mit Menschen arbeitet, aber einige interessante Denkanstöße sind dabei, die man sich verinnerlichen und bei Gelegenheit ausprobieren kann. Auch kleine Schritte und Erfolge verhelfen zu einem glücklicheren Miteinander, nicht nur in der Eltern-Kind-Beziehung, sondern auch in allen Lebenslagen. Selbstreflexion sollte uns dabei ständig begleiten und dies auf ehrliche Weise, auch wenn uns etwas nicht so gut gelungen ist, dazu stehen und daran arbeiten, wie man es beim nächsten Mal anders und vielleicht besser hinbekommen könnte.

Veröffentlicht am 23.10.2023

länderübergreifende, komplexe Ermittlungen

Wisting und die Tote am Wegesrand
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Der Kriminalroman punktet mit ruhigen Worten, langsamen Ermittlungsschritten und unblutigen Ereignissen, dafür aber mit menschlichen Ermittlerinnen, die den Betroffenen zuhören, sie ernst nehmen. Mir gefällt ...

Der Kriminalroman punktet mit ruhigen Worten, langsamen Ermittlungsschritten und unblutigen Ereignissen, dafür aber mit menschlichen Ermittlerinnen, die den Betroffenen zuhören, sie ernst nehmen. Mir gefällt die ruhige, unaufgeregte Art von Kommissar Wisting und auch seine neue Kollegin bekommt die Chance, ihr Können zu zeigen. Der aktuelle Ermittlungsfall hängt mit mehreren älteren, ungeklärten Mordfällen an jungen Damen zusammen und Schritt für Schritt erkennt man auch als Leserin die Richtung, in die die Ermittlungen führen. Interessant finde ich, dass diesmal moderne Aspekte eingebaut wurden, wie das Onlineportal der Forschungsgruppe von unterschiedlichsten Nutzer*innen, die auf eigene Faust versuchen, Vermisstenfälle und Todesfälle zu klären. Für Wisting ist diese Art der Arbeit neu, aber er fügt sich recht schnell ein und seine Tochter Line, die als Journalistin arbeitet, kann es sich nicht nehmen lassen, und schleust sich selbst in die Forumsgruppe ein. Leider hatte sie diesmal nicht die Möglichkeit, den Fall selbst zu lösen, aber ihr Interesse wurde sichtlich geweckt und sie wird sich auch weiterhin aktiv engagieren. Spannend auch, dass der Fall länderübergreifend bearbeitet wird, mit all den üblichen Barrieren, die entstehen können.

Veröffentlicht am 23.10.2023

interessante Sichtweisen und Interpretation von Bibelstellen

Gott ist Feministin
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Die Theologin spricht aktuelle Themen an, bringt sie in Zusammenhang mit Bibelzitaten und religiösen Liedern, aber nicht auf trockene Art oder mit erhobenem Zeigefinger, sondern völlig wertfrei und teilweise ...

Die Theologin spricht aktuelle Themen an, bringt sie in Zusammenhang mit Bibelzitaten und religiösen Liedern, aber nicht auf trockene Art oder mit erhobenem Zeigefinger, sondern völlig wertfrei und teilweise mit der richtigen Portion Selbstironie und Humor. Inhaltlich ist das Buch in acht Kapitel gegliedert zu den unterschiedlichsten Themenbereichen, wobei mir zwei Kapitel besonders gut gefallen haben: „Schlampen wie wir“ und „Die Pastorin und das LVSTPRINZIP“, in dem sie über ihre Arbeitsbeziehung und Freundschaft zu Theresa Lachner, die einen Sexblog und Podcast erfolgreich führt. Im ersten der genannten Kapitel berichtet die Autorin von ihrer Erfahrung der Schuldzuschreibung in einem Priesterinnenseminar, bei dem sie von einem jungen Paar erzählt, dass ungewollt schwanger wurde und ein Gespräch mit ihr gesucht hat und die Schuldzuschreibung durch andere Seminarteilnehmerinnen auf sie als Pastorin, da sie die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruches nicht von vorneherein kategorisch abgelehnt und dem Paar davon abgeraten hat. Gerade durch solche Schlüsselerlebnisse kann man sich selbst aber auch wiederum viel authentischer in die Situation von Hilfesuchenden hineinversetzen und mitfühlender agieren.
Zusätzlich gibt sie auch Einblicke in ihre Kindheit, wie es für sie war, mit einer berufstätigen und sehr religiösen Mutter aufzuwachsen, die im Vergleich zu anderen Müttern manchmal liberaler, manchmal strenger wahrgenommen wurde. Was haben diese Erfahrungen aus der Kindheit sie bis heute geprägt? Zudem erzählt sie, mit welchen Vorurteilen sie selbst täglich konfrontiert wird, als Frau, als Pastorin, die sich weltoffen zeigt, oder auch wenn sie neue Mitmenschen kennen lernt oder eine Beziehung eingeht. Das Buch gibt einen sehr guten Querschnitt über einige fast schon (Tabu-) Themenbereiche -ich hätte gerne noch ein paar weitere Kapitel gelesen.