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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.10.2025

Hätte gut auf 300 Seiten erzählt werden können

Stromlinien
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Ein Zwillingspärchen, Jale und Enna, die im hohen Norden leben in einem kleinen Ort an der Elbe. Mit der Zeit verstehen wir Leser was die beiden umtreibt, warum die Großmutter so still ist und was das ...

Ein Zwillingspärchen, Jale und Enna, die im hohen Norden leben in einem kleinen Ort an der Elbe. Mit der Zeit verstehen wir Leser was die beiden umtreibt, warum die Großmutter so still ist und was das Leben der drei so prägt. Alea. Die Mutter der Zwillinge sitzt im Gefängnis und soll endlich im Sommer 2023 entlassen werden. Aus meiner Sicht, kann ich nicht mehr über dieses Buch erzählen ohne zu viel zu verraten, denn das 500 Seiten starke Buch zerrt enorm von der Spannung und der Auflösung warum Alea im Gefängnis ist und was sie dort hingebracht hat. Natürlich gibt es auch einen gegenwärtigen Spannungsbogen der sehr dramatisch wird zum Ende hin, aber auch hier, möchte ich nicht zu viel erzählen.
Ich erwähnte bereits: 500 Seiten ist es dick. Die Geschichte ist gut, hätte aus meiner Sicht auf weniger Seiten erzählt werden können, da viel „Füllmasse“ im Text ist. Wenn da jemand aus dem Haus geht, wird erst mal eine Jacke übergestreift, der Schlüssel zur Hand genommen und irgendwo hingeschaut. Ich übertreibe maßlos, aber gestört hat es mich beim Lesen trotzdem. Es ist eine gute Geschichte, sonst hätte ich den Roman nicht zu Ende gelesen.
Fazit: Ja, nicht abgebrochen, aber so recht empfehlen kann ich es dennoch nicht.

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Veröffentlicht am 14.06.2025

Etwas enttäuscht in Weiß

Air
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Christian Kracht ist ein Autor, der mit jedem neuen Buch hohe Erwartungen weckt – nicht zuletzt, weil er selbst über Jahre hinweg Maßstäbe gesetzt hat: stilistisch, erzählerisch und intellektuell. Leider ...

Christian Kracht ist ein Autor, der mit jedem neuen Buch hohe Erwartungen weckt – nicht zuletzt, weil er selbst über Jahre hinweg Maßstäbe gesetzt hat: stilistisch, erzählerisch und intellektuell. Leider kann AIR diese Erwartungen für mich nicht erfüllen. Die Idee des Romans – eine Reise ins Innere, ins Ätherische, in eine andere Realität – klingt auf dem Papier faszinierend. In der Umsetzung bleibt sie jedoch blass, überambitioniert und stellenweise fast selbstverliebt aus meiner Sicht. Vielleicht hab ich es auch einfach nicht verstanden?
Der Protagonist Paul, ein Schweizer Innenarchitekt, lebt zurückgezogen auf den Orkney-Inseln und erhält einen dubiosen Auftrag aus Norwegen: Er soll eine gigantische Halle – ein Datenzentrum, das als „Gedächtnis der Menschheit“ dient – in das perfekte Weiß tauchen. Was folgt, ist eine Verschmelzung von hypermoderner Gegenwart, metaphysischer Designkritik und märchenhafter Fantasy. Diese Konstellation wäre spannend – wenn sie nicht so angestrengt bedeutungsschwanger inszeniert wäre. Daher war es eher nichts für mich.
Kracht hat in früheren Werken, wie Faserland, für mich bewiesen, dass er ironisch distanzierte, dabei hochreflektierte Gesellschaftsbeobachtung mit literarischer Eleganz verbinden kann. In AIR aber verliert sich dieser Ton in kunstvoller Selbstreferenzialität und einer überbordenden Metaebene. Der Stil ist wie das Interieur, das Paul inszeniert: glatt, komponiert, kalkuliert – aber letztlich leer. Die Sprache wirkt artifiziell, beinahe steril – was sicher Absicht ist, aber dadurch noch keine literarische Qualität erhält.
Selbst die Fantasy-Handlung um das Mädchen Ildr, das wie aus einem anderen Jahrhundert wirkt, bleibt seltsam distanziert. Die Parallelen zur märchenhaften Anderswelt, zur Yeats’schen Lyrik oder zu mythologischen Motiven wirken bemüht. Die Verbindung zwischen Ildr und Paul – der plötzlich als eine Art weißgewandeter Ritter durch eine archaische Landschaft irrt – gerät pathetisch und will mehr bedeuten, als sie tatsächlich erzählt.
Auch die philosophischen Bezüge – von Wittgenstein über John von Neumann bis zu Baudrillards Simulakren – fügen sich nicht organisch in die Handlung ein, sondern wirken wie Referenzballast. Als ob uns Christian Kracht zeigen will, was er alles weiß und intellektuell überflügelt in den Text eingebaut. Es entsteht der Eindruck, als wolle der Roman unbedingt tiefgründig und bedeutungssatt erscheinen – doch was bleibt, ist oft nur Oberfläche.
Vielleicht liegt das Problem tatsächlich in der Erwartungshaltung. Nach Eurotrash, nach Krachts poetologischer Selbstauskunft, schien ein großer Wurf möglich. Stattdessen verliert sich AIR im Konzeptuellen aus meiner Sicht.
Fazit: AIR möchte vieles sein: literarischer Kommentar zur Gegenwart, Reflexion über Künstliche Intelligenz, romantische Allegorie und Märchen zugleich. Nicht meines.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Aufbruch und Verloren sein zugleich

Verlassene Nester
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1992. Ein Ort an der Elbe, in der ehemaligen DDR. Pilly, knapp 13 Jahre alt hat Sommerferien und vegetiert vor sich hin und schließt sich zwei Mädchen an für die sie tiefere Gefühle entwickelt. Pilly wächst ...

