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Arambol

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2024

Mysteriös und hochspannend

Finster
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"Es geschah am helllichten Tag. Und wieder hat niemand etwas gesehen."

Zunächst vewirrt die Vielzahl an eingeführten Charakteren etwas, doch nach und nach findet man sich immer besser in Katzenbrunn, ...


"Es geschah am helllichten Tag. Und wieder hat niemand etwas gesehen."

Zunächst vewirrt die Vielzahl an eingeführten Charakteren etwas, doch nach und nach findet man sich immer besser in Katzenbrunn, einem knapp fünfzig Einwohner zählenden Dorf im Odenwald zurecht. Die Geschichte selbst spielt im Jahr 1986, es ist die Zeit von Asbach Uralt, Katzenzungen und Weinbrandbohnen.

Wir begleiten Kommissar a.D. Hans J. Stahl auf seine letzte große Suche. Er will den geheimnisvollen "Greifer" stellen, und damit das Geheimnis um mehrere spurlos verschwundene Kinder lösen.
Auf seinem Ermittlungsweg treffen wir auf viele, sehr skurille und zwielichtige Gestalten wie den verwirrten Schugge, Oskar und seine alkoholkranke Mutter Anneliese, den Pfarrer Kaltbach, den Leiter der psychiatrischen Waldfrieden-Klink Dr. Krumbiegel, dann Schwester Annegret und noch viele andere mehr.

Die zahlreichen, und gleichzeitig auch extrem kurzen Kapitel, die jeweils aus der Sicht verschiedener Protagonisten geschrieben sind, leiten zügig und abwechslungsreich durch die überaus spannende Erzählung.

Der außergewöhnliche Sprachstil war anfänglich für mich irgendwie etwas gewöhnungsbedürftig, schnell kann man sich dann aber doch "einlesen" und wohlfühlen.

Immer wieder werden Begegnungen zunächst aus der Sicht der einen, und unmittelbar darauf aus der Sichtweise und Wahrnehmung der zweiten Person geschildert. Das wirkt sehr gelungen und lässt den Leser tief in das Geschehen eintauchen.

Jeder beobachtet jeden: Katzenbrunn ist ein Dorf voller Misstrauen, Neid und Missgunst. Und wirklich alle Einwohner haben etwas zu verbergen und hüten mindestens ein düsteres Geheimnis.

Fazit:
Interessant anders und durchgängig unterhaltsam spannend. Der Thriller hat mich mit überraschenden Ereignissen positiv beeindruckt.

Ich weiß jetzt endlich, wer der "Greifer" ist und kann jedem nur empfehlen, dies selbst auch herauszufinden.
Unbedingt Lesen!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2024

Wer hat Angst vorm bösen Wolf

Lupus
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"Manchmal muss man die Vergangen-heit einfach ruhen lassen. Die Geister wird man sonst nicht mehr los."

Nach "Der Wald" liefert Tibor Rode mit seinem neuen Roman "Lupus" erneut einen ultra-spannenden ...


"Manchmal muss man die Vergangen-heit einfach ruhen lassen. Die Geister wird man sonst nicht mehr los."

Nach "Der Wald" liefert Tibor Rode mit seinem neuen Roman "Lupus" erneut einen ultra-spannenden und komplexen Öko-Thriller ab. Die Thematik ist dabei sowohl populär aktuell als auch stark emotional polarisierend: wie wollen wir mit der potentiellen Rückkehr des Wolfs in heimische Wälder umgehen?
Können uns Wolfs-Zäune wirkungsvoll schützen, und wie effektiv kann uns eine angeblich unfehlbare Künstliche Intelligenz unterstützen?

Fast neunzig schnell zu lesende, kurze und packende Kapitel treiben dabei die Geschichte temporeich voran. Man fliegt förmlich durch die Handlung. Das beschriebene Szenario erscheint glaubhaft; der wissenschaftliche, wie auch der geschichtliche Hintergrund ist offensichtlich gründlich recherchiert.

Mittels eines wendungsreichen und faszinierenden Erzählstils reiht Tibor Rode dabei einen Erzähl-Höhepunkt atemlos an den nächsten.
Durch ebenso schnell wechselnde Schauplätze und Perspektiven bleibt die Handlung stets dynamisch vielschichtig und wird dabei niemals auch nur ansatzweise langatmig. Die Dialoge entwickeln sich angenehm lebendig und authentisch, es fällt schwer das Buch aus der Hand zu legen.

