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Veröffentlicht am 19.02.2024

Pageturner

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Dieser Kriminalroman ist bereits der elfte Fall des Ermittlerduos Pia Sander und Kai von Bodenstein. Da ich die Reihe von Anfang an verfolgt habe, war es sehr angenehm und schön in die neue Geschichte ...

Dieser Kriminalroman ist bereits der elfte Fall des Ermittlerduos Pia Sander und Kai von Bodenstein. Da ich die Reihe von Anfang an verfolgt habe, war es sehr angenehm und schön in die neue Geschichte abzutauchen, fast als würde man alte Bekannte treffen.

Nicht so schön war, dass das Mordopfer ein gerade mal 16-jähriges Mädchen war. Bei den Ermittlungen kristallisiert sich rasch die Brisanz des Falles heraus: Ein abgelehnter, vorbestrafter Asylbewerber ist Tatverdächtiger und daraus resultieren Hass und Hetze der Öffentlichkeit. Dass die Autorin das weiterhin aktuelle Thema aufgreift und ihr Umgang damit haben mir gut gefallen. Aber auch das System der deutschen Rechtsprechung und daraus resultierende Selbstjustiz sind im weiteren Verlauf der Geschichte ein Schwerpunkt.

Manche Wendungen haben mich regelrecht überrascht und erschüttert: Obwohl ich unerwartete Ereignisse in Büchern mag, war manche Handlung für mich etwas überzogen und nicht mehr realistisch. Das tat der Spannung aber keinen Abbruch — ein echter Pageturner, auch wegen des gewohnt tollen Schreibstils von Nele Neuhaus.

Das Ende war für mich nicht vorhersehbar und somit ein krönender Abschluss.

Für Fans der Reihe ist das Buch ein Muss und ich spreche meine Empfehlung aus! Fazit: 4/5 Sternen

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Veröffentlicht am 06.01.2024

Gute Unterhaltung!

One of the Girls
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Für mich war es das erste Buch der Autorin Lucy Clarke und da ich nur Gutes gehört hatte, war ich sehr gespannt aufs Lesen.

Das Besondere an diesem Roman war für mich der Aufbau der Geschichte: Am Anfang ...

Für mich war es das erste Buch der Autorin Lucy Clarke und da ich nur Gutes gehört hatte, war ich sehr gespannt aufs Lesen.

Das Besondere an diesem Roman war für mich der Aufbau der Geschichte: Am Anfang gibt es eine Leiche, wir wissen aber nicht wer es ist und war passiert ist. Anschließend springt das Buch in die Vergangenheit und die Autorin berichtet chronologisch von den Ereignissen des Junggesellinenabschieds und deckt auf, was genau passiert ist und wie es so weit kommen konnte.

Die Kapitel sind kurz und werden aus der jeweiligen Perspektive der zukünftigen Braut und ihren fünf Freundinnen erzählt. Für mich waren so alle nahbar und gewisse Spannungen zwischen den Urlauberinnen schnell spürbar. Das alles steht im Gegensatz zu der traumhaften Kulisse Griechenlands, was ein schöner Kontrast war.

Die Twists waren für mich nicht sehr überraschend und auch die Auflösung war keine große Offenbarung. Trotzdem hat mich der Roman sehr gut unterhalten und ich habe es gerne gelesen.

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Veröffentlicht am 29.12.2023

Eine Hommage an das Leben

Clara und die Poesie des Lebens
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„Clara liest Proust“ heißt der Titel im französischen Original auf Deutsch und beschreibt den Inhalt einerseits zutreffend, andererseits nicht umfänglich. Als mir der Unterschied zur deutschen Benennung ...

„Clara liest Proust“ heißt der Titel im französischen Original auf Deutsch und beschreibt den Inhalt einerseits zutreffend, andererseits nicht umfänglich. Als mir der Unterschied zur deutschen Benennung auffiel, dachte ich zunächst, dass der Verlag hier aus Marketinggründen Proust weggelassen hat - doch nach der Lektüre finde ich den erweiterten Titel absolut treffend.

Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich mich mit dem Werk von Marcel Proust bisher nicht intensiver auseinandergesetzt habe - Carlier gelingt es mit seinem ersten auf Deutsch übersetzten Roman aber, meine Neugier auf diesen weltberühmten Autor zu wecken. Ob ich mich herantrauen werde, ist eine andere Frage…

Clara ist Friseurin, nicht wirklich glücklich in ihrer Beziehung und lebt so vor sich hin - bis ein Kunde ein Buch im Friseursalon liegen lässt. Als sie das Buch nach einiger Zeit zu lesen beginnt, ist sie Proust binnen kürzester Zeit verfallen. Sie liest in jeder freien Minute und taucht tief in die „Suche nach der verlorenen Zeit“ ein.

