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Veröffentlicht am 21.05.2024

Großartig

Der Trommelwächter
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Nachdem ich die beiden Vorgängerbände „Das Hochzeitszimmer“ und „Die Aisbergh-Akte“ mich wachsender Begeisterung gelesen habe, findet die Sally-Wheeler-Trilogie mit diesem dritten Band „Der Trommelwächter“ ...

Nachdem ich die beiden Vorgängerbände „Das Hochzeitszimmer“ und „Die Aisbergh-Akte“ mich wachsender Begeisterung gelesen habe, findet die Sally-Wheeler-Trilogie mit diesem dritten Band „Der Trommelwächter“ ihren fulminanten Abschluss.

Auf dem Trommelfell der Tontrommel, welche Kwaku Ananse mit Weisheit anfüllte und sich nun weiser als die Götter wähnt, schlägt er mit seinen Spinnenfingern den Takt und damit ihm keiner diesen wertvollen Inhalt stehlen kann, beschließt er, sie gut zu verstecken. Das Märchen aus Westafrika ist dem Geschehen, das vom Sklavenhandel erzählt, vorangestellt.

Das Autorenpaar Rüdiger und Sonja Lehmann bietet nicht nur einen faszinierenden Einblick in eine Welt voller Mythen und Götter, sie erzählen vom Sklavenhandel und dem letzten illegalen Sklavenschiff „Clotilda“, das im Jahre 1860 von Afrika nach Amerika fuhr und dessen Kapitän es – um einer Verhaftung zu entgehen – in Brand gesteckt und versenkt hat. Und sie haben noch sehr viel mehr zu bieten. Mit Randy Armstead und Sally Wheeler begeben wir uns auf eine aufregende Reise in die Vergangenheit und erleben auch Momente in der Gegenwart. Neben der Geschichte um ihre Vorfahren sind wir mittendrin in den nicht immer Goldenen Zwanziger Jahren, wir treffen auf die Künstler dieser Zeit - in Berlin und vor allem in Paris und natürlich auch in New Orleans, treffen auf Exotik und Erotik, hören Jazz, sind auf Kuba und beobachten auch Kontakte zur Mafia, auch wird die NS-Zeit nicht ausgespart.

Entstanden ist ein bestens recherchiertes Porträt einer Zeit, das in Dahomey, dem heutigen Benin, mit den Sklaven seinen Anfang nimmt und sich bis zur Jetzt-Zeit erstreckt. Dieses dritte Buch der Sally-Wheeler-Trilogie kann auch unabhängig von den beiden Vorgängerbänden gelesen werden. Jedoch empfehle ich sie alle, der Reihe nach, zu lesen. Denn hier erlebt man Geschichte, die gut lesbar und sehr interessant aufbereitet ist. Und auch das ins-Buch-finden ist dank der Auflistung der Hauptpersonen, gegliedert nach Familienzugehörigkeit, ein Leichtes. So kann man sich ganz dem Buch widmen und bei Bedarf kurz vorblättern.

„Ich möchte, dass wir das zu Ende bringen, was du mit der Suche nach deiner Vergangenheit vor über zehn Jahren in Gang gesetzt hast“ sagt Elini, Sallys Ehefrau, zu ihr. Und auch das Autorenpaar Lehmann hat nun zu Ende gebracht, was sie einst mit ihrem „Hochzeitszimmer“ angefangen haben. Ein gutes Ende, wie ich finde.

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Veröffentlicht am 21.05.2024

Tod eines Tauchers

Provenzalische Flut
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Der mittlerweile zehnte Band der Pierre-Durand-Reihe ist ausgelesen und nicht nur mich hat der Alltag wieder, auch Pierre und Charlotte sind nach aufregenden Tagen zurück in Sainte-Valérie, dem fiktiven ...

Der mittlerweile zehnte Band der Pierre-Durand-Reihe ist ausgelesen und nicht nur mich hat der Alltag wieder, auch Pierre und Charlotte sind nach aufregenden Tagen zurück in Sainte-Valérie, dem fiktiven Örtchen in Südfrankreich.

