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Karschtl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2018

Viele Teile von ihr ergeben ein Ganzes

Ein Teil von ihr
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Alles beginnt mit einer (scheinbaren?) Notwehr einer bislang unbescholtenen 55jährigen Bürgerin des beschaulichen Belle Isle. Warum sie trotzdem nicht mit der Polizei spricht, und auch vehement darauf ...

Alles beginnt mit einer (scheinbaren?) Notwehr einer bislang unbescholtenen 55jährigen Bürgerin des beschaulichen Belle Isle. Warum sie trotzdem nicht mit der Polizei spricht, und auch vehement darauf besteht, dass ihre Tochter Andrea kein Wort sagt (obwohl diese - starr vor Schreck - im Grunde eh nichts sagen kann), ist am Anfang absolut unverständlich.
Bis die Rückblicke ins Jahr 1986 anfangen. Ab da an wird die Geschichte von Kapitel zu Kapitel verstrickter. Und immer wenn es gerade spannend wird - kommt ein Zeitwechsel. Ich war mehr als einmal leicht frustriert, dass Karin Slaughter mich als Leser so herumspringen lässt.

Die Geschichte, die sich 1986 zugetragen hat, fand ich im ersten Kapitel das in Oslo spielt noch recht fad. Aber spätestens nach den Geschehnissen auf der Bühne war ich gefesselt. Ich wollte die Fäden entwirren und wissen, wie alles zusammenhängt und sich am Ende auflöst. Zurück in 2018 habe ich ständig Andy die Daumen gedrückt, dass sie bei ihrer Recherche voran kommt und gleichzeitig nicht geschnappt wird. Beides war nicht gerade einfach, da Andy zwar vieles richtig machte, aber trotzdem noch viele Fehler. Ich wäre in solcher Situation ja sicher völlig von der Rolle gewesen und hätte absolut keinen Plan gehabt.

Andy schafft es immerhin irgendwie bis zum großen Showdown. Und hat mich bis dahin oft auf die Folter gespannt, aber auch gut 'unterhalten', wenn man bei einem Krimi davon sprechen kann.

Veröffentlicht am 25.07.2025

Liebelei in Dubai

Kein Herzensbrecher ist auch keine Lösung
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Ich kann ja die Lobhudeleien auf Dubai gar nicht verstehen. Allerdings kenn ich es auch gar nicht hautnah, nur durch Social Media, und da ist immer alles nur Schicki-Micki-Getue. Für Luke und Roxy ist ...

Ich kann ja die Lobhudeleien auf Dubai gar nicht verstehen. Allerdings kenn ich es auch gar nicht hautnah, nur durch Social Media, und da ist immer alles nur Schicki-Micki-Getue. Für Luke und Roxy ist es aber diiee Traumstadt schlechthin, wohin sie aus ihrer Heimat England geflüchtet sind.
Was für ein Business die beiden zusammen führen, hab ich schon fast vergessen, dabei hab ich es gestern erst fertig gehört. Ich glaube es war was mit Immobilien, aber das ist tatsächlich auch völlig egal. Es geht hier einzig und allein um die zwei Protagonisten und ein bisschen Familien-Backstory.

Was ich sehr gut fand war, dass der männliche Part hier nicht zunächst als großes Ekel präsentiert wird, der erst seine gute Seite aus dem Innersten hervor holen muss. Auch Roxy, die weibliche Hauptperson, war mir sehr sympathisch. Einzig der Ex-Freund wurde zu klischeehaft und sehr unauthentisch skizziert. Alles andere hätte wahrscheinlich zu viele extra Szenen benötigt, die sich die Autorin gespart hat um schneller zum Punkt zu kommen - nämlich zur Liebesgeschichte zwischen Luke & Roxy.
Damit nicht alles zu glatt geht, gibt's natürlich auch noch ein bisschen Drama vor dem Happy-End. Aber die Aufregung hält sich im Rahmen, und das ist ja auch genau meins.

