Ein ungewöhnliches Buch, das nachwirkt
Deborah Levy erzählt in Heim schwimmen die Geschichte eines Sommers, der für eine kleine Gruppe britischer Urlauber in Südfrankreich nicht ganz so harmlos verläuft, wie es zunächst scheint. Die Idylle ...
Deborah Levy erzählt in Heim schwimmen die Geschichte eines Sommers, der für eine kleine Gruppe britischer Urlauber in Südfrankreich nicht ganz so harmlos verläuft, wie es zunächst scheint. Die Idylle des Ferienhauses, die Routine aus Essen, Trinken und Pool wird jäh gestört, als eine Fremde auftaucht. Kitty Finch hat angeblich ein Gedicht dabei, das sie dem berühmten Dichter Joe Jacobs zeigen möchte, der ebenfalls unter den Gästen ist. Doch schnell wird klar: Kitty bringt nicht nur ein Gedicht mit, sondern auch eine Unruhe, die sich bald auf alle überträgt.
Heim schwimmen ist kein Roman, der alles auserzählt. Levy deutet an, spielt mit Perspektiven, lässt Leerstellen, die gerade dadurch spannend werden. Die Sprache ist elegant, dabei fast schwebend, und wirkt manchmal traumartig entrückt, dann wieder glasklar und direkt. Es gibt keine übermäßigen Erklärungen, stattdessen viel zwischen den Zeilen – und genau das macht den Reiz aus.
Die Stimmung im Buch ist oft gespannt – mal wirkt alles wie in einem merkwürdigen Traum, dann wieder ganz klar und beinahe schmerzhaft real. Die Figuren bewegen sich umeinander, halten Abstand, kommen sich näher, ohne sich wirklich zu erreichen. Jede von ihnen trägt etwas mit sich herum: Zweifel, Verluste, unerfüllte Wünsche. Und Kitty Finch ist wie ein Auslöser – durch sie kommt vieles ans Licht, das vorher verdrängt wurde.
Heim schwimmen ist ein ungewöhnliches Buch, das nachwirkt - still, klug, verstörend. Und vielleicht gerade deshalb: großartig.