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Veröffentlicht am 29.04.2024

Familientroubles vor traumhafter Bodensee-Kulisse

Zeit der Schwestern
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Mit "Apfelblütentage" nimmt uns Tanja Huthmacher mit an den wunderschönen Bodensee. Hier lernen wir die Familie Hohenhausen kennen, und bekommen aus erster Hand mit, wie sich das Leben der Familie ganz ...

Mit "Apfelblütentage" nimmt uns Tanja Huthmacher mit an den wunderschönen Bodensee. Hier lernen wir die Familie Hohenhausen kennen, und bekommen aus erster Hand mit, wie sich das Leben der Familie ganz plötzlich auf den Kopf stellt. Nach der Geburtstagsfeier von Mutter Lotte ist nichts mehr, wie es vorher war und die drei Schwestern Carolin, Veri und Romy haben alle Hände voll zu tun, nicht nur ihr eigenes Leben halbwegs unter Kontrolle zu halten, sondern auch, sich in der neuen Situation um ihre Eltern zu kümmern. Zwischen Liebesglück und Familienzwist ist hier alles mit dabei und gleichzeitig gilt es auch noch für Romy, das familieneigene Weingut am Laufen zu halten, für Veri, ihren Spagat zwischen Catering Unternehmen und ihrem Dasein als alleinerziehende Mutter zu bewältigen und für Carolin zu entscheiden, ob sie denn lieber hier oder am anderen Ende der Welt leben möchte. Dass allerlei Verwirrungen mit der Männerwelt dazu kommen, macht die Sache zwar unterhaltsam, aber nicht immer leichter.

Für mich ist "Apfelblütentage" ein absolutes Wohlfühlbuch. Ich habe mich schnell mit der Familie Hohenhausen angefreundet und fand jeden einzelnen auf seine Art und Weise sehr sympathisch. Die genaue Vorstellung der Protagonisten macht es einfach, gleich in die Geschichte einzutauchen und mitzufiebern. Der Alltag der Familie stellt sich ja bereits zu Beginn des Buches auf den Kopf und wir erleben mit, wie sich die einzelnen Familienmitglieder Schritt für Schritt mit der neuen Situation arrangieren, während sie gleichzeitig versuchen, auch ihre eigenen Probleme unter Kontrolle zu halten. Es werden vielschichtige Themen angeschnitten, die teilweise in diesem 1. Band noch nicht fertig behandelt werden und so Lust machen, dass man einfach weiterlesen will. Ab und zu wirkt das Buch vielleicht ein bisschen zu "konstruiert", aber das tut der Geschichte eigentlich keinen Abbruch und in einem Herzensroman darf auch mal etwas ein bisschen vorhersehbar sein.

Was mir besonders gut gefällt, ist, wie schön die Familienbeziehungen geschildert werden, wie wichtig die 3 Schwestern für einander sind und wie sehr sie aufeinander achten und sich unterstützen. Tanja Huthmacher ist es gelungen, unglaublich sympathische Protagonisten zu schaffen und uns während des Lesens das Gefühl zu vermitteln, an ihrem Leben direkt teilhaben zu dürfen.

"Apfelblütentage" ist ein durch und durch wunderschönes und sehr positives Buch, das ich mit großer Begeisterung gelesen habe und dessen Protagonisten rasch mein Herz erobern konnten. Ich habe mit ihnen mitgefiebert und mich mitgefreut und jetzt kann ich kaum erwarten, dass bald der 2. Teil veröffentlicht wird. Vielen Dank für die schönen Lesestunden - meine Empfehlung gilt für alle, die Lust auf Liebe, Familie und schöne Gefühle haben.

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Veröffentlicht am 04.04.2024

Verwirrungen in der "Aubergine"

Gruß aus der Küche
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Irma hat ein alteingesessenes Gasthaus übernommen und es kurzerhand zur vegetarischen Restaurant "Aubergine" umgestaltet - ein Konzept das aufging, Irma aber vieles an Einsatz abverlangt. Mit dabei als ...

Irma hat ein alteingesessenes Gasthaus übernommen und es kurzerhand zur vegetarischen Restaurant "Aubergine" umgestaltet - ein Konzept das aufging, Irma aber vieles an Einsatz abverlangt. Mit dabei als tatkräftige Unterstützung sind die Schulabbrecherin Lucy, der schrullige Pensionist Vinzent und Irmas exzentrischer Freund Josch - gemeinsam geben die beiden das skurrile Duo "Spannenlanger Hansel & nudeldicke Dirn" ab. Der Alltag in der "Aubergine" ist turbulent und nicht nur von geschäftlichen Aufregungen geprägt, auch zwischenmenschlich erleben die Vier einiges und sorgen dafür, dass das Leben in un um die "Aubergine" nicht langweilig wird.

