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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

Toller Start

Happy Head
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Josh Silvers Roman "Happy Head" ist ein gelungener Einstieg in eine interessante Welt, der durchaus begeistern kann.
Der Protagonist in "Happy Head" ist Seb, der einen Platz in einer Studie für ein Mental-Health-Programm ...

Josh Silvers Roman "Happy Head" ist ein gelungener Einstieg in eine interessante Welt, der durchaus begeistern kann.
Der Protagonist in "Happy Head" ist Seb, der einen Platz in einer Studie für ein Mental-Health-Programm erhält. Angeblich soll den Teilnehmer:innen geholfen werdern, damit sie ihre Stärken erkennen, diese nutzen können und wieder glücklicher werden. Doch bald merkt Seb, dass hier irgendetwas seltsam ist, nicht nur weil die Jugendlichen komplett von der Außenwelt abgeschnitten werden.
Mich hat der Roman mit seiner zugänglichen Sprache, die sehr nah an der Umgangssprache ist und auch hin und wieder Slangwörter enthält, schnell abgeholt und Seb wirkte dadurch sympathisch und nahbar. Die Entscheidungen, Gedanken und Zweifel Sebs sind nachvollziehbar und auch die Gefühle, die er im Laufe des Romans entwickelt wirken nicht aufgesetzt oder erzwungen. Schwierigkeiten hatte ich ein wenig mit der Auflösung, da mir hier etwas die Zusammenhänge fehlen und damit, dass der Band nicht als Einzelband funktioniert und eigentlich nur ein halbes Buch ist.
Die Bewerbung als Mischung aus "Squid Game" und "Am Ende sterben wir sowieso" kann ich leider gar nicht nachvollziehen.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Überraschendes Debüt

bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann
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Der Debütroman "bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann" des norwegisch-kroatischen Autors Oliver Lovrenski überzeugt vielleicht nicht von Anfang an, denn auf das sprachliche Experiment muss man sich ...

Der Debütroman "bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann" des norwegisch-kroatischen Autors Oliver Lovrenski überzeugt vielleicht nicht von Anfang an, denn auf das sprachliche Experiment muss man sich erst einlassen. Aber sobald man das schafft, kann es ein Lesehighlight werden.
Ivor ist Jugendlicher mit Migrationshintergrund in Norwegen, genauso wie seine Freunde. Am Anfang bemüht er sich richtig, zu zeigen, dass er genau so gut ist, wie die Anderen. Er ist Klassenbester und möchte Anwalt werden. Doch was ihm fehlt sind die Zukunftsperspektiven, die Hoffnung, dass jemand wie er, so etwas schaffen kann und in dieser Hoffnungslosigkeit findet er einen anderen Weg. Anstatt Anwalt zu werden, wird er Junkie und Dealer und damit kommen dann die Probleme, die alle bei diesen "schlimmen Ausländern" erwarten.
Auch sprachlich versucht der Roman genau diese Welt der migrantischen Jugendlichen abzubilden. Die Geschichte wird in sehr kurzen Kapiteln, teilweise nicht einmal eine halbe Seite, erzählt, die unvollständige Sätze, keine Punkte und oft Einflüsse aus anderen Sprachen beinhalten. Diese Jugendsprache, wie sie heute stark vertreten ist, kann auf viele Leser:innen anfangs abschreckend wirken und vielleicht fällt es auch vielen schwer, das Ganze überhaupt zu verstehen, weil sie es erst Stück für Stück entschlüsseln müssen, es lohnt sich jedoch.
Wenn man sich darauf einlässt, versucht die Sprache und den Protagonisten zu verstehen, bekommt man eine berührende Geschichte über die heutige Jugend, die sich vergessen fühlt. Die sich oft mal denkt, dass sie sowieso keine andere Wahl haben, als die Klischees zu erfüllen. Und am Ende erwischt man sich vielleicht dabei, dass man sich denkt, dass der Roman eine "typische Einwanderergeschichte" erzählt und kann dieses Denken ändern.

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Veröffentlicht am 19.07.2024

Gelungener Jugendthriller

Promise Boys - Drei Schüler. Drei Motive. Ein Mord.
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Promise Boys beschreibt einen Mordfall an einer Schule für "schwererziehbare Jugendliche", die eher einer Militärschule ähnelt. Drei Jungs werden verdächtigt, alle hatten kurz vor dem Mord eine Konfrontation ...

Promise Boys beschreibt einen Mordfall an einer Schule für "schwererziehbare Jugendliche", die eher einer Militärschule ähnelt. Drei Jungs werden verdächtigt, alle hatten kurz vor dem Mord eine Konfrontation mit dem ermordeten, beliebten Schuldirektor.
Der Roman wird hauptsächlich aus Sicht der drei Jugendlichen geschrieben, unterbrochen von Zeugenaussagen anderer Personen und Zeitungsausschnitten über die Schule oder den Direktor. Durch diese Erzählform kommt man den drei Protagonisten sehr nahe und baut schnell eine Verbindung zu ihnen auf. Auch gibt es viele schöne Verdachtsmomente, dadurch dass man natürlich nicht jeder oder jedem Glauben schenken muss, schon gar nicht den Zeugenaussagen oder der Zeitung - hier hätte ich mir jedoch gewünscht, dass diese Möglichkeiten mehr genutzt werden.
Insgesamt ist es jedoch ein gelungenes Buch, mit Spannung und einem überraschenden und trotzdem realistischen Ende. Es werden wichtige Themen indirekt angesprochen, wie Rassismus und racial profiling und die Manipulation durch Medien. Der Roman eignet sich sicher gut als Klassenlektüre, die die Schüler:innen nicht langweilt und trotzdem für gute Diskussionen herhält.

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Veröffentlicht am 26.04.2024

Wenn der Gamemaster mal Pause macht

Bücher und Barbaren
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Was passiert eigentlich wenn die Held:innen der D&D-Kampagne so verletzt sind, dass sie mal eine längere Pause als nur eine "lange Rast" machen müssen? Klar, sie werden von ihrer Gruppe in einer Kleinstadt ...

Was passiert eigentlich wenn die Held:innen der D&D-Kampagne so verletzt sind, dass sie mal eine längere Pause als nur eine "lange Rast" machen müssen? Klar, sie werden von ihrer Gruppe in einer Kleinstadt alleine zurückgelassen, bis das Bein wieder gut ist. Der Orkin Viv gefällt das gar nicht, aber sie hat eben keine andere Möglichkeit. So streift sie durch Murk und stolpert eines Tages in das nicht gerade erfolgreiche Buchgeschäft von Fern. Doch es bleibt nicht so ruhig, wie Viv es erwartet hatte.
Travis Baldree präsentiert mit "Bücher und Barbaren" die Vorgeschichte zu seinem sehr erfolgreichen Vorgänger "Magie und Milchschaum" - und auch, wenn es eigentlich davor erschienen ist, muss man es nicht kennen, um "Bücher und Barbaren" zu genießen. Genießen ist hier das richtige Wort. Baldree meint selbst, er wollte ein Cozy Crime schreiben und das hat er geschafft.
Der Roman wirkt als wäre man in eine D&D-Kampagne gestolpert, bei der die/der Gamemaster:in mal eben kurz die Spieler:innen allein gelassen hat, um zu tun, was sie wollen - außer einen Kampf zu beginnen! Trotzdem wird es nicht langweilig. Viv versucht Fern zu helfen, ihr Buchgeschäft in die Gänge zu bringen und Fern versucht, aus Viv eine Leserin zu machen - was wollen bücherliebende Pen&Paper-Nerds mehr? Genau, nichts!
Bei mir folgt auf jeden Fall Band 2 und ich habe nichts gegen Band 3, 4 und 5.

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Veröffentlicht am 25.02.2024

Eindrucksvoll ruhig

Leuchtfeuer
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Dani Shapiro berichtet in ihrem Roman "Leuchtfeuer" aus den Leben mehrerer Menschen, die in der gleichen Straße in einer ruhigen Vorstadt leben. Die Leser:innen lernen Familie Wilf kennen. Benjamin, der ...

Dani Shapiro berichtet in ihrem Roman "Leuchtfeuer" aus den Leben mehrerer Menschen, die in der gleichen Straße in einer ruhigen Vorstadt leben. Die Leser:innen lernen Familie Wilf kennen. Benjamin, der Vater, Arzt und seine Frau Mimi, deren Kinder Theo und Sarah, die in ihrer Jugend für einen Autounfall verantwortlich sind, bei dem eine Mitschülerin Theos stirbt. Gegenüber der Wilfs wohnen die Shenkmans, deren Sohn Waldo "etwas eigenartig ist", wie sein Vater sagen würde. Die Lebensgeschichten und Schicksale dieser beiden Familien werden durch die Zeit und die Kapitel miteinander verwoben.
Shapiro schafft es, eindrucksvoll von lebensverändernden Momenten zu schreiben, ohne dabei reißerisch werden zu müssen. Sprachlich strahlt der Roman eine wohlige Wärme und angenehme Ruhe aus, die man in kaum einem anderen Buch findet und das obwohl aus den Leben der Protagonist:innen genau die Augenblicke herausgenommen werden, die für sie einschneidend sind, die sie prägen und seelisch belasten. Obwohl wir Leser:innen nur ganz wenige Augenblicke mit Ben, Theo, Sarah, Waldo und den anderen verbringen dürfen, kommt man ihnen ganz nah und baut schnell eine Verbindung auf. Man schließt sie ins Herz und schnell wird einem klar, dass man sie bei so wenigen Seiten viel zu früh wieder verlassen muss.
Leuchtfeuer ist vielleicht nicht das Gute-Laune-Buch, das man in den Sommerurlaub mitnimmt, es bedrückt einen und macht einen nachdenklich, über das Leben, das Schicksal und wie groß kleine Augenblicke sein können. Trotz des einfachen und angenehmen Schreibstils verfehlt es nicht seine Wirkung. Ein vergleichbarer Roman muss erst geschrieben werden!

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