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Veröffentlicht am 10.07.2024

Zwischen familiären Dissonanzen und harmonische Klängen

Das Versprechen der Rosenholzvilla
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„Das Versprechen der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach ist der zweite Teil der Saga um eine Instrumentenbauerfamilie im Tessin. Obwohl einige Hintergründe sich erst nach und nach herauskristallisieren, lässt ...

„Das Versprechen der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach ist der zweite Teil der Saga um eine Instrumentenbauerfamilie im Tessin. Obwohl einige Hintergründe sich erst nach und nach herauskristallisieren, lässt sich der Roman auch Kenntnis des ersten Teils problemlos verstehen.

Elisa und Danilo planen ihre gemeinsame Zukunft – sehr zum Missfallen von Danilos Bruder Fabio, der ebenfalls Gefühle für Elisa hegt. Eine Offenbarung von Niklas sorgt für ungeahnte Turbulenzen, die nicht nur die Familien, sondern auch die Instrumentenwerkstatt vor enorme Probleme stellt. Unzufriedenheit, Eifersucht und Missgunst sind nun Tür und Tor geöffnet.

Tabea Bachs Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen. Trotzdem sind die Kapitel ein wenig lang, sodass man sich nicht schnell zwischendurch mal ein Kapitel „gönnen“ kann. Elisas Gefühlswelt wird von der Autorin intensiv beschrieben und ihre Musikbeschreibungen sind so eindrücklich, dass man beim Lesen beinahe meint die Klänge zu hören. Ein wenig Anlaufzeit braucht der Roman aber trotzdem: Während sich im Rest des Buches die Ereignisse überschlagen, wirkt das erste Drittel noch etwas langatmig.
Ganz besonders spannend sind Tabea Bachs Charaktere. Wirklich sympathisch ist mir hier kaum jemand. Die charakterlichen Schwächen der einzelnen Figuren sind dafür aber umso interessanter. Elisas Großvater Niklas ist es zweifelsfrei gewohnt den Takt anzugeben und sehr dominant. Fabio befindet sich in einer Ausnahmesituation, die sein Leben ziemlich erschüttert. Wenn man auch sein Handeln nicht unbedingt gutheißen kann, insbesondere das Verhalten seiner kleinen Tochter gegenüber, so ist es doch nachvollziehbar und vor allem menschlich. Elisas luxusverwöhnte Mutter Anna macht einen geradezu abstoßend egoistischen Eindruck. Auf die Gefühle ihrer Mitmenschen nimmt sie wenig Rücksicht und sucht die Schuld an der eigenen Misere stets bei anderen – vorzugsweise bei ihrem Vater, aber ebenso bei Elisa. Auch Danilo lässt sich stark von seinen eigenen Interessen leiten und versucht dabei Elisa als Mittel zum Zweck zu benutzen, sie zu drängen und sogar zu manipulieren. Gerade zu einem Zeitpunkt, an dem sie seinen Rückhalt am meisten benötigt, kehrt er ihr den Rücken zu und wirft mit schlimmen Unterstellungen um sich. Ob er wirklich der Richtige für Elisa sein kann? Elisa selbst ist ausgesprochen harmoniebedürftig und versucht es stets allen recht zu machen. So gedankenlos oder gar dreist manche Erwartungshaltung ihr gegenüber auch ist, plagt sie bei Nichterfüllung das schlechte Gewissen. Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie auch mal kräftig auf den Tisch haut und ihrer Familie und Freunden die Meinung geigt. Immerhin hat sie nach langen Jahren endlich wieder zu ihrer Musikleidenschaft zurückgefunden und spielt mit großer Hingabe ihre Campanula.
Während die Spannungskurve im ersten Drittel des Romans noch sehr flach verläuft, gelingt es Tabea Bach mit zahlreichen, unvorsehbaren Wendungen den Bogen bis zum Schluss konstant auf einem sehr hohen Niveau zu halten. Man darf sehr gespannt sein, wie die vielen familiären Entwicklungen sich auf den nächsten Teil der Saga auswirken.

Insgesamt bringt „Das Versprechen der Rosenholzvilla“ eine gelungene Mischung aus Einklang und Konflikten mit sich. Sehr erfrischend finde ich, dass die Figuren, obgleich nur wenige meine Sympathie erlangen konnten, nicht bis zum Abwinken idealisiert werden. Die allgegenwärtige Musik gibt dem Ganzen noch eine wunderbar ästhetische Note.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Großstadtmädchen im „Ostsee-Outback“ - Hier prallen Welten aufeinander

Strandgeflüster mit Herz
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STRANDGEFLÜSTER MIT HERZ ist der vielsprechende Auftakt zu Katie Jay Adams neuer Reihe MEER FÜR DICH.
Der Verlust ihrer Mutter, die gescheiterte Beziehung und ein bizarrer Blumengruß ihres unbekannten ...

STRANDGEFLÜSTER MIT HERZ ist der vielsprechende Auftakt zu Katie Jay Adams neuer Reihe MEER FÜR DICH.
Der Verlust ihrer Mutter, die gescheiterte Beziehung und ein bizarrer Blumengruß ihres unbekannten Onkels veranlassen die erfolgreiche Scheidungsanwältin Belle Hals über Kopf ihren Job zu kündigen um den Onkel an der Ostsee zu besuchen. Dort lernt Belle statt ihres Onkels den unverblümten Kneipenbesitzer Nick und den gewissenhaften Bürgermeister Tobias kennen. Beide Männer bringen Belles Gefühle in Aufruhr und verbergen gleichzeitig Geheimnisse vor ihr. Als Belle zu allem Überfluss auch noch unbeabsichtigt in einen neuen Job hineinschlittert und sie ganz offensichtlich in ihrem Handeln sabotiert wird, ist das Chaos perfekt. Dabei wollte sie doch eigentlich nur ihren Onkel kennenlernen und ein wenig Urlaub machen.
Im Zentrum des Romans steht die 33-jährige Belle. Als erfolgreiche Scheidungsanwältin und echte Großstadtpflanze ist Belle stets bestens vorbereitet und durchorganisiert – zumindest normalerweise. Nachdem ihr Leben im vergangenen Jahr gehörig durcheinander geraten ist, macht sie sich mit einer nie gekannten Spontaneität in die Provinz auf um ihren Onkel kennenzulernen. Dabei wirkt Belle mit ihrem anfangs recht gezierten Benehmen in der ländlichen Idylle Büdnitz nicht nur völlig fehl am Platz, sie gerät auch prompt in die Bredouille. Im Verlauf ihres Aufenthalts an der schönen Ostseeküste lernt sie jedoch die kleine Dorfgemeinschaft immer mehr zu schätzen und beginnt ihr bisheriges Leben in Frage zu stellen. Außerdem gibt es gleich zwei Männer, die ihr Herz schneller schlagen lassen. Gut, dass ihr bester Freund Florian immer ein offenes Ohr für die Belle hat. Florian möchte natürlich stets das Beste für die langjährige Freundin, allerdings spielt er Belle gegenüber auch nicht immer mit offenen Karten und versucht sie in seinem Sinn zu beeinflussen. Durch seine charmante Art und die Tatsache, dass er jederzeit für Belle da ist, verzeiht man ihm dies jedoch schnell. Der gutaussehende Büdnitzer Bürgermeister Tobias kreuzt regelmäßig Belles Weg. Mit seinem strukturierten Lebenswandel würde er eigentlich bestens zu Belle passen, doch schließlich wird die von Tobias Verlobten zur Brautjungfer auserkoren. Besonders rätselhaft tritt Kneipenwirt Nick immer wieder in Erscheinung. Zunächst Belles Retter in der Not, wechseln seine Stimmungen noch schneller als das Wetter: mal draufgängerisch, mal in sich gekehrt und abweisend. Mysteriös ist auch das Verschwinden von Onkel Hein, der sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gleich für längere Zeit aus dem Staub gemacht hat. Offenbar hat er ebenfalls etwas zu verbergen. Je mehr Belle über ihn erfährt, desto größere Ähnlichkeiten zu ihr fallen auf. Und was hat es nur mit diesem verflixten Podcast „Meer für dich“ auf sich, der Belle schon in München verfolgt und in Büdnitz präsenter denn je ist?
Der Roman lässt sich sehr flüssig lesen. Katie Jay Adams fängt wunderbar Atmosphäre und Stimmung in den verschiedenen Szene sehr lebendig ein. Durch die Erzählung in Ich-Perspektive erfährt der Leser jede Menge über das Seelenleben Belles und die Art in der sie ihre Umwelt und ihre Mitmenschen wahrnimmt. Der Leser ist also bei ihrer Wandlung vom verwöhnten „Großstadtmädchen“ zu einer bodenständigeren Person, die langsam lernt auch mal zu entspannen hautnah dabei. Viel Spaß bereiten besonders die Momenten in denen die doch sehr gegensätzlichen Charaktere wie zwei verschiedene Welten aufeinander prallen und auch einige Klischees verfehlen ihre Wirkung nicht.
Durch die vielen Geheimnisse, die sich Belle – und somit auch dem Leser – nur nach und nach erschließen, bleibt die Handlung bis zum Schluss spannend. Zu den vielen unvorhersehbaren Wendungen kommt noch die Tatsache, dass keiner der beiden Männer Belle gefühlsmäßig kalt lässt. Am Schluss drängt sich daher unweigerlich die Frage auf, wie es in Sachen Liebe im zweiten Band wohl weitergeht. Und obwohl Onkel Heins Geheimnis eher in die Kategorie ziemlich platt fällt, bleibt die Neugier wie sich die familiäre Bande zwischen Belle und ihm weiter entwickelt.
STRANDGEFLÜSTER MIT HERZ ist ein absoluter Wohlfühlroman, der mit sympathischen aber konträren Charakteren und dem beschaulichen Ostseesetting leichte, vergnügliche Unterhaltung für zwischendurch bietet und absolut zum Abtauchen und Entspannen einlädt – die perfekte Urlaubslektüre.

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Veröffentlicht am 17.05.2024

Dem Spuk-Geheimnis auf der Spur

In unserer Schule spukt's: Das Geheimnis der Villa Einsiedel
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Nachdem die Grundschule von Marode in den Sommerferien einem schrecklichen Tornado zu Opfer gefallen ist, findet der Unterricht vorläufig in der leerstehenden Villa Einsiedel statt. Doch in dem alten hochherrschaftlichen ...

Nachdem die Grundschule von Marode in den Sommerferien einem schrecklichen Tornado zu Opfer gefallen ist, findet der Unterricht vorläufig in der leerstehenden Villa Einsiedel statt. Doch in dem alten hochherrschaftlichen Gebäude geht es offenbar nicht mit rechten Dingen zu: Irgendwer treibt hier Schabernack, verstellt Gegenstände, spielt mit dem Licht und löst sogar einen Feueralarm aus. Und was hat es nur mit den seltsamen Katzen auf sich, die plötzlich wie von Geisterhand auftauchen? Johanna, Lukas, Ravi und Sylvie aus der 3b wollen unbedingt herausfinden, was hinter den seltsamen Vorkommnissen steckt. Gemeinsam starten die vier Kinder mit vollem Einsatz ihre abenteuerliche Mission und kommen dem Spuk schon bald auf die Spur.

In unserer Schule spukt’s – Das Geheimnis der Villa Einsiedel von Susan Niessen und illustriert von Tessa Rath ist der gelungene Auftakt einer neuen Kinderbuchreihe.
Das Cover des Buches passt mit den Hauptcharakteren im Vordergrund und dem Schauplatz Schule im Hintergrund wunderbar zum Inhalt. Allerdings gibt es durch die matte, durchschimmernde Darstellung von Otto und einer der beiden Katzen schon recht viel von dem Spukgeheimnis preis. Auch der Klappentext greift dem Inhalt des Auftaktbandes schon ein wenig vor.
Die Handlung selbst ist ebenso kindgerecht, wie spannend. Zwei eingefügte Zeitungsartikel vermitteln den Geschehnissen eine gewisse Seriosität. Durch die recht unterschiedlichen Charaktere des „Geisterjägerquartetts“ kann jedes Kind eine persönliche Identifikationsfigur für sich finden. Das Umfeld Schule ist Kindern sowieso hinlänglich bekannt. Schön, wenn hier auch mal etwas richtig Spannendes passiert. Insgesamt wirken die Figuren allesamt sehr authentisch. Gerade bei den Erwachsenen werden die hervorstechenden Eigenschaften und Marotten noch einmal besonders betont, was dem Ganzen eine ordentliche Portion Humor einbringt. Viel Freude machen aber vor allem die kleinen und größeren Streiche, die sich im Verlauf des Buches ereignen. Otto scheint sehr gutmütiger und lustiger Geselle zu sein, der jede Menge Schwung in den Schulalltag bringt. Die Streiche in den Kontext der Max und Moritz Geschichten von Wilhelm Busch zu setzen, ist eine großartige Idee. Dies bietet einen direkten Anknüpfungspunkt zu diesem Klassiker der Kinderliteratur.
Susan Niessens Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen, weist aber durchaus komplexe Satzmuster und damit einen gewissen Anspruch an die Lesefähigkeit der Kinder auf. Das Buch ist jedoch auch zum Vorlesen sehr gut geeignet. Kleinere schwarz-weiße Illustrationen von Tessa Rath finden sich auf fast jeder Doppelseite und lockern den Fließtext auf. Einigen Szenen ist auch eine passende große Illustration gewidmet, die das Geschehen noch bildhafter werden lässt.

