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Veröffentlicht am 31.07.2024

Warum Rasiermessermuscheln?

Revanche
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An einem strahlenden Sommermorgen bleibt das erste Auto auf der Fähre über die Gironde stehen, der Fahrer ist spurlos verschwunden und keiner der Passagiere will etwas Verdächtiges gesehen haben. Dann ...

An einem strahlenden Sommermorgen bleibt das erste Auto auf der Fähre über die Gironde stehen, der Fahrer ist spurlos verschwunden und keiner der Passagiere will etwas Verdächtiges gesehen haben. Dann wird seine Leiche entdeckt, mit einer seltenen Muschel in der Tasche. Commissaire Luc Verlain und sein Team ermitteln, als plötzlich auch in Paris eine Leiche mit einer solchen Muschel gefunden wird. Glücklicherweise ist Commissaire Yacine für diesen Fall zuständig und er hatte in Paris eng mit Luc Verlain zusammengearbeitet, die beiden sind weiterhin gut befreundet.

Die beiden Fälle sind zunächst einmal nur durch die Muschel verbunden. Die beiden Opfer scheinen sich nicht gekannt zu haben, es gibt keinerlei Verbindung zwischen ihnen.

Den Ermittlern wird schnell klar, dass des Rätsels Lösung in der Vergangenheit liegen muss. Erst ein Foto mit ähnlichem Motiv führt sie auf die richtige Spur und jetzt kann die Suche richtig losgehen. Was war 2008 passiert, das heute noch eine solche Mordserie nach sich zieht?

Gingen die Ermittlungen am Anfang eher langsam voran, so beschleunigt sich das Geschehen ab dem letzten Drittel ganz enorm. Es ist immer wieder toll zu sehen, wie alle Rädchen ineinander greifen, alle an ihrem Platz das Richtige tun und wie Menschlichkeit und Freundschaft hochgehalten werden.

Sowohl Annouk als auch Luc sind tolle Ermittler mit dem richtigen Riecher, doch es geht auch nicht ohne die Recherche im Hintergrund. Hier ist vor allem Hugo zu nennen, der sich ganze Nächte mit alten Akten um die Ohren schlägt. Und natürlich Yacine, der nun bald das Team in Bordeaux vervollständigen wird. Er passt wunderbar dort hinein. Vielleicht wird sich das bereits im September 24 zeigen, wenn der nächste Band erscheint.

Nicht zu vergessen sei auch die wunderbare Umgebung, in der Alexander Oetkers Krimis spielen. Leider kenne ich nur die Region nördlich davon ein bisschen, aber immer wieder zieht es mich magisch nach Bordeaux und dem Médoc, wenn ich in seine Bücher eintauche.

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Veröffentlicht am 31.07.2024

Die Beweggründe hinter den Milden Gaben

Milde Gaben
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Wir befinden uns im letzten Jahr der Pandemie, langsam normalisiert sich das tägliche Leben wieder ein wenig, nur die Touristen bleiben noch fern. Die Questura ist nicht wirklich ausgelastet, einige kleinere ...

Wir befinden uns im letzten Jahr der Pandemie, langsam normalisiert sich das tägliche Leben wieder ein wenig, nur die Touristen bleiben noch fern. Die Questura ist nicht wirklich ausgelastet, einige kleinere Einbrüche, die man Kinderbanden zuspricht, beschäftigen die Beamten, ansonsten ist es eher ruhig. Da kommt es Commissario Brunetti ganz gelegen, dass ihn eines Tages eine alte Bekannte aufsucht: Die Tochter seiner ehemaligen Vermieter, die er als Kind kannte, die aber einige Jahre älter ist als er. Sie berichtet ihm von dem Verdacht, dass es im Leben ihrer Tochter etwas gebe, das sie sehr verunsichere. Ihr Mann verhalte sich seit kurzem sehr merkwürdig, wolle ihr aber keinen Grund dafür nennen. Konkrete Tathinweise gibt es nicht, bisher ist nichts vorgefallen, wofür es sich lohnen würde, die Polizei einzuschalten.

Dennoch, vielleicht aus alter Verbundenheit und Dankbarkeit seiner Familie gegenüber der Mutter Elisabettas, beruft Brunetti seine engsten Kollegen ein und beginnt mit verdeckten Ermittlungen. Und die Spuren führen zu einer Stiftung, die Elisabettas Mann vor drei Jahren gegründet hatte und bei der der Schwiegersohn, ein Steuerberater, hilfreiche Dienste geleistet hat. Nutznießer dieser Stiftung ist ein Krankenhaus in Belize, dem geholfen werden soll, seine Patienten besser zu versorgen.

Wie so oft bei den Büchern von Donna Leon handelt es sich mehr um eine Charakterstudie als um einen Krimi. Donna Leon hat in diesem Buch die verschiedenen Charaktere mit ihren Eigenheiten sehr schön herausgearbeitet. Und letztendlich wird Brunetti erkennen, dass persönliche Involviertheit keine gute Ausgangsbasis für Ermittlungen aller Art ist und dass sie den neutralen Blick auf die Realität verschleiert.

Aber natürlich stehen auch die Besonderheiten Venedigs wieder im Blickpunkt. Den Eindruck, den man als Tourist niemals bekommen würde, liefern uns die Bücher um Commissario Brunetti und seine Familie. Wir gehen in den alten Palazzi ein und aus, tauchen in die Geschichