Zwischen Traum und Realität
A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)Als erste Frau darf Effy an Llyrs Literaturfakultät studieren und damit hat sich ihr großer Lebenstraum endlich erfüllt. Doch anstatt Unterstützung zu erfahren, schlägt ihr dort Ablehnung entgegen, während ...
Als erste Frau darf Effy an Llyrs Literaturfakultät studieren und damit hat sich ihr großer Lebenstraum endlich erfüllt. Doch anstatt Unterstützung zu erfahren, schlägt ihr dort Ablehnung entgegen, während sie gleichzeitig noch mit den Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Einzig Preston scheint ihr Halt zu geben, doch auch er hat seine ganz eigenen Probleme. Immer wieder verliert er sich in einer Traumwelt, in der er denselben versunkenen Palast besucht. Die Grenzen zwischen Traum und Realität beginnen zunehmend zu verschwimmen.
Nachdem ich den ersten Teil als Hörbuch gehört hatte und schon damals nicht begeistert war, wollte ich dem zweiten Band als eBook noch eine letzte Chance geben. Leider hat sich das nicht ausgezahlt. Von Anfang an konnte mich die Geschichte weder emotional noch inhaltlich fesseln. Effy als Protagonistin blieb für mich völlig unverständlich. Sie hat sich jahrelang gewünscht, Literatur zu studieren, und dann wirkt sie völlig überfordert und desinteressiert, sobald ihr Traum endlich in Erfüllung geht. Statt Stärke zu zeigen, zieht sie sich bei jeder Schwierigkeit zurück und verliert sich im Selbstmitleid. Ihre Entwicklung bleibt praktisch aus und im Vergleich zum Ende des ersten Teil ist es sogar eher eine Rückentwicklung. Ohne Prestons Hilfe scheint sie gar nicht handlungsfähig zu sein. Gerade weil ihre Vorgeschichte so viel Potenzial geboten hätte, ist das besonders schade. Doch da man kaum Einblicke in ihre Gedanken bekommt, bleibt sie blass und schwer greifbar. Besonders unglaubwürdig fand ich, dass sie trotz ihrer Lethargie die großen literarischen Geheimnisse aufdeckt, die bisher noch niemand entdeckt hat. Preston rückt zwar etwas mehr in den Fokus, bleibt aber nach wie vor eher undurchsichtig. Noch störender war, dass beide ihre wichtigsten Erlebnisse voreinander verbergen, obwohl sie eigentlich eine Beziehung führen. Dadurch fehlt jegliche emotionale Tiefe zwischen ihnen. Einziger Lichtblick waren die Nebenfiguren in Form der beiden Mitbewohner, wobei Lotto allerdings erst sehr spät in Erscheinung tritt. Davon abgesehen zog sich die Handlung endlos hin, ohne Spannung oder Überraschungen. Ich habe mich zeitweise wirklich überwinden müssen, weiterzulesen, und das passiert mir selten.
Ein enttäuschender zweiter Band, der weder mit Spannung noch mit glaubwürdigen Figuren überzeugen kann. Die Idee hatte Potenzial, doch Umsetzung, Dynamik und Emotionen bleiben auf der Strecke. Für mich leider ein klares Beispiel dafür, wie eine gute Grundidee an schwachem Storytelling scheitert.