1992. Ein Ort an der Elbe, in der ehemaligen DDR. Pilly, knapp 13 Jahre alt hat Sommerferien und vegetiert vor sich hin und schließt sich zwei Mädchen an für die sie tiefere Gefühle entwickelt. Pilly wächst bei ihrem Vater auf, Mutter nicht vorhanden. Ein wirklich zutiefst unschönes Szenario was hier nicht nur im Kleinen in Pilly`s Kernfamilie gezeichnet wird, sondern weitere Kreise zieht um den gesamten Ort. Eine Bankrotterklärung für die Gegend.

Diese Lektüre war wieder einmal eine, die mich etwas ratlos zurücklässt. Denn ich fand es auf den letzten Metern, ca. 30 Seiten vor dem Schluss, dann doch sehr gut und in der Auflösung einiger Enden sehr gelungen.

Auch habe ich die fatal trostlose Grundstimmung so kurz nach der Wende in diesem Elbegrenzgebiet auf der Seite der ehemaligen DDR gut inszeniert gefunden. Dieser diffuse Zustand von Zerfall und Aufbruch zugleich. Menschen, die sich befreit und auch verloren fühlen. Das war richtig gut eingefangen.

„Vor allem diskutierten sie über die Wende, die wie ein Radierer die Fehler im System hatte korrigieren sollen, doch stattdessen den halben Ort entfernt hatte.“ S. 122

Aber insgesamt ein Buch, dass keine gute Stimmung generiert und mich oft über die Charaktere im Buch hat ärgern lassen. Hinzu kommt eine Art der Erzählung, die mit Rückblenden arbeitet. Was an sich gut ist, aber die Art und Weise war anstrengend, da zum Teil mitten im Absatz von der Rückblende zurück in die eigentliche gesprungen wurde. Da war dann so manches Mal der rote Faden verloren.

Ihr seht, es gab Elemente, die ich sehr positiv bewertete, aber in der Summe war es nicht ganz das meine.

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Veröffentlicht am 25.04.2024

Eine neue Stadt auf leeren Magen ist nie eine gute Idee

Happy Hour
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"Eine neue Stadt auf leeren Magen ist nie eine gute Idee" - DAS ist doch mal ein genialer Einstieg für einen Roman, der uns nach New York bringt mit Isa, die dort mit Gala einen neuen Lebensabschnitt beginnt. ...

"Eine neue Stadt auf leeren Magen ist nie eine gute Idee" - DAS ist doch mal ein genialer Einstieg für einen Roman, der uns nach New York bringt mit Isa, die dort mit Gala einen neuen Lebensabschnitt beginnt. Aufbruch liegt in der Luft und birgt viel Abenteuer. Coming-of-Age par excellence., denn die beiden sind 21 Jahre alt. Für amerikanische Verhältnisse ein magisches Alter, die Volljährigkeit, endlich unabhängig und alles machen dürfen! Und dann ein Sommer in New York, die Welt liegt den beiden doch sehr unterschiedlichen Mädchen zu Füßen. Tagsüber eher unscheinbar Klamotten verkaufend und nachts bei den Reichen und Schönen. Viele Klischees werden hier bedient. Lauer Sommer, viele Drinks, Glamour und Glanz in der Nacht. New York muss man sich leisten können. Bloß wie? Und geht das auf Dauer gut?
Erinnerte mich etwas an „City of Girls“ von Elizabeth Gilbert, was aber um längen besser ist.
„Happy Hour“ gut geschrieben von Marlowe Granados und gut übersetzt von Stefanie Ochel ist ein solider Roman enthält so mach gute Formulierung, aber aus dem Stoff hätte mehr gemacht werden können. Ich fand die Story dann doch recht flach und wenig innovativ.
Daher war ok, aber kein Highlight.

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Veröffentlicht am 16.09.2023

Nicht überzeugt

Julian und Anisa und das Wunder vom Wacholderpark
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Mich hat das Buch überhaupt nicht mitgezogen, es ist zwar eine sehr liebe und nette Geschichte über eine Freundschaft, ach, auch über die erste Verliebtheit und dann der finale Schlusspunkt mit dem großen ...

Mich hat das Buch überhaupt nicht mitgezogen, es ist zwar eine sehr liebe und nette Geschichte über eine Freundschaft, ach, auch über die erste Verliebtheit und dann der finale Schlusspunkt mit dem großen Fussballspiel, aber es war für mich null mitreißend geschrieben. Trotz der kurzen 131 Seiten und dem Thema Fußball, ist es aus meiner Sicht Benjamin Lebert nicht gelungen eine kindgerechte Sprache zu entwickeln. Aber solide, kann, muss aber nicht.

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