Insgesamt ein spannendes und hübsch illustriertes Kinderbuch, indem neben allen Abenteuern und allem Humor auch Freundschaft, Neugier und Allgemeinwissen nicht zu kurz kommen. Kurzum: Ein Buch, dass ebenso lesens- wie vorlesenswert ist.

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Veröffentlicht am 25.04.2024

Für einen Neubeginn ist es nie zu spät

Zeit der Schwestern
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Zeit der Schwestern – Apfelblütentage

Als die Naturforscherin und Fotografin Carolin für den 70. Geburtstag ihrer Mutter nach Jahren aus ihrer Wahlheimat Neuseeland an den Bodensee zurückkehrt, freut ...

Zeit der Schwestern – Apfelblütentage

Als die Naturforscherin und Fotografin Carolin für den 70. Geburtstag ihrer Mutter nach Jahren aus ihrer Wahlheimat Neuseeland an den Bodensee zurückkehrt, freut sie sich auf zwei harmonischen Wochen im trauten Familienkreis. Doch ausgerechnet am Tag der Feierlichkeiten erschüttert ein unvorhergesehenes Ereignis das Familienleben in seinen Grundfesten. Jetzt ist mehr denn je Zusammenhalt zwischen den drei Schwestern gefragt. Dabei erkennt Carolin nicht nur, dass auch im Leben ihrer Schwestern nicht alles rund läuft, sondern stellt vor allem ihr eigenes Leben fernab der Heimat immer mehr in Frage. Und auch das Wiedersehen mit Cornell, der das Schmetterlingshaus auf der Insel Mainau leitet und dem sie zuletzt vor über 20 Jahren auf ihrem Abiball begegnet ist, ruft ungeahnte Gefühle in Carolin hervor. Doch ist sie wirklich bereit ihr sprunghaftes Leben am anderen Ende der Welt aufzugeben und in der Heimat einen Neuanfang zu wagen?

„Zeit der Schwestern – Apfelblütentage“ ist der gelungene Auftakt einer neuen Familientrilogie von Tanja Huthmacher. Ist der Beginn des Romans noch ein wenig langatmig, nimmt die Geschichte mit einer unerwarteten Wende schon bald Fahrt auf.

Im Zentrum der Romanreihe „Zeit der Schwestern“ steht die Familie Hohenhausen. Dabei spielen nicht nur die drei ungleichen Schwestern, sondern auch deren Eltern, Generation Ü70, eine bedeutsame Rolle für den Verlauf der Geschichte. Der Debütroman „Apfelblütentage“ stellt die 42-jährige Carolin, mittlere der drei Schwestern, in den Fokus. Das Leben der freiheitsliebenden Frau findet fern von ihrer Familie am anderen Ende Welt statt. Verbindlichkeiten geht sie dabei gern aus dem Weg. Trotzdem ist Carolin keineswegs eine oberflächliche Person, sondern stets hilfsbereit und zuverlässig. Für die Probleme und Bedürfnisse ihrer Freunde und Familie hat sie immer ein offenes Ohr, ohne dabei über deren Handeln zu richten. Tanja Huthmacher setzt in ihrem Roman auf einen personalen Erzähler, was einen tiefen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Protagonistin ermöglicht und den Leser mitfühlen lässt. Jeder Tag, den Carolin länger in der Heimat verbringt, verunsichert sie. Ist sie wirklich glücklich mit ihrem abenteuerlichen Leben auf der anderen Erdhalbkugel? Je intensiver sie sich mit dieser Frage auseinandersetzt, desto mehr wird ihr eines klar: Ihre Wünsche und Prioritäten haben sich verändert. Etwas maßgebliches scheint in ihrem Leben zu fehlen. Ein Beispiel im engsten Familienkreis führt ihr vor Augen, dass ein Neubeginn keine Frage des Alters ist. Der innere Konflikt den Carolin mit sich austrägt wird von Tanja Huthmacher im Verlauf der Geschichte immer wieder an den passenden Stellen fein herausgearbeitet. Hat sie den Mut ihre Freiheit aufzugeben und auch ihren Gefühlen für Cornell eine Chance zu geben? Und hat sie vor allem genügend Vertrauen in sich selbst?

Obwohl Carolin zweifellos im Mittelpunkt des Romans steht, erhält der Leser schon jetzt einen guten Einblick in die komplette Familie Hohenhausen und natürlich auf den sympathischen Biologen Cornell. Dass Cornell sein Herz (mittlerweile) offen auf der Zunge trägt, wird schnell ersichtlich. Bei romantischen Verabredungen genießt er die gemeinsame Zeit. Dabei zeigt er sich unglaublich verständnisvoll und übt keinerlei Druck auf Caro aus.
Obwohl der Spannungsverlauf keine steile Kurve aufweist, liefert der Roman immer wieder kleine Überraschungsmomente. Erste Ideen, wie es wohl in den folgenden beiden Bänden mit der lebensfrohen, chaotischen Romy, der sehr disziplinierten Veri, deren Moralvorstellung deutlich enger gesteckt sind und natürlich auch mit Caro weitergehen mag, drängen sich beim Lesen förmlich auf. Auch die Frage, ob Vater Georg sein inneres Gleichgewicht wiederfinden kann, fördert die Neugier auf die Fortsetzung.

Tanja Huthmacher schildert die Geschehnisse in ihrer Geschichte sehr anschaulich. Ihre bildhafte Beschreibung der Schauplätze und Landschaften, insbesondere der berühmten Insel Mainau versetzt den Leser regelrecht in ein Urlaubsfeeling zum Träumen. Der eingängige Schreibstil lässt sich flüssig lesen und macht die Handlung umso lebhafter. Hier und da erscheinen schonmal einzelne Szenen - gerade am Schluss des Buches, wenn die Ereignisse sich überschlagen - ein wenig gestellt. Einige Dialoge tragen, auch durch den Gebrauch von Jugendsprache zu diesem Eindruck bei. Dies schlägt jedoch mit Blick auf den Gesamteindruck – im wahrsten Sinne – nicht weiter zu Buche.

Dass es sich bei der Protagonistin um eine Frau mittleren Alters handelt, die sich noch einmal mit ihren eigenen Wünschen und Lebensvorstellungen auseinandersetzt und sich neu orientiert, wirkt besonders erfrischend. Manchmal ist eben nötig Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen und einen Neubeginn zu wagen – vor allem, wenn man erkennt, was wirklich zählt.

„Zeit der Schwestern – Apfelblütentage“ liefert alles, was einen unterhaltsamen Roman ausmacht: eine überzeugende, nicht alltägliche Geschichte mit überraschenden Wendungen, authentische Charaktere mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten, ein gesundes Maß an Romantik und nicht zuletzt idyllische Schauplätze am Bodensee. Ein gelungener Auftakt der Familientriologie, der Lust auf die Fortsetzungen macht.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Naturnaher Familienroman, der nachdenklich stimmt

Brombeerblaue Tage
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Der Roman „Brombeerblaue Tage“ von Simone Veenstra wirkt nach – trotz oder vielleicht gerade wegen des ruhigen und unaufdringlichen Schreibstils. Inmitten einer problematischen Vater-Tochter-Beziehung ...