Das Buch ist in die Kapitel „Cindy Coiffure“ (der Salon, in dem Clara arbeitet), „Marcel“, „Clara“ und „Epilog“ aufgeteilt. Und auch wenn die Geschichte insgesamt chronologisch und stringent aufgebaut ist, passt diese Struktur und Schwerpunktsetzung und bringt Claras Entwicklung in wenigen Worten auf den Punkt.

Das Buch ist eine Hommage an Proust, die Literatur und das Leben an sich. Welche große Kraft und Inspiration in der Literatur schlummert, unserem Leben eine entscheidende Wendung geben zu können, macht dieses Buch auf eindrucksvolle Art und Weise deutlich.

Dass mich als Buchbloggerin dieses Buch anspricht, ist natürlich keine Überraschung. Doch der leichte Schreibstil und der ungezwungene Umgang mit diesem Werk der Weltliteratur dürfte auch Nicht-Buchnerds ansprechen. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen und kann es all jenen ans Herz legen, die eine schöne Geschichte voller Liebe zur Literatur und Liebe zu den Menschen genießen möchten. Ein Wohlfühlbuch, das seine Lesenden auf ganz sanfte Art inspiriert.

Es gibt eine kleine Parallele zu einem erst kürzlich von mir hier besprochenen Buch: Wie auch „Wie die Schweden das Träumen erfanden“ ist „Clara und die Poesie des Lebens“ bei C. Bertelsmann erschienen, hat einen ähnlichen Umfang (etwas mehr als 200 Seiten, wobei einige ausgesprochen überschaubar mit Text gefüllt waren) und einen einen ebenso happigen Preis von 22 Euro. Wobei ich in diesem Fall die schönen Illustrationen, sowohl auf dem Umschlag als auch im Buch selbst, nicht unerwähnt lassen möchte.

Ich vergebe 4/5 Sternen für ein Buch, das sich zum Selbstlesen ebenso eignet wie als Geschenk.

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Veröffentlicht am 22.12.2023

Ein traumhaftes Leseerlebnis

Wie die Schweden das Träumen erfanden
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Einen traumhaften Feelgood-Roman reinsten Wassers hat Jonas Jonasson hier abgeliefert. So kennt man den Schweden und seine Fans (zu denen ich mich zähle) kommen bei diesem Buch auf ihre Kosten. Sein eigenständiger ...

Einen traumhaften Feelgood-Roman reinsten Wassers hat Jonas Jonasson hier abgeliefert. So kennt man den Schweden und seine Fans (zu denen ich mich zähle) kommen bei diesem Buch auf ihre Kosten. Sein eigenständiger Sprachstil ist bekannt und prägt auch diese Geschichte, mit herrlich ehrlichen und unperfekten Dialogen.

Um ihre von Landflucht geplagte Heimatstadt zu retten, versucht Julia Bäck einen deutschen Großkonzern ins schwedische Niemandsland zu locken. Und während „Traumbett“-Chef Dr. Konrad Kaltenbacher junior mit einer Fabrik in der Nähe von Stockholm liebäugelt, um den skandinavischen Markt (endlich!) zu erobern, setzt Julia all ihren Charme und ihr Improvisationstalent ein, um ihn für sich zu gewinnen.

Um die beiden herum gibt es die üblichen schrägen Gestalten, die Jonassons Bücher auszeichnen. Sie wachsen einem in kürzester Zeit ans Herz und man kann ein bisschen mit ihnen mitfiebern, ob die Ansiedlung des Weltkonzerns in der Provinz gelingt und Familie Kaltenbacher ein neues Zuhause findet. Denn natürlich will sich Stockholm in Person des Consultants Kenneth Carlander nicht einfach ausstechen lassen!

Es ist für Jonassons Verhältnisse eher eine Kurzgeschichte, in seinen früheren Werken sind deutlich mehr Wendungen und unglaubliche Begebenheiten enthalten. Gleichzeitig ist es das realistischste Buch von ihm, das ich je gelesen habe - ja, es könnte sich tatsächlich so zugetragen haben und ist nicht mit den unmöglichsten Zufällen gespickt. Womit natürlich auch ein spezielles Jonasson-Element fehlt: Das Staunen über seine skurrilen Einfälle kommt in diesem Buch etwas kurz.

