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Veröffentlicht am 26.02.2024

Wenig Fae, aber reizvolle Atmosphäre

Trial of the Sun Queen
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Zuletzt schaffen es wirklich viele durch TikTok gehypte Fantasyreihen nach Deutschland. Es ist nicht mein liebstes Genre, aber es gibt doch Geschichten, die mich mitreißen können. Auch wenn solche Hypes ...

Zuletzt schaffen es wirklich viele durch TikTok gehypte Fantasyreihen nach Deutschland. Es ist nicht mein liebstes Genre, aber es gibt doch Geschichten, die mich mitreißen können. Auch wenn solche Hypes und gerade dieses Überangebot mich irgendwo auch skeptisch machen, aber so gerade Fae das ist doch was, was mich im Bereich Fantasy interessiert, weswegen ich „Trial of the Sun Queen“ lesen wollte.

Am Anfang des Buchs war ich aber erstmal ziemlich viel damit beschäftigt, mich zu orientieren, welche einzelnen Elemente ich woher kenne. Zwar sind schon extrem viele Fantasyreihen im Klappentext als Referenz genannt worden, aber ich war doch etwas überrascht, wie viel ich als geklaut empfunden habe. Das ganze Spiel um den Thron war sehr an „Tribute von Panem“ erinnernd (auch extrem der Stylist, wo ich an Cinna denken musste), aber auch an „Selection“, was aber insgesamt mehr rosa und freundlicher war. Hier ist die Stilistik doch düsterer und derber. Deswegen musste ich anfangs an „The Darkest Gold“ denken, eine Reihe, die ich wegen einiger Szenen bewusst abgebrochen habe. Doch erfreulicherweise hat sich das schnell gelegt. Es ist zwar sexuell aufgeladen, aber in einem Maß, das ich völlig okay fand. Ich fand es auch erwachsen, weil es nicht nur die romantische Liebe war und so wurde der ganze Stil gut unterstrichen. Am Anfang war also echt schwierig, aber irgendwann ist immer der Punkt, und da kann es noch so viele geliehene Elemente geben, da entscheidet sich, ob eine Autorin oder ein Autor etwas Eigenes geschafft hat und das wurde mir bei Nisha J. Tuli noch bestätigt.

Ich habe das Buch zum Hören gehabt und hier brauche ich nur ganz wenig zu sagen, denn Corinna Dorenkamp und Louis Friedemann Thiele haben hervorragend gelesen und ich habe mich an nichts gestört. Dennoch muss ich im Nachgang sagen, dass es vielleicht nicht unbedingt die ideale Reihe für Hörbuch ist, denn ich habe mich doch sehr schwer mit einigen Namen getan. Sie nicht ausgeschrieben zu sehen, hat es für mich erschwert, da eine feste Assoziation zu haben. Viele Namen wurden zwar so oft erwähnt, dass ich irgendwann die Lautfolge im Kopf habe, aber keine Ahnung, wie sie tatsächlich geschrieben werden. Das mag andere gar nicht stören, aber für mich war es schon etwas störend. Aber an sich war das Hörbuch hervorragend produziert.

Kommen wir jetzt wieder zum Inhalt. Ein Umstand, der hat mich etwas gestört und das ist, wie wenig Fae-lastig das Geschehen in diesem ersten Band ist. Ich könnte mir vorstellen, dass das bei vier ankündigten Bänden noch ganz anders werden kann, aber hier war es wenig. Das liegt natürlich auch daran, dass die meisten Figuren wie Lor in einem Alter sind, wo sich die Kräfte noch gar nicht manifestiert haben, so dass die ganz leichten Vorteile als geborene Fae im Wettkampf auch keinen Unterschied gemacht haben. Deswegen war das Thema quasi unter dem Tisch und das fand ich doch schade, weil ich die verschiedenen Fähigkeiten gerne ergründet hätte. Deswegen habe ich manches Mal etwas vergessen, dass es überhaupt um Fae geht und wenn dann von Flügeln die Rede war, erstmal Verwirrung. Dem positiv entgegen steht für mich, dass Lor eine Protagonistin ist, die ich im Gegensatz zu so vielen anderen Reihen als sehr anders empfunden habe. Die Heldinnen sind oft die schüchternen, die mit ihren Kräften noch nicht eins sind, dann aber schnell zu Super Women werden. Das war hier doch eher anders. Lor ist vom Leben geprägt und durch ihr Gefangenenleben verbittert, abgehärtet und verdammt bad ass. Es wurde schnell deutlich, mit ihr ist nicht gut Kirschen essen. In Nostrasa war sie mir tatsächlich an manchen Stellen auch zu hart, aber das hat sich später besser ausgependelt und dort wurden dann auch sensible Seiten ergründet, ebenso wie ihre sehr empathische Seite, weil sie nie nur an sich selbst gedacht hat. Ihre Beziehung zu ihren Geschwistern war da ein wichtiger Hinweis.

