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Veröffentlicht am 27.07.2023

Ein fesselnder Reihenanfang mit faszinierenden Charakteren

Refugium
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"Refugium" von John Ajvide Lindqvist ist ein gelungener Reihenanfang, der mich von Anfang bis Ende in seinen Bann gezogen hat. Besonders die beiden Hauptcharaktere, Kim und Julia, haben mich durch ihre ...

"Refugium" von John Ajvide Lindqvist ist ein gelungener Reihenanfang, der mich von Anfang bis Ende in seinen Bann gezogen hat. Besonders die beiden Hauptcharaktere, Kim und Julia, haben mich durch ihre faszinierenden Eigenschaften und ihre Ermittlungsarbeit begeistert.

Kim und Julia sind ein ungewöhnliches Ermittlerduo, das auf eigene Faust in einem mysteriösen Fall ermittelt, den sie als Zeugen miterlebt haben. Ihre verschiedenen Fähigkeiten ergänzen sich perfekt: Julias schriftstellerische Tätigkeit bringt eine kreative und analytische Herangehensweise mit sich, während Kims Hackertätigkeiten für technische Unterstützung sorgen. Außerdem sind Julias Erfahrungen bei der Polizei von großer Hilfe.

Der Schreibstil des Autors ist packend und atmosphärisch. Er versteht es, eine düstere und geheimnisvolle Stimmung zu erzeugen, die mich als Leser in die Geschichte hineingezogen hat. Die Spannung bleibt konstant hoch, und es gab immer wieder überraschende Wendungen, die mich neugierig auf den weiteren Verlauf der Reihe gemacht haben.

Obwohl "Refugium" ein gelungener Reihenanfang ist, gab es einige Momente, in denen ich mir etwas mehr Hintergrundinformationen und Tiefe bei einigen Nebencharakteren gewünscht hätte. Die Welt, die der Autor geschaffen hat, hat definitiv Potenzial für weitere Entwicklungen, und ich hoffe, dass dies in den folgenden Bänden noch mehr ausgekostet wird. Mich würde zum Beispiel interessieren, wie es dazu gekommen ist, dass Julia die Millenium Trilogie fortsetzen soll und auch mehr Details zu Kims Vergangenheit wären wünschenswert.

Insgesamt ist "Refugium" von John Ajvide Lindqvist ein fesselnder Reihenanfang mit faszinierenden Charakteren. Die Kombination aus Ermittlungsarbeit, schriftstellerischer Tätigkeit und Hackerfähigkeiten macht das Buch zu einem spannenden und abwechslungsreichen Leseerlebnis. Für Fans von nordischen Thrillern ist dieses Buch definitiv eine Empfehlung wert. Vier Sterne!

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Veröffentlicht am 01.01.2024

Super guter Anfang, aber schwacher zweiter Teil

Endling
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"Endling" von Jasmin Schreiber entführt die Leser:innen in eine faszinierende dystopische Welt, die durch ihre Realitätsnähe und Innovation beeindruckt. Die Wahl der Protagonistin als Entomologin verleiht ...

"Endling" von Jasmin Schreiber entführt die Leser:innen in eine faszinierende dystopische Welt, die durch ihre Realitätsnähe und Innovation beeindruckt. Die Wahl der Protagonistin als Entomologin verleiht dem Roman eine interessante und frische Perspektive, die auch noch sehr informativ ist.

Die Welt, die Jasmin Schreiber geschaffen hat, hat mich von Anfang an gefesselt. Die Beschreibungen der Insektenwelt durch die Augen der Protagonistin haben selbst in mir ein Interesse an der Natur entfacht, das vorher nicht so vorhanden war. Dieser Aspekt verleiht dem Roman zweifelhaft eine besondere Note und hebt es von anderen Werken ab.

Leider wird der Roman dann schwächer, wenn die drei Protagonistinnen auf ihre Reise aufbrechen, um die Freundin der Tante zu finden. Ab diesem Punkt empfand ich sowohl Tante Auguste als auch Hanna eher als nervig. Die mystischen Begebenheiten auf ihrer Reise wirkte für mich als Leser nicht gut geklärt und passten nicht recht zum wissenschaftlich angehauchten Charakter der ersten Hälfte des Romans. Wissenschaftler hätten diese Rätsel doch lösen und belegen wollen?

