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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2024

What if…?

Das andere Tal
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Was für eine Idee! Der Kanadier Scott Alexander Howard hat mit „Das andere Tal“ ein sehr spannendes Gedankenspiel literarisch eingekleidet. Was wäre, wenn man die Vergangenheit und die Zukunft besuchen ...

Was für eine Idee! Der Kanadier Scott Alexander Howard hat mit „Das andere Tal“ ein sehr spannendes Gedankenspiel literarisch eingekleidet. Was wäre, wenn man die Vergangenheit und die Zukunft besuchen könnte? Genau das ist möglich in dieser fiktiven Welt. Jedes Tal repräsentiert eine Zeitzone, alle haben 20 Jahre Abstand. Natürlich ist es streng verboten seine eigene Welt zu verlassen und sich eigenmächtig in die Zukunft oder in die Vergangenheit zu begeben.
Die Protagonistin Odile Ozanne ist in ihrer Welt 16 Jahre alt und im Begriff erwachsen zu werden, sie steht kurz vor ihrem Schulabschluss. Sie bemüht sich um eine Ausbildung als Sachbearbeiterin der besonderen Art. Denn es sind Anträge in die Zukunft oder die Vergangenheit reisen zu dürfen. Nicht leicht hier zu bestehen, denn es ist eine Gradwanderung wann solche Anträge bewilligt werden.
Natürlich ist auch sie irgendwann Mittelpunkt dieses komplexen Gebildes von Wissen um die Zukunft. Ein großartiges Meisterwerk des Gedankenspiels von „was wäre wenn ich wüßte was passiert“. Wie beeinflusst das Wissen um die Zukunft mein Handeln im Hier und Jetzt.
Scott Alexander Howard ist ein wirklich fantastisches Debüt gelungen. Toll geschrieben, wahnsinnig gut erzählt und noch dazu so einnehmen, dass ich es nicht weglegen mochte.
Auch wenn die Szenerie und der Tonfall eher düster und beklommen ist, nimmt das Buch mich ein und fordert mich durch dieses „What if“ Szenario. Zugleich ist es auch eine Coming-of-Age Geschichte in einem schwierigen Umfeld. Es erinnert so manches Mal an totalitäre Gesellschaftsformen und ihre negativen Einwirkungen auf das Leben in Unfreiheit.
Dieses Buch kann ich kaum in eine Schublade stecken – will ich auch nicht. Es sind so viele Elemente enthalten, dass es viel, aber nicht zu viel ist. Ein wirklich tolles Buch, dem ich viele viele Leser wünsche.
Ach und bevor ich es vergesse, aus meiner Sicht auch ein tolles Buch für heranwachsende Jugendliche ab 15 Jahren. Denn die Protagonistin ist auch jung und durchläuft das Erwachsenwerden und das Buch bietet viel Raum um Diskussionen in Gang zu bringen und sich Auszutauschen. Wäre guter Unterrichtsstoff, auch Englisch LK!

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Veröffentlicht am 24.04.2024

Persiflage in bester Manier

Die erste Attacke
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Dieses Buch hatte mich bereits auf der ersten Seite überzeugt als es da völlig trocken hieß: „Zuerst müsste ich mich aber einmal dringend erholen. Leider fahren wir morgen auf Urlaub.“ Zwei Sachen werden ...

Dieses Buch hatte mich bereits auf der ersten Seite überzeugt als es da völlig trocken hieß: „Zuerst müsste ich mich aber einmal dringend erholen. Leider fahren wir morgen auf Urlaub.“ Zwei Sachen werden in diesen beiden Sätzen deutlich, der Autor hat Humor und ist Österreicher.
Dieser schmale Roman hat keine 200 Seiten und ist trotzdem ein starkes Stück gute Literatur. Oder sollte postuliert werden: gerade deshalb? Eine prägnante kurze Geschichte, die eine ganze Welt offenbart. Denn es geht im Kern um die Herde an Eltern, die ihre Kinder als Perfektionsprojekt betreiben. Sie sind gewünschteste Wunschkinder und diese sollten entsprechend den neuen Methoden und Erziehungsansätzen erzogen werden.
Drei Paare mit Kindern planen eine Woche gemeinsamen Urlaub, die drei Frauen kennen sich von früher und haben auf dieser Hütte schon wilde tolle Zeit erlebt. Nun kommen diese drei Familien dort an, alle sehr unterschiedlich in Habitus und Alphagebaren. Die Hütte ist ein stinknormales Haus mit vielen Zimmern, weder urig noch schön. Und dann ist das zentrale Thema: Alpträume. Die Kinder und teilweise auch die Erwachsenen scheinen Alpträume zu haben, denen mit Zubettgeh-Ritualen entgegengewirkt wird. Alle natürlich unterschiedliche….
Was ein herrlich skurriler Setup, der so viel gesellschaftliche Bubble-Wahrheiten mit sich bringt. Geschrieben aus der Sicht eines der Väter, kommt bei der annektotenhaften Erzählung so manches „Geschmäckle“ dazu. Wunderbar wie der Autor, Jakob Pretterhofer, durch die Aktionen seiner Figuren die Leserschaft zu einem Bild leitet ohne es zu benennen. Ich bin ja auch großer Fan von den österreichischen Phrasen und Andersartigkeiten (wie „auf Urlaub…“), dass hier genau das richtige Maß hat.
Mir hat dieser tolle Roman aus dem Elster & Salis Verlag mega gut gefallen! Mehr davon!!!

