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Veröffentlicht am 21.11.2023

Von kleinen und großen Besserwissern

Das Klugscheißerchen
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In der Familie Theufel weiß fast jeder fast immer fast alles besser. Kein Wunder, dass sich auf dem Dachboden des neuen Hauses der Theufels ein kleines, türkises Klugscheißerchen eingenistet hat. Das entdecken ...

In der Familie Theufel weiß fast jeder fast immer fast alles besser. Kein Wunder, dass sich auf dem Dachboden des neuen Hauses der Theufels ein kleines, türkises Klugscheißerchen eingenistet hat. Das entdecken die Kinder Tina und Theo beim Spielen. Doch nur echte Klugscheißer können es sehen Ob Mama und Papa auch dazugehören?

Die Geschichte wird kindgemäß und lebendig in der dritten Person Vergangenheit mit viel wörtlicher Rede erzählt. Hier wird allerhand korrigiert und belehrt, schließlich kommen einige Besserwisser zu Wort. Astrid Henn hat zur Geschichte passende bunte, witzige Bilder gestaltet. Die Vorsatzpapiere und das Cover zeigen die selbstbewusste, titelgebende Hauptfigur ganz in ihrem Element. Dabei beweist das kleine Wesen, was es alles weiß und klärt die unwissenden Leserinnen und Leser mit knallharten Fakten zu häufigen Irrtümern auf.
Das Buch ist im DIN A 5- Format, die Schrift ist etwas größer als gewöhnlich, hat einen etwas weiteren Zeilenabstand, der Leseanfängern das Lesen erleichtert
Das Buch ist zum Vorlesen für Kinder ab fünf Jahren geeignet. Kinder ab sieben, acht Jahren können die Geschichte sicher selbständig lesen.

An Besserwissern mangelt es in der Geschichte nicht. Tochter Tina weiß genau, dass sie zehn Jahre, sieben Monate und vier Tage ist, Theo Theufel erzählt gerne jedem, der es hören will oder nicht, dass man seinen Namen mit zwei Th schreibt. Die Geschwister haben in dem Klugscheißerchen ihren wahren Meister gefunden. Das Kerlchen wird nicht müde, jeden Satz auf seine Korrektheit hin zu analysieren und zu verbessern. Und dann gibt es ja noch Mama und Papa, die sich anfangs mit Belehrungen schwer zurückhalten. Aber Neunmalkluge können ja eigentlich nicht aus ihrer Haut. Oder doch?

Wer ein echter Klugscheißer ist, wird sich an vielen Stellen im Buch wieder erkennen. Die Geschichte ist ein Spaß für große und kleine Besserwisser und alle, die manchmal mit dieser penetranten Spezies zu tun haben. Kinder werden sich über die komische, drollige Hauptfigur und seine ganz eigene Art amüsieren. Für Erwachsene hält das Buch in typischer Kling-Manier Anspielungen bereit, so sind auf einer Illustration beispielsweise einige Videokassetten mit verdrehten, lustigen Titeln zu sehen, die sich auf bekannte Filme beziehen.
Dass das Klugscheißerchen sich auch außerhalb der Geschichte, auf Cover und Vorsatzpapier austoben darf, gefällt mir sehr gut. Das ist nicht nur lehrreich und informativ, sondern auch ansprechend und motivierend. Hier wird eine Fundgruppe an Angeberwissen geboten.
„Das Klugscheißerchern“ wartet nicht mit einem besonderen Gagfeuerwerk auf wie etwa das Neinhorn oder die Familiengeschichten mit Tiffany, Opa und Co. Gerade in der Mitte der Geschichte, wenn das Klugscheißerchen durch Abwesenheit glänzt, gibt es handlungstechnisch sogar etwas Leerlauf. Zudem ist die Geschichte mit 64 nicht gerade dicht bedruckten Seiten recht kurz. Ein achtjähriger versierter Leser wird vermutlich höchstens zwanzig Minuten damit beschäftigt sein.
Unterm Strich nicht das beste Werk des Autors, aber dennoch ein nettes, originelles, witziges und unterhaltsames Büchlein für Zwischendurch.

