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Veröffentlicht am 31.10.2023

Bücher, Kriege und Kaiser

Gottes Plagen
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Johannes ist Knappe bei den Johannitern und ausgesandt in der wichtigen Mission, den Kaiser zu warnen über die herannahenden Türken, die sich bereit machen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation ...

Johannes ist Knappe bei den Johannitern und ausgesandt in der wichtigen Mission, den Kaiser zu warnen über die herannahenden Türken, die sich bereit machen, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu stürmen. Auf seinem Weg nach Graz, wo der Kaiser gerade residiert, trifft Johannes auf die Königin Helena, die gerade vor den Türken flieht. Helena, hochschwanger, hat gerade mitansehen müssen, wie ihr Ehemann von den marodierenden Kriegern aus dem Morgenland geköpft wurde. Nun machen sie Jagd auf sie - und damit auch auf Johannes.

Dies ist erst der Anfang eines ungeahnten Schicksals, das die beiden immer wieder auseinanderreisst, um sie wieder zusammenzuführen. Und Johannes ahnt nicht, in welche Schlangengrube er in Graz geraten wird ...

Finster war es weniger, das Mittelalter, aber voller Konflikte und Streitigkeiten. Und gerade gegen Ende des Mittelalters, als von Florenz aus allmählich die Renaissance beginnt, spielt dieser Roman. Für den Autor, Robert Preis, war es ein Herzenswunsch, denn er wuchs in Graz auf und wollte schon immer etwas über dessen Geschichte schreiben.

Die Handlung ist komplex und atemberaubend, teils sehr grausam, was aber nicht schrecken sollte, diesen Roman zu lesen. Es ist die Zeit, die grausam ist, so führt Preis nur das auf, was tatsächlich gang und gäbe war. Menschen wurden gevierteilt und geköpft, ihnen wurden grausame Wunden geschlagen, die sie mal mit viel Glück überlebten, mehr aber an ihnen erlagen. Nur allein die Schlachtenszenen sind es wert, sich diesen Roman zu kaufen. Ich gebe zu, ich persönlich habe nie bessere gelesen. Man ist mitten im Schlachtengetümmel, das Blut spritzt, Gliedmaßen werden abgetrennt, Pferde und Männer sterben.

Das alte Reich klammert sich noch an das Althergebrachte, und doch schleichen sich bereits die ersten Vorboten der Neuen Zeit heran in Form von Patriziern, die den neuen Stand des Geldadels begründen und so hoch steigen können, dass sie selbst zu Beratern eines Kaisers werden. Dies ist das Beispiel von Johannes' Halbbruder Balthasar, der, wenn ich den Anmerkungen Glauben schenken darf, sogar auf einer wahren Figur beruht. Und Balthasar nimmt wirklich, gemeinsam mit einigen wenigen anderen, zuviel Einfluss auf den Kaiser, das muss Johannes gegen Ende schließlich begreifen.

Die Figuren, gerade die von Johannes und Helena, sind lebendig, haben ihre Schwächen und Stärken und versuchen einfach nur ihre Leben zu leben, was nicht immer gelingt. Dass die beiden, oder später nur noch Johannes allein, ständig vom Regen in die Traufe geraten, ist ja auch der Sinn eines Romans. Man will seine Leser schließlich bei der Stange halten. Dennoch denken beide auch äußerst modern, was auch gefährlich ist und ein weiterer Hinweis auf den Zeitenumbruch, der beginnt.

Stände waren im Mittelalter alles. Man war was man war, von Adel oder unfreier Bauer. Wie ein Kaiser allerdings annehmen kann, die Bauern würden große Teile ihrer Ernten unterschlagen und sich daran bereichern, wenn man ständig damit rechnen muss, von Türken getötet und die Felder verbrannt zu werden ist mir immer noch schleierhaft. Und als Johannes in seiner Wut die Wahrheit spricht, kann er froh sein, dass der Kaiser nicht anwesend ist. Das hätte vermutlich wirklich seinen Kopf gekostet, wenigstens.

