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Veröffentlicht am 09.12.2024

Eine Erzählung die sich erst warmlaufen muss

Und Wien leuchtete
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Die Geschichte beginnt 1928 mit einem Treffen der drei alten Freundinnen Anna Sacher, Helene Stein-Kleinen und Emilie Flöge. Die drei Damen sind aufgeregt weil sich eine junge Journalistin aus Berlin, ...

Die Geschichte beginnt 1928 mit einem Treffen der drei alten Freundinnen Anna Sacher, Helene Stein-Kleinen und Emilie Flöge. Die drei Damen sind aufgeregt weil sich eine junge Journalistin aus Berlin, Elisabeth Wimmer, angekündigt hat um mit Sacher und anderen Damen der Wiener Gesellschaft Interviews zu führen. Keine der Drei kann sich denken was hinter diesem Ansinnen steckt doch sie sind vorsichtig und misstrauisch und beschließen das Fräulein Wimmer auszuhorchen was umso leichter zu fallen scheint da diese sich bei Anna im Hotel Sacher einquartiert hat.
Am Anfang hatte ich ziemliche Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen besonders dadurch dass sich die Autorin immer wieder mit Erklärungen und Exkursen einmischte und so den Fluss der Geschichte unterbrach.
Bis ungefähr zur Hälfte der 235 Seiten langen Erzählung passierte außer Rückblicken in die Vergangenheit und Nachsinnen über dieselbe nicht viel. Auch die Figuren hielten Distanz zu mir.
Doch gegen Ende nahm das Buch dann nochmal richtig Fahrt auf, wurde spannend und interessant.
Die Personen wurden lebendig und öffneten sich mir und ich konnte das Buch nun nicht mehr aus der Hand legen weil ich so gespannt war, ob die Listen der „alten Fregatten“ Erfolg haben würden. Das Ende erfüllte mich mit großer Zufriedenheit.
Das Hauptaugenmerk der Autorin liegt eindeutig auf Anna Sacher, der Chefin des berühmten Hotels Sacher und „Königin von Wien“. Diese ist die Hauptperson und auch diejenige an deren Gedanken wir am meisten teilhaben dürfen.
Die (fiktive) Industriellengattin Helene Stein-Kleinen entwickelt sich im laufe des Buches von der betrogenen Ehefrau die sich von ihrem Mann kleinmachen lässt zu einer selbstbewussten Frau die weiß was sie möchte und wie sie es erreichen kann. Diese Entwicklung hat mir gut gefallen.
Emilie Flöge, Modedesignerin und die Muse des berühmten Jugendstil Malers Gustav Klimt, nimmt am wenigsten Raum ein. Von ihr und ihren Gedanken erfährt man fast gar nichts was ich schade fand.
Ebenfalls ziemlich blass bleibt „Das Fräulein“ Elisabeth Wimmer (auch „Die Kleine“ genannt) aus Berlin. Die (fiktive) Journalistin tritt am Anfang recht forsch auf lässt sich jedoch dann von Anna Sacher einwickeln die sie am Anfang nur aushorchen will. Doch im Laufe der Geschichte wandelt sich ihr Verhältnis und die beiden Damen verbindet erst Sympathie und später sogar Freundschaft. Als Frl. Wimmer sich mit einem stadtbekannten Casanova einlässt – und das mit Folgen – setzt sie Ereignisse in Gang die zu einem Finale führen das mich zu einem großen Grinsen gebracht hat.
Alles in allem konnte das Buch für mich leider nicht die Atmosphäre des Wiens zu jener Zeit vermitteln, vom Zeitkolorit war wenig zu spüren. Auch die Figuren blieben für mich größtenteils blass was ich sehr schade fand. Mit dem Schreibstil der Autorin hatte ich Probleme, war er doch mehr im Stil einer Reportage geschrieben als in dem eines Romans. Das letzte Drittel hat es wieder etwas rausgerissen aber wirklich überzeugen konnte mich das Buch leider nicht.

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Veröffentlicht am 16.07.2024

Küstenkrimi mit Luft nach oben

Möwen, Strand und Küstentod - Das Geheimnis in den Dünen
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Der ehemalige Bürgermeister der kleinen Stadt Ückeritz auf Usedom verstirbt am Vorabend des Tages an dem er eine große Enthüllung machen will unter verdächtigen Umständen. Das finden zumindest Ulla Sonnenberg ...

Der ehemalige Bürgermeister der kleinen Stadt Ückeritz auf Usedom verstirbt am Vorabend des Tages an dem er eine große Enthüllung machen will unter verdächtigen Umständen. Das finden zumindest Ulla Sonnenberg die neu in der Stadt lebende Berlinerin und das Usedomer Urgestein Bernhard Dornbusch.
Und wie schon im ersten Band nehmen sie begeistert (und ziemlich leichtsinnig) die Ermittlungen auf. Ob es nun ein Mord war und was das Ganze mit einem geheimen Bunker aus Weltkriegstagen zu tun haben könnte, das müsst ihr selber herausfinden...
Mich konnte die Geschichte leider nicht abholen. Die Story an sich ist zwar sehr spannend und in sich schlüssig geschrieben und auch die Auflösung des Fall fand ich gut, aber mit den Hauptfiguren konnte ich so gar nicht warm werden. Ulla Sonnenberg ist mit ihren Alleingängen wirklich der Alptraum eines jeden Polizisten und ihre Motive für dieselben waren für mich als Leser so auch nicht nachvollziehbar. (Und die Sache mit ihrem Zeh fand ich etwa albern.) Schön fand ich das sie innerhalb des Krimis eine gewisse Entwicklung durchmacht was die Beziehung zu ihrem Exmann betrifft aber alles in allem war es ein Hauch Drama zu viel der der Dame zugeschrieben wurde, für meinen Geschmack.
Auch den Schreibstil der Autorin fand ich eher beschreibend als lebhaft. So las ich schon das die Freunde sich zu Kaffee und Kuchen trafen und wusste welchen sehr guten Kuchen sie aßen, aber ich konnte es beim Lesen nicht vor mir sehen, war meistens nicht dabei bei ihren Aktivitäten
Trotzdem gab es auch einige spannende und sehr realistisch beschriebene Momente bei denen ich manchmal auch mitfiebern konnte. Für das nächste Buch ist da also durchaus noch Luft nach oben. Alles in allem ein netter Krimi für einen gemütlichen Nachmittag am Strand – oder im Strandcafé bei Kaffee und Kuchen.

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