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Veröffentlicht am 08.11.2023

Das Team hinter einem Buch - ein kreativ und motivierend gestaltetes Sachbuch für Bücherfans

Büchermenschen
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Hinter jedem Buch stecken viele kreative Köpfe. „Büchermenschen- wie ein Buch entsteht“ erklärt auf interessante und kindgemäße Weise, wie sich eine erste Idee zum Buch entwickelt. Dabei werden die Berufe ...

Hinter jedem Buch stecken viele kreative Köpfe. „Büchermenschen- wie ein Buch entsteht“ erklärt auf interessante und kindgemäße Weise, wie sich eine erste Idee zum Buch entwickelt. Dabei werden die Berufe Autor, Lektor, Illustrator, Gestalter, Vertreter, Drucker, Buchhändler, Literaturkritiker, Bibliothekar und zu guter Letzt natürlich auch die Leser näher beleuchtet.

Jedem Beruf werden zwei Doppelseiten gewidmet. Der Text auf der ersten Seite erklärt, welche Aufgaben mit dem Beruf verbunden sind. Auf der zweiten Doppelseiten werden dann spezielle Fragen zum Thema beantwortet oder andere spannende Sachinfos gegeben. Die einzelnen Sachtexte sind kindgemäß, gut verständlich und unterhaltsam formuliert und unabhängig voneinander zu lesen. Sie sind auch optisch voneinander abgesetzt, sehen mal aus wie Notizzettel, Briefe oder andere Schriftstücke, manche sind auf farbigem Hintergrund gedruckt.
Das Buch ist sehr anschaulich und kreativ gestaltet. So ist es zum Beispiel auf die ungewöhnliche Schweizer Art gebunden, bei der die Bindung äußerlich klar zu erkennen ist. Auch verschiedene Schriftarten oder Druckweisen werden vorgestellt. Das Format ist etwas größer als DIN A 4. Die vorkommenden Figuren sehen ungewöhnlich aus, haben teilweise extrem bunte Haare und Hautfarben. Mit Liebe zum Detail und mit Humor gezeichnet sind die Bilder, so erkennt man den vorgestellten Autor als echten Schildkrötenfan, in seiner Wohnung tummeln sich nicht nur die Tiere, er besitzt auch viele Bilder und Bücher zum Thema. Später wird auf die Leidenschaft des Autos noch einmal Bezug genommen. Auch das Buch „Büchermenschen“ findet sich selbst im Buch wieder, es wird von einer Literaturkritikerin bewertet. Diese originellen Details zu entdecken, macht großen Spaß.
Das Buch richtet sich an Kinder ab 8 Jahren.

Ein Buch braucht mehr als einen Autor. Ein großes Team ist gefordert, um ein Buch zu schreiben, herzustellen und unter die Leute zu bringen. Das wird auf sehr motivierende, einfallsreiche und ansprechende Art in „Büchermenschen“ erklärt. An jedem Buch sind viele kreative Menschen beteiligt und müssen zahlreiche Entscheidungen treffen, die sich z.B. auf Layout, Druck, Marketing oder Erscheinungstermin beziehen. Ich selbst habe dabei einige interessante Fakten erfahren, z.B. dass Agatha Christies Romanfigur Hercule Poirot einen Nachruf in der New York Times erhalten hat.
Dass die männlichen und weiblichen Formen von Personengruppen teilweise gleichwertig, teilweise scheinbar gezielt benutzt werden, liest sich manchmal etwas sperrig, wird der Text dadurch für jüngere Kinder doch etwas komplizierter.
Dennoch insgesamt ein gelungenes, absolut lesenswertes Sachbuch für alle, die Bücher mögen.

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Veröffentlicht am 08.11.2023

Wie hängen drei Todesfälle zusammen? Gelungener Reihenauftakt mit interessanten Figuren

Glutspur
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Liv sieht sich gezwungen die Polizei in Aarlborg zu verlassen. Ihren Wunsch, bei der Mordkommission zu arbeiten, gibt sie aber nicht auf. Sie zieht nach Kopenhagen, mietet eine Wohnung und ermittelt im ...

