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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.11.2023

Kindheitserinnerungen mal anders dokumentiert.

Risse
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Das Cover zeigt wohl eines der wenigen Fotos, die es von der Autorin gibt, aufgenommen kurz nach ihrer Ankunft in Usedom bei ihrem Vater und der Stiefmutter, mit einem sanften Lächelns voller sommerlicher ...

Das Cover zeigt wohl eines der wenigen Fotos, die es von der Autorin gibt, aufgenommen kurz nach ihrer Ankunft in Usedom bei ihrem Vater und der Stiefmutter, mit einem sanften Lächelns voller sommerlicher Erwartungen. Der sicherlich bewusst gewählte Titel RISSE deutet auf eine alptraumhafte Kindheit in der DDR mit unverantwortlich handelnden Eltern hin, vernachlässigt in ihrer Kindheit durch Alkoholismus, Mangelernährung, Gewalt und Sadismus, Suizid-Versuchen des Vaters, gefolgt durch Diebstahl, Lügerei, Heimaufenthalten, Streunen und Verwahrlosung. In der Ich-Form erzählt die Autorin als misshandeltes Wesen von der üblen Macht der Eltern, der Heimmitarbeiter, der Polizei in einem kargen, emotionslosen Schreibstil, nicht anklagend, eher das soziale, kalte Umfeld schnörkellos beschreibend in 10 Geschichten. Kursiv gesetzte Zwischentexte korrigieren diesen autofiktionalen Text in Richtung Autobiografie oder kommentieren das eben Erzählte. Nur die kindliche Verbundenheit zu ihrer kleinen Schwester und die Liebe zu Büchern scheinen die Risse in ihrem traumatischen jungen Leben zu kitten.
Insgesamt bruchstückhafte, berührende Kindheitserinnerungen in asketisch gewählter Schreibweise dokumentiert.

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Veröffentlicht am 03.11.2023

Ein komplizierter Plot – nicht ganz überzeugend.

Die mörderischen Cunninghams. Irgendwen haben wir doch alle auf dem Gewissen (Die mörderischen Cunninghams 1)
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Die Szenerie spielt in einem abgelegenen, total verschneiten Ski-Resort südlich von Canberra, Australien, ideal für Spannung und Dramaturgie. Der australische Schriftsteller Ernie Cunningham stellt zunächst ...

Die Szenerie spielt in einem abgelegenen, total verschneiten Ski-Resort südlich von Canberra, Australien, ideal für Spannung und Dramaturgie. Der australische Schriftsteller Ernie Cunningham stellt zunächst die Zehn Regeln für einen fairen Kriminalroman von Ronald Arbuthnott Knox vor, dann die einzelnen Familienmitglieder dieses Treffens. Der besondere Schreibstil mit eingeschobenen Hinweisen und Anmerkungen zu oben genannten Regeln dämpft leider den Lesefluss und auch die Spannung aufgrund von Vorankündigungen. Die Charaktere kommen gefühlt oberflächlich, nur teils sympathisch daher. Diese Familiengeschichte wirkt konstruiert, teils etwas diffus. Die Aufklärung der drei Fußspuren im Schnee beim 1. Mordopfer, jedoch nur einer alleinigen Spur zurück, erscheint unschlüssig. Der Sinn vom Familienbingo mit Sofias Bingo-Karten blieb eigentlich unklar, wenn auch überraschend wichtig für die ultimative Aufklärung. In Agatha Christie-Manier erfährt der Plot mit interessanten Twists schließlich die umfassende Auflösung durch obigen Schriftsteller, der die Leserschaft durchgehend versucht, in kumpelhafter Ansprache einzubeziehen. Ein erfolgreiches Familientreffen?

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Veröffentlicht am 20.10.2023

Einfühlsam beschriebene Geschichten dreier Generationen einer Familie

Endstation Malma
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Das Cover zeigt einen Adler im Flug. Leider ist er nur teilweise direkt sichtbar, der vordere Teil des Vogels ist eingeklappt. Insgesamt ist diese Bildaufteilung unglücklich gelöst. Der Bezug zum Roman ...

