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Veröffentlicht am 10.10.2025

"Mein Bruder war an seinen Träumen erkrankt"

Der Absturz
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Auch das neuste Buch, mit dem Édouard Louis seine autofiktionale Reihe abschließen möchte, hat mich wieder sehr berührt. In "Der Absturz" steht sein verstorbener älterer Bruder im Mittelpunkt. Obwohl Édouard ...

Auch das neuste Buch, mit dem Édouard Louis seine autofiktionale Reihe abschließen möchte, hat mich wieder sehr berührt. In "Der Absturz" steht sein verstorbener älterer Bruder im Mittelpunkt. Obwohl Édouard Louis selbst sagt, dass er diesen namenslos bleibenden Bruder nicht geliebt hat, findet er doch auch immer wieder warme Worte und ein gewisses Verständnis für diese sehr ambivalente Figur. Der Bruder wird sehr reflektiert mit all seinen negativen Charakterzügen, aber auch mit kleinen Lichtblicken, seinen Träumen, dann aber auch mit dem alles bestimmenden Alkoholismus beschrieben. Immer wenn man denkt, man hätte jetzt ein Bild dieses Mannes, kommt ein weiterer überraschender Aspekt, der den Blick wieder wendet, dazu. Édouard Louis trifft hier sehr reflektiert den richtigen Ton: ist nie anklagend, nie mitleidig, aber doch mitfühlend. Die schwere Kindheit wird beschrieben, ohne dass sie als Entschuldigung für sein späteres Leben dient.
Von mir gibt es dafür Respekt für diese reflektierte Darstellung und eine Lesempfehlung!

Veröffentlicht am 18.04.2025

Zuversichtlich

Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken
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Eigentlich will ich sowas gar nicht lesen: eine autofiktionale Geschichte voller Leid. Aber bei Sarah Lorenz ist das tatsächlich sehr gut gelungen. Es wird hier mehr Leid und Suche nach Liebe und Glück ...

Eigentlich will ich sowas gar nicht lesen: eine autofiktionale Geschichte voller Leid. Aber bei Sarah Lorenz ist das tatsächlich sehr gut gelungen. Es wird hier mehr Leid und Suche nach Liebe und Glück beschrieben, als in einem Leben vorkommen sollte, aber es wird nie schwermütig oder gar weinerlich, sondern es schwingt immer eine gewisse Zuversicht und Optimismus mit. Die Erzählerin hat dabei eine bewundernswerte Weitsicht auf ihre Erlebnis und Mitmenschen. Diese gewisse nie unangemessene Leichtigkeit spiegelt sich auch in der Sprache. Sehr modern, mit eigener Note, aber immer gut lesbar.
Dass die Geschichte in Form eines Briefes an Mascha Kaleko geschrieben ist und auch kapitelweise mit thematisch passenden Gedichten verbunden ist, gibt dem Buch eine weitere eigene Note, die mir gut gefallen hat, ohne dass ich (Sarah Lorenz möge mir verzeihen), Mascha Kalekos Werk bisher kannte - das Buch hier war hoffentlich ein erster Schritt, dass sich das nun ändert.

Veröffentlicht am 10.01.2024

Neustart im fremden Nachbarland

Nebenan ist doch weit weg
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Ein gelungenes Jugendbuch (ab ca. 11 Jahren), das nicht nur das Thema Umzug in eine fremde Umgebung sensibel umsetzt, sondern auch das Thema Polen gelungen behandelt. Beide Themen werden von der Autorin ...

Ein gelungenes Jugendbuch (ab ca. 11 Jahren), das nicht nur das Thema Umzug in eine fremde Umgebung sensibel umsetzt, sondern auch das Thema Polen gelungen behandelt. Beide Themen werden von der Autorin Antje Bones nicht zum Exzess ausgeschlachtet, so geht es beim Thema Polen nicht wirklich in die Tiefe, aber das wäre hier auch zu viel. Stattdessen auch viel Alltag einer Zwölfjährigen mit Schule, Familie, Freundschaften, aber halt mit Polen-Hintergrund. Die Ich-Erzählerin lässt dabei aber auch immer tief in ihre aufgewühlte Gefühlswelt blicken nach dem Umzug in ein fremdes Land mit neuer Sprache.
Die gelungenen Zeichnungen von Michael Szyszka lockern das Buch auf, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Veröffentlicht am 14.07.2023

Gute Umsetzung

Die Neapolitanische Saga 1: Meine geniale Freundin
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Nichts für Kinder - eher für Erwachsene, ggf. für ältere Jugendliche.
Ich muss sagen, dass mir das fast schon brave Coverbild nicht zusagt. Mara Cerris Bilder haben dann im Buch aber einen anderen Charakter, ...

Nichts für Kinder - eher für Erwachsene, ggf. für ältere Jugendliche.
Ich muss sagen, dass mir das fast schon brave Coverbild nicht zusagt. Mara Cerris Bilder haben dann im Buch aber einen anderen Charakter, der mir viel besser gefällt. Ich finde sie sehr stimmungsvoll, sowohl was den Handlungsort als auch die Emotionen der Mädchen betrifft. Insgesamt sind sie düsterer als es das Cover vermuten lässt, was aber gut zur Geschichte und zum Handlungsort Rione (Wohnviertel Neapels, in dem die Handlung angesetzt ist) passt.
Die Geschichte von Elena Ferrante wird in der Graphic Novel von Chiara Lagani natürlich verkürzt dargestellt. Vor allem fehlen viele der zahlreichen wiederkehrenden Nebenpersonen, die im Roman den Charakter des Rione unterstreichen und für mich auch ein wichtiges Merkmal und Reiz der Romanreihe sind. Für die eigentliche Geschichte rund um Lenú und Lila sind sie aber verzichtbar, wie man in der Graphic Novel merkt. Der Rione nimmt dafür in anderer Form, nämlich in den Bildern Gestalt an. Diese Konzentration auf die beiden Mädchen und ihre ungewöhnliche Freundschaft finde ich sehr passend für die Form Graphic Novel.
Die Bilder sind vor allem halbseitig, kleinere Bilder sind die Ausnahme, wodurch die 254 Seiten schneller als gedacht gelesen sind.
Wie auch der Roman endet die Graphic Novel offen - hoffentlich wird die Tetralogie komplett als Graphic Novel veröffentlicht.

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Veröffentlicht am 10.07.2023

Tolles Buch

Eine Frage der Chemie
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Ein Buch über eine Außenseiterin, Feministin und nicht zuletzt Wissenschaftlerin. Elizabeth ist wirklich eine toll gezeichnete Protagonistin, die ihre Ecken und Kanten hat, der man nicht wirklich nahe ...

Ein Buch über eine Außenseiterin, Feministin und nicht zuletzt Wissenschaftlerin. Elizabeth ist wirklich eine toll gezeichnete Protagonistin, die ihre Ecken und Kanten hat, der man nicht wirklich nahe kommt, die einem aber unweigerlich ans Herz wächst. Viele der Kämpfe, die sie als Frau der 1950'er Jahre in einer männerdominierten Welt ausfechten muss, werden auch heute in nur leicht abgeschwächter Form gekämpft. Das Buch hat sowohl Drama als auch Witz - eine gelungene Mischung.

Ein Buch mit außergewöhnlichen Menschen und einem außergewöhnlichen Hund. Da muss man etwas großzügig sein, was die Realistik betrifft. Aber es lohnt sich das zu tun, denn dann wird man sehr kurzweilig und intelligent unterhalten.