Liv sieht sich gezwungen die Polizei in Aarlborg zu verlassen. Ihren Wunsch, bei der Mordkommission zu arbeiten, gibt sie aber nicht auf. Sie zieht nach Kopenhagen, mietet eine Wohnung und ermittelt im Auftrag von ihrem Freund Kommissar Petter Bohm in einem Cold Case. Sie soll herausfinden, wer Journalist Gert Linde ermordete. Liv stürzt sich mit großem Eifer in die Ermittlungen, hofft sie doch bei Erfolg, eine Stelle bei der Polizei in Kopenhagen zu erhalten. Livs Vermieterin Hanna Leon plagen derweil andere Probleme. Sie kann nicht verstehen, warum sich ihr Bruder Daniel, der wegen Mordes im Gefängnis saß, umgebracht hat. Auch wenn er psychisch krank war, passt das für Hanna nicht ins Bild, zumal Daniel kurz vor seinem Tod noch eine mysteriöse Botschaft hinterlassen hat. Hanna versucht herauszufinden, was ihren Bruder umtrieb. Währenddessen steckt Automechaniker Nima Ansari, auf den sowohl Hanna als auch Liz kurz treffen, in der Klemme. Er wird verdächtigt, seine ehemalige Affäre Marianne ermordet zu haben. Noch ahnt niemand, dass die drei Todesfälle miteinander zusammenhängen.

Die Geschichte besteht aus vier Erzählsträngen: Livs Ermittlungen, Hannas Nachforschungen, Nimas aktuelle Situation und Rückblenden ins Jahr 1943, als Ebba Leon erfährt, dass sie ein Kind erwartet. Die einzelnen Handlungen sind lange Zeit unabhängig voneinander, erst zum Schluss werden sie zusammengeführt. Der Sprachstil liest sich leicht und flüssig. Immer wieder finden sich schöne, bildhaft formulierte Sätze wie: „Die Nacht ist ein unbarmherziger Feind, aber ein gnädiger Freund.“

Was Liv genau in Aarlborg widerfahren ist und weswegen sie die Polizei dort verlassen muss, bleibt ein Geheimnis. Doch sie gibt nicht auf, riskiert viel, setzt frech und forsch ihre Interessen durch, um wieder bei der Polizei arbeiten zu können.
Hanna, die eigentlich als Krisenpsychologin arbeitet, befindet sich durch den Tod ihres Bruders nun selbst in der Krise. Durch ihre Recherchen versucht sie Klarheit zu erlangen, doch das scheint nicht allen zu gefallen…
Nima Ansari hat in der Vergangenheit Schlimmes erlebt, musste er doch als Kind aus dem Iran fliehen. Dass er nun Verdächtiger in einem Mordfall ist, wühlt ihn verständlicherweise sehr auf. Alle drei Figuren werden interessant dargestellt, ich habe ihre Geschichten gerne verfolgt. Die Charaktere haben für mich großes Potential.

Katrine Engberg erzählt eine packende Geschichten von Geheimnissen, Schuld, Lügen und Flucht. Dass die einzelnen Teile der Handlung sich erst sehr spät zusammenfügen, hat mich teilweise verunsichert. Die Auflösung kommt dementsprechend recht abrupt, ist nicht sehr naheliegend, aber überraschend stimmig. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass die Entwicklungen und die Verknüpfung der einzelnen Aspekte miteinander etwas kontinuierlicher erfolgen, ist „Glutspur“ ein durchaus gelungener Reihenauftakt. Die Hauptfiguren haben viel zu erzählen und definitiv das Zeug für weitere spannende Fälle. Vielleicht agieren sie dann auch mehr miteinander und werden gar ein Team. Ich bin jedenfalls neugierig.

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Veröffentlicht am 09.10.2023

Tierisch buntes, magisches Dschungelabenteuer

Annis wilde Tierabenteuer - Auf in den Dschungel!
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Obwohl die großen Sommerferien anstehen, ist Anni mies gelaunt. Die Ferien soll sie nämlich mit ihren Eltern, die als Tierfilmer arbeiten, im brasilianischen Dschungel verbringen. Anni ist allerdings überhaupt ...