Nadir als männlicher Protagonist spielt da eindeutig die untergeordnete Rolle. Er hat deutlich weniger Kapitel und er ist von dem zentralen Handlungsstrang auch fast komplett isoliert. Das hat es schwierig gemacht, wirklich einen Blick auf ihn zu bekommen. Richtig sympathisch finde ich ihn sicherlich noch nicht, aber er hat doch auch noch so viel Potenzial, dass ich ihm neutral gegenüberstehe, auch wenn man sagen muss, dass er auch düstere Sachen getan hat. Er wird eher später wichtiger werden, das ist klar. Da sind andere männliche Charaktere wie Atlas und Gabriel viel wichtiger und ich bin wirklich positiv überrascht, wie Tuli mit wirklich sehr ambivalenten Figuren arbeitet. Es passiert leicht, dass die in Stereotype abrutschen, aber das ist hier kaum der Fall. Viele Figuren sind sehr komplex, was insgesamt aber auch den düsteren Eindruck verstärkt, denn alle sind zu jeder Zeit zu etwas Entsetzlichem möglich. Mit dem Wettbewerb hat man für den ersten Band sicherlich ein gutes Motiv, um dran zu bleiben, aber sich überhaupt auch erstmal einwickeln zu lassen. Das Ende deutet aber an, dass wir noch ganz viel mehr präsentiert bekommen werden. Wie sich das dann gestalten wird, schwierig abzuschätzen. Es ist viel drin, aber es kann auch krachen scheitern.

Fazit: „Trial of the Sun Queen“ leiht sich schon viele bekannte Elemente aus, aber es setzt sich später dadurch ab, dass es ein sehr düsterer Stil ist mit wenig Figuren, die auf Anhieb sympathisch sind, die man aber trotzdem näher ergründen will. Mit Lor hat man zudem eine Protagonistin, die richtig tough ist und die von Anfang eine überraschende Aggressivität reinbringt, die ich so selten erlebt habe, weswegen ich es frisch fand. Es war wenig Fae, aber das Ende verspricht, dass viel möglich sein wird. Ich werde wohl dran bleiben.

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Veröffentlicht am 14.02.2024

Humorvolle Gegensätze in Napa Valley

Secretly Yours
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Von Tessa Bailey habe ich bislang noch nichts gelesen, obwohl sie mir namentlich dank Kyss auf jeden Fall bekannt war. Bei „Secretly Yours“ habe ich nun zugegriffen, weil ich das ganze Setting mit dem ...

Von Tessa Bailey habe ich bislang noch nichts gelesen, obwohl sie mir namentlich dank Kyss auf jeden Fall bekannt war. Bei „Secretly Yours“ habe ich nun zugegriffen, weil ich das ganze Setting mit dem Weingut und Thema Kleinstadt sehr interessant und vielversprechend fand.

Zunächst muss ich sagen, dass ich mit dem Schreibstil meine Freude, aber auch kleine Ärgernisse hatte. Mir hat es zunächst gefallen, wie extrem die Kontraste doch waren, die aufeinandergetroffen sind. Hallie als sehr chaotischer Mensch, die schnell ausspricht, was sie denkt und die sich auch herrlich auf Kleinkriege einlässt. Dagegen dann Julian, der so akkurat und korrekt und keinesfalls spontan ist. Auch wenn das insgesamt natürlich sehr übertrieben war, vor allem Julian, wie ich finde, so hat es hier für mich gepasst, weil es für viele humorvolle Sequenzen gesorgt hat. Das ist dann auch das zweite Highlight, denn man kann viel Lachen und Schmunzeln, auch mit Natalie oder Lavinia. Es war sicherlich sehr hilfreich, dass auch bis in die Nebenrollen hinein der Stil beibehalten wurde, so dass auch die Beziehungen untereinander einen gewissen Pepp hatten. Dennoch ist auch eine gewisse Tiefe nicht zu kurz gekommen. Hallie und Julian haben zusammen sehr intensive Momente mit ehrlichen Worten, aber auch abseits davon sind die Beziehungen so gestaltet, dass man sich gut hineinversetzen kann, weil es neben dem gemeinsamen Spaß auch Ernst gibt, wo die Figuren sich jeweils versichert bekommen, dass sie auch sein können, wer sie sind.

Was ich nun als etwas störend empfunden habe, das ist die Sprache, wenn es an die expliziteren Szenen geht. Ich habe nichts gegen erotische Szenen, aber hier fand ich die Sprache für mich persönlich zu derb. Denn, wenn es in der zweiten Hälfte, dann auch mal heiß wird, dann hatte ich stellenweise das Gefühl, die Figuren wurden einmal ausgetauscht. Bei Hallie war das so deutlich nicht, aber Julian? Er war mir öfters da völlig drüber. Also sexy hin oder her, aber es muss auch irgendwie passen. Hier dachte ich jedenfalls mehrfach: Hat er jetzt nicht gesagt, oder? Mit Julian ist aber auch ein Umstand verbunden, den ich als sehr wichtig empfand, weil er in Angstsituationen offenbar in einen Zustand verfällt, wo er sich selbst gar nicht mehr so wahrnimmt und auch sein Zeitgefühl verliert. Auch wenn das nicht medizinisch-exakt angepackt wurde, aber ich fand es als Element hier sehr interessant, auch weil es zu seinem Charakteraufbau und warum er sich so abseits der Familie entwickelt hat, sehr gut passte.

Zum anderweitigen Handlungsverlauf ist es für mich so, dass die Sache mit den geheimen Briefen für mich völlig okay war, weil ich auch selbst bestens weiß, dass etwas niederschrieben oft viel einfacher ist, als es auszusprechen. Wie sie sich aber auch abseits der Briefe näher gekommen sind, war auch mit lustigen Momenten verbunden, wie der Käseklau, herrliche Szene. Auch Hallies Weg dahin, den Laden ihrer Oma mit mehr Selbstbewusstsein zu führen oder Julian, der sich speziell seiner Mutter und der Arbeit auf dem Weingut wieder annähert, das war auch überzeugend. Am Ende war einiges etwas forciert. Da ist der Showdown noch etwas künstlich verlängert worden, nur um am Schluss aber an passenden Symbolen auszukommen.

Fazit: „Secretly Yours“ ist für mich eine insgesamt unterhaltsame Liebesgeschichte gewesen, die ich durch das Hörbuch gut von Isabel Jakob nähergebracht bekommen habe. Es gab viel zum Lachen und auch die Spiele mit Klischees passen hier gut hinein. Es war mehr Tiefe geboten, als ich vielleicht ursprünglich gedacht hätte, dafür tat ich mich mit der Sprache bei spicy Szenen schwerer. Insgesamt aber wirklich gut.

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Veröffentlicht am 01.02.2024

Wichtiger sozialer Schwerpunkt in Frankfurt

Wo die Sterne uns sehen
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Die erste Reihe von Justine Pust hatte ich verpasst, aber ich habe durchaus viele positive Stimmen zu ihr gehört. Mein Geschmack bei New Adult hat sich über die vergangenen fünf, sechs Jahre doch deutlich ...

Die erste Reihe von Justine Pust hatte ich verpasst, aber ich habe durchaus viele positive Stimmen zu ihr gehört. Mein Geschmack bei New Adult hat sich über die vergangenen fünf, sechs Jahre doch deutlich gewandelt. Waren es einst die Bad Boy-Geschichten, brauche ich inzwischen Tiefgang und vor allem Figuren, die wirklich etwas zu erzählen haben. Da hatte ich bei anderen positiven Stimmen zu Pust rausgelesen, dass ich genau das bekommen würde. Daher habe ich bei „Wo die Sterne uns sehen“ nun gerne zugegriffen, um mich von der Autorin einmal selbst zu überzeugen.

Ich habe „Wo die Sterne uns sehen“ als Hörbuch konsumiert. Regina Lange und Louis Friedemann Thiele habe ich beide schon gehört und es sind auch beides sehr angenehme Stimmen, denen man gerne lauscht. Dennoch fällt speziell bei Thiele auf, dass er bei der Wiedergabe von Frauenstimmen schnell in die Gefahr rutscht, es lächerlich wirken zu lassen. Beispielsweise wenn Elias Kontakt mit seiner Mutter hatte, fand ich es sehr seltsam, wie aus seiner Perspektive seine Mutter klang, auch Ada und Martha sind nicht so gut weggekommen. Zum Glück war das bei Willa dann nicht so. Das ist immer ein bisschen schade und ich verstehe auch, dass es für eine Männerstimme auch wirklich schwer ist. Vielleicht empfinde ich es auch nur ganz individuell so und andere finden es normal, wenn Frauen so nachgemacht klingen. Mir fällt es öfters auf und je länger das Hörbuch andauert, desto mehr wird es zur Gewöhnung, aber ansprechen will ich es doch auch immer.

Kommen wir nun aber zur eigentlichen Geschichte und ich fand hier vor allem die Themenverbindung sehr gut gemacht. Mir ist es immer wichtig, dass beide Protagonisten ihre Geschichte haben und es ist auch okay, wenn es völlig unabhängig voneinander ist, denn die eigene Geschichte ist nun mal nicht auf alle Personen aus dem eigenen Umfeld angepasst. Hier war es aber schön, dass es sich in der Sozialen Arbeit so sammeln ließ. Auch wenn Willa und Elias völlig unterschiedliche Aspekte davon abdecken, aber es ist gemeinsames Thema und alleine schon die Bereitschaft, anderen etwas zu geben wollen, weil man selbst gewisse Erfahrungen gemacht hat, das teilen sie. Das hat man im Umgang miteinander auch gemerkt. Zwar ist Elias alles in allem weiter als Willa in der Verarbeitung gewesen, aber beide hatten es oft leichter, sich in den anderen hineinzuversetzen bzw. auch in ihre Freunde und die Besucher der Hilfegruppen. Sie haben Empathie bewiesen, weswegen auch früh wichtige Gespräche geführt wurden. Das hat dann schnell eine Atmosphäre geschaffen, wo ich früh wusste, egal, was jetzt noch an Geheimnissen anvertraut werden muss, es wird einen sicheren Hafen brauchen.

Im Verhältnis würde ich dennoch sagen, dass Willa mehr Raum eingenommen hat als Elias. Ich sprach schon an, dass er auf jeden Fall gereifter in seinem Prozess war und das ist auch okay, denn jeder hat sein eigenes Tempo. Dennoch muss man auch sagen, dass Behinderungen in diesem Genre wirklich extrem selten zu finden sind. In dem Sinne war ich sehr gespannt auf Elias‘ Geschichte im Vorfeld und finde, das Potenzial liegen gelassen wurde. Der Schwerpunkt lag mehr darauf, dass er die Rückkehr ins Elternhaus als Versagen empfindet und dass er eben in vielen Aspekten um Hilfe bitten muss, statt einfach selbst loslaufen zu können. Das waren auch jeweils wichtige Momente, aber ich habe selbst eine Freundin mit einer sehr ausgeprägten Behinderung und ich kenne ihre alltäglichen Kämpfe und aus diesem Bezug heraus habe ich dann doch einiges vermisst. Elias musste nicht wie Willa noch durch ein tiefes Tal gehen, aber man hätte inhaltliche Schwerpunkte auch in Rückblenden ansprechen können. Dass Pust diese tiefergehende Ebene drauf hat, habe ich dann deutlich an Willa gesehen, denn ihre Geschichte ist genau auf dem Niveau ausgearbeitet, wo ich es sehen wollte und will. Ihr ganzes Verhalten im Alltag, wie es an ihren dunkelsten Momenten ist und wie es auch ihren Umgang mit Fremden beeinflusst, ich fand es sehr nahbar und es hat mich berührt.

Alles in allem habe ich gesehen, warum Pust eine Stimme ist, die ich nun auch gerne im Auge behalte. Sie schafft sympathische Figuren, mit sehr individuell ausgearbeiteten Eigenschaften. Es ist keine oberflächliche Gruppe. Es gibt Gegensätze, die überwunden werden, interessante Themen, auch Ausbau von sehr alltäglichen Dingen, wie Unialltag etc., wo man merkt, da kennt sich jemand aus und hat es sinnig verarbeitet. Es war insgesamt eine echte Geschichte, was immer ein großes Kompliment ist.

Fazit: „Wo die Sterne uns sehen“ ist ein unterhaltsamer Reihenauftakt, der mich vor allem auf der emotionalen Ebene abgeholt hat, weil man gemerkt hat, hier geht es tief und hier haben die Figuren aufgrund ihrer Autorin etwas zu erzählen. Vielleicht wäre ein noch besserer Ausgleich der Hauptfiguren noch idealer gewesen, aber ich mochte das Buch sehr und bin froh, dass ich es mit Pust jetzt endlich auch gewagt habe.

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Veröffentlicht am 17.01.2024

Bessere Verpackung des Übernatürlichen

The Peace That Is You
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Die Dreamcatcher-Dilogie von Emma Scott gehört zu ihren älteren Werken, die nun für den deutschen Buchmarkt auch übersetzt wurden. „A Whisper Around Your Name“ war der erste Band und es war nicht wirklich ...

Die Dreamcatcher-Dilogie von Emma Scott gehört zu ihren älteren Werken, die nun für den deutschen Buchmarkt auch übersetzt wurden. „A Whisper Around Your Name“ war der erste Band und es war nicht wirklich meins. Ich habe zwar nichts gegen Übersinnliches, aber es war auf eine Weise eingebunden, die der Liebesgeschichte viel genommen, aber anderen Schwerpunkten dadurch nichts geschenkt hat. Da es eine Reihe ist, ist nun wenig verwunderlich, dass „The Peace That Is You“ sich der Stilistik anschließt. Ob mich der zweite Band besser unterhalten hat?

Ich hatte zu Beginn von „The Peace That Is You“ die Wahrnehmung, ich lese wieder „Bet On You“ von Morgane Moncomble, weil die Parallelen mit dem Pokern schon sehr evident waren. Dennoch bekomme ich letztlich sehr verschiedene Geschichten, wobei ich dennoch unter dem Strich sagen würde, dass Scott und Moncamble in meinen Augen eine sehr ähnliche Stilistik haben, was als Kompliment gemeint ist. Zurück aber zu diesem Buch, ich hatte gleich etwas Bauchschmerzen, denn das Eintauchen in Niks Gedankenwelt war so düster, wie ich „A Whisper Around Your Name“ verlassen habe und gleich mit so einer Stimmung zu starten, ist extrem beschwerlich. Gleichzeitig erleben wir aber auch erste Eindrücke dazu, was Niks besondere Gabe ist, sein ‚Gesicht‘, wie er es nennt. Natürlich kann man mit diesem Ausgeschlossen worden von den eigenen Eltern gut begründen, warum Nik nicht gleich als Sonnenschein daherkommt und dennoch ist es so schwer, Zugang zu ihm finden. Er saugt auch von mir als Leserin mehr weg als dass er mir gibt und das fand ich interessant, weil er genau so seine Fähigkeit auch bezeichnet. In dem Moment, wo er und Fiona dann aufeinandertreffen, da wurde es entschieden besser, weil sie für ihn Hoffnung verkörpert. Er öffnet sich innerlich sofort erheblich und das lässt mehr Blicke darauf zu, wer er hinter diesem Gesicht ist.

Fionas Geschichte ist wahrlich auch keine schöne und durch ihre Gedankenfetzen, in denen sie stets die kritisierende Stimme ihres Exmannes hört, haben wir einen guten Einblick in das, was sie erleiden musste. Dennoch hat sie eine ganz andere Aura an sich als Nik. Sie hat eine Hoffnung in sich, die ansteckt. Deswegen ist das mit ihr verbundene Figurenrepertoire mit den Nachbarn und der Arbeitskollegin aus dem Gartencenter auch so angenehm. Weil Fiona diese netten Menschen gefunden hat, weil sie ist, wer sie ist. Sie balanciert für mich die Geschichte aus und macht auch Nik besser, so dass er in der zweiten Hälfte dann die Geschichte tragen kann. Weil das Zusammenspiel der beiden Protagonisten so gut aufeinander abgestimmt ist, habe ich „The Peace That Is You“ als besseren Band aus der Dreamcatcher-Dilogie empfunden. Die übersinnliche Gabe von Nik ist eine interessante Ergänzung, aber nimmt nicht der Liebesgeschichte seinen Kern. In erster Linie bleibt es um die Liebe gehend und beide Figuren können auf dem gemeinsamen Weg sich selbst finden. Insgesamt mag die Handlung für mich nicht die emotionale Wucht haben, die Scott durchaus erzeugen kann, aber ich fand es in sich wirklich schlüssig und hat mich gut unterhalten.

Fazit: „The Peace That Is You” rettet die Dreamcatcher-Dilogie von Emma Scott erfreulicherweise, den Übersinnliches kann offenbar doch so eingebaut werden, dass es der Liebesgeschichte nicht völlig ihren Kern nimmt. Auch wenn es sicherlich nicht mein Liebling wird, aber es war eine gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 31.12.2023

Drachenliebe

Fourth Wing – Flammengeküsst
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Bei Hype-Büchern bin ich eigentlich lieber schon am Start, bevor es überhaupt ein Hype wird, weil es sonst oft schon etwas vergiftet bei den Voreinnahmen ist. Deswegen habe ich auch erstmal entspannt von ...

Bei Hype-Büchern bin ich eigentlich lieber schon am Start, bevor es überhaupt ein Hype wird, weil es sonst oft schon etwas vergiftet bei den Voreinnahmen ist. Deswegen habe ich auch erstmal entspannt von Rebecca Yarros ihren Liebesroman „The Things We Leave Unfinished“ als Hörbuch konsumiert. Dadurch wusste ich schon, dass sie auf jeden Fall erzählen kann. Dann war entgegen des Hypes auch ein Argument, dass Amazon wohl eine Serie produzieren wird und meine Schwester, die kaum noch liest, hatte es empfohlen bekommen und so kam eins zum anderen und da habe ich beim Hype-Buch „The Fourth Wing“ doch noch zugegriffen.

Auch wenn es wahrscheinlich schon viele als Vergleich angebracht haben, aber ich habe in diesem ersten Band eine wirklich wilde Mischung vorgefunden. Es war „Game of Thrones“ und sein Ableger „House of the Dragon”, es war auch “Harry Potter” mit dem Internatsalltag und es war auch etwas süßer angelegt, „Drachenzähmen leicht gemacht“. Das Thema Drachen ist vielleicht auch so etwas wie es mit Vampiren schon war. Etwas, was gerade richtig Auftrieb bekommt. Das ganze World Building hat mich auf jeden Fall überzeugt, auch wenn man schon merkt, dass wir eine doch recht enge Perspektive durch das War College bekommen. Da die Handlung bis auf das letzte Sechstel nur vor Ort spielt, ist alles über dieses Areal hinaus vor allem Violet zu verdanken, die ursprünglich ausgebildet als Schriftgelehrte, ein wirklich heller Kopf ist, die viel Bescheid weiß und die auch nach Zusammenhängen sucht. Doch das Finale zeigt eindeutig, dass wir nur einen Schnipsel bislang kennengelernt haben und dass die Reihe auf jeden Fall noch großes Potenzial hat, auch wenn es sicherlich immer mal wieder ans War College zurückgehen wird.

Das ist aber auch nicht schlimm, denn das War College hat eine echt spannende Grundlage geboten. Ich war auch überrascht, wie düster die ganze Atmosphäre da am Anfang war. Ich habe wirklich gedacht, dass Violet da keine Freunde wird machen können, weil sich wirklich alle gegenseitig abschlachten wollen. Auch wenn die Gefahr wirklich überall lauert, so ist es erfreulicherweise dann doch nicht so. Es gibt ganz klare Feinde, aber ich konnte auch meine anfängliche Skepsis gegenüber anderen ablegen, denn es ging wohl darum, auch sehr intensive Beziehungen aufzubauen, wie bei Rhiannon zum Beispiel, aber ganz klar auch mit Liam. Dieser Beziehungsaufbau hat mir wirklich gut gefallen. Dain war als eine Art Kompass gedacht, aber er ist für mich früh durchgefallen. Er ist damit durchaus eine spannende Figur, weil er in seiner Art unberechenbar ist, nervig ist er dennoch. Insgesamt hat sich aber ein gutes Miteinander ergeben, natürlich auch mit Xaden, aber darauf komme ich gleich noch etwas genauer.