Der Roman „Brombeerblaue Tage“ von Simone Veenstra wirkt nach – trotz oder vielleicht gerade wegen des ruhigen und unaufdringlichen Schreibstils. Inmitten einer problematischen Vater-Tochter-Beziehung haben auch die Themen Gesundheit, Entschleunigung und Natur maßgeblichen Anteil auf einem Weg voller Annäherung und Selbstfindung.
Das Leben der Berliner Landschaftsarchitektin Elisa ist straff durchorganisiert. Als absoluter Workaholic sind ständige Erreichbarkeit und Projekte über Projekte ihr Lebenselixier. Dass ausgerechnet ihr Vater Henk, zu dem sie ein gespaltenes Verhältnis hat, sie nun bittet während eines kurzen Krankenhausaufenthalts sein Gutshaus auf Rügen zu hüten, widerstrebt Elisa zutiefst. Auf Rügen angekommen muss Elisa feststellen, dass die dringliche Grundsanierung des Anwesens gerade erst anläuft, der Garten vollkommen verwildert ist und von Erreichbarkeit kaum die Rede sein kann. Als der erste Schreck vergangen ist, macht sich Elisa mit zunehmendem Eifer ans Werk. Doch gerade als ihre Leidenschaft für die Natur wieder erwacht, sich das Verhältnis zu ihrem Vater ein wenig entspannt und Elisa erste soziale Kontakte auf der Insel knüpft, verschlechtert sich Henks Gesundheitszustand dramatisch. Nun muss Elisa eine Entscheidung treffen.
Das Buch liest sich insgesamt angenehm flüssig. Die Ostseeatmosphäre zeigt sich vor allem im beschaulichen Inselfeeling und den intensiven Naturbeschreibungen. Mit ihrem Schreibstil drängt Simone Veenstra den Leser gar nicht so sehr zur Protagonistin Elisa hin, sondern versetzt ihn vielmehr in die Rolle eines eigenständigen, nachdenklichen Betrachters – ruhig und unaufdringlich, aber trotz allem unwahrscheinlich eindringlich schildert sie das Geschehen. Zu genau diesem Schreibstil passt auch das Cover des Romans: durchaus hübsch, dabei aber schlicht und unaufgeregt fängt es die Entschleunigung, die Teil des Romans ist gelungen ein.
Obwohl „Brombeerblaue Tage“ durchaus in die Kategorie Wohlfühlroman fällt, fehlt es trotzdem nicht an Spannung. Viele Entscheidungen, Beziehungsverhältnisse und Handlungsschritte werden lange offen gehalten, wie im richtigen Leben werden mitunter falsche Entscheidungen getroffen, Umwege eingeschlagen und vielleicht entwickelt sich auch letztlich nicht alles so bzw. nicht so schnell wie erwartet. Eine Frage allerdings bleibt beim Lesen in meinen Augen offen: Wie konnte es nur zu einer solchen Entfremdung zwischen Vater und Tochter kommen? Warum wurde Elisas ablehnende Haltung dem Vater gegenüber nicht ernst genommen und früher gemeinschaftlich gegengesteuert?
Elisa selbst durchläuft im Roman eine beachtliche Entwicklung, sowohl im Hinblick auf ihre eigene Persönlichkeit als auch im Verhältnis zu ihrem Vater. Als die junge Frau widerstrebend aus Berlin nach Rügen kommt, ist der Job als Landschaftsarchitektin ihre Luft zum Atmen. Hier geht sie auf und erfährt Bestätigung. Alles andere wird kontinuierlich von ihr vernachlässigt und das Verhältnis zu ihrem Vater ist ohnehin zerrüttet. Auf Rügen angekommen findet sie zwischen ihrem stressigen Job und aufreibenden Krankenhausbesuchen vor allem in der Natur zur Ruhe. Nach und nach entspannt sich zudem das Verhältnis zu ihrem Vater. Aber auch in aufkeimenden sozialen Kontakten und Erinnerungen aus ihrer Kindheit und die Großmutter stimmen Elisa nachdenklich. Immer deutlicher bemerkt sie schließlich, was wirklich wichtig ist und so reift die Erkenntnis in ihr heran, ihr Leben auf der Überholspur gegen ein wenig Entschleunigung und eine bewusstere Haltung einzutauschen.
Wer in einem Wohlfühlroman auf eine vordergründige Liebesgeschichte nicht verzichten kann, wird von „Brombeerblaue Tage“ möglicherweise enttäuscht sein. Allen anderen Lesern liefert der Roman ein intensives Leseerlebnis, dass zum Nachdenken über die eigenen Werte einlädt, aber gleichzeitig Entschleunigung bietet.

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