In kursiver Schrift werden regelhaft Rückblenden im Stile nüchterner Reportagen, sowohl in die jüngere als auch in eine zeitgeschichtliche dunkle Nazi-Vergangenheit eingeschoben. Mir war früh, spätestens aber nach der Erwähnung der Insel Riems, und des dort ansässigen "Friedrich Loeffler Instituts" klar in welche Richtung sich der Roman dabei entwickeln würde.

Die Geschichte wird konsequent logisch abgeschlossen, alle Handlungsstränge finden zusammen, so dass am Ende keine Fragen mehr offen bleiben.

Die beiden Hauptprotagonisten, die Veterinärärztin und Wolfsbeauftragte im Landkreis Vorpommern-Greifswald Jenny Rausch und der Staatsanwalt Dr. Frederik Bach waren mir von Beginn an sympathisch. Ihr Handeln erscheint stets sinnvoll, gleichzeitig emphatisch und nachvollziehbar zielgerichtet.

Fazit:
Überzeugende und gut funktionierende Kombination aus einem spannenden fundiertem Wissenschaftsthriller und einem sehr glaubhaft recherchierten historischem Roman.
Für mich deutlich mehr als interessant: Lesenswert!

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Veröffentlicht am 31.07.2024

Kurzweilig, weil spannend

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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"Da war sie wieder, diese verdammte Neugierde, die ihr keine Ruhe ließ."

Der Zeelandkrimi "Die Toten von Veere"
von Maarten Vermeer startet mit drei parallelen Handlungssträngen, die zunächst scheinbar ...


"Da war sie wieder, diese verdammte Neugierde, die ihr keine Ruhe ließ."

Der Zeelandkrimi "Die Toten von Veere"
von Maarten Vermeer startet mit drei parallelen Handlungssträngen, die zunächst scheinbar wenig miteinander verbindet.

Oktober 1944: In Vorbereitung der Landung alliierter Streitkräfte und damit zur Befreiung der Niederlande wird der Deich von Westkapelle bombardiert. Im Chaos des Bombenhagels verschwindet die 16jährige Mareike Cornelisse spurlos. Ihr Bruder Henk macht sich auf die Suche und landet inmitten einer Widerstandsbewegung.

Gegenwart:
Hoofdinspecteur Liv de Vries von der niederländischen Landespolizei reist in ihre alte Heimatstadt Veere um nach einer vermissten Person zu suchen. Für sie wird es auch eine Reise in ihre eigene, unbequeme Vergangenheit.

Gleichzeitig stellt Ann-Remi Blom, eine Rechtsmedizinerin des Gesundheits-dienstes Zeeland, ein Gutachten ihres Chefs in Frage. Sie nimmt eigenmächtig Ermittlungen auf, denn sie will keinesfalls akzeptieren, dass es sich beim Todesfall Willem de Ran um einen tragischen Unfall handeln soll.

Alle drei Geschichten sind für sich schon äußerst interessant und auch abwechslungsreich geschrieben. Den Zusammenhang sieht man lange Zeit nicht, erst nach und nach finden diese Handlungsstränge zusammen. Viele, auch sehr überraschende "AHA, jetzt verstehe ich..."-Momente inklusive.
Dabei erhält der Zeeland-Krimi eine zunehmend politische Dimension. Mehr und mehr offenbaren die Ermittlungen Verbindungen die ins rechtsradikele Milieu führen.

In der Erzählung gibt es zu keiner Zeit unnötige Längen, die Handlung ist dabei vielschichtig und mit zahlreichen Story-Wendungen geschrieben.
Das fast 600 Seiten umfassende Buch ist in vier Teile und insgesamt achtzig Kapitel unterteilt. Obwohl durchgehend fesselnd geschrieben, zieht die Spannung im ereignisreichem vierten Teil mit einem dramatischen Moment nochmals deutlich an.

Die handelnden Charaktere sind allesamt sympathisch bodenständig und detailliert beschrieben, eine Identifikation mit ihnen fällt leicht. Liv und Ann-Remi sind als Ermittlerteam unschlagbar. Ich würde sie gerne wiederlesen; hoffentlich gibt es bald eine Fortsetzung! Ein schockierender und unerwarteter Cliffhanger lässt zumindest darauf schließen.

Uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 12.06.2024

Rasant fesselnder ÖkoThriller

Partikel
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"Da laufen schlimme Dinge, und ich werde nicht danebenstehen und zugucken."

Durch den ständigen Wechsel zwischen mehreren Erzählsträngen und vielen Handlungsorten ist der ÖkoThriller "Partikel" überaus ...


"Da laufen schlimme Dinge, und ich werde nicht danebenstehen und zugucken."

Durch den ständigen Wechsel zwischen mehreren Erzählsträngen und vielen Handlungsorten ist der ÖkoThriller "Partikel" überaus abwechslungsreich geschrieben. Zwischen den zahlreichen Kapiteln werden als Zäsur regelmäßig und in Dokumentform (sowohl fiktive, als auch real nachweisbare) Fakten, Artikel, Meldungen und weitere Informationen zum Thema Mikroplastik und Umweltverschmutzung eingefügt.

Die handelden Personen sind jederzeit glaubwürdig beschrieben, allen voran die Journalistin Melissa, die zusammen mit ihrer Freundin Victoria, ihrem Bruder Tobias und dem Cyaclean-Mitarbeiter Leon, einer großen Verschwörung auf die Spur kommt.

Auch die, bereits aus den Vorgängern „Systemfehler“ und „Schmelzpunkt“ bekannten Ermittler des BND, Nelson Carius und Diana Winkels, sind wieder dabei und decken diesmal einen großen Umweltskandal auf.

Aufgrund der durchgängig vorhandenen Hochspannung bei einer gleichzeitig äußerst rasanten und temporeichen Erzählweise sind die 600 Buchseiten zügig ausgelesen.

Fazit:
Mit seinem neuen ÖkoThriller "Partikel" greift Wolf Harlander ein brisantes, hochaktuelles und zudem sensibles Thema auf, das bei mir bislang noch viel zu wenig präsent war.

Nach der Lektüre überdenke ich meine eigene Einstellung und meinen Umgang mit dem "Wertstoff" Plastik zunehmend kritisch.

Unbedingte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 25.04.2024

Ein emotionaler Wirbelsturm

Windstärke 17
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"Ich dachte, wenn ich weit weg bin, dann sind die Gedanken leiser. Aber sie sind laut, und sie tun weh."

Ich habe die "22 Bahnen" sehr gemocht und mich deshalb auf die Fortsetzung und ein Wiedersehen ...


"Ich dachte, wenn ich weit weg bin, dann sind die Gedanken leiser. Aber sie sind laut, und sie tun weh."

Ich habe die "22 Bahnen" sehr gemocht und mich deshalb auf die Fortsetzung und ein Wiedersehen gefreut.
War im Vorgänger noch Tilda die Haupt-Protagonistin, so ist es in "Windstärke 17" ihre inzwischen schon erwachsene Schwester Ida.

Nach dem Tod ihrer Mutter flieht Ida scheinbar ziel- und orientierungslos vor ihrer Vergangenheit und strandet auf Rügen. Dort wird sie von einem älteren Ehepaar, Marianne und Knut, nahezu bedingungslos aufgenommen. Durch ihre Tätigkeit als Kellnerin in der "Robbe" lernt sie schließlich Leif kennen und irgendwie scheint sich ihr Leben zum Besseren wenden zu wollen. Doch die Schatten aus der Vergangenheit lassen nicht los.

Mit zeitweilig immenser Traurigkeit erzählt Caroline Wahl inhaltsschwer eine Geschichte um tragische Verluste, um Krankheit und Sterben, aber auch die Geschichte von der rast- und ratlosen Suche nach dem eigenem Platz im eigenen Leben. Als Leser liebt und leidet man mit Ida, wundert und freut sich über ihre klare und teilweise naive Sicht auf oftmals einfache, aber auch zugleich essentielle Fragen des Lebens.

Ida ringt zunehmend verzweifelt mit ihren übermächtigen Schuldgefühlen und wirft sich vor, im Umgang mit ihrer Mutter versagt und ihre Tod nicht verhindert zu haben. Jetzt, auf Rügen, muss sie sich erneut einer großen Herausforderung stellen.

Zum Verständnis zwar nicht zwingend notwendig, empfehle ich dennoch, unbedingt zunächst Tildas und Idas Vorgeschichte aus Band eins, den "22 Bahnen" kennenzulernen.

"Windstärke 17" ist eine äußerst starke, emotionale Brise von der Ostsee, die sehr berührt. Hoffentlich dürfen wir bald wieder von Tilda und Ida lesen.

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