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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.04.2025

Fordernd, aber unbedingt lesenswert

Der unendliche Gipfel
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Toine Heijmans erzählt in „Der unendliche Gipfel“ von der fiktiven Figur Walter Welzenbach, der allein einen Achttausender besteigt. Doch schon bald wird klar: Diese Reise ist keine Heldengeschichte, sondern ...

Toine Heijmans erzählt in „Der unendliche Gipfel“ von der fiktiven Figur Walter Welzenbach, der allein einen Achttausender besteigt. Doch schon bald wird klar: Diese Reise ist keine Heldengeschichte, sondern ein stiller, oft verstörender Abstieg in Zweifel, Selbstverlust und Wahn.

Die Handlung entfaltet sich langsam, fast schwebend, und bleibt dabei über weite Strecken bewusst vage. Vieles wird angedeutet, manches bleibt unausgesprochen – und genau das macht den Reiz aus. Stück für Stück verschwimmt die Realität. Was hat der Erzähler wirklich erlebt? Was spielt sich nur in seinem Inneren ab? Die Grenzen verwischen, nicht nur für ihn, sondern auch für mich als Leserin. Das schafft Spannung – aber auf eine ganz leise, unangenehm eindringliche Weise.

Die Sprache ist kühl, reduziert, manchmal fast spröde. Und doch gelingt es Heijmans, starke Bilder zu erzeugen, mit wenigen Worten viel Raum zu schaffen – für Gedanken, Zweifel, Fragen. Ich habe oft Sätze zweimal gelesen, nicht weil sie schwer verständlich waren, sondern weil sie nachwirkten, sacken wollten.

Der Titel passt perfekt. Der Gipfel ist nicht einfach ein Ziel – er ist ein Symbol. Für Ehrgeiz, für das Streben nach Bedeutung, für das Scheitern. Und vielleicht auch für den Versuch, sich selbst zu überschreiten – mit allen Konsequenzen.

Der unendliche Gipfel ist kein Wohlfühlbuch. Es ist fordernd, manchmal sogar anstrengend, aber gerade deshalb wirkungsvoll. Es hallt nach und ist unbedingt lesenswert.

Veröffentlicht am 16.04.2025

Leseerlebnis mit viel Gefühl

Das Restaurant am Rande der Zeit
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„Das Restaurant am Rande der Zeit“ von Yuta Takahashi erzählt eine ruhige, berührende Geschichte über einen magischen Ort – das kleine, abgelegene Restaurant Chibis Kitchen, dessen Spezialität das „Gericht ...

„Das Restaurant am Rande der Zeit“ von Yuta Takahashi erzählt eine ruhige, berührende Geschichte über einen magischen Ort – das kleine, abgelegene Restaurant Chibis Kitchen, dessen Spezialität das „Gericht von damals“ ist. Es bietet seinen Gästen die Möglichkeit, einen geliebten Verstorbenen noch ein letztes Mal zu treffen. In der Hoffnung, ihren Bruder wiederzusehen, der starb, als er ihr das Leben rettete, macht sich auch Kotoko Niki auf den Weg dorthin.
Mit großer Sensibilität widmet sich Takahashi den Themen Verlust, Schuld, Erinnerung und einer leisen Hoffnung. Sein Stil ist poetisch und feinfühlig. Er taucht tief in das Seelenleben seiner Figuren ein und zeichnet es mit kraftvollen, schlichten Bildern, die einen unmittelbar berühren.
Besonders die stille, zurückhaltende Kotoko, wächst einem schnell ans Herz. Doch auch ihre Verbindungen zu anderen Menschen, die wie sie aus ganz persönlichen Gründen in das Restaurant kommen, machen die Geschichte lebendig und berührend. Die leisen Begegnungen und geteilten Schicksale der Protagonisten fügen sich zu einem feinen Netz aus Erinnerungen und Verlust. Auch ihre Beziehung zu dem geheimnisvollen Gastgeber Kai entwickelt sich behutsam und verleiht der Erzählung eine stille Tiefe.
Obwohl es um ein trauriges Thema geht, fühlt sich das Buch nicht schwer oder düster an. „Das Restaurant am Rande der Zeit“ ist eine ruhige, berührende Lektüre, die noch lange nachhallt – ein echtes Leseerlebnis mit viel Gefühl.

Veröffentlicht am 12.04.2025

Gelungene Mischung aus Biografie und Fiktion

Bertha Benz und die Straße der Träume
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„Bertha Benz und die Straße der Träume“ von Alexander Schwarz ist eine Mischung aus Biografie und fiktiver Erzählung, die das Leben von Bertha Benz lebendig macht. Ihr Mann Carl arbeitet an einer selbstfahrenden ...

„Bertha Benz und die Straße der Träume“ von Alexander Schwarz ist eine Mischung aus Biografie und fiktiver Erzählung, die das Leben von Bertha Benz lebendig macht. Ihr Mann Carl arbeitet an einer selbstfahrenden Kutsche. Doch immer wieder kämpfen sie mit finanziellen Engpässen, sodass Bertha bereits vor der Hochzeit einen Teil ihrer Mitgift zur Finanzierung seiner Werkstatt beisteuert. Als Carl 1888 zögert, seine Erfindung der Öffentlichkeit vorzustellen, packt sie kurzerhand ihre beiden Söhne ein und startet die erste lange Streckenfahrt mit dem Benz Motorwagen von Mannheim nach Pforzheim.

Die Beschreibungen des Autors sind so lebendig und detailreich, dass man sich mühelos in die damalige Zeit versetzt fühlt. Er stellt Bertha als starke, selbstbewusste und praktisch veranlagte Person dar, die viel mehr ist als die Frau hinter einem genialen Tüftler und Erfinder. Die Meisten werden bereits von ihrer bahnbrechenden und mutigen Fahrt gehört haben, trotzdem ist es ein großes Vergnügen, Bertha auf ihrem Weg zu begleiten. Dazu trägt nicht zuletzt der eingängige und gut lesbare Schreibstil von Alexander Schwarz bei, der es einem leicht macht, sich direkt mitten in der abenteuerlichen Reise zu wähnen. Man muss sich nicht für die Geschichte des Automobils interessieren, um Spaß an dem Buch zu haben. Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 09.04.2025

Leseempfehlung

Das größte Rätsel aller Zeiten
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„Das größte Rätsel aller Zeiten“ von Samuel Burr nimmt die Leser auf eine aufregende Suche nach einem alten Geheimnis mit. Clayton wurde als Findelkind von der Gemeinschaft der Rätselmacher aufgenommen ...

„Das größte Rätsel aller Zeiten“ von Samuel Burr nimmt die Leser auf eine aufregende Suche nach einem alten Geheimnis mit. Clayton wurde als Findelkind von der Gemeinschaft der Rätselmacher aufgenommen und großgezogen. Als seine Ziehmutter Pippa stirbt, hinterlässt sie ihm sein größtes Rätsel: das nach seiner Herkunft.

Burr verwebt gekonnt zwei Erzählstränge zu einer fesselnden Geschichte, Claytons Suche nach der Lösung seines Rätsels in der Gegenwart und ein Rückblick in die Vergangenheit, der erklärt, wie es zu dem Rätsel kam. Dabei werden beide Geschichten so geschickt verbunden, dass sie sich ergänzen, nach und nach die Hinweise liefern, die für das Entschlüsseln des Rätsels nötig sind und so die Spannung aufrecht erhalten.

Burrs Sprache ist einfach und zugänglich. Die Sätze sind flüssig und gut strukturiert. Dem Autor gelingt es meisterhaft, komplexe Themen verständlich zu vermitteln.

Die Charaktere sind liebevoll und detailreich gezeichnet. Burr beschreibt sie so lebendig und komplex, dass es leicht fällt, ihnen durch die Geschichte zu folgen und ganz besonders Spaß macht, den sympathischen Clayton auf seiner Suche zu begleiten.

Klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 01.06.2024

Fesselnd und sehr lesenswert

Wir werden jung sein
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An der Charité in Berlin wird eine Studie zu einem Medikament gegen Herzmuskelschwäche durchgeführt - zunächst nichts Ungewöhnliches, die Wirkung des Medikaments aber schon: Die Studienteilnehmer werden ...

An der Charité in Berlin wird eine Studie zu einem Medikament gegen Herzmuskelschwäche durchgeführt - zunächst nichts Ungewöhnliches, die Wirkung des Medikaments aber schon: Die Studienteilnehmer werden immer jünger. Was zunächst fast verlockend klingt, entwickelt sich für die Betroffenen dramatisch, wirft viele ethische und moralische Fragen auf und ruft die Politik auf den Plan.

Die Idee für den Plot ist großartig und die Umsetzung hervorragend gelungen. Maxim Leo hat mit "Wir weden jung sein" einen fantastischen Roman vorgelegt, der eine utopische Geschichte auf sehr überzeugende Weise erzählt. Jedem Protagonisten - den vier Probanden und dem Studienleiter Prof. Mosländer - widmet er einen Erzählstrang. Da ist Jakob, ein Jugendlicher, der die Liebe entdeckt, Wenger, ein todkranker Unternehmer, der sich aufs Sterben vorbereitet, aber auch Jenny, eine Frau mit unerfülltem Kinderwunsch, die plötzlich schwanger ist und Verena, eine ehemalige Olympiasiegerin, die ihren Horizont schon überschritten hatte und nun wieder zur Höchstleistung aufläuft. Die Schicksale dieser sehr unterschiedlichen Menschen verwebt der Autor gekonnt zu einem fesselnden, sehr lesenswerten Roman.