Aber ich greife vor, denn die „Provenzalische Flut“ findet während ihrer Flitterwochen statt, die sie an der Côte Varoise verbringen. Doch mit der trauten Zweisamkeit ist es schnell vorbei, denn Pierre will für seine Fitness mehr tun und so werden die nächsten Tage ganz anders als geplant. Während Charlotte noch schläft, führt Pierre seine morgendliche Joggingrunde hinunter zum Strand. Weiter draußen beobachtet er einen Mann, der sich – wie betrunken - aus einem Boot hievt und unbeholfen im Wasser treibt. Da heißt es schnell handeln. Pierre wählt den Notruf und schwimmt hinaus und packt den Mann, der in Panik um sich schlägt. Nun, es gelingt Pierre, ihn an Land zu ziehen. Mit letzter Kraft keucht der Fremde noch ein paar Worte hervor, auch flüstert er ihm „Camille…“ ins Ohr und auch dem Notarzt, der alsbald zur Stelle ist, nennt der Verunglückte einen Namen.

Pierre ist hier Privatperson. Der Polizist ist daheim geblieben, wenngleich sich dieser in seinem Inneren schon meldet, denn alles deutet darauf hin, dass der Taucher, den er an Land gezogen hat, nicht einfach so verunglückt ist. Da hat einer nachgeholfen, zumindest ist Pierre davon überzeugt. Die örtliche Polizei sieht das anders, was ihm so gar nicht behagt. Spätestens dann, als der Notarzt ihn um ein Treffen bittet, da er ihm Wichtiges mitzuteilen hat, ist Pierre davon überzeugt, dass hier mehr dahintersteckt. Nur leider wartet er auf den Notarzt vergeblich, er ist spurlos verschwunden, die zuständige Polizistin interessiert sich auch dafür nicht. Was bleibt Pierre anderes übrig, als diesen mysteriösen Vorkommnisse selbst nachzugehen. Ein schlechtes Gewissen hat er seiner Charlotte gegenüber schon, er windet sich, findet Ausreden und meint, sie bekommt seine Recherchen nicht mit.

Und nicht genug damit, mischen auch Umweltaktivisten kräftig mit. Es geht um die Wasserversorgung der malerischen Insel Pórquerolles und um den Erhalt der Seegraswiesen. Den zunehmenden Tourismus und die Problematik dahinter hat die Autorin nicht ausgespart, mir aber auch ein wunderbares Bild von diesem paradiesischen Fleckchen Erde gezeigt.

Sophie Bonnet verbindet die so spannenden kriminalistischen Elemente atmosphärisch mit all den kulinarischen Genüssen vor der traumhaften Kulisse Südfrankreichs. Dazu und mittendrin sind es der liebenswerte und so charmante Dorfpolizist Pierre Durand und seine Charlotte, die Köchin aus Leidenschaft.

Auch der zehnte Fall für Pierre Durand hat es in sich. Es ist ein fesselnder, spannungs- und wendungsreicher Krimi, der mich bestens unterhalten hat. Charlotte und Pierre, dem jung vermählten Paar, wünsche ich noch einige ereignislose Tage der Zweisamkeit, bevor es für Pierre in seinem nächsten Fall wieder ans Ermitteln geht.

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Veröffentlicht am 18.05.2024

Kommissar Bork ermittelt

Der Lieblingskontakt
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„Der Lieblingskontakt“ ist das dritte Buch von Manuel Martensens Nordsum-Reihe mit seinem Ermittler Walter Bork. Dieser Kriminalfall ist in sich abgeschlossen und kann somit ohne Kenntnis der Vorgängerbände ...

„Der Lieblingskontakt“ ist das dritte Buch von Manuel Martensens Nordsum-Reihe mit seinem Ermittler Walter Bork. Dieser Kriminalfall ist in sich abgeschlossen und kann somit ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden.

Maja Lamprecht ist für die Agentur Schopp tätig. Eine Detektei, die ihre Mitarbeiter bestens schult, bevor sie eingesetzt werden. Die Kundenaufträge werden nach bestimmten Vorgaben – von low bis high – eingestuft. Den Auftrag, den Maja trotz ihres bevorstehenden Urlaubes annimmt - ein Low Level - betrachtet sie als kurze Urlaubsunterbrechung, da sie sowieso direkt am Ort der Observierung ist. Es ist eine einfache Beschattung, leicht verdientes Geld sozusagen. Und doch läuft es diesmal nicht rund, sie wird enttarnt und bricht daraufhin sofort den Auftrag ab. Auch dies ist eine normale Vorgehensweise sowohl zu ihrem Schutz als auch zu dem des Auftraggebers. Eine andere Mitarbeiterin wird an ihrer Stelle geschickt, die Observierung läuft weiter undercover.

Mit Maja reise ich ins fiktive Nordsum. Dort hat sie einen Bungalow gemietet. Neben diesem verkorksten Auftrag kristallisiert sich heraus, dass es jemand auf sie abgesehen hat. Gut, ihr Job könnte durchaus in jemandem Rachegefühle auslösen. Von so einigen zwielichtigen Gestalten lese ich, keiner davon ist mir geheuer. Selbst Klaas, ihr Vermieter dieses Feriendomizils, verhält sich merkwürdig und ein anderer holt sein Jagdgewehr aus dem Auto - auch er ist mit Vorsicht zu genießen. Spätestens dann, als es eine Tote gibt wird klar, dass auch Maja in Gefahr schwebt. Ein Fall für Kommissar Bork.

Die kurzen Kapitel werden aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Neben Majas Sicht auf die Vorkommnisse bekomme ich Einblicke in Borks Ermittlungen und auch die Gedanken der Täterperson fließen mit ein. Dabei bleibt es spannend bis zum Schluss, ich habe nicht die leiseste Ahnung, wer denn hinter diesen perfiden Machenschaften stecken könnte. Nicht nur einmal möchte ich Maja warnen, sie aus äußerst gefährlich scheinenden Situationen befreien. Sie ist zu wagemutig und nicht nur ihre Alleingänge greifen mein Nervenkostüm empfindlich an. Für wen ist sie Zielperson, für wen Lieblingskontakt?

Die durchweg rasante Story ist lange nicht durchschaubar, die Charaktere gut gezeichnet. Bork als Ermittler bleibt eher im Hintergrund, er beobachtet, ist immer ein wenig mürrisch und weiß doch genau, wo es lang geht. Ein Kommissar, wie er sein soll. Sein dritter Fall war der erste für mich, gespannt erwarte ich seinen nächsten, seinen vierten Fall.

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Veröffentlicht am 16.05.2024

Witzig-spritziger Nordsee-Krimi

FriesLandOpfer (Nordseekrimi)
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Nele Bruun entführt mich direkt an die Nordsee, in die 5000-Seelen-Gemeinde Wyk auf Föhr. Und nicht nur mich verschlägt es hierhin, auch Fabiu Covaci, der von München auf diese Nordseeinsel versetzt wurde, ...

Nele Bruun entführt mich direkt an die Nordsee, in die 5000-Seelen-Gemeinde Wyk auf Föhr. Und nicht nur mich verschlägt es hierhin, auch Fabiu Covaci, der von München auf diese Nordseeinsel versetzt wurde, verstärkt ab sofort das Team um den Kriminalhauptkommissar Carsten Wolf. Wolfs Partnerin Manu fällt nach einem schweren Unfall für längere Zeit aus, sie versucht in einer Rehaklinik wieder auf die Beine zu kommen. Fabiu und Wolf könnten unterschiedlicher nicht sein – ob sie sich zusammenraufen können? Als der Barbesitzer Harald Königsberger tot am Strand gefunden wird, müssen sie – der stets korrekte Fabiu und der Wolf, wie Manu ihn gerne ruft - wohl oder übel zusammenarbeiten.

Das Mordopfer wurde mit siebzehn Messerstichen aus dem Leben befördert, außerdem fehlt ihm ein sehr männliches Teil. Und nicht genug damit, auch wird ein Mädchen vermisst, von dem nach wie vor jede Spur fehlt. Hängen die beiden Fälle zusammen? Die Ermittlungen gestalten sich äußerst schwierig, denn ein Motiv ist nicht erkennbar. Königsberger scheint keine Feinde gehabt zu haben, er war beliebt und großzügig. Hat sein Geschäftspartner Brink etwas damit zu tun?

Neben den Ermittlungen um das vermisste Mädchen und den toten Barbesitzer sind es die privaten oder halb-privaten Momente zwischen Fabiu und Wolf, die den spannenden Krimi noch ein Stück weit lesenswerter machen. Ihre Dialoge, in die sich gelegentlich auch Manu einklinkt, sind geradezu köstlich. Sie sprühen vor Witz und sprödem Charme, sind unterhaltsam und lockern die schwierige und zuweilen auch ganz schön ermüdende Observierung ungemein auf. Sie arbeiten auf Hochdruck und sind auch so manche Nacht im Einsatz. Die Zeit drängt, das Mädchen muss möglichst lebend gefunden werden und auch im Fall Königsberger kommen sie nicht recht voran. Trotz ihrer Unterschiedlichkeit nähern sich die beiden Männer an und auch wenn Fabiu zunächst als befristeter Ersatz für Manu vorgesehen ist, so könnte es durchaus sein, dass er – der mit seiner Familie von der Isar an die Nordsee gezogen ist – auf Föhr Wurzeln schlägt. Zu wünschen wäre es ihm, denn gerne würde ich mehr von diesem so erfrischenden Ermittlerduo lesen.