Trotz dieser kleinen Kritikpunkte konnte ich mich jedoch mit der amüsanten Präsenz der Weinbergschnecke, dem Endling, erfreuen. Bereits auf dem Cover wird einem klar, dass sie eine ganz besondere Rolle spielen wird.

Besonders positiv möchte ich hervorheben, dass der Beruf der Protagonistin es ermöglichte, als Leser:in viel über die Insektenwelt zu lernen. Dieser Bildungsaspekt des Romans war für mich ein klarer Gewinn.

Leider hinterließ das Ende des Buches viele Fragen zur Welt, die die Autorin in 18 Jahren entworfen hatte. Dies ließ mich ein wenig unbefriedigt zurück, da ich mir gewünscht hätte, mehr Klarheit über die Hintergründe und Entwicklungen der Geschichte zu erhalten.

Insgesamt bietet "Endling" eine einzigartige und spannende Perspektive auf eine dystopische Welt, die durch ihre realistische Darstellung und die ungewöhnliche Hauptfigur besticht. Trotz einiger Schwächen im Verlauf der Handlung bleibt der Roman ein lesenswerter Beitrag zur Literatur.

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Veröffentlicht am 23.10.2023

interessantes Debut

All dies könnte anders sein
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"All dies könnte anders sein" von Sarah Thankam Mathews ist ein Roman, der mit seinem wunderschönen Cover und den vielen bunten Farben sofort ins Auge sticht. Dieses ästhetische Element allein verdient ...

"All dies könnte anders sein" von Sarah Thankam Mathews ist ein Roman, der mit seinem wunderschönen Cover und den vielen bunten Farben sofort ins Auge sticht. Dieses ästhetische Element allein verdient schon Lob, da es den Leser:innen ein Gefühl von Freude und Neugier vermittelt.

Die Geschichte dreht sich um die Protagonistin Sneha, die einen neuen Job anfängt und sich zahlreichen Herausforderungen stellen muss. Hier kommt jedoch der Knackpunkt: Obwohl die Handlung fesselnd ist, konnte ich mich nicht ganz mit Sneha anfreunden. Ihre Einstellungen und Handlungen waren mir nicht immer sympathisch, und das hat es mir schwer gemacht, mich vollständig in ihre Lage hineinzuversetzen.

Der Schreibstil von Sarah Thankam Mathews ist ansprechend und flüssig, und er vermag es, den Leser in die Welt von Sneha einzutauchen. Allerdings fand ich den Schreibstil an einigen Stellen etwas zu vulgär, was meinem persönlichen Geschmack nicht entsprach. Ein Beispiel hierfür befindet sich auf S. 21: "Ich blickte hinab auf ihre roten, wunden Lippen und spürte, wie meine Klit einen Satz machte."

Die Themen, die in diesem Buch behandelt werden, sind zweifellos aktuell und interessant. Sneha als Protagonistin ist sicherlich in dieser Hinsicht faszinierend, da sie queer und eine Person of Color ist. Diese Diversität in der Literatur ist erfrischend und wichtig.

Trotzdem muss ich zugeben, dass der Roman einige Längen hatte, die mein Lesevergnügen beeinträchtigt haben. Dennoch sehe ich "All dies könnte anders sein" als ein gelungenes Debüt, das mutige Themen anspricht und Raum für Diskussion bietet. Es mag zwar Aspekte geben, die mir nicht vollständig zusagen, aber insgesamt ist es ein Buch, das Aufmerksamkeit verdient und eine wichtige Stimme in der zeitgenössischen Literatur repräsentiert.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

distanzierte Charaktere

Ultramarin
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„Ultramarin“ ist ein Roman mit einer spannenden Grundidee und intensiven Themen – bei mir blieb das Leseerlebnis allerdings etwas auf Distanz.

Im Mittelpunkt steht Lou, der gemeinsam mit seinem charismatischen ...

