Starker Anfang, schwaches Ende
Ungebetene GästeEigentlich ist es ein kleines Kind, das die Hauptrolle in Ayelet Gundar-Goshens neuem Roman „Ungebetene Gäste“ spielt. Der Junge wirft einen Hammer vom Balkon, den ein Handwerker dort liegengelassen hat. ...
Eigentlich ist es ein kleines Kind, das die Hauptrolle in Ayelet Gundar-Goshens neuem Roman „Ungebetene Gäste“ spielt. Der Junge wirft einen Hammer vom Balkon, den ein Handwerker dort liegengelassen hat. Das klingt zunächst nicht weiter dramatisch. Doch der Hammer trifft den Sohn des Gemüsehändlers um die Ecke. Und der stirbt.
Im Chaos, das danach entsteht, gehen die Nachbarn davon aus, dass der Handwerker den Hammer heruntergeworfen hat. Von einem Terrorakt ist schnell die Rede, denn der Handwerker ist ein Araber und das Ganze spielt in Israel. Die Polizei verhaftet den Mann.
Nur die Mutter weiß, was tatsächlich geschehen ist. Und die schweigt. Drei Tage lang. Dann erst geht sie mit ihrem Mann zur Polizei.
Wer hat aber nun schuld am Tod des jungen Mannes auf der Straße? Der Gerichtsprozess, der nur am Rande erwähnt ist, sieht die Schuld eindeutig beim Handwerker, der sorgfältiger hätte sein müssen. Die Eltern des Kindes leisteten sich einen guten Anwalt, der es so hingebogen bekommt. Die Schuld ist abgewälzt. Der Araber wird zu einer Haftstrafe verurteilt. Schreiende Ungerechtigkeit – gespeist vom alltäglichen Rassismus Israels.
Die Eltern verlasen mit ihrem Kind das Land, doch die Schulgefühle bleiben auch in Nigeria, wo sie jetzt wohnen. Auch, weil der älteste Sohn des Handwerkers sie immer wieder anruft und Wiedergutmachung in Form von Geld fordert. Recht bekommen und Gerechtigkeit können eben zwei unterschiedliche Paar Stiefel sein.
Im ersten Teil bietet „Ungebetene Gäste“ einen spannenden Plot und wirft moralische Fragen auf. Allerdings verläuft sich die Handlung mit dem Wegzug aus Israel in vielen Nebenhandlungen. Das Ende wirkt – so viel sei verraten – wie die Auflösung eines Kriminalfalls – der aber erst am Schluss überhaupt aufkommen. Immerhin: Ein versöhnliches Ende ist angedeutet.
Fazit: Mich hat „Ungebetene Gäste“ nicht wirklich überzeugt. Nach einem starken Beginn kommt nicht mehr viel. Die Figuren sind vielschichtig angelegt, aber auch sehr schwammig.