Obwohl die großen Sommerferien anstehen, ist Anni mies gelaunt. Die Ferien soll sie nämlich mit ihren Eltern, die als Tierfilmer arbeiten, im brasilianischen Dschungel verbringen. Anni ist allerdings überhaupt nicht der Typ für aufregende Abenteuer. Die erlebt sie lieber in Büchern als in echt. Doch der Urlaub gestaltet sich für das Mädchen dann doch ganz anders als erwartet. Auf einmal versteht Anni die Sprache der Tiere und kann sich mit allen Tieren im Dschungel unterhalten. Was für eine Überraschung!

Annika Preil - bekannt als Anna aus den verschiedenen TV-Serien „Anna und die Tiere“- hat mit „Annis wilde Tierabenteuer- Auf in den Dschungel“ ihr erstes Kinderbuch geschrieben. Sie erzählt lebendig und abwechslungsreich mit viel wörtlicher Rede von Annis Erlebnissen in der dritten Person Gegenwart. Die Geschichte lässt sich dank des unkomplizierten, meist kindgemäßen Schreibstils flüssig lesen und vorlesen. Phine Wolffs kunterbunte, ansprechende und ausdrucksstarke Bilder passen ganz prima zur Handlung. Die Tiere sehen drollig und individuell, die Menschen meistens sympathisch aus. An den Gesichtern der Figuren lassen sich ihre Gefühle klar ablesen. Im Anhang finden sich ergänzend zur Geschichte Steckbriefe einiger Hauptfiguren, ein motivierendes Kreuzworträtsel mit Rätselfragen zum Inhalt der Geschichte und ein passendes Rezept.
Das Buch richtet sich an Kinder ab acht Jahren.

Anni, eigentlich Animalia, hat mit ihren tierverrückten, umtriebigen, sehr unternehmungslustigen Eltern allerhand zu tun. Sie ist wissbegierig und interessiert sich durchaus für Tiere, hat aber vor der direkten Begegnung mit Lebewesen in der freien Wildbahn Respekt und mag es lieber bequem und sicher als aufregend und gefährlich. Dass sie so anders ist als ihre Eltern, nicht so gesellig und weniger enthusiastisch, dafür eher zurückhaltend und nachdenklich, verursacht gelegentlich Konflikte. Doch als Anni plötzlich die Sprache der Tiere beherrscht, traut sie sich langsam aus ihrem Schneckenhaus, geht auf andere zu und fasst den Mut, eigene Abenteuer zu erleben. Ihr Bücherwissen ist ihr dabei oft nützlich.
Annis neue Freunde sind tierischer Art: eine singende Kakerlake, ein aufgeweckter Hund und ein verspieltes Leopardenjunges. Diese unterschiedlichen Charakteren gestalten die Figurentruppe natürlich besonders vielfältig und bunt.

Anni verbringt im Dschungel einen unvergesslichen Urlaub. Sie selbst hätte damit wohl am allerwenigsten gerechnet. Dass Anni sich weiterentwickelt und nach außen hin nun das zeigt, was eigentlich schon immer in ihr war, sie sich aber dabei trotzdem treu bleibt, hat uns gefallen. Und natürlich geht es im exotischen Dschungel sehr spannend und aufregend zu. Trotz aller modernen Technik ist es aber unmöglich, alles über die Natur zu wissen, manche Dinge bleiben unberechenbar, manche magisch, unerklärlich und ein Rätsel.
Annis erstes wildes Tierabenteuer ist wirklich lesenswert, steckt voller Farben, Überraschungen, Phantasie, Magie und Humor und macht Lust auf mehr Geschichten mit Anni und ihren tierischen Freunden. Ein Buch für alle Abenteurer, Tierfreunde und Leseratten.

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Veröffentlicht am 04.10.2023

Eine Tote, zwei Vermisste und viele Geheimnisse - atmosphärischer, vielschichtiger Schwedenkrimi

Schwarzvogel
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„Sie, die immer eine intuitive Polizistin gewesen war, die ihren Instinkten folgte, fühlte sich jetzt verloren. Es war, als wäre ihr innerster Kern aus der Bahn geraten.“

Nach einem traumatischem Erlebnis ...

