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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.03.2024

Tolles Gesamtkunstwerk

Die sieben Türen
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Vorweg: Ich liebe dieses Buch! Möglicherweise wurde es für mich geschrieben. Jedenfalls fühlt es sich so an, als hätte man ein persönliches Geschenk erhalten.
Es beginnt mit einem Leuchten im Nichts. Es ...

Vorweg: Ich liebe dieses Buch! Möglicherweise wurde es für mich geschrieben. Jedenfalls fühlt es sich so an, als hätte man ein persönliches Geschenk erhalten.
Es beginnt mit einem Leuchten im Nichts. Es ist wissensdurstig und unbedarft, gerufen von der Sehnsucht, trifft es auf eine Raupe namens Yara. Diese führt das Leuchten zu den sieben Türen. Gemeinsam gehen sie durch jede Tür und begegnen dem Licht und der Dunkelheit, der Liebe und dem Hass, der Angst und dem Mut, dem Glück und der Trauer, dem Jetzt und der Unendlichkeit und hinter der letzten Tür dem Leben und dem Tod. Es entstehen Gespräche mit dem Glück, der Trauer oder der Liebe und sie reden auch über die Menschen, die so klein sind, aber durch die Liebe riesig werden können. Auf fantasievolle Art bringen sie dem kleinen Leuchten ihr Sein näher, beantworten viele tiefgründige Fragen („Wie verliere ich den Glauben an die Liebe nicht?“) und fassen in wenigen Sätzen zusammen, was eigentlich schwierig zu erklären ist. „Wenn du es sagst, klingt es so einfach.“ Diese kindliche Neugier und allwissende Vereinfachung ist so tröstlich und liebenswert, dass manch einer denken könnte, es handelt sich um ein Kinderbuch. Allerdings ist es eher ein Ratgeber in Form einer Geschichte. Diese Magie zwischen Wort und Bild, von der Christian Huber unter dem Klappentext spricht, ist sehr spürbar und führt Kopf und Herz zusammen. Ich bin sehr begeistert von dem Spiel aus Hell- und Dunkelheit. Die Text-und-Bild-Gestaltung ist durchdacht und kreiert ein besonders Leseerlebnis. Alle Türen waren auf ihre Art inspirierend, aber die dritte Tür hat mir am besten gefallen. Es geht nicht nur um Liebe und Hass, sondern auch um Akzeptanz, Hoffnung, Zuversicht - alles in einem illustrierten „Meer voll von prächtigen Blumen“. Ganz oft dachte ich: „Das klingt wunderschön“. Poetisch, sanft und harmonisch. Es sind Sätze, die im Kopf bleiben und weiter arbeiten. Es ist eins der Bücher, das bleibt.


Fazit: Ein wertvolles Buchgeschenk, für sich selbst und andere. Hier ist alles vereint, was ich sehr mag: eine angenehme Tiefgründigkeit, eine fantasievolle und berührende Geschichte voller Wunder, und kunstvolle Illustrationen zum Staunen. Außerdem durchzieht eine spannende Frage die Handlung, die erst zum Schluss beantwortet wird. Das Leben ist kompliziert. Deshalb ist diese Geschichte so schön, die einen ähnlichen Effekt hat, wie die Bilderbücher, die man als Kind immer und immer wieder lesen wollte. Ein besonderes Gesamtkunstwerk, das ich sehr empfehlen kann.

Veröffentlicht am 23.03.2024

Ein Hörbuch voller Glücksmomente - Empfehlung!

25 letzte Sommer
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«25 letzte Sommer» erzählt auf sehr angenehme, überlegte und beruhigende Weise von einem Mann, der sich von der modernen Welt gestresst fühlt. Es sind Abgabetermin, Erwartungen und das unentwegte Streben ...

«25 letzte Sommer» erzählt auf sehr angenehme, überlegte und beruhigende Weise von einem Mann, der sich von der modernen Welt gestresst fühlt. Es sind Abgabetermin, Erwartungen und das unentwegte Streben nach Höherem, dass ihn unzufrieden macht. Auf einem Spaziergang an den See, lernt er den Kartoffelbauern Karl kennen, der ihn spontan einlädt. Aus dieser schicksalshaften Begegnung entstehen tiefgründige Gespräche über das Leben, Sehnsüchte und Erinnerungen. Karl ist ein außergewöhnlicher Mensch, der aufmerksam zuhört und aufrichtiges Interesse zeigt. Seine entwaffnende Freundlichkeit und inspirierende Lebensweise übt große Faszination aus. Daraus entsteht ein „wundervoller Tag“, der ein ganzes Leben verändern wird.

