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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2024

anfangs langatmig, wird dann aber spannend

Alsensund
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Alles beginnt mit dem Fund einer Leiche im Erlenbruch bei Harrislee, einem Ort kurz hinter der dänischen Grenze. Dort entdeckt eine Frau beim Hundespaziergang die tote junge Frau an einen Baum gelehnt, ...

Alles beginnt mit dem Fund einer Leiche im Erlenbruch bei Harrislee, einem Ort kurz hinter der dänischen Grenze. Dort entdeckt eine Frau beim Hundespaziergang die tote junge Frau an einen Baum gelehnt, als würde sie schlafen. Es handelt sich um eine ehrgeizige Medizinstudentin, die nebenbei ehrenamtlich für eine Stiftung tätig ist. Jedoch soll sie nicht das einzige Opfer bleiben…
Am Anfang habe ich mich mit dem Krimi recht schwergetan. Marven Sanbergen, der verantwortliche Ermittler, kam mir zu selbstbezogen und nicht gerade kompetent vor. Ich hatte den Eindruck, wichtig sind für ihn nur Zimtschnecken, sein Tee und nicht die neuen deutschen Kollegen seines Teams oder der aktuelle Fall. Ich habe auch nicht verstanden, warum er so eine Angst vor dem Wasser der Ostsee hat. Zum Glück ändert sich dieser erste Eindruck. Der Leser ist bei den vielen handelnden Personen gefordert hier die Übersicht zu behalten. Denn der Fall weist weit zurück, was auch gleich am Anfang aus den Auszügen des Tagebuchs abgeleitet werden kann, die Sonbergen zufällig in die Hände bekommt. Doch richtig erfassen können die Ermittler die Zusammenhänge nicht, geschweige denn, dass es Beweise dafür gibt. Irgendwie sind noch immer nicht alle Puzzleteile gefunden. Mit zunehmender Seitenzahl wird der Krimi auf jeden Fall richtig spannend und wartet mit nicht zu erahnenden Entwicklungen auf. Von mir erhält er 3,5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 15.04.2024

lebenslange Flucht und Suche

Der Wind kennt meinen Namen
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Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als 80 Jahren. Am Anfang lernt man Samuel Adler, den Sohn eines jüdischen Wiener Arztes kennen. Damals 1938 ist Samuel gerade 6 Jahre alt und ...

Die Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von mehr als 80 Jahren. Am Anfang lernt man Samuel Adler, den Sohn eines jüdischen Wiener Arztes kennen. Damals 1938 ist Samuel gerade 6 Jahre alt und bereits da ist ihm nichts wichtiger als seine kleine Geige und die klassische Musik. Doch nun werden auch im besetzten Österreich die Juden drangsaldiert und deportiert. Noch Ausreisevisa zu bekommen ist aussichtslos. In ihrer Not wenigstens Samuel in Sicherheit zu bringen, ringt sich seine Mutter durch ihn mit einen organisierten Kindertransport nach England zu schicken. Eine Entscheidung, die ihm das Leben rettet, aber zu einem hohen Preis.
Jahrzehnte später, erleidet Leticia ein ähnliches Schicksal. Auch ihre Familie muss aus El Salvador vor den Guerillas und korrupter Polizei fliehen. In den USA stürzt Leticia sich später lebenshungrig in Eheversprechen, die das Wort nicht verdienen, um schlussendlich verwitwet als Haushälterin bei Mr. Bogart zu landen.
Liebevoll und sehr detailreich erzählt die Autorin, wie schlimm die Korruption in den armen lateinamerikanischen Ländern ist, wie Menschen als Ware behandelt werden und bei Flucht keinerlei Rechte haben. Ob es nun am Beispiel von Leticia oder der kleinen Anita im Buch aufgezeigt wird, es geht einfach zu Herzen und hinterlässt auf der Seele der Betroffenen tiefe Wunden. An einigen Stellen fand ich es etwas zu sehr ausgebreitet.
Es hat mich berührt, wie die kleine Anita sich eine eigene kleine heile Welt, Azabahar nennt sie sie, geschaffen hat, um am Verlust und der Trennung von ihrer Familie nicht zu zerbrechen. Die Kleine hat in ihrem kurzen Leben bereits so viele Schicksalsschläge durchgemacht und sich so Trost geschaffen. Wie schwer es Anita fällt Vertrauen gegenüber Fremden aufzubauen hat die Autorin sehr gut herausgearbeitet.
Mich hat das Buch gut unterhalten, oft traurig gemacht, aber auch gleichzeitig Hoffnung gegeben, weil es noch Menschen wie Selena und Frank Angileri gibt. Von mir gibt’s 3,5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 03.12.2023

Ruhrpott-Charme wird gut vermittelt

Zechenhölle
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Psychologiestudentin Liesa Kwatkowiak und ihr Freund Timo Garatzka treffen per Zufall vor einem stillgelegten Zechengelände auf Alina Jankowski. Die alleinerziehende Mutter und Hobbyfotografin wird am ...

