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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2024

Was für ein grandioser Erzähler

Das kleine Haus am Sonnenhang
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Alex Capus kauft in den neunziger Jahren ein Haus im Piemont. Er verbringt dort sehr viel Zeit mit seiner damaligen Freundin - und jetzigen Frau - und Freunden. Er genießt aber auch die Einsamkeit und ...

Alex Capus kauft in den neunziger Jahren ein Haus im Piemont. Er verbringt dort sehr viel Zeit mit seiner damaligen Freundin - und jetzigen Frau - und Freunden. Er genießt aber auch die Einsamkeit und das Dorfleben mit Bar und schreibt dort seinen ersten Roman.

Was für ein grandioser Erzähler! Bei Alex Capus ist man sogar hingerissen, wenn er über das Tanken schreibt oder wiedergibt, welcher Dialog einer Pizzabestellung vorangeht, weil er ein Gewohnheitsmensch ist und seit 30 Jahren immer die gleiche nimmt, egal wie vielfältig die Speisekarte ist. Weil er an etwas festhält, wenn er etwas gefunden hat, was ihm gefällt, schmeckt oder glücklichmacht und nicht nach noch etwas besserem sucht.

"Das kleine Haus am Sonnenhang" ist ein wunderschönes Buch - humorvoll, klug, philosophisch. Es stellt einen sehr sympathischen Menschen vor und gibt Einblicke in das Leben eines großartigen Autors. Ich habe alle Romane von Alex Capus gelesen und war von allen begeistert, vom kleinen Haus am Sonnenhang vielleicht sogar am meisten.

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Veröffentlicht am 18.02.2024

Großartig

Das leise Platzen unserer Träume
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Jule ist mit ihrem Mann David aus der Stadt aufs Land gezogen. Sie leben in einem Haus mit Garten, doch leider haben sie nie das Kind bekommen, das ihr Glück komplettiert hätte und Jule ahnt nichts von ...

Jule ist mit ihrem Mann David aus der Stadt aufs Land gezogen. Sie leben in einem Haus mit Garten, doch leider haben sie nie das Kind bekommen, das ihr Glück komplettiert hätte und Jule ahnt nichts von Davids Affäre in der Stadt. Hellen weiß aber von ihr.

Eva Lohmann erzählt abwechselnd aus Jules und Hellens Perspektive die Sicht auf Jules Ehe mit David. Die beiden Frauen sind sehr gegensätzlich. Jule lebt idyllisch mit ihrem Mann auf dem Land und ist eher unsicher. Sie arbeitet im nahegelgenen Gutshof als Köchin. Hellen ist alleinerziehend mit zwei Kindern und meistert ihr Leben in der Stadt selbstbewusst. Was wie ein klischeehafter, sogar langweiliger Plot klingt, ist alles andere als das und der Titel "Das leise Platzen unserer Träume" sehr treffend gewält. Ein großartiger Frauenroman!

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Veröffentlicht am 11.02.2024

Großartige Autobiographie

Er und ich
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Sybil Gräfin Schönfeldt erzählt von ihrem gemeinsamen Leben mit Heinrich Schlepegrell. Die Geschichte ist berührend und einfühlsam und zugleich witzig und packend. Sie lässt die Kriegsjahre, die 50-er, ...

Sybil Gräfin Schönfeldt erzählt von ihrem gemeinsamen Leben mit Heinrich Schlepegrell. Die Geschichte ist berührend und einfühlsam und zugleich witzig und packend. Sie lässt die Kriegsjahre, die 50-er, 60-er und alle weiteren Jahrzehnte bis in die 2000-er wieder auferstehen und vermittelt ihren Leserinnen und Lesern das jeweilige Lebensgefühl überzeugend. Sie spart auch Unangenehmes nicht aus und erinnert immer wieder an die Greuel der Nazionalsozialisten, unter denen auch Heinrichs Familie gelitten hat - stammt er doch aus einer jüdischen Familie. Sie schildert ihre Familie so lebhaft und sympathisch, dass ich mir gewünscht hätte, alle kennenzulernen und genau in dieser Familie zu leben oder zumindest Teil ihres Freundeskreises zu sein.

