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Veröffentlicht am 15.06.2024

Ein kleines bisschen Hoffnung durch die Bahnhofsmission

Die Bahnhofsmission
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Der zweite Teil der Reihe um die Frauen der Bahnhofmission beginnt 1945 zum Kriegsende, als Berlin in die verschiedenen Sektoren aufgeteilt wird und langsam der Wiederaufbau beginnt, während viele Flüchtlinge ...

Der zweite Teil der Reihe um die Frauen der Bahnhofmission beginnt 1945 zum Kriegsende, als Berlin in die verschiedenen Sektoren aufgeteilt wird und langsam der Wiederaufbau beginnt, während viele Flüchtlinge und heimkehrende Soldaten in der zerbombten Stadt eintreffen und der Wohnraum mehr als knapp ist. Auch bei Alice ist eine Familie einquartiert und sie und ihre Nachbarn kommen gerade so über die Runden. Dennoch möchte sie auch anderen helfen und setzt sich dafür ein, dass die Bahnhofsmission am Schlesischen Bahnhof, die sich im russischen Sektor befindet, wieder ihre Dienste anbieten kann. Dabei hilft es ihr, dass sie einen guten Draht zu einem russischen General hat. Außerdem tauchen bald auch immer mehr ehemalige Mitstreiterinnen aus der Anfangszeit der Bahnhofsmission wieder auf.

Schon die Covergestaltung hat mein Interesse geweckt, passt sie doch sehr gut zur Zeit und zum Schauplatz der Handlung. Ich war aber auch grundsätzlich neugierig, wie nach dem sehr fesselnden ersten Teil alles weiter ging mit Alice und den anderen Frauen. Der Zeitsprung vom ersten zum zweiten Teil ist untypisch groß, die noch junge Alice aus dem ersten Band ist nun schon eine über 50-jährige Frau. Was dazwischen in ihrem Leben passiert ist, erfährt man im Verlauf der Handlung nur am Rande. Dennoch konnte ich mich nach einiger Zeit wieder gut in die Geschichte einfinden und habe mich über das Wiedersehen mit alten Bekannten ebenso gefreut, wie die Protagonistin. Die Zeit, in der alles spielt, ist eine ebenso spannende wie harte, aber die Frauen lassen sich so schnell nicht einschüchtern. So fand ich es sehr interessant, die historischen Ereignisse und auch das relativ ungeschönte Grauen, mit dem sie auch konfrontiert wurden, aus ihrer Perspektive mitzuerleben. Der Schreibstil der Autorin war dabei gut lesbar und zugleich sehr anschaulich, sodass man sich gut in die beschriebenen Situationen hineinversetzen konnte.

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 03.06.2024

Schicksalsgemeinschaft

Das Licht in den Birken
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Thea kommt mit Mitte fünfzig aus Portugal, wo sie mit einer Ziegenherde umher zog, zurück in die Lüneburger Heide. Von dort war sie vor über 20 Jahren quasi geflüchtet. Sie mietet eine Wohnung bei Benno, ...

Thea kommt mit Mitte fünfzig aus Portugal, wo sie mit einer Ziegenherde umher zog, zurück in die Lüneburger Heide. Von dort war sie vor über 20 Jahren quasi geflüchtet. Sie mietet eine Wohnung bei Benno, der einen Gnadenhof betreibt, aber mittlerweile große finanzielle Probleme hat und anderen Menschen gegenüber sehr abweisend auftritt. Kurz darauf stößt Juli zu den beiden, die eigentlich von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Amsterdam wandern wollte, um ihrem verstorbenen Opa nahe zu sein. Dann verletzte sie sich jedoch am Fuß und muss nun erst einmal eine Zwangspause bei Thea und Benno einlegen. Als Juli und Thea mitbekommen, wie es um Bennos Lebenswerk steht, setzen sie alles daran, den Gnadenhof zu retten.

Das Cover des Romans passt sehr gut zur Atmosphäre morgens um den einsamen Hof in der Lüneburger Heide herum und zu seinen Bewohner:innen, die es eigentlich alle drei gewohnt sind, für sich zu sein und das zu tun, was sie selbst gerade für richtig halten. Alle Charaktere haben ihre Ecken und Kanten und zugleich aber auch einen weichen Kern und viel Mitgefühl für Tiere, aber auch ihre Mitmenschen, selbst wenn das nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist. Jede:r von ihnen hat ein spezielles Päckchen zu tragen, in Form von Schicksalsschlägen, die er/sie nie wirklich verarbeitet hat und die zu der Schutzschicht anderen gegenüber beigetragen haben. Nun öffnen sie sich einander aber Stück für Stück und sind füreinander da. Das fasst die Autorin sehr überzeugend in passende Worte. Ihr Schreibstil ist gut nachvollziehbar, aber auch angereichert mit passenden sprachlichen Bildern und anschaulichen Schilderungen, sodass man sich gut an den Ort des Geschehens und in die Protagonist:innen hinein versetzen kann.

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Veröffentlicht am 02.06.2024

Eine faszinierende Persönlichkeit

Queen of Fashion
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Dieser Band der Reihe um interessante weibliche Persönlichkeiten beschäftigt sich mit der bekannten britischen Designerin Vivienne Westwood, die man auch auf dem Cover erkennen kann. Diese hatte einen ...