Psychologiestudentin Liesa Kwatkowiak und ihr Freund Timo Garatzka treffen per Zufall vor einem stillgelegten Zechengelände auf Alina Jankowski. Die alleinerziehende Mutter und Hobbyfotografin wird am Folgetag tot in einer Zechengrube gefunden. Liesa macht sich Vorwürfe, da sie bei Alinas abrupten Aufbruch gemerkt hat, dass diese Angst hat und auch, dass dieser dunkle SUV mit dem seltsamen Emblem auf der Heckscheibe sie scheinbar verfolgt….
Leider konnte ich Liesa schlechtes Gewissen nicht ganz nachvollziehen, kann auch nicht verstehen, warum unbedingt sie nun zusammen mit Timo ermitteln muss.
Liesa steht unter Zeitdruck. Auf der einen Seite muss sie ihre fehlenden Semesterarbeiten noch rechtzeitig einreichen, andererseits lässt sie aber nun wo die Polizei es als Selbstmord einordnet und die Ermittlungen einstellt, Alinas Tod keine Ruhe. Mich hat ihre Beharrlichkeit beeindruckt, auch wenn ich die Motivation nicht recht nachvollziehen konnte. Ihre Eigenansage – finde den Fehler, wenn sie wieder einmal nicht weiterweiß, hat mir gefallen. In meinen Augen ist es der Autorin sehr gut gelungen, die Faszination, die solche stillgelegten Industrieanlagen, dem Leser zu vermitteln. Bei mir hat es jedenfalls zu Verständnis für die Urbexer-Szene geführt und meine Neugier auf Lost-Places noch weiter angefeuert.
Es gibt in diesem Buch aber auch Darstellungen, die mir unglaubwürdig erscheinen. Zum Beispiel, dass Liesa sich heimlich in eine Vorlesung für Kriminologie gesetzt hat und sich nun autorisiert fühlt eine Fallanalyse vorzunehmen. Insgesamt hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht und gebe insgesamt 3,5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 28.10.2023

nette Familiengeschichte

Die Zuckerbaronin
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Bayern 1911, Gwendolyn Wallendorf ist frisch verheiratet mit Alexander. Doch zwei Dinge gibt es, die ihr Eheglück beeinträchtigen. Eine ist, dass ihr Mann Alexander sich so gar nicht in die Donau Zucker ...

Bayern 1911, Gwendolyn Wallendorf ist frisch verheiratet mit Alexander. Doch zwei Dinge gibt es, die ihr Eheglück beeinträchtigen. Eine ist, dass ihr Mann Alexander sich so gar nicht in die Donau Zucker AG einbringt, obwohl er nach dem Tod des Vaters jetzt der Besitzer ist. Darum ist es auch Gwendolyn, die an seiner Stelle die Geschicke in die Hand nimmt und als Zuckerbaronin bezeichnet wird. Viel lieber wäre es ihr, wenn sie beide gemeinsam hier an einem Strang ziehen würden, Seite an Seite. Die zweite Sorge ist der Bruch mit ihrer Familie, den Schinders. Bei der Hochzeit musste Gwendolyn ihrem Schwiegervater dieses Versprechen geben. Die Schinders finanzieren ihren Lebensunterhalt durch den Schmuggel von Saccharin über die Schweizer Grenze nach Deutschland. Nach dem Tod des Vaters, der auch als Schmugglerkönig bezeichnet wurde, hat die älteste Tochter Martha, Gwens große Schwester, das Geschäft übernommen. Es ist gefährlich, könnten die Zöllner an der Grenze sie doch jederzeit dabei erwischen und ins Gefängnis stecken. Trotz der Warnungen von Benno, ihrem Ehemann, will sie das riskante Geschäft ihres Vaters unbedingt weiterführen und bringt durch ihre Sturheit dadurch sogar ihre kleine Schwester Helena in große Gefahr.
Die Geschichte liest sich sehr flüssig und die Charaktere sind auch sehr lebendig beschrieben. Leider ist die Entwicklung an einigen Stellen sehr vorhersehbar. Dadurch kam bei mir keine rechte Spannung auf. Auf die Kapitel zum Weißen Haus hätte ich gut und gerne verzichten können. Zwar sind die Beschreibungen dazu zum Teil geschichtlich belegt, haben aber mit den Familien Schinder und Wallendorf nicht direkt zu tun. Diese Abschnitte haben mich eher verwirrt. Darum gibt es insgesamt von mir auch nur 3,5 Lese-Sterne.

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Veröffentlicht am 29.09.2023

bewegend ja, hat mich aber nicht gefesselt

Die Kinder des Don Arrigo
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Natan, 11 Jahre alt, macht sich alleine ohne Eltern und dem kleinen Buder Sami auf eine ungewisse Reise. Ziel ist Palästina. Recha Freier sammelt ihn und andere jüdische Kinder ein und versucht damit ihr ...

Natan, 11 Jahre alt, macht sich alleine ohne Eltern und dem kleinen Buder Sami auf eine ungewisse Reise. Ziel ist Palästina. Recha Freier sammelt ihn und andere jüdische Kinder ein und versucht damit ihr Leben zu retten. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten, dieser Natan ist allerdings eine Fiktion. Durch ihn lässt der Autor uns an der Flucht der Kinder und Begleiter teilnehmen. Und die ist abenteuerlich, geht quer durch Europa mit vielen Unwägbarkeiten. Die Gruppe trifft aber auch auf Menschen mit großem Herz.
Im Buch hat es mir an Tiefe bei den Beschreibungen der Ängste der Kinder gefehlt. Sicher waren viele stark traumatisiert. Das ist nicht richtig bei mir angekommen. Was mir aber gut gefallen hat war, dass der Autor gleich am Angang den Icherzähler, Natan, berichten lässt, dass er bereits seit er es gelernt hat, immer laufen muss. Selbst wenn seine Füße stillstehen, sind es die Gedanken, die ihn weitertragen. Vielleicht ist Natan so vor seinen Ängsten geflohen.
Natan will sich auch alles über seine Flucht merken, schafft es auch, meistens. Dadurch wirken manche Kapitel aber wie eine straffe Aufzählung von Fakten. Beim Lesen fand ich das gewöhnungsbedürftig. Gut gefallen haben mir aber Natans Dank gegenüber den Helfern. „ich hoffe aus tiefstem Herzen, dein Name werde nie vergessen“. Ich bin überzeugt, durch dieses Buch wird sein Wunsch in Erfüllung gehen. Von mir gibt’s 3,5 Lese-Sterne.

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