"Er und ich" ist ein Stück Zeitgeschichte eingebettet in eine großartige Autobiographie, die ich nur wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 05.01.2024

Uneingeschränkt empfehlenswert

Vom Verschwinden der Arten
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"Vom Verschwinden der Arten" ist ein Buch zu einem brandaktuellen Thema, von denen es gar nicht genug geben kann. Friederike Bauer und Katrin Böhning-Gaese schreiben gut recherchiert und wissenschaftlich ...

"Vom Verschwinden der Arten" ist ein Buch zu einem brandaktuellen Thema, von denen es gar nicht genug geben kann. Friederike Bauer und Katrin Böhning-Gaese schreiben gut recherchiert und wissenschaftlich fundiert von der Artenvielfalt in unserem Ökosystem Erde und deren Einfluss auf das Wohlbefinden und die schiere Existenz der Menschheit. Sie machen Mut, dass es trotz des katastrophalen Zustands und jeglichen Worst-Case-Szenarios noch Hoffnung gibt, das Artensterben aufzuhalten, wenn es ernsthaft von allen gemeinsam angegangen wird.

Das Thema Klimawandel, Biodivesität und alles, was damit zusammenhängt, macht mich immer wieder wütend, betroffen und hoffnungslos. Es ist mir unerklärlich, wie man die Augen davor verschließen kann, welchen Einfluss wir Menschen darauf haben und welche Folgen uns drohen. Jedes Buch, das es zu diesem Thema gibt, erhöht die Chance, dass immer mehr Menschen sich mit dem Thema beschäftigen und irgendwann - hoffentlich nicht zu spät - einsehen, dass etwas getan werden muss, und dass es immer teurer und schwieriger wird, umso länger wir warten.

"Vom Verschwinden der Arten" nimmt kein Blatt vor den Mund und beschönigt nichts, dramatisiert aber auch nicht unnötig und kommt - meiner Meinung nach - auch völlig ohne Panikmache aus. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen und hoffe, dass es bei möglichst vielen Menschen zum Umdenken und Handeln anregt.

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Veröffentlicht am 07.11.2023

Ein dünnes Buch, aber ein großes Lesevergnügen

Eigentum
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Eigentlich ist es ja eher befremdlich, wenn jemand über den Tod der eigenen Mutter schreibt. Aber genau das macht Wolf Haas - er beschreibt ihre letzten Tage und nimmt ihr bevorstehendes Ende zum Anlass, ...

Eigentlich ist es ja eher befremdlich, wenn jemand über den Tod der eigenen Mutter schreibt. Aber genau das macht Wolf Haas - er beschreibt ihre letzten Tage und nimmt ihr bevorstehendes Ende zum Anlass, von ihrem Leben zu erzählen und auch sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Dabei lässt er auch seine Probleme mit ihr nicht aus.

Wolf Haas' Schreibstil ist sehr eigenwillig und unnachahmlich - ich mag ihn sehr. Besonders wenn er seine Mutter sprechen lässt, höre ich den Dialekt und sehe sie förmlich vor mir. Wie sie ein Leben lang hart gearbeitet und gespart hat, um Eigentum zu erwerben. "Arbeiten, arbeiten, arbeiten" und "sparen, sparen, sparen" und trotzdem hat es nie geklappt.

Haas schreibt sich seine Beziehung zur Mutter und wie sie ihn geprägt hat von der Seele. Es ist aber keine Abrechnung, sondern ein sehr persönliches Buch über seinen Umgang mit seiner Kindheit und Jugend und auch dem Erwachsenensein.

Es wäre nicht Wolf Haas, wenn er nicht auch dieser teilweise schweren Kost mit Humor, aber trotzdem großer Ernsthaftigkeit begegnen würde. "Eigentum" ist mit 157 Seiten ein dünnes Buch, aber großes Lesevergnügen.

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