Es sind lebenskluge Gedanken, die diese Geschichte so besonders machen, über das Leben im Hier und Jetzt, Entschleunigung, Genuss, Glücksmomente und tröstliche Erkenntnisse über das Loslassen und Selbstakzeptanz. Diese fließen mühelos in den Text ein und lassen die Charaktere jederzeit authentisch wirken. Am schönsten fand ich, wie ehrlich und verletzlich sich die beiden Charaktere gezeigt haben. Diesen Momenten wohnt ein richtiger Zauber inne, der zeigt, wie sehr wir uns nach Verbundenheit sehnen.

Ich kann das Hörbuch sehr empfehlen. Markus Hoffmann spricht es so wohltuend und entspannend, dass man es auch zum Einschlafen hören kann. Wer sich gern Zitate markiert, sollte lieber das Buch wählen. Denn es gibt viele tolle Textstellen, wie diese: „Tüchtig und strebsam ein schönes Haus für sie zu bauen ist eine Leistung. Lebenswert wird es erst, wenn man es mit Liebe, Zuwendung und Geborgenheit einrichtet.“

Für alle, die «Das Café am Rande der Welt» mochten. Dieser Roman ist allerdings noch schöner, nicht zuletzt wegen der natürlichen Atmosphäre und dem charmanten Bauernhof-Flair. Ein absolutes Highlight und sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 18.03.2024

Sehr empfehlenswertes Leseerlebnis

Mein ziemlich seltsamer Freund Walter
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Vorhang auf! «Mein ziemlich seltsamer Freund Walter» ist ein berührender Comicroman des gleichnamigen Theaterstücks und erzählt in drei Teilen von der unglücklichen neunjährigen Lisa, die als Außenseiterin ...

Vorhang auf! «Mein ziemlich seltsamer Freund Walter» ist ein berührender Comicroman des gleichnamigen Theaterstücks und erzählt in drei Teilen von der unglücklichen neunjährigen Lisa, die als Außenseiterin unter Einsamkeit, Armut und Ängsten leidet. Zuhause muss sie viel Verantwortung übernehmen, weil ihre Eltern sich nicht um sie kümmern. Szenenhaft begleitet man sie auf ihrem Schulalltag, geprägt von Mobbing und Ausgrenzung, und empfindet großes Mitgefühl für die schlaue Lisa, die nicht weiß, wie sie sich aus dieser Lage befreien soll. Viel zu viel Ballast für ein Kind, was man auch beim Lesen spürt. Der außerirdische Walter ist als Tourist auf der Erde und für Lisa wie eine Art Befreiungs-Couch, der ihr mit Rat und Tat zur Seite steht. Als unsichtbarer Freund zeigt er ihr Lösungen auf, berichtet von einer anderen Welt und baut ihr mit modernster Technik ein cooles Gadget. Das hat mir sehr gut gefallen, weil er viele Aspekte aufgreift, gepaart mit einer Portion Fantasie, von denen man beim Lesen profitiert, auch wenn es stark vereinfacht ist. Es geht um Freundschaft, Anderssein, Mut und Toleranz, das Verständnis für ein gelungenes Miteinander und gegenseitige Unterstützung.

Die Gestaltung ist originell und verspielt, sowohl die Texte als auch die Schwarz-Weiß-Illustrationen, die mit Aussagekraft und Humor überzeugen. Die wörtliche Rede ist fett gedruckt und passende Köpfe lassen keinen Zweifel an der Zuordnung. Eine Erzählstimme füllt die Geschichte mit Kontext, quasi ein Hörspiel für die Augen. Außerdem agieren die Figuren mit dem Text, wie auf einer Seite, als Lisa auf ein Wort zeigt, welches sie nicht kennt. Überhaupt begeistern die liebevollen Details oder die Erschaffer Sibylle Berg und Julius Thesing, die auch im Buch zu finden sind. Der Comic hat überraschend viel Tiefe, wenn man die Lesedauer bedenkt, denn durch die „Großartigkeit“ von Wort und Bild fliegt man förmlich durch die Seiten. Mir fällt absolut nichts ein, was dagegen spricht, dieses Buch zu lesen. Selbst wenn man sonst keine Comics liest, wird man feststellen, dass dieses Werk eine „neue Dimension“ an Möglichkeiten bietet, Geschichten zu erleben. Ich bin jedenfalls begeistert und empfehle besonders Kindern ab zehn Jahren, die sich traurig und nicht dazugehörig fühlen, diese hoffnungsvolle Geschichte.

Veröffentlicht am 11.03.2024

Pädagogisch wertvoll

Ein Zuhause für deinen Drachen
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«Ein Zuhause für deinen Drachen» ist eine märchenhafte Geschichte, in der es um das Erkennen, Benennen und Annehmen von Gefühlen geht. Mitten in der wildesten Wildnis begegnen sich eine Wanderin und ein ...