In Ingrid Nolls "Gruß aus der Küche" lernen wir eine absolut liebenswerte Truppe kennen, die gemeinsam ein Restaurant betreibt. So unterschiedlich die Charaktere auch sind, so gut ergänzen sie sich und betreiben sehr erfolgreich das Restaurant. Von Anfang an werden wir in dem Buch mit den Vieren gut bekannt gemacht und es gelingt Ingrid Noll Dank präziser Schilderungen einmal wieder, Sympathie für jeden einzelnen von ihnen zu erwecken. Die Unterteilung in kurze Kapitel und die Erzählweise aus der Sicht der unterschiedlichen Protagonisten macht das Buch sehr kurzweilig und unterhaltsam.

Wie immer in Ingrid Nolls Büchern ist die Sprache brilliant und an die einzelnen Charaktere angepasst, Jugendslang kommt von, wenn vom Teenager Lucy die Rede ist, während der etwas biedere "Gemüsemann" Vinzent auch sprachlich eher altbacken erscheint. Und wie immer sprüht das Buch gerade so von Wortspielen, Schlagfertigkeiten und kuriosen Dialogen, dass ich nicht nur einmal herzlich lachen musste. Die Handlung selbst ist daher eher zweitrangig, aber in guter alter "Noll-Manier" gibt es natürlich einige prekäre Situationen und wie es sich für einen echten Krimi gehört, gibt es natürlich auch einen Toten.

Jedes Jahr aufs Neue freue ich mich, wenn ein neues Buch von Ingrid Noll veröffentlicht wird - und jedes Jahr ist meine Vorfreude absolut begründet. Ingrid Noll bürgt für Spannung und Wortwitz, sie unterhält nicht nur, sondern regt auch zum Nachdenken an und auch dieses Jahr ist ihr mit "Gruß aus der Küche" ein geniales Werk gelungen. Chapeau!

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Veröffentlicht am 26.03.2026

Mord im nordschwedischen Winter

Tief im Schatten
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Ein Mann wird tot neben der Straße aufgefunden, eingeschneit und übel zugerichtet. Der ehemalige Skirennläufer Johann Andersson war allseits beliebt und so ist es eine ziemliche Herausforderung für Hanna ...

Ein Mann wird tot neben der Straße aufgefunden, eingeschneit und übel zugerichtet. Der ehemalige Skirennläufer Johann Andersson war allseits beliebt und so ist es eine ziemliche Herausforderung für Hanna Ahlander, Daniel Lindskog und ihre Kollegen, denjenigen zu finden, der diese Tat zu verantworten hat. Als dann auch noch eine junge Frau aus einer strenggläubigen Kirchengemeinde verschwindet, spitzt sich die Situation zu und Hanna und Daniel geraten an ihre Grenzen.

Viveca Sten ist einmal mehr ein spannender Krimi gelungen, der durch sein Setting im winterlichen Nordschweden überzeugt. Mehrere Plottwists sorgen für Spannung und machen das Lesen zu einer Sucht - man muss unbedingt wissen, wie es weitergeht. Sten versteht es sehr gut, den Fall mit einigen persönlichen Geschichten der Kommissare zu kombinieren und sie dadurch noch sympathischer wirken zu lassen.

"Tief im Schatten" ist super spannend, aber dennoch ruhig genug, um einem nicht den Schlaf zu rauben, es lässt einen mitfiebern und wenn man schon glaubt, zu wissen, wer der Mörder ist, kommt ja vielleicht doch noch alles ganz anders. Einzig das Ende mit dem Auftreten von Johans Eltern ist für meinen Geschmack ein bisschen zu dick aufgetragen, aber ansonsten hat mir "Tief im Schatten" wirklich gut gefallen und spannende Lesestunden beschert. Eine eindeutige Empfehlung für alle Fans skandinavischer Krimis mit viel Lokalkolorit..

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Veröffentlicht am 23.03.2026

Ein Kampf in zweiter Reihe

Die Welt in unseren Händen
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"Die Welt in unseren Händen" versetzt uns zurück in die Zeit des 2. Weltkrieges. Während die Männer an der Front kämpften, sorgten die Frauen der Royal Air Force dafür, dass auch im Hintergrund alles glatt ...