Die kurzweilige (aber eben auch kurze) Lektüre hat mir viel Spaß gemacht und für Jonasson-Fans ist es ein Muss, finde ich. Der Vollständigkeit halber muss ich aber sagen, dass 22 Euro für das Hardcover mit 160 Seiten ein wirklich happiger Preis sind. Wer Lust auf ein Buch hat, das einfach nur für Schmunzeln und gute Laune sorgt, egal ob im Urlaub oder unter der warmen Kuscheldecke auf dem heimischen Sofa, ist hier genau richtig.

Um die Relation zu seinen bisherigen Büchern und meinen Bewertungen zu wahren, gibt es 4/5 Punkten für ein traumhaftes Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 21.12.2023

Lesenswerte Lektüre für besseren Durchblick

Die große Vertrauenskrise
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„Die große Vertrauenskrise - ein Bewältigungskompass“ - da sagt der Titel eigentlich schon alles. Wobei ich feststellen muss, dass der detaillierten Darstellung der Vertrauenskrise und ihrer Gründe deutlich ...

„Die große Vertrauenskrise - ein Bewältigungskompass“ - da sagt der Titel eigentlich schon alles. Wobei ich feststellen muss, dass der detaillierten Darstellung der Vertrauenskrise und ihrer Gründe deutlich mehr Raum gegeben wird als dem versprochenen Kompass zur Bewältigung. Ich empfand die Analyse der Gründe für die von uns allen wahrgenommene Erosion des Vertrauens auf verschiedenen Ebenen gegenüber vielen Institutionen an vielen Stellen als erhellend. Auch wenn mir viele Fakten bekannt waren, stellt Lobo schlüssig Zusammenhänge dar, die mir so bisher nicht bewusst waren.

Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine, die Corona-Pandemie, Klimawandel, Rechtspopulisten wie Donald Trump, soziale Medien wie Twitter, Facebook und YouTube sowie nun das rasant gewachsene Thema (ChatGPT sei dank) Künstliche Intelligenz werden behandelt und erklärt und so wird verständlich, wie sich die Art des Medienkonsums, der Kommunikation und der Politik sowie unsere Haltung gegenüber der Wissenschaft verändert haben. Der Austerität widmet er ein eigenes Kapitel - nicht wissend, wie aktuell das Thema im Dezember 2023 (Schuldenbremse) sein wird.

Wenn man sich durch mehr als 280 Seiten kritischer Auseinandersetzung gearbeitet hat, bleiben nur noch rund 40 Seiten für die versprochenen Lösungsansätze. Diese sind zwar plausibel und wahrscheinlich richtig, setzen aber auf eine gehörige Portion Optimismus und Glauben an den gesunden Menschenverstand. Überrascht haben sie mich nicht, sie ergeben sich eher folgerichtig aus der Analyse und dem, was vernunftbegabte Menschen eben so tun. Wer also den heiligen Gral der Restauration des Vertrauens sucht, wird hier eher nicht fündig. Das konkrete Beispiel mit der Entenjagd in Arkansas hat mir dennoch gefallen…

Lobos neuestes Werk bleibt dabei absolut lesenswert und hilft definitiv, einen klaren Blick auf die Vertrauenskrise zu erhalten. Ich befürchte allerdings, dass es vielen Lesenden ähnlich gehen wird wie mir - Problem erkannt, Lösungsweg entdeckt, aber wir Vernunftbegabten sind dann doch entweder in der Minderheit oder eben zu leise. Und diejenigen, die Lobos Buch eigentlich lesen und verstehen sollten (aktuelle Beispiele: Corona-Querdenker, Reichsbürger, „Patridioten“, Putin-Fans und Co.), werden es schlicht nicht tun. In diesen Kreisen dürfte Sascha Lobo hinreichend zum Feindbild erklärt sein, als dass dieses Buch dort, wo es einen echten Einfluss haben könnte, konsumiert würde.

Wer aber Menschen in seinem Umfeld hat, die nicht mehr wissen, wem sie trauen können, aber noch nicht völlig in Verschwörungstheorien abgedriftet sind - dem sei dieses Buch ans Herz gelegt, vielleicht noch als Last Minute-Geschenk für Telegram-Einsteiger. Und natürlich zur Selbstlektüre.

Ich vergebe 4/5 Punkten und hoffe, dass das Buch die Verbreitung findet, die es verdient.

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