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Veröffentlicht am 16.04.2024

MeltingPot und Mutterschaft im RheinMain-Gebiet

Weiße Wolken
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Autorinnen aus dem Rhein-Main Gebiet und dann noch Debütantin, dass muss gelesen werden und wie erwartet: ein gutes Buch! Denn neben den beiden Schwestern, Dieo und Zazie sind Frankfurt und Offenbach ein ...

Autorinnen aus dem Rhein-Main Gebiet und dann noch Debütantin, dass muss gelesen werden und wie erwartet: ein gutes Buch! Denn neben den beiden Schwestern, Dieo und Zazie sind Frankfurt und Offenbach ein weiterer Star des Romans. Yandé Seck erwähnt viele Orte, viele Verhaltensmuster, die uns Frankfurter nur zu bekannt sind. Eine Hommage an das bunte kulturell vielfältige Doppelpack der Städte.
Dieo, die ältere der beiden Schwester ist mit Simon verheiratet. Sehr klassische Rollenverhältnisse, denn Simon arbeitet Tag und Nacht in einem StartUp. Dieo kümmert sich um Kinder und Haushalt. Sie ist Mutter und reflektiert die gesellschaftlichen Anforderungen an ihresgleichen und erträgt die Last kaum noch.
Ihre kleine Schwester hat soeben ihren Masterabschluss in die Tasche gesteckt und arbeitet sich auch ab, aber an anderen Baustellen, denn die Schwestern sind farbig und der alltägliche Rassismus und Sexismus der Zazie entgegenschlägt ist unerträglich. Ihr Freund Max fokussiert sich auf Zazie und ihr Wohl.
Yandé Seck kombiniert aktuelle Themen mit runden Charakteren, die so auch im echten Leben existent sein könnten mit Tiefe, Ecken und Kanten. Ich habe es gern gelesen, auch weil die Emotionen wunderbar ausgearbeitet sind. Die Nuancierung zwischen Verzweiflung, hoffnungsvollen Momenten auch positive und humorvolle Szenen sind gut gesetzt.
Nur das Cover finde ich leider etwas zu unscheinbar für die gute Geschichte zwischen den Buchdeckeln.
Für alle im Rhein-Main-Gebiet: Auf jeden Fall lesen! Für alle anderen: auch! Und danach nach Frankfurt & Offenbach kommen!

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Veröffentlicht am 16.04.2024

Mega tolle Reihe, auch Band 4 wieder unschlagbar gut!

Sommerby 4. Am schönsten ist es in Sommerby
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Wir sind Wiederholungstäter und haben vor diesem 4. Band noch mal die Nase in die anderen 3 Bände gesteckt und das Wissen um die Figuren aufgefrischt.
Herrlich wie schön Teil 4 zu Ostern passt und in diesen ...

