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Veröffentlicht am 03.10.2024

Ein Psycho kommt selten allein

Bunny McGarry und der Mann mit dem Allerweltsgesicht
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Paul Mulchrone ist ein junger Mann, der absichtlich an der Armutsgrenze lebt, um seiner toten Tante eins auszuwischen. (Fragt nicht.) Dafür arbeitet er im sozialen Bereich und dank seines völligen Allerweltsgesichts ...

Paul Mulchrone ist ein junger Mann, der absichtlich an der Armutsgrenze lebt, um seiner toten Tante eins auszuwischen. (Fragt nicht.) Dafür arbeitet er im sozialen Bereich und dank seines völligen Allerweltsgesichts glauben immer wieder Leute, ihn zu kennen. Als daher ein dementer alter Mann auf ihn losgeht und versucht, ihn umzubringen, ist das eher Pech und Zufall. Als dann ein gar nicht dementer Mensch versucht, ihn mit einer Sprengladung im Auto hochzujagen, ist das volle Absicht. Und plötzlich wird Paul gejagt, selbst bei der Polizei ist er nicht sicher. Nur noch Brigit - eine Krankenschwester - und ausgerechnet der Alkoholiker und Aggressionsproblemhaber Bunny McGarry halten zu ihm.

Was für ein herrlicher Lesespaß - aber haben wir von McDonnel was anderes erwartet? Natürlich nicht. Auch wenn das Buch erst jetzt auf Deutsch erscheint, ist es vor den Stranger Times Büchern erschienen und schon hier kann man dem Autor skurrile, schräge Typen, eine absurde, witzige Handlung und einen wirklich angenehmen Schreibstil assistieren. Ein paar Sachen sind natürlich ein bisschen vorhersehbar, andere dafür wieder so herrlich komisch und abwegig, dass man aus dem Schmunzeln nicht mehr rauskommt. Alles in allem eine wunderbare Lektüre und obwohl gerade die titelgebende Person oft genug durch Abwesenheit glänzt, wird er zu dem Zeitpunkt nicht vermisst und mehr als würdig durch die anderen Charaktere vertreten. Bin auf Teil 2 sehr gespannt! 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 14.09.2024

Gegen den Gottkönig

Five Broken Blades
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Ein Meisterspion. Ein gestürzter Prinz. Eine Assassine. Eine Diebin. Ein Leibwächter. Ein Fürstensohn. Eigentlich sind es sechs, nicht fünf, die beschlossen haben, den König von Yusan zu töten. Den Gottkönig. ...

Ein Meisterspion. Ein gestürzter Prinz. Eine Assassine. Eine Diebin. Ein Leibwächter. Ein Fürstensohn. Eigentlich sind es sechs, nicht fünf, die beschlossen haben, den König von Yusan zu töten. Den Gottkönig. Unsterblich. Tyrannisch. Jeder von ihnen hat eigene Gründe und Motive, sich an diesem Selbstmordkommando zu beteiligen. Und jedem von ihnen ist schnell klar, dass sie einander nicht trauen können, denn Verrat liegt ihnen im Blut. Sie kommen aus verschiedenen Gegenden und müssen so schnell wie möglich zur Hauptstadt von Yusan reisen, denn nur zu einem großen Sportevent kommt der König selbst aus seinem schwer bewachten Palast. Doch selbst die Reise ist schon lebensgefährlich und das Überleben nicht garantiert.

Mich hat diese Geschichte sofort reinziehen und fesseln können. Die Autorin hält das Tempo hoch, indem sie jeden der Charaktere in sehr kurzen Kapiteln zu Wort kommen lässt. Und obwohl sie alle keine reine Weste haben, wirken sie doch irgendwie sympathisch. Bei einigen weiß man gleich, was ihre Motivation ist, bei anderen bleibt es bis zum Schluss im Dunkeln und natürlich gibt es am Ende einige ordentliche Twists und Überraschungen. Mir persönlich hätte es ruhig weniger Liebe bzw. Instalove geben dürfen, aber ich fand es jetzt auch nicht zu aufdringlich. Und im letzten Drittel hätte es gern ein bisschen schneller zur Sache gehen dürfen. Dafür entschädigt das Ende beinahe vollständig und macht extrem neugierig auf die Fortsetzung. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 12.05.2024

Berührt - geführt

Check & Mate – Zug um Zug zur Liebe
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Eigentlich wollte Mallory Greenleaf nie wieder Schach spielen nach einem traumatischen Ereignis. Doch dann lässt sie sich von ihrer Freundin zu einem Wohltätigkeitsturnier überreden und dort besiegt die ...

Eigentlich wollte Mallory Greenleaf nie wieder Schach spielen nach einem traumatischen Ereignis. Doch dann lässt sie sich von ihrer Freundin zu einem Wohltätigkeitsturnier überreden und dort besiegt die talentierte Spielerin den amtierenden Weltmeister Nolan Sawyer. (Übrigens nicht versehentlich, wie es im Klappentext steht - ich weiß nicht, ob die dafür verantwortlichen Verlagsmenschen suboptimal intelligent oder frauenfeindlich sind, aber niemand besiegt im Hochleistungsschach jemanden versehentlich.) Mallory läuft weg, um sich den darauf folgenden Stress zu ersparen, aber Nolan findet einen Weg, sie wieder zu sehen - und gegen sie anzutreten. Da beide erst 18 und 20 Jahre alt sind, folgen natürlich noch einige Irrungen und Wirrungen, bis sich Mallory nicht nur wieder ihrer Liebe zum Schachspielen, sondern auch der zu Nolan stellt.