Johannes trifft nicht nur den Kaiser, auch die äußerst reale Vorlage für all die Blutsauger dort draußen darf er besuchen: Vlad Draculea, oder besser bekannt als Vlad Tepec oder Vlad der Pfähler. Im Auftrag des Kaisers reist Johannes nämlich nach Ungarn, um den dort Inhaftierten zu besuchen mit der Frage, ob Friedrich III. ein gutes Wort für den Walachen einlegen soll oder nicht. Und was Johannes dort anfindet erinnert (im guten Sinne!) an niemand geringeren als Hannibal Lecter. Oh, wie ich diesen Teil geliebt habe! Die Gespräche der beiden lesen sich dermaßen spannend, dass man an den Seiten geradezu klebt, um ja nichts zu verpassen.

Politik und Intrigen spielen in diesem Roman ebenso eine nicht gerade kleine Rolle, reißen sie Johannes doch regelmäßig von Helenas Seite. Der Ausflug an die Donau war nur die erste von vielen Reisen, die er zu bestehen hat. Und als er aufsteigt zum Georgsritter wird ihm endlich gewährt, auf was er so lange pochte: Männer in Waffen. Doch nicht gegen die Türken muss Johannes ziehen, sondern gegen die eigenen Leute. Aufgeschreckt von seiner eigenen Taktik sendet Friedrich ihn aus, gerade die Bauern wieder zurück auf den Acker zu bringen, denn es droht ein Aufstand. Und widerwillig und voller Abscheu fügt Johannes sich einmal mehr.

Wer heute Freund ist, ist morgen der Feind. Nicht nur gegen Aufstände muss Johannes kämpfen, nein, auch gegen seine engsten Freunde, als diese sich dem Kaiser entziehen und ihm die Fehde erklären. Und wieder sieht Johannes sich machtlos und als Spielball höherer Kräfte. Wieder wird die Gefahr aus dem Osten ignoriert und das eigene Lager nachhaltig geschwächt.

Als dann aber die Türken wirklich kommen, da flieht der Kaiser und lässt Graz schutzlos zurück. Und wieder ist es Johannes mit einer bunt gewürfelten Schar, der die Stadt rettet. Nicht unbedingt im Kampf, aber er hat sich bereits auf seiner eigenen Burg ein Meldesystem ausgedacht, das nun in Anwendung gebracht wird - Signalfeuer, die von Burg zu Burg gegeben werden, um Hilfe herbeizurufen. Was aber macht macht der oberste Georgsritter in der gleichen Zeit, als Johannes seinen Hals riskiert vor den Mauern der Stadt? Er plant im Auftrag des Kaisers ein Gemälde in Auftrag zu geben.

Mit dem Krieg kommen auch Heuschreckenschwärme, die die Ernte vernichten, und schließlich die Pest. Vom Adel scheint das niemanden zu stören, auch dass die Angriffe aus dem Osten immer weitergehen interessiert noch immer niemanden. Die Menschen sind verzweifelt, noch niemand ist da, um sich um sie zu kümmern.

Am Ende schließt sich der Kreis und man kann nur hoffen, das Johannes, mittlerweile ein erfahrener Ritter mit Frau und Kindern, doch noch ein wenig Frieden genießen kann. Verdient hat er es sich auf jeden Fall.

Ein gut recherchierter Roman mit spannender Handlung und gut gezeichneten Charakteren, den man nicht mehr aus der Hand legen möchte.

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Veröffentlicht am 25.10.2023

Alles was das Herz begehrt

Zwielicht 18
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Das Magazin Zwielicht geht in die 18, Runde, und was für eine! Die Anthologie wartet mit allem auf, was man sich vorstellen kann. Horror und Grusel vom Feinsten, zwei gute Artikel, die das ganze abrunden. ...

Das Magazin Zwielicht geht in die 18, Runde, und was für eine! Die Anthologie wartet mit allem auf, was man sich vorstellen kann. Horror und Grusel vom Feinsten, zwei gute Artikel, die das ganze abrunden. Von Neu-Autor zum Klassiker ist alles vertreten. Wer wirklich gute, überwiegend deutsche Phantastik lesen möchte, der ist hier gut aufgehoben.