„Frieslandopfer“ ist ein in jeder Hinsicht erfrischender Nordseekrimi mit zuweilen bärbeißigen, aber doch liebenswerten Charakteren und viel Küstenflair.

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Veröffentlicht am 15.05.2024

Vielschichtiger, sehr lesenswerter Krimi

Das Haus der Lügen
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Kürzlich habe ich von Trude Teige ihre beiden Bücher „Als Großmutter im Regen tanzte“ und gleich anschließend „Und Großvater atmete in den Wellen“ gelesen. Ach, was sage ich – verschlungen habe ich diese ...

Kürzlich habe ich von Trude Teige ihre beiden Bücher „Als Großmutter im Regen tanzte“ und gleich anschließend „Und Großvater atmete in den Wellen“ gelesen. Ach, was sage ich – verschlungen habe ich diese wundervollen, so berührenden Bücher. Die Autorin schreibt so einnehmend, so ansprechend, an ihr werde ich nie mehr vorübergehen. Und so bin ich auf „Das Haus der Lügen“ aufmerksam geworden und habe diesen Norwegen-Krimi angefangen nicht mehr weglegen können.

Eine Nachbarin beobachtet eine Gestalt im gegenüberliegenden Garten, sie wird später noch befragt werden. Auch wird die Journalistin Kajsa Coren aus der Notaufnahme angerufen, sie möchte doch bitte kommen und ein paar Anziehsachen mitnehmen, es geht um Anik. Die beiden Frauen kennen sich seit Studienzeiten und nun, in ihrer großen Not, hat sich Anik an Kajsa erinnert. Seit einem halben Jahr wohnt Anik wieder in ihrem Elternhaus, nachdem sie fünf Jahre in England war. Sie wohnt alleine und als es bei ihr klingelt, macht sie nichtsahnend einem Typen - mit einer Skimaske verkleidet - auf. Dieser zückt ein Messer, drängt sie aufs Bett, vergewaltigt sie und zwingt sie anschließend, sich in der Badewanne zu waschen. Anik ist nicht die einzige, der das passiert. Weitere, ähnlich gelagerte Fälle, folgen.

Die Kriminalbeamtin Beth Ross ermittelt mit ihrem Kollegen Tom Lohne, geleitet werden die Ermittlungen von Karsten Kjølas, dem Lebensgefährten von Kajsa. Gleichzeitig untersuchen sie einen Fund mit menschlichen Überresten, die seit geschätzt zwanzig bis dreißig Jahren unentdeckt an einem Steilhang gelegen haben.

Nach und nach werden die Nachbarn von Anik näher betrachtet. Keiner will etwas gesehen haben, auch die oben erwähnte Nachbarin, die den ganzen Tag neugierig am Fenster hängt, kann oder will nicht weiterhelfen. Jeder scheint sich in Lügen zu verstricken, auch ist vom Münchhausen-Syndrom die Rede. Und was hat es mit diesem Knochenfund auf sich? Auch lese ich von jemandem, dessen Gedanken mir schier das Blut in den Adern gefrieren lässt.

Trude Teige hat mich ab Seite eins gefesselt. Was sie mir hier auftischt, ist so gar nicht durchschaubar. Ihren Charakteren nehme ich ihr Handeln sofort ab, wenngleich mir die meisten davon nicht gerade sympathisch sind. Mehr noch – ich möchte denen nicht begegnen, keinen davon in meiner Nachbarschaft wissen. Warum lügt man? Um sich oder andere zu schützen? Um zu verdrängen Oder warum sonst? Diese Fragen drängen sich zwischendurch auf.

Die Autorin zeigt auch hier, in ihrem vielschichtig angelegten Krimi, großes Talent, eine Geschichte mit überraschenden Wendungen zu entwickeln und weiter auszuführen, dass man als Leser gar nicht anders kann, als der Tätersuche gebannt zu folgen. „Das Haus der Lügen“, der neueste Krimi von Trude Teige, hat mich verblüfft, beeindruckt, begeistert und mitgerissen. Natürlich werde ich ihre schon erschienenen Krimis lesen, ich freu mich schon drauf.

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