Wir sind Wiederholungstäter und haben vor diesem 4. Band noch mal die Nase in die anderen 3 Bände gesteckt und das Wissen um die Figuren aufgefrischt.
Herrlich wie schön Teil 4 zu Ostern passt und in diesen Frühling, wenn alles anfängt zu blühen und zu keimen. Genau diese Stimmung wird sehr gut in dem Buch aufgefangen. Oma Inga und ihre Kate in Sommerby, herrlich.
Alle wieder mit dabei, aber etwas geschockt waren wir in der Tat auch über Gomera. Wie kommen die Eltern der drei denn darauf? Wieso das denn?!!! Also eben alle Kinder: Mats, Martha und Mikkel fahren zu Oma Inge und die Eltern nach Gomera. Jedem das seine.
Und hier komm ich gleich zu dem ersten überzeugenden Punkt zu dieser Reihe und warum es so toll ist diese vorzulesen: die 360 Grad Betrachtung. Hier findet die Reibung von Großmutter und Mutter genauso statt wie alle drei Kinder und wie jeder miteinander interagiert. Es werden Beziehungen, Standpunkte, Lebensweisen beleuchtet und jeder und jede Art und Person darf so sein wie er möchte.
Daher auch eine tolle Reihe zum Vorlesen. Auch für Erwachsene eine differenzierte Geschichte. Jeder hört da besonders mit dem Herzen hin, was ihn oder sie anspricht.
Dann auch gleich der Hinweis zum Lesealter. Ich denke, diese Geschichten über Sommerby ist idealer Vorlesestoff, wenn man Kinder über verschiedene Altersstufen hinweg hat (Vorschule bis Ende der Grundschulzeit). Zum Selbstlesen sollten die kleinen Lesetiere schon gut lesen können, aber auf jeden Fall ein Grundschul-Lesebuch, ab der 3. Klasse.
Zum Inhalt will ich gar nicht so viel verraten, nur dass es wieder hoch hergeht. Vor allem wird viel vermisst. Die einen werden physisch gesucht, die anderen mit dem Herzen vermisst.
Geschrieben, wie immer in einem Wohlfühl-Norddeutsch von Kirsten Boie! Ich liebe ihren Sprachgebrauch, die Art und Weise wie sie Geschichten erzählt. Eine große Bereicherung für kleine Leser:innen.
Für mich, wie auch für viele andere, ist Kristen Boie einer DER Autorinnen für junge Leser unserer Zeit und hat bei uns schon Kultstatus. Astrid und Kisten sind bei uns schon Klassiker! Diese Reihe um Sommerby wird sich da nahtlos einreihen.

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Veröffentlicht am 14.03.2024

Frankfurter Geschichte in Gräbern – super gemacht!

Der Frankfurter Hauptfriedhof
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Das Wetter wird wieder besser und alle strömen nach draußen. Wieso nicht mal über den Frankfurter Hauptfriedhof spazieren und sich umschauen? Gute Idee! Dabei ist es auch praktisch zu wissen wo die Gräber ...

Das Wetter wird wieder besser und alle strömen nach draußen. Wieso nicht mal über den Frankfurter Hauptfriedhof spazieren und sich umschauen? Gute Idee! Dabei ist es auch praktisch zu wissen wo die Gräber sind und vor allem wer alles die Ehre hat, hier die letzte Ruhestätte gefunden zu haben und wie diese Herren und Damen mit der Geschichte Frankfurts zusammenhängen.
Ich habe ein Sachbuch entdeckt, dass dabei ungemein weiterhelfen kann! Aber nicht nur als Spazierbegleitung kann es eine spannende Lektüre sein, denn dieses Buch erzählt so viel Frankfurter Geschichte anhand der Gräber, dass es auch ohne Gang spannend sein kann. Aber kleine Vorwarnung, wer dies hier gelesen hat, will anschließend definitiv über den Hauptfriedhof spazieren!
Wie der Untertitel andeutet: 200 Jahre (Frankfurter) Stadtgeschichte in Biografien. Da ich seit über 10 Jahren in Frankfurt lebe, aber nicht ursprünglich aus der Region komme, hatte ich sehr sehr viele Aha-Momente beim Lesen. Seien es Namen, die mir durch Straßennamen oder Haltestellen - wie Varrentrapp – schon geläufig waren, ich aber nie wusste, wer sich hinter den Namen verbirgt.
Natürlich ist das Buch nicht auf Vollständigkeit aus, aber erzählt reichlich viel Geschichte. Der Hauptfriedhof beherbergt auch einige literarische und philosophische Herren, die uns mit ihren Werken beglückten. Sei es der Arzt Heinrich Hoffmann, der uns den Struwwelpeter schenkte oder auch Vordenker wie Schopenhauer oder Adorno. Auch die Verlagsgröße Unseld wird portraitiert.
Toll an den verschiedenen Kapiteln über die einzelnen Personen ist die Vielfalt und Bedeutung der Stadt Frankfurt auch im bundesdeutschen historischen Kontext zu lesen.
Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass leider nicht so viele Frauen portraitiert wurden. Aber auch hier der Zeit geschuldet, dass Frauen in der Menge nicht die Ämter inne hatten und ihr Schaffen und Gestalten so leben konnten wie es heute der Fall ist.
Das Buch enthält etliche farbliche Bilder von Gräbern, Personen und Orten, die zum Kontext passen. Und genialerweise am Ende Verzeichnisse nach Gewannen und Personen sowie Kartenmaterial damit die Gräber auch verortet werden können.
Fazit: Sollte jede/r Frankfurter/in und auch jede die im Begriff sind es zu werden, lesen!

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