Was mich sehr überrascht hat, das war eindeutig das Erzähltempo. Auch wenn ich wahrlich keine Fantasy-Expertin bin und damit gar nicht so viele Reihen aus diesem Genre kenne, aber eigentlich ist George R. R. Martin mit „Game of Thrones“ sicherlich eine Art Maßstab und er nimmt sich alle Zeit der Welt. Eins hat Yarros ganz sicher nicht: Zeit. Es wird das ganze erste Ausbildungsjahr erzählt und es passiert wirklich unglaublich viel in diesem ersten Band. Das bewirkt, dass man das Buch kaum weglegen mag, aber manchmal war ich auch zu sehr überrascht, wie schnell manches ging. Das war schon krass manchmal, wie wir von Abenteuer zu Abenteuer gesprungen sind. Da wirkt auch die Entwicklung von Violet manchmal etwas schnell, aber sie war auch umgekehrt nie der Schwächling, den viele in ihr gesehen haben. Es mag nicht ihr Körper sein, der sie herausragend macht, aber ihr Verstand und ihr Mut suchen tatsächlich ihresgleichen und das merkt man von Anfang an und ich fand, dass sie sich das gut durch das Buch gezogen hat. Manches hat sich dennoch entwickelt, wie eben ihre körperlichen Verbesserungen. Wir sind die ganze Geschichte an sie gebunden und ich habe sie weitestgehend als sehr angenehm empfunden. Es war auch richtig cool, durch sie diese besondere Beziehung zu den Drachen zu ergründen. Die Idee fand ich richtig cool und das war für mich auch das allerbeste am Buch. Die Ausgestaltung der Drachen, dass sie eigene Persönlichkeiten sind, dass sie Kräfte haben, dass sie Kräfte kanalisieren sowie dann eben auch die besondere Verbindung, dass oft der Tod einhergeht, wenn der Drache stirbt.

Was nun etwas anstrengender war, das war die Art, wie Erotik in die Reihe eingebunden wird. Liebesgeschichten sind ja eigentlich der Standard, selbst Harry Potter hat eine bekommen, aber wirklich eine andere ausgestaltete. Hier hat man gleich gemerkt, dass es manchmal etwas derber und sexuell offener zugeht. Alles okay, aber es wird immer dann anstrengend für mich, wenn das dann speziell aus den weiblichen Charakteren hormongesteuerte Wesen macht, die auch noch ins Lebensgefahr nur an das eine denken. Ich finde auch, dass mir diese Art es etwas schwerer gemacht hat, Xaden wirklich neutraler zu sehen. Dabei ist er eine wirklich faszinierende Figur und eben genau nicht wegen seines Körpers. Das ist also insgesamt der Teil des Buchs, wo ich ahne, dass er die Reihe sehr prägen und mir auch Kopfschmerzen bereiten wird. Ich mag auch Aspekte ihrer gemeinsamen Geschichte, ich bin schließlich eine Romantikerin, aber es war doch in der Empfindung ein wildes Hin und Her in dem, was mir gefiel und was mir schon wieder viel zu viel war.

Fazit: Ich bin insgesamt froh, dass ich „The Fourth Wing“ jetzt gelesen habe, denn die Idee ist wirklich faszinierend und begeisternd und es gibt so viel Potenzial, was genug Stoff für weitere Bände bietet. Alles rund um die Drachen ist eh der große Trumpf, aber auch Violet als Protagonistin ist wirklich sehr stark und inspirierend. Einzig die Liebesgeschichte ist nicht so ausgestaltet, wie ich es ideal finde. Sie lenkt manchmal zu sehr ab von einer sonst flugs erzählten Geschichte, die großartig durch die Seiten treibt. In einer Serie umgesetzt wird das sicherlich genial aussehen!

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