Doch im einzelnen:

Tobias Lagemanns Geschichte ist nicht Alt und Rostig, nein. Aber das Mittel seiner Wahl ist es, und erschreckt noch dazu die heimische Jugend bis ins Mark. Ein gelungener Auftakt, der den Ton für den Rest des Buches gibt.

Christian Blum weiß, So schreiten keine ird'schen Weiber. Nein, tun sie nicht. Aber nicht alles ist irdisch, was daherkommt, oder doch? Leg dich nie an mit denen, die vor uns kamen, das könnte böse ausgehen. Böse Geschichte, im positiven Sinne.

Mit Arthur Machen gibt es dann auch gleich den ersten Klassiker mit seiner Kurzgeschichte Ritual. Wir bleiben hier im gleichen Tenor, oder ist es ein anderer? Auf jeden Fall aber zeigt sich hier die Macht der Suggestion.

Lisa-Katharina Hensel sucht nicht Den Schatten, aber sie erzählt davon. Ihre Protagonistin hat mit den Nachwirkungen einer Organtransplantation zu kämpfen - auf die etwas andere Art. Etwas vorhersehbar, aber gut geschrieben.

Michael Tillmann berichtet von den Reihen von Spukhäusern wie Traumlandschaften und setzt seinen Protagonisten inmitten von ihnen aus. Ein Highlight der Anthologie!

Der nächste Klassiker findet sich mit Algemon Blackwoods Der Bengel. Für die damalige Zeit mag sie gruselig sein, für mich hier und heute war sie eher herzerwärmend. Eine schöne kleine Geistergeschichte.

Julia A. Jorges hat nicht Zweierlei Blut, zumindest hoffe ich das. Mit Lovecraft'schen Monstern an der Nordsee ist sie sicherlich nicht die erste. Aber die erste, die mich zumindest mit einem Plottwist überraschen konnte. Sehr gut geschriebener Horror, der sich allmählich in die Realität ergiest.

Karin Reddermann findet ihre Geschichte Merkwürdig, oder so zumindest findet ihr Protagonist die neue Diät seiner Frau. Herrlicher schwarzer Humor vom Feinsten, der den meinen genau getroffen hat. Daher: Highlight!

Und wieder ein Klassiker, zudem einer, den ich vorher nicht kannte. Laurence Kirk war mir bisher kein Begriff. Seine Geschichte Dr. Macbeth ebenfalls nicht. Oh, wie oft hatte ich während der Lektüre Margaret Rutherford vor Augen! Herrlich!

Erik Hauser erzählt vom Allesschluck. Was sich so alles in finsteren Kellern einnisten kann ist wirklich phantastisch. Wie der Untertitel sagte: Eine Geschichte für BÖSE Kinder.

Achim Stößer erzählt von Der kleinen Schwester des Todes und entführt den Leser in eine zukünftige Welt, in der Weltraumforscher vor eine unmögliche Wahl gestellt werden. Gut geschrieben, guter Plot, überraschende Wendung und damit das dritte Highlight.

Jasper Nicolaisen hat den Wunsch nach Freundschaft mit den Anglern. Das war einmal ein vollkommen anderes Herangehen an die Großen Alten, noch dazu eines, das ich sehr geschätzt habe, denn damit rechnete ich wahrlich nicht. Highlight Nummer 4.

Lennox Lethe ist Der Nächste in der Reihe und berichtet über eine Achterbahn auf einem Rummel. Die war böse und gut! Ich liebe solche schwarzen Nettigkeiten, wenn ich auch sicherlich nie wieder eine Achterbahn betreten werde, vor allem nicht die letzte Reihe.

Ein weiterer Klassiker wartet auf mit Winston K. Marks, von dem ich ebenfalls noch nie etwas gehört hatte. Umso mehr amüsierte ich mich über seine Geschichte Die Körperformer kommen!

Mit Edward Frederic Besnon folgt sofort der nächste Klassiker. Seine Geschichte Die Schritte berichten über einen skrupellosen Geschäftsmann im kolonialen Ägypten, der mehr bekommt, als er sich dachte. Viel mehr. Am Ende dachte ich nur: Ausgleichende Gerechtigkeit.