„Ultramarin“ ist ein Roman mit einer spannenden Grundidee und intensiven Themen – bei mir blieb das Leseerlebnis allerdings etwas auf Distanz.

Im Mittelpunkt steht Lou, der gemeinsam mit seinem charismatischen Freund Raf den Sommer verbringt. Doch diesmal ist alles anders, denn auch Nora begleitet die beiden an die dänische Küste. In einem abgelegenen Ferienhaus zwischen Dünen und Meer verbringen sie scheinbar unbeschwerte Tage: baden, treiben lassen, kochen, rauchen. Doch unter dieser Oberfläche beginnen sich Spannungen aufzubauen. Beziehungen verschieben sich, Machtverhältnisse werden spürbar, und plötzlich steht die Frage im Raum, wer hier eigentlich wen braucht – oder manipuliert. Als Nora eines Tages spurlos verschwindet, kippt die Stimmung endgültig.

Thematisch fand ich das Buch durchaus interessant – gerade das Spiel mit Nähe, Abhängigkeit und Begehren hat viel Potenzial. Allerdings konnte mich der Schreibstil nicht ganz abholen. Er wirkt sehr nüchtern und teilweise fast distanziert, wodurch es mir schwerfiel, wirklich in die Geschichte einzutauchen oder eine emotionale Verbindung aufzubauen.

Auch mit den Figuren bin ich nicht richtig warm geworden. Keiner der Charaktere war für mich wirklich sympathisch oder greifbar, was das Mitfiebern erschwert hat. Dadurch blieb vieles eher beobachtend als mitreißend.

Zusätzlich hätte ich mir sprachlich etwas mehr Abwechslung gewünscht – gerade bei einfachen Formulierungen wie „sagte“ merkt man, wie viel mehr Vielfalt möglich gewesen wäre.

Insgesamt ein Buch mit spannenden Ansätzen und Themen, das mich aber emotional nicht ganz erreichen konnte.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Viel Wissen über Schmetterlinge

Das Jahr der Schmetterlinge
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„Das Jahr der Schmetterlinge“ ist ein Buch, das ich insgesamt gut fand – allerdings bin ich mit ganz anderen Erwartungen daran herangegangen, was mein Leseerlebnis etwas beeinflusst hat.

Im Mittelpunkt ...

„Das Jahr der Schmetterlinge“ ist ein Buch, das ich insgesamt gut fand – allerdings bin ich mit ganz anderen Erwartungen daran herangegangen, was mein Leseerlebnis etwas beeinflusst hat.

Im Mittelpunkt steht die Autorin selbst, die sich zu Beginn des Jahres ein ungewöhnliches Ziel setzt: Sie möchte innerhalb von zwölf Monaten alle heimischen Schmetterlingsarten entdecken, obwohl sie anfangs kaum etwas über sie weiß. Getrieben von einer schwer greifbaren Sehnsucht begibt sie sich auf eine Reise durch unterschiedlichste Landschaften – von windgeprägten Küsten bis hin zu abgelegenen, fast verborgenen Naturorten. Dabei begegnet sie Menschen, die ihr helfen, und taucht immer tiefer in die Welt der Schmetterlinge ein.

Was ich erst relativ spät realisiert habe: Das Buch ist kein Roman, sondern vielmehr ein philosophisch geprägtes Sachbuch. Ich war ursprünglich von einer erzählerischen Geschichte ausgegangen, und dieser Erwartungsunterschied hat mich beim Lesen etwas ausgebremst.

Trotzdem fand ich es sehr spannend, die Autorin auf ihrer persönlichen und zugleich naturkundlichen Reise zu begleiten. Man lernt unglaublich viel über Schmetterlinge, ihre Lebensräume und ihre Bedeutung – und gleichzeitig werden immer wieder große Fragen über das Leben, Sinn und Naturverbundenheit aufgeworfen.

Insgesamt ein interessantes und lehrreiches Buch mit vielen schönen Gedanken, auch wenn es nicht ganz das war, was ich mir vorgestellt hatte. Wer sich auf die ruhige, reflektierende Art einlässt, kann hier definitiv einiges mitnehmen – von mir solide 3 von 5 Sternen.

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