"Die Welt in unseren Händen" versetzt uns zurück in die Zeit des 2. Weltkrieges. Während die Männer an der Front kämpften, sorgten die Frauen der Royal Air Force dafür, dass auch im Hintergrund alles glatt lief. June entschließt sich, ihren Dienst in der WAAF anzutreten - ein großer Schritt, der auch Auswirkungen auf ihr Privatleben hat. In den nächsten Jahren leistet sie in England, Ägypten und Italien Großes für ihr Heimatland.

Emily Walton ist mit "Die Welt in unseren Händen" ein tolles Buch über ein Thema gelungen, über das viel zu wenig geschrieben wird: Die Funktion der Frauen während des Krieges. Anschaulich schildert sie, wie June und ihre Kameradinnen zwar nicht an der Front, aber auf einer anderen Ebene zu kämpfen haben. So viele Aspekte eines Krieges werden beleuchtet und dennoch ist das Buch unglaublich unterhaltsam. Das Zwischenmenschliche zwischen June und ihren neu gefundenen Freundinnen wird ebenso thematisiert, wie die Situationen, unter denen die Frauen, teilweise unter großen Entbehrungen, teilweise aber auch in deutlich besseren Verhältnissen, als erwartet, ihren Dienst versehen. Auch so manche Liebelei hat ihren Platz in dem Buch und sorgt für Abwechslung.

Das Leben in den verschiedenen Ländern wird schön geschildert. Es hat mich überrascht, als wie fortschrittlich Kairo während des 2. Weltkrieges beschrieben wird, welche Szenen es da im Untergrund bereits gab und welch ein Wohlstand dort offenbar herrschte - das hatte ich so nicht erwartet.

"Die Welt in unseren Händen" ist einerseits informativ, andererseits unterhaltsam. Eine gute Mischung für einen Roman, der auf der wahren Geschichte der Großmutter der Autorin basiert und den ich sehr gerne an alle historisch Interessierten weiter empfehle, die auch Spaß an Geschichten abseits des tragischen Kriegsgeschehens haben.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Gefühlvoller Familienroman

Das schönste aller Leben
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"Das Schönste aller Leben" von Betty Boras spielt auf 3 unterschiedlichen Ebenen und schildert die Probleme der unterschiedlichen Generationen, aber auch die Zerrissenheit, mit der die einzelnen Familienmitglieder ...

"Das Schönste aller Leben" von Betty Boras spielt auf 3 unterschiedlichen Ebenen und schildert die Probleme der unterschiedlichen Generationen, aber auch die Zerrissenheit, mit der die einzelnen Familienmitglieder zu kämpfen haben. Der Unterschied zwischen Arm und Reich, zwischen unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und zwischen Einheimisch und Fremd wird ebenso thematisiert wie die ganz persönlichen Probleme der erwachsenen Vio, die sich Selbstvorwürfe nach dem Unfall ihrer Tochter macht. So unterschiedlich ihre Probleme aber auch sind, alle Generationen haben den selben Wunsch: sie wünschen sich für sich und ihre Familie das Schönste aller Leben.

"Das Schönste aller Leben" ist ein sehr gelungener, gefühlvoller Roman, der die unterschiedlichen Thematiken nachvollziehbar aufgreift. Man fühlt sich während des Lesens mit den einzelnen Familienmitgliedern verbunden, fiebert und leidet mit und freut sich, wenn das Leben Sonnenseiten aufweist.

Die Gliederung in kurze Kapitel, jeweils aus der Sicht einer anderen Person bzw. teilweise sogar aus der Sicht des Heimatlandes geschrieben, ermöglichen ein rasches Lesen des Buches, weil man natürlich immer wissen will, wie sich die einzelnen Handlungsstränge weiter entwickeln. Die Protagonisten sind sympathisch und auch die Lebensumstände werden ausführlich geschildert.

Leider hat mir die Verbindung zu Theresia ein bisschen gefehlt, auch wenn mich ihr Schicksal sehr berührt hat. Aber der Zusammenhang mit dem Rest des Buches wurde etwas vernachlässigt und hatte (abgesehen davor, dass sie eine Vorfahrin war) wenig Bedeutung für die weitere Handlung. Ansonsten hat mir "Das Schönste aller Leben" sehr gut gefallen und ich empfehle es sehr gerne an alle weiter, die sich für die Schicksale anderer Familien interessieren.

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