Émile Erckmann und Alexandre Chatrian sind weitere Klassiker. Ihre Geschichte Die Bienenkönigin berichtet von einem Wanderer, der in den schweizer Bergen in einem Chatot strandet. Ein paar Gottesbezeugungen weniger hätten es für mich alte Hexe auch getan. Mir persönlich ist diese Geschichte ein wenig zu zuckersüß.

Den Abschluss des Geschichten-Teils bildet kein anderer als H.G. Wells mit Der graue Mann. Irgendwie düster, wie er hier die Zukunft schildert, und bedrückend.

Zum Abschluss erwarten den Leser noch zwei Artikel:

Karin Reddermann schreibt einen kurzen Abriss über die Geschichte unserer felinen Freunde, womit sie bei mir natürliche offene Türen einrennt. Neues habe ich dem Artikel leider nicht entnehmen können, aber er war gut und flüssig geschrieben und sehr informativ.

Jo Piccol schreibt über Hanns Heinz Ewers und seine doch früher sehr kontroversen Geschichten und sein nicht minder schillerndes Leben. Dort fand ich einiges über den verstorbenen Autoren, was ich noch nicht wusste, ich gebe allerdings auch zu, dass ich mich noch nicht sehr ausführlich mit Ewers beschäftigt habe. Ein wenig langatmig, aber definitiv informativ.

Eine gelungene Zusammenstellung diverser Autoren, ob alt oder neu. Eine Anthologie oder ein Magazin, je nachdem, wie man es sehen möchte, das sich lohnt, im Bücherregal zu haben.

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Veröffentlicht am 16.03.2024

Packendes Abenteuer

Der Taliban
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Sara ist neu in der "Sisterhood", einer Geheimorganisation, die sich verschrieben hat, gutes zu tun. Als ein Freund von Sara in Afghanistan vor laufender Kamera hingerichtet wird, schickt man sie an den ...

Sara ist neu in der "Sisterhood", einer Geheimorganisation, die sich verschrieben hat, gutes zu tun. Als ein Freund von Sara in Afghanistan vor laufender Kamera hingerichtet wird, schickt man sie an den Ort des Geschehens, denn der Freund stand in Verbindung mit der Sisterhood und war im Besitz von Informationen. Saras Auftrag: Diese Informationen sicherstellen und die Ehefrau ihres Freundes Casim zu exfiltrieren ...

Der Titel sprach mich an. Schon seit der Zerstörung der stehenden Buddhas von Bamiyan (also einige Monate vor 9/11) recherchiere ich über diese Terror-Gruppe und versuche, deren Handlungsweisen zu verstehen. Insofern dachte ich, dieser Roman könnte vielleicht hilfreich sein.

Vorweg sollte ich vielleicht erwähnen, dass dies der dritte Teil einer Thriller-Reihe ist. Ab und an wird auf vergangene Abenteuer der Heldin Sara hingewiesen, aber eher in dem Maß, dass man als Erstleser nicht davon gestört, sondern eher animiert wird, sich diese beiden ersten Bände zuzulegen. Es sind bessere Randnotizen, die den einen oder anderen Glimmer auf Vergangenes wenden, ohne den Lesegenuss zu stören. Persönlich halte ich das für eine sehr gute Lösung, denn auf diese Weise können auch neue Leser gewonnen werden, auch wenn der Zyklus bereits vorangeschritten ist.

Owen begibt sich in diesem Roman auf ein heißes Eisen. Seit der Machtübernahme der Taliban 2021 hat sich das bisschen Fortschritt, dass das Land vormals hatte, ins Gegenteil gewandt. Gäbe es nicht Autos, Handys und Strom, könnte man glatt von einem Rücksprung ins finsterste Mittelalter sprechen. Die selbsternannten Gotteskrieger beherrschen Afghanistan vor allem mit Terror, was sich selbstverständlich auch bis in die Familien zieht. Hier gelingt Owen es, die Angst und das Misstrauen glaubhaft zu schildern. Man fühlt als Leser die Beklemmung, ja die Angst der Familie, die Unsicherheit, wem noch vertrauen zu können und wem nicht.

Dass Owens Heldin Sara noch dazu eine Frau und Ex-Soldatin der Bundeswehr ist, macht das ganze Szenario zu purem Sprengstoff. Frauen in Afghanistan sind entrechtet, besser ist es nicht zu sagen. Dabei beziehen die Taliban sich auf diverse Koran-Suren. Die Rezensentin gehört zu den Gottlosen, die es gewagt haben, den Koran zu lesen. Besagte Stellen haben nichts, aber auch gar nichts, mit der Entrechtung von Frauen zu tun, ganz im Gegenteil. Aber wer Bildung im allgmeinen unterdrückt und selbst vermutlich kaum mehr in der Lage ist, seinen eigenen Namen zu schreiben, den stört das nicht. Vielleicht täten die Taliban statt dessen einmal einen Blick nach Kambodscha gut. Wer Bildung unterdrückt, der wird irgendwann den Preis zahlen. Kambodscha hat das hinter sich und ich wage zu bezweifeln, dass irgendeiner der sogenannten selbsternannten Gotteskrieger etwas ähnliches erfahren möchte.

Insofern ist es gerade gut, dass Sara eine Frau ist, noch dazu eine, die weiß, wie sie sich zur Wehr setzen kann und dies auch tut. Mir als Leserin zauberte es ein Lächeln auf die Lippen, als Sara ihren Befreiungsschlag in dem Folteranwesen beginnt und dort einigen "Gotteskriegern" mehr als nur ein Veilchen verpasst.

Auch wenn mir persönlich schlecht wird, wenn ich Sätze wie "sie ist doch nur eine Frau" und ähnliche lesen muss, so bringt die Autorin hier klar und deutlich zum Ausdruck, wie das Denkmuster der Taliban verläuft. Dabei lassen die selbsternannten "Gotteskrieger" gern aus, dass es Frauen sind, die Kinder zur Welt bringen. Auch wenn es unmöglich ist für die weibliche Bevölkerung, so frage ich mich schon seit Jahrzehnten, was passieren würde, würden die Frauen in solchen Gemeinschaften einfach ihre Sachen packen und gehen. Mal sehen, wie lange dieser Satz dann noch Bestand hat und wie viele Männer dann wohl Kinder gebären.

Was mir persönlich auch gut gefiel war Saras Gewissen, ihre Gefühle und Gedanken über die Familie, die sie in Deutschland zurückgelassen hat, gerade über ihre eigene Tochter. Das war glaubhaft geschildert und passte sehr gut in das Szenario.

Alles in allem eine packende Geschichte mit glaubwürdigen Charakteren, gut geschilderter Action (ja, den musste ich noch ansprechen) und einer schlüssigen Handlung.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Back to School

Vanas Erbe
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Nirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist ...

Nirvy ist neu in Nordgard, der Schule für angehende Krieger - neben einigen anderen Berufen, die die Schule anbietet. Bisher hat sie zurückgezogen mit ihrem Vater in einem kleinen Dorf gelebt. Dies ist das erste Mal, dass sie auf Gleichaltrige trifft - und sie verscherzt es sich bereits am zweiten Tag mit der "Queen der Beliebten", was zu einer kaum zu ertragenen Mobbingsituation führt, in der sie sich wiederfindet. Nur ihre Bettgenossin Ylvie hält zu ihr.

Doch Nirvy ist etwas besonderes. So besonders, dass es sie in Gefahr bringt ...

Schulsettings in Fantasy ist spätestens seit Harry Potter zu einem Standard in der Fantasy geworden, so sehr, dass sich mittlerweile mit "Dark Academia" ein eigenes Genre um dieses Setting gebildet hat und es auch immer wieder gern von Romantasy-Autorinnen aufgegriffen wird. Dieses Setting allerdings in einer Art Wikingerzivilisation zu setzen, das war mir neu.

Nirvy als Charakter kommt zuerst sehr unsicher, aber auch stark rüber. Das ändert sich im Verlauf des Romans auch nicht sonderlich - bis auf eines der letzten Kapitel, aber da ist es nachvollziehbar, dass sie sich fügt und die Hoffnung allmählich fahren lässt. Ein wenig verwirrt war ich über die Tatsache, dass Nirvy irgendwie in Verbindung mit den Elementen zu stehen scheint, zumindest dem Wind und dem Wasser. Dem habe ich anfangs wenig Beachtung geschenkt, bis es dann offensichtlich wichtig wurde.