Das Cover zeigt einen Adler im Flug. Leider ist er nur teilweise direkt sichtbar, der vordere Teil des Vogels ist eingeklappt. Insgesamt ist diese Bildaufteilung unglücklich gelöst. Der Bezug zum Roman ist einleuchtend. Hauptsächlich auf der Bahnfahrt von Stockholm nach Malma befinden sich zeitlich versetzt drei Generationen einer Familie mit ihren Gedanken, Problemen, Erinnerungen und der Suche nach Antworten. Im Mittelpunkt steht Harriet als Kind, als verheiratete Frau und als Mutter von Yana. Ihre hohe Sensibilität und große Verletzlichkeit in ihrer Kindheit wird einfühlsam beschrieben, hervorgerufen durch das streitbare Verhalten ihrer Eltern. Später scheint sich ihr eigenes zerstörerisches Verhalten als Erwachsene in ihrer Ehe zu wiederholen, immer noch das Rätsel ihres Lebens lösen zu wollen. Als Kind voller Ängste und stets auf der Suche nach Sicherheit besonders nach der elterlichen Scheidung, gibt Harriet kein gutes Beispiel als Mutter ihrer Tochter Yana wieder. Der Charakter der Letztgenannten kommt nur in recht wenigen Facetten vor: Nur mithilfe eines kindlichen Fotoalbums ihrer Mutter befindet auch sie sich in Malma auf Spurensuche. Herriets‘ Ehemann Oskar wird als depressive, verzweifelte Figur beschrieben, sodass insgesamt ein düsteres Bild einer unglücklichen Familie gezeichnet wird, umgeben von einem sich wiederholenden Fluch.
Ist auch unsere Zukunft durch Vergangenes wie in diesem Roman vorgezeichnet oder lässt sie sich frei gestalten mit neuer Wendung?

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Veröffentlicht am 19.10.2023

Leider etwas zu langatmig!

Bis ihr sie findet
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Der kleiner geschriebene Begleittext im Cover könnte schon als Hinweis darauf interpretiert werden, dass es einer der sechs Freunde sein könnte, obwohl es ja im Ermittlungsverfahren weitere Verdächtige ...

Der kleiner geschriebene Begleittext im Cover könnte schon als Hinweis darauf interpretiert werden, dass es einer der sechs Freunde sein könnte, obwohl es ja im Ermittlungsverfahren weitere Verdächtige gibt. Das Coverbild mit vernebelter Waldszene wirkt sehr herbstlich, passt eigentlich nicht zu einem heißen Julitag in Südengland. Eigentlich handelt es sich hier um zwei Cold Cases: Der Leichenfund der vierzehnjährigen Aurora Jackson nach 30 Jahren und der Tod des verunfallten Kletterfans Aleksy Nowak vor 8 Jahren. Die insgesamt langatmigen Ermittlungen um diese komplexen, anscheinend zusammenhängenden Fälle drehen sich zunächst um die seltsame Todesursache von Aurora, deren stark verweste Leichenteile zufällig in einer Baumhöhle am Fluss eines Campingplatzes gefunden werden. Drogen- und Alkoholkonsum, Sex neben Vergewaltigung prägen das Freizeitverhalten der 14- bis 18-jährigen Schulfreunde. Die Entwirrung des damaligen Lügennetzes und der Geheimnisse der sechs Schulfreunde, polizeilicher Versäumnisse ist zwar logisch und nachvollziehbar aufbereitet, verliert jedoch leider an Spannung wegen der Langatmigkeit. Die parallel verlaufenden Erzählstränge von 1983 auf dem Campingplatz und der gegenwärtigen Ermittlungsarbeit durch Detective Chief Inspector Jonah Sheens ergänzen sich gut. Die Charaktere aller Beteiligten sind differenziert dargestellt.

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Veröffentlicht am 17.09.2023

Problembewältigung mittels Zeitreisen

Mein schrecklich schönes Leben
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Cassandra Penelope Dankworth, die Hauptfigur dieses Romans, leidet an einer Autismus-Spektrum-Störung und tut sich schwer in sozialer Kompetenz mit negativen Auswirkungen auf ihr Privat- und Berufsleben. ...

Cassandra Penelope Dankworth, die Hauptfigur dieses Romans, leidet an einer Autismus-Spektrum-Störung und tut sich schwer in sozialer Kompetenz mit negativen Auswirkungen auf ihr Privat- und Berufsleben. Sie versucht, durch immer wiederkehrende Zeitsprünge ihr Leben besser in den Griff zu bekommen. Auch manch ein Leser könnte sich mit der Frage beschäftigen, was man in seinem Leben ändern würde, wenn man plötzlich die Chance dazu bekommt. Doch was ändert man, wenn man alles unendlich oft nochmal wiederholen kann.? Was möchte man ändern, damit Mitmenschen zufrieden sind? Bin das dann überhaupt noch ich selbst? Ab wann ist man gut so wie man ist? Die Selbstfindung von Cassie, ihre Entwicklung, kommt schließlich in ihrer besonderen Eigenart klar rüber.
Mehrfache Szenenwiederholungen durch Zeitsprünge ziehen die Handlung natürlich in die Länge. Insgesamt ist die Struktur dadurch etwas wirr. Die Einbindung der griechischen Mythologie mag interessant sein, der humorvolle, flotte Schreibstil besonders in den Dialogen gefällt. Insgesamt ein reizvoller Roman über einen nicht alltäglichen Charakter.

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