Ali hat es wirklich einfach drauf, starke Frauen und Männer ohne Red Flags zu schreiben. Und sie kann sowohl wissenschaftliche Themen als auch nerdy Dinge wie Schachspielen einfach sexy rüberbringen. Ich habe lange nicht mehr Schach gespielt, aber richtig gemerkt, wie es mir plötzlich wieder in den Fingern zuckte und ich habe sorgfältig die Spiele studiert, die jeweils zur Eröffnung, zum Mittelteil und dem Endspiel abgebildet waren. Wie üblich bei Ali waren die Figuren natürlich ein bisschen klischeebehaftet: der Junge ist mega durchtrainiert und düster-heiß, das Mädchen ist auch nicht von schlechten Eltern (na ja, wenn man sie fragt, sieht sie das vielleicht ein bisschen anders). Und sowohl sie als auch die anderen sind nicht auf den Mund gefallen und liefern sich wunderbare Schlagabtäusche. Dass der Antagonist wie üblich auch die Kumulation aller schlechten Eigenschaften ist: geschenkt. Ich mag einfach den locker-leichten Schreibstil und dass man sich immer über ein cooles und nur semi-kitschiges Ende freuen kann. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 21.04.2024

Junge Autorin

Die Vermesserin der Worte
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Was macht eine Autorin mit Schreibblockade? Richtig. Sie sitzt vor leeren Dokumenten und kann ihre Rechnungen nicht mehr zahlen. Ida weiß nicht mehr weiter, seit sie ihre Worte verloren hat. Da kommt ihr ...

Was macht eine Autorin mit Schreibblockade? Richtig. Sie sitzt vor leeren Dokumenten und kann ihre Rechnungen nicht mehr zahlen. Ida weiß nicht mehr weiter, seit sie ihre Worte verloren hat. Da kommt ihr eine Anzeige, dass jemand nach einer Haushälterin sucht, gerade recht und sie begibt sich nach Waldbruch, um dort in einem abgeschiedenen Haus der älteren Ottilie zur Hand zu gehen. Ottilie hat sich vor Jahrzehnten mit den Dörflern überworfen, ist einsam und leidet bereits unter Demenz. Doch Ida stellt fest, dass sie und dieses stille, einsame Haus eine berührende Geschichte zu erzählen haben und dass sie, Ida, dadurch nicht nur (die richtigen) Worte findet, sondern mehr: ein Leben. Mehrere Leben. Und Versöhnung.

Eigentlich bin ich niemand mit einer Begeisterung für reine Literatur und schon gleich gar nicht mag ich ruhige, sanfte Geschichten. Eigentlich. Denn hier wurde ich beinahe von Seite 1 an abgeholt. Die Autorin erzählt uns eine Art modernes Märchen. Eines, in dem Liebe manchmal nicht genug ist, eines vom Ausbrechen, vom Erleben, vom Zurückkehren, vom Wiederfinden, vom (Wieder)verlieren. Aber am Ende ist es eine Geschichte über Menschlichkeit. Über das, was uns ausmacht, über kleine und große Schritte und dass man manchmal auch Menschen einfach nicht helfen kann. Die Sprache ist ruhig und poetisch und nimmt sich trotz weniger Seiten Zeit zum Entwickeln. Ein paar Ausreißer in dem allgemein unkitschigen Stil muss ich bemängeln, aber das ist Maulen auf hohem, auf sehr hohem Niveau. 4.5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 10.04.2024

Soulmates

Bride – Die unergründliche Übernatürlichkeit der Liebe
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In einer Welt, in der Vampire, Werwölfe und Menschen irgendwie versuchen müssen, miteinander auszukommen, hat Misery Lark schon immer die Rolle einer Außenseiterin gespielt. Als Tochter eines mächtigen ...

In einer Welt, in der Vampire, Werwölfe und Menschen irgendwie versuchen müssen, miteinander auszukommen, hat Misery Lark schon immer die Rolle einer Außenseiterin gespielt. Als Tochter eines mächtigen Vampirfürsten war sie 10 Jahre lang eine Geisel der Menschen, um für den fragilen Frieden zwischen ihnen zu sorgen. Jetzt, da sie seit ein paar Jahren lang frei ist, verlangt ihr Vater erneut etwas Unmögliches: Sie soll für ein Jahr lang die Braut eines Alphawerwolfs werden, um wiederum Frieden zu garantieren. Doch Misery hat die Reißzähne gestrichen voll davon, als Spielball zu dienen - doch bleibt ihr etwas anderes übrig, nachdem ausgerechnet der Name des Werwolfs in den Aufzeichnungen ihrer verschwundenen besten Freundin auftaucht?

Ali hat es einfach drauf! Sie schreibt tatsächlich die besten Liebesromane mit starken und witzigen Frauen und Typen, die zwar dank ihrer Perfektion öfter mal ein Augenrollen entlocken, aber dafür immer respektvoll mit den Heldinnen umgehen. Dazu gelingt es ihr, dem altbacken anmutendem Vampirgenre völlig neue Aspekte zu entlocken und ich liebe einfach die Coolness von Misery, die so no-nonsense ist, aber das (nicht schlagende) Herz auf dem rechten Fleck hat. Das einzig Nervige, was scheinbar jetzt unbedingt in jedem Liebesroman/New Adult sein muss, sind die doch recht häufig vorkommenden spicey Szenen, auf die ich in der Fülle auch gut verzichten könnte. 4.5/5 Punkten.