Die Welt in diesem Buch beschränkt sich in der ersten Hälfte auf Nordgard und das Umland. In der späteren Hälfte kommt dann noch ein weiterer Abschnitt der Welt dazu. Hier allerdings wird mit Beschreibungen ein wenig gegeizt vom Autor. Es ist eine Heidelandschaft, weil irgendwann vor Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten(?) sämtliche Bäume gerodet wurden. Andererseits gibt es offensichtlich zumindest noch Gehölze, denn Nirvy flieht in ein solches.

Die Charaktere sind stimmig ihrer jeweiligen Rolle und glaubhaft in ihrer Umgebung. Die Lehrer bleiben dagegen überwiegend etwas blass, was aber in einem Schul-Setting in der Regel normal ist. Es ist die Dynamik der Schüler, die den Leser fesseln, nicht die der Lehrer. Da darf es vielleicht den einen gehassten und verabscheuten Lehrer geben oder den, zu dem man immer kommen kann und der sich sorgt. Von letzteren scheint es in Nordgard geradezu zu wimmeln. Unbeliebte Lehrer dagegen gibt es nicht, höchstens Unterrichtsfächer, die nicht so hoch im Kurs stehen.

Ich fand, anfangs zog sich die Geschichte, und das sehr. Man kam gut rein, keine Frage. Das erste Kapitel und auch das zweite waren spannend, weil man Nordgard kennenlernte und einige der Charaktere. Danach geriet alles ein wenig schleppend. Ich wurde selbst schwer in der Schule gemobbt und konnte Nirvy nachvollziehen und fand ihr Verhalten, sich zurückzuziehen anstatt anzukämpfen gegen die Ungerechtigkeit, mehr als schlüssig. Irgendwann gibt man einfach auf, das ist so. Man weiß ohnehin, was am nächsten Tag kommt und dass es hoffentlich "nur" das gleiche ist wie gestern und nichts schlimmeres. Und da sind wir uns hoffentlich alle einig, Kinder und gerade Heranwachsende können eine perverse Phantasie entwickeln, wenn es darum geht, einen Mitschüler zu quälen und sein Leben zur Hölle zu machen.

Frey bietet etwas, was mir noch nicht untergekommen ist: Er hat Karten für seine Geschichte, doch diese befinden sich nicht im eBook, sondern man kann sie mittels eines QR-Codes auf seinem Handy aufrufen. Auf jeden Fall eine bessere Lösung als die üblichen eingefügten Karten, die der Reader nicht zufriedenstellend anzeigen kann, weil sie entweder riesig oder winzig sind.

Was halte ich also von Nordgard? Eines auf jeden Fall. Frey hat einen zweiten Teil bereits fest eingeplant, denn es bleiben am Ende sehr viele Fragen offen. Es ist ein handwerklich guter Roman. Ich weiß nur nicht so ganz, wer seinee Zielgruppe ist nachdem, was mit Nirvy passiert. Einem 10-Jährigen würde ich das Buch nicht in die Hand drücken, dafür geht's ab einer Stelle zu sehr zur Sache. Für Erwachsene aber scheint es auch nicht so wirklich zu sein, dafür ist das Setting zu sehr auf ein jüngeres Publikum ausgelegt.

Alles in allem bleibt ein guter Roman, der allein durch sein Setting bereits überrascht. Ein solider erster Teil, der Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Dunthrak dampft und bebt

Braahak Rabenauge
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Braahak ist ein Ermittler. Er wird nach Dunthrak bestellt von einem der Stadträte, um das Verschwinden dreier Goblinerfinder aufzuklären. Braahak nimmt den Fall an, doch bald stellt sich heraus, dass hinter ...

Braahak ist ein Ermittler. Er wird nach Dunthrak bestellt von einem der Stadträte, um das Verschwinden dreier Goblinerfinder aufzuklären. Braahak nimmt den Fall an, doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Verschwinden mehr steht als nur der Dampf von Dunthrak …

Wenn man mich fragen würde, wo ich dieses Buch einordne, würde ich sagen eine Mischung aus Steampunk, Urban Fantasy und Thriller. Der Autor selbst bezeichnet es als Krimi, aber in meinen Augen geht es eben aufgrund der Spuren, die Braahak findet, eher in den Thriller als in den Krimi.

Braahak ist selbst für einen Zwerg einzigartig. Er sieht nicht nur, er erkennt Zusammenhänge und findet selbst die kleinsten Spuren. Das wird gleich im Prolog sichtbar. Mit einem Auge wie Sherlock Holmes kann er selbst Geschichten und Ereignisse aus der Betrachtung von Staub zusammenstellen – und das ganz ohne Lupe. Die taucht tatsächlich nur einmal auf im Roman, und ich bin mir bis jetzt nicht sicher, ob er nicht einfach seinem jungen Begleiter eine kleine Show geben wollte.

Da kommen wir auch zu einem Problem des Romans. Als großer Sherlock-Holmes-Fan war ich natürlich sofort angetan von Braahak. Nach der Lektüre bin ich mir sicher, ich weiß, warum es im SH-Kanon nur eine einzige Kurzgeschichte gibt, die aus Sherlocks Sicht geschrieben wurde. Braahak wirkt unnahbar, und das könnte zu einem Problem werden für den Leser, der tiefer in ihn eindringen möchte. Ja, man erkennt schnell Braahaks Begabung, erkennt, dass er sich zurückhält. Aber ist da ein mechanisches oder zwergisches Herz, das in seiner Brust schlägt? Nach dem Lesen bin ich mir da immer noch nicht sicher.

Braahak zur Seite steht der Goblin-Junge Tikk, den er unter seine Fittiche nimmt. Tikk ist eine Waise, auf den Straßen und in den Gassen Dunthraks aufgewachsen, aber clever und intelligent. Irgendwie schlich sich bei mir der Eindruck ein, dass Braahak ein Stück seiner selbst in dem Jungen wiedererkennt.

Und dann ist da noch der Schattenrichter. Ein undurchsichtiger Charakter, über dessen Motive man lange Zeit im Buch rätselt, der aber ebenfalls wichtige Hinweise an Braahak weitergibt. Und das, obwohl diesem Mann der Ruf eines Mörders anhängt.

Ein weiterer, sehr wichtiger Charakter ist die Stadt Dunthrak selbst. Der Autor hat sich sehr große Mühe gegeben, diese bis ins Detail zu beschreiben, was an einigen Stellen ermüdend wirkt. Aber dadurch steigert sich auch die Atmosphäre. Dunthrak ist nich nur eine Stadt, sie ist wie ein übergroßes Lebewesen, das atmet und stöhnt und aus dessen Rhythmen Braahak liest wie ein Spurenleser. Eine interessante Mischung.

Zum Teil, gerade in der Mitte, werden die Beschreibungen Dunthraks geradezu surreal. Als Leser muss man sich an solchen Stellen besonders konzentrieren, was zugegeben nicht immer einfach ist. Das Buch will nicht nur gelesen werden, es sucht nach Bestätigung. Leider kann man auch über-beschreiben, und ich empfand Teile der Beschreibung wirklich als überflüssig. Ich hatte schon beim ersten Mal begriffen, was Braahak meinte, wenn er von dem Puls in den Leitungen sprach, ich brauchte keine Wiederholung, ebensowenig wie Tikk.

Der Fall an sich treibt die Handlung voran. Die Frage ist, wie weit ist Braahak bereit, in den Kaninchenbau vorzudringen? Er war schon ziemlich tief drin am Ende. Aber ich bezweifle, dass das schon die Spitze des Eisbergs war, da war noch Luft für mehr. Und gerade die Reaktion des Stadtrates scheint meinen Verdacht zu bestätigen.

Alles in allem bleibt ein gelungener Erstling, der aber keine leichte Kost ist. Ein spannender Fantasy-Thriller, der in tiefe Abgründe führt mit einem Ermittler, der selbst verschlossen wie eine Auster erscheint mit dem äußeren Mitgefühl eines Vorschlaghammers, aber innerlich weicher als Daunen, zumindest soweit man als Leser in ihn dringen kann. Kein Highlight, aber ein solider Roman mit einem gemeinen Cliffhanger am Ende.

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