«Ein Zuhause für deinen Drachen» ist eine märchenhafte Geschichte, in der es um das Erkennen, Benennen und Annehmen von Gefühlen geht. Mitten in der wildesten Wildnis begegnen sich eine Wanderin und ein kleines lockiges Mädchen namens Mari. Sie kommen ins Gespräch und Mari erzählt von ihrem Drachen. Dieses kunstvollen Bilderbuch zeigt, wie wertvoll es ist, einander zuzuhören und voneinander zu lernen. Daraus resultiert eine ungeahnte Freiheit, denn Mari möchte auch gern auf Wanderschaft gehen, aber sie erzählt der Frau, dass sie nicht fort gehen kann. Es ist eine vorstellungsreiche Metapher, die es Kindern erleichtern, über ihre Gefühle zu reden und ihre Fantasie beflügelt. Es regt zum Nachdenken an und lädt zum mehrmaligen Vorlesen ein. Gemeinsam kann man sich dann große Abenteuer mit dem Drachen erträumen.

Die Geschichte hat viel Text und prächtig farbige Doppelseiten mit weichen Illustrationen und grünen Landschaften. Der Stil und die Geschichte erinnert an die Kurzfilme von Disney. Der Schreibstil ist bildhaft, dialogreich, emotional und aussagekräftig. Die minimalistische Darstellung präsentiert sich reizarm, unaufgeregt und subtil spannend, weil alle neugierig sind, was mit dem Drachen passiert. Daher eignet es sich wunderbar für das abendliche Vorleseritual. Ich hätte mir lediglich mehr Variationen in den Illustrationen und bei der Textdarstellung gewünscht. Trotzdem 5 Sterne für dieses pädagogisch wertvolle Bilderbuch. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 28.02.2024

„Hoffnung ist eine mächtige (bunte) Sache“

Hope
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«Hope - oder wie die Welt wieder bunt wurde» hat mich total begeistert. Das Cover ist ein echter Blickfang und der Inhalt überzeugt ebenso. Ich kann nur empfehlen, sich einfach in dieses märchenhafte Abenteuer ...

«Hope - oder wie die Welt wieder bunt wurde» hat mich total begeistert. Das Cover ist ein echter Blickfang und der Inhalt überzeugt ebenso. Ich kann nur empfehlen, sich einfach in dieses märchenhafte Abenteuer zu stürzen.

Es war einmal eine Welt voller fantastischer Wesen und Magie, doch dann geschah etwas Schreckliches. Durch den Bann des verbitterten Königs, existierten fortan keine Farben mehr. Der Himmel war Grau, die Bäume farblos, alle Lebewesen hatten nur noch graue Schattierungen. Freude und Vorstellungskraft waren Hoffnungslosigkeit gewichen. Als sich ein kleiner Junge eines nachts wünschte, dass jemand die Farben zurückbringt, wird ein Mädchen geboren. Sie strahlt in allen Farben und was sie berührt, wird bunt. Ihr Name ist Hope. Mit den Jahren wird sie älter und lernt zu zaubern, doch der König trachtet ihr nach dem Leben. Kann sie ihr Schicksal erfüllen und die Farben zurückbringen?

„Wir haben keinen Einfluss darauf, wir wir auf die Welt kommen. Aber wir haben Einfluss darauf, was wir werden und welche Spuren wir hinterlassen.“

Erzählt wird die Geschichte in zweiunddreißig Kapiteln durch verschiedene Handlungsstränge, in der dritten Person. Im Mittelpunkt steht dabei Hope, ihr bester Freund Oliver, ein sprechender Hund, und sein Herrchen, der Wandermagier Sandy, der Hope großzieht. Dabei gibt es vier Zeitsprünge, bis die zwölfjährige Hope alt genug ist, ihr Schicksal zu erfüllen. Die bildhafte Erzählweise strahlt angenehme Gelassenheit aus. Ross MacKenzie setzt auf interessante Figuren, eine unvorhersehbare Handlung, gezielte Spannung, eine Prise Humor und magische Vorstellungskraft, und regt dabei zum Nachdenken an. Ich mochte es sehr, wie sich alles zusammenfügt, die Handlung neue Wege aufzeigt und mich dabei überraschen und auch etwas gruseln konnte.

Es ist eine Hommage an die Zuversicht und Solidarität in dunklen Zeiten, die wichtige Werte, wie Toleranz und Klugheit vermittelt. Insgesamt eine sehr durchdachte, fantasievolle und märchenhafte Geschichte über die Kraft der Hoffnung und die Schönheit, einer bunten Welt. Große Leseempfehlung für Kinder ab 10 Jahren, die märchenhafte Geschichten mögen, und das gemeinsame Familien(vor)lesen.