„Sie, die immer eine intuitive Polizistin gewesen war, die ihren Instinkten folgte, fühlte sich jetzt verloren. Es war, als wäre ihr innerster Kern aus der Bahn geraten.“

Nach einem traumatischem Erlebnis bei einem Einsatz kehrt Polizistin Fredrika Storm Stockholm den Rücken und tritt ihren Dienst bei der Mordkommission Lund an. Ihr neues Wirkungsgebiet ist ihr sehr vertraut, wuchs sie doch dort auf und ihre Familie lebt noch immer hier, auf einem Bauernhof im kleinen Ort Harlösa. Gemeinsam mit ihrem neuen Kollegen Henry Calment arbeitet Fredrika an dem Fall einer toten jungen Frau, die auf einem zugefrorenen See schwer verletzt im Eis einbrach und ertrank. Die Sache scheint eine Verbindung zu Fredrikas Familie zu haben. Und in Fredrikas Familie gibt es offenbar noch mehr Geheimnisse. Fredrika gerät in die Zwickmühle: Was, wenn sie den Täter viel besser kennt, als ihr lieb ist?

Autorin Frida Skybäck erzählt chronologisch in der dritten Person Vergangenheit. Die Geschichte ist flüssig und gut verständlich formuliert. Das Titelbild zeigt ein kleines schwedenrotes Haus vor einem Wald am See. In den dunklen Wolken darüber fliegt ein schwarzer Vogel. Das Foto sieht einerseits idyllisch aus, andererseits durch den dunklen Himmel auch bedrohlich. Die Stimmung des Covers passt zur ambivalenten Atmosphäre des Romans.

Fredrika hat an einigen Ereignissen aus ihrer Vergangenheit noch schwer zu knabbern. Dass ihre Mutter spurlos verschwand, hat sie beispielsweise nicht verwunden, zumal sie immer noch nicht weiß, was mit ihr wirklich geschah. Fredrika hat einen Hang zu riskanten Alleingängen. Ihrer Familie stellt sie viele Fragen, die unangenehme Erinnerungen aufkommen lassen. Fredrika wuchs in einfachen Verhältnissen auf einem Bauernhof auf, ihr neuer Kollege Henry hingegen hat einen ganz anderen Hintergrund. Für seine wohlhabende, etwas versnobte Mutter hat Henry, der verschiedene Fächer wie Soziologie und Rechtswissenschaft studiert hat, als einfacher Polizist zu wenig aus seinem Leben gemacht. Die beiden doch sehr unterschiedlichen Ermittler Fredrika und Henry, die sich dennoch erfolgreich ergänzen, gestalten die Figurenkonstellation ziemlich interessant. Dieses besondere Duo hat Potential. Aber auch andere Charaktere haben Abgründe, sind für Überraschungen gut.

In Fredrikas Heimatdorf Harlösa herrscht nicht gerade eitel Sonnenschein. Der Mord erschüttert Fredrikas Familie, die ohnehin nicht unbedingt vom Glück begünstigt ist und mit verschiedenen Schicksalsschlägen zu kämpfen hat. Mittendrin Fredrika, die zwar die Wahrheit sucht, aber auch gleichzeitig ihre Familie schützen möchte. Eine durchaus schwierige Situation für sie. Die düstere Stimmungslage in der Familie einerseits und Fredrikas Zwiespalt andererseits werden im Roman authentisch eingefangen. Anfangs hatte ich allerdings Probleme, die einzelnen Figuren zu unterscheiden und ihnen Verwandtschaftsverhältnisse zuzuordnen, werden doch recht viele Charaktere auf einmal vorgestellt. Hier hätte mir ein Personenverzeichnis sicher geholfen. Das Erzähltempo ist zu Beginn noch recht gemächlich, die Spannung steigert sich aber zum Ende hin enorm. Nicht nur der eigentliche Fall, auch andere Handlungsstränge und Entwicklungen nehmen Fahrt auf. Im Finale wird nicht nur der Tathergang enthüllt, auch weitere Geheimnisse werden gelüftet. Auch wenn ich etwas Eingewöhnungszeit brauchte, bis ich im Buch „angekommen“ war, kann ich diesen atmosphärischen, stimmig konstruierten Schwedenkrimi mit den vielschichtigen, reizvollen Figuren allen Fans des Genres empfehlen. Ich werde den zweiten Fall der beiden Ermittler jedenfalls ganz bestimmt lesen.

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