Dieser Band der Reihe um interessante weibliche Persönlichkeiten beschäftigt sich mit der bekannten britischen Designerin Vivienne Westwood, die man auch auf dem Cover erkennen kann. Diese hatte einen langen Weg vor sich, bis sie bekannt und auch wirtschaftlich gesehen erfolgreich war. 1965 ist sie erst einmal frisch geschieden und alleinerziehende Mutter. Um über die Runden zu kommen, arbeitet sie als Lehrerin, auch wenn ihre Leidenschaft der Kunst und der Mode gilt. Doch schon bald lernt sie den Kunststudenten Malcolm McLaren kennen und eröffnet mit ihm einen Modeladen, für den sie die Kleidung entwirft und näht, während er viel unterwegs ist und ständig auf der Suche nach neuen Projekten. Unter anderem gründet er die Sex Pistols, für die Vivienne dann die Outfits entwirft und so den Look des Punks prägt. Sie wird immer bekannter, aber es gibt neben Malcolm auch noch weitere Menschen in ihrem geschäftlichen Umfeld, die ihr mehr schaden als helfen und so steht sie immer wieder nahe am Ruin.

Ich fand die Geschichte von Vivienne Westwood sehr spannend. Als Designerin war sie mir natürlich ein Begriff, aber so habe ich den Menschen Vivienne Westwood näher kennen gelernt und sie war mir sehr sympathisch, wie sie ihren Weg trotz aller Schwierigkeiten geht und für Menschen und Dinge einsteht, die ihr wichtig sind, auch wenn sie damit aneckt. Solche Persönlichkeiten sind heutzutage leider sehr selten geworden. Der Schreibstil der Autorin war gut lesbar und auch so anschaulich, dass ich mir das, was beschrieben wurde, sehr gut vorstellen konnte.

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Veröffentlicht am 02.06.2024

Unruhige Zeiten

Unter dem Moor
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Der neue Roman von Tanja Weber spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen im Stettiner Haff. 1936 muss die 14-jährige Berlinerin Gine zum Landjahr ans Stettiner Haff und dort unter harten Bedingungen für ...

Der neue Roman von Tanja Weber spielt auf drei verschiedenen Zeitebenen im Stettiner Haff. 1936 muss die 14-jährige Berlinerin Gine zum Landjahr ans Stettiner Haff und dort unter harten Bedingungen für die Familie eines Gutsbesitzers schuften. Sigrun lebt zur DDR-Zeit mit ihrem Mann, dessen Mutter und ihrem kleinen Sohn in der Gegend, träumt aber eigentlich von einem freieren Leben. Und Nina fühlt sich in der aktuellen Zeit von ihrer Arbeit als Ärztin an der Berliner Charité ausgebrannt und zieht sich für einige Wochen ans Stettiner Haff zurück, um sich darüber klar zu werden, wie es in ihrem Leben weitergehen soll. Dort macht sie bald einen erschreckenden Fund.

Mich haben die Geschichten der drei Frauen, die jede auf eine andere Art in einer Krise stecken, sehr gefesselt. Die beiden Handlungsstränge, die in der Vergangenheit spielen, befassen sich mit einerseits sehr spannenden zugleich aber auch grausamen Abschnitten der jüngeren deutschen Vergangenheit, was durch die Erzählungen der Autorin wieder sehr deutlich wurde. Mit Nina als Protagonistin der Gegenwart konnte ich mich sehr gut identifizieren, da ich ebenfalls mit meinem Beruf hadere, auch wenn wir in unterschiedlichen Bereichen tätig sind. Dadurch kann ich mir gut vorstellen, dass eine Auszeit fernab des Alltags, wie sie sie sich nimmt, hilfreich sein kann. Der Schreibstil der Autorin war gewohnt flüssig lesbar und auch recht anschaulich, sodass man sich die beschriebenen Orte und Personen gut vorstellen konnte.

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Veröffentlicht am 02.06.2024

Das Mädchen mit den roten Haaren

Wir waren nur Mädchen
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Die Geschichte beginnt 1940 im von den deutschen Nationalsozialisten besetzten Amsterdam. Hannie Schaft erlebt mit, wie Freundinnen und deren Familien in Gefahr geraten, weil deren Vorfahren Juden waren. ...

Die Geschichte beginnt 1940 im von den deutschen Nationalsozialisten besetzten Amsterdam. Hannie Schaft erlebt mit, wie Freundinnen und deren Familien in Gefahr geraten, weil deren Vorfahren Juden waren. Sie trifft aber auch immer wieder auf Menschen, die sich der Besatzungsmacht auf verschiedenste Weise widersetzen und so schließt sie sich auch selbst bald einer Widerstandsbewegung an, die nicht nur Menschen dabei hilft, unterzutauchen, sondern auch Sabotageakte durchführt und sogar tötet. Damit bringt sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familie und ihre Freundinnen in Lebensgefahr.

Mich hat die Geschichte von Hannie Schaft, die auf deren wahren Lebensgeschichte beruht, sehr gefesselt. Bis jetzt kannte ich hauptsächlich Geschichten von Widerstandsgruppen, die in Deutschland im Widerstand aktiv waren, wie die Weiße Rose oder die Edelweißpiraten. Das, was Hannie Schaft getan und riskiert hat, hat mich aber genauso beeindruckt und ich fand es sowohl interessant als auch erschreckend, mehr über das Verhalten der deutschen Besatzer und deren Verbrechen in den Niederlanden zu erfahren. Der Schreibstil des Romans war gut lesbar, aber natürlich war vieles, was die Autorin sehr anschaulich schilderte, nicht gerade leichte Kost. Auf jeden Fall ein wichtiges Buch, gerade in der heutigen Zeit, wo sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden rechte Parteien wieder stärker werden.

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