Ich habe das Hörbuch innerhalb von 2 Tagen gehört, während ich nebenbei meinen Keller umsortiert habe. Und dabei war mir das Buch ein guter Begleiter.

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Veröffentlicht am 27.04.2025

Das erste Jahr ist am schwersten

Pack Up the Moon
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Lauren ist noch nicht mal 30 Jahre alt, als sie an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Ihrem Mann Joshua hinterlässt sie 12 Briefe, die er jeweils monatlich in seinem ersten Jahr ohne sie erhalten soll. ...

Lauren ist noch nicht mal 30 Jahre alt, als sie an einer unheilbaren Krankheit stirbt. Ihrem Mann Joshua hinterlässt sie 12 Briefe, die er jeweils monatlich in seinem ersten Jahr ohne sie erhalten soll. Sie sollen ihm helfen, seine riesengroße Trauer ein kleines bisschen besser zu bewältigen - obwohl dies anfangs eigentlich unmöglich erscheint, zu groß ist der Schmerz für Joshua.

Die Grundidee erinnert natürlich stark an "P.S. I love you" von Cecilia Ahern, doch der Rest ist dann doch deutlich anders. Die Autorin erzählt die Geschichte nicht ausschließlich chronologisch, sondern wechselt aber zwischen der Jetzt-Zeit, in der Joshua das Leben ohne Lauren meistern muss, und der Zeit in der Lauren noch da ist und schon mit der Krankheit zu kämpfen hat oder auch erst gerade davon erfährt (denn die Rückblenden sind im Grunde umgekehrt chronologisch aufgebaut).

Dadurch lernen wir beide Charaktere gleichermaßen kennen, und ich fand sie auch beide sehr sympathisch. Dennoch hat mich das Buch erst ganz zum Schluss emotional richtig gepackt.
In den Briefen von Lauren findet sich auch immer eine Aufgabe für Josh, die manchmal praktischer Natur sind (geh endlich mal wieder in den Supermarkt, oder auch kauf dir neue Klamotten...) mal eher freier interpretierbar (mach etwas, wovor du schon immer Angst hattest). Bis auf eine Sache sind sie auch alle recht nachvollziehbar, aber es ist nichts Besonderes dabei. Da hatte ich mir auch mal was Überraschendes erhofft. Joshua erledigt stoisch auch alle Aufgaben, die Lauren ihm stellt, selbst wenn er selbst nie auf die Idee gekommen wäre dieses oder jenes zu tun.

Auch fand ich die Darstellung der meisten Figuren in dem Buch eine Spur zu idealistisch. Alle sind in ihrer jeweiligen Rolle supertoll (die Schwester, der Schwager, die beste Freundin, der neue beste Freund, die Mutter, der verstorbene Vater von Lauren, der Boss, und natürlich die beiden Hauptfiguren und ihre riesengroße Liebe zueinander). Aber vielleicht gibt es sowas alles ja wirklich. Die Krankheit von Lauren hat Kristan Higgins jedenfalls sehr gut in den Rückblende-Kapiteln, die aus der Sicht von Lauren geschrieben sind, beschrieben, so dass ich beim Lesen Laurens Kampf sehr gut nachvollziehen konnte.

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Veröffentlicht am 18.11.2024

"Cosy" Roman über Freundschaften

Das Buch der neuen Anfänge
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"Das Buch der neuen Anfänge" hat selbst einen ganz interessanten Anfang. Ich liebe ja Bücher, die in Buchhandlungen spielen. Hier handelt es sich zur Abwechslung mal um einen ganz neuen Schauplatz (zumindest ...

"Das Buch der neuen Anfänge" hat selbst einen ganz interessanten Anfang. Ich liebe ja Bücher, die in Buchhandlungen spielen. Hier handelt es sich zur Abwechslung mal um einen ganz neuen Schauplatz (zumindest für mich): einen Schreibwarenladen. Zwar ist er nur winzig klein, aber er besteht immerhin schon seit Jahrzehnten und nun wird er von lieben Jo vorübergehend geführt.

Nach dem Anfang verläuft die Geschichte aber ähnlich schleppend wie die Geschäfte im kleinen Laden laufen. Es passiert zwar was, aber eben nichts großes, was die Geschichte entscheidend vorantreibt.
Jo lernt (wahnsinnig schnell übrigens) neue Freunde kennen, allesamt Kunden oder Nachbarn ihres kleinen Ladens. Sie denkt aber auch noch sehr häufig an ihren Ex-Freund James und ihre beste Freundin Lucy von zu Hause, die ihr durch die Beziehung mit James allerdings ein wenig entfremdet ist.

Die Erinnerungen an James wurden mir mit der Zeit ein bisschen langweilig, weil es doch immer wieder dasselbe war. Und Lucy konnte ich lange Zeit gar nicht richtig greifen und "sehen" vor meinem inneren Auge, denn sie wird zwar erwähnt aber immer nur indirekt. Erst als sie höchstpersönlich auftaucht in der zweiten Hälfte des Buches wurde sie zu einem Charakter in dieser Geschichte für mich.

So viel Jo an ihre eigene Vergangenheit denkt, so wenig erfahren wir davon von ihren 2 neuen Freunden Malcolm und Ruth. Ruth wird sehr rasch zu einer Freundin für Jo, die sich lange fragt, wieso die flüchtige Vikarin denn überhaupt geflüchtet ist, es aber genauso wenig erfährt wie wir LeserInnen. Genauso wenig was in Malcolms 73 Lebensjahren schon so alles passiert ist.
Die Buchidee von Malcolm mit den 'Bewohnern' vom Friedhof find ich jedoch ganz bezaubernd, derlei Gedankenspiele hätten die drei ruhig mehr anstellen können.

Alles in allem ein ruhiges, 'cosy' Roman über Jo, ihre Liebe zu Schreibwaren und die diversen Freundschaften, die sie dadurch knüpft.

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Veröffentlicht am 22.12.2023

Kolumnen zum Lebensabschnittwechsel

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
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Ich habe zu Beginn gar nicht gewusst, dass der Roman in Wien spielt. Das ist für mich ja immer ein Pluspunkt, und war es auch hier. Zumal ich während des Lesens sogar ganz in der Nähe des Brunnenmarktes ...

Ich habe zu Beginn gar nicht gewusst, dass der Roman in Wien spielt. Das ist für mich ja immer ein Pluspunkt, und war es auch hier. Zumal ich während des Lesens sogar ganz in der Nähe des Brunnenmarktes unterwegs war zu einer Weihnachtsfeier.
Das Thema - Kinder ziehen aus, und die Mutter ist plötzlich ganz allein - ist bei mir noch ein bisschen hin, aber ich konnte mich doch recht gut in die Protagonistin hineinversetzen. Die Gemütszustände hat Doris Knecht auch sehr gut beschrieben, und vor allem ist es auch überhaupt kein melancholisches Buch geworden. Ihre Protagonistin - die wohl auch sehr viele autobiografische Züge trägt, wenn ich mir die Kurzbiografie hinten im Buch so durchlese - fällt in kein tiefes Loch als sie plötzlich kinderlos ist, sondern begreift es einfach als neue Lebensphase. Und vor allem bleiben ihre zwei Kinder ja auch in unmittelbarer Nähe zu ihr wohnen. So könnte ich mir das auch gut vorstellen später...

In der Kurzbiografie über Doris Knecht steht als erste Berufsbezeichnung Kolumnistin, bevor dann noch Schriftstellerin folgt. Hier in diesem Buch steht die Kolumnistin deutlich im Vordergrund, denn es ist weniger ein Roman als eine Aneinanderreihung von einzelnen Kolumnen zu einem Oberthema, der weitesgehend eine chronologische Abfolge einhält. Ich persönlich hätte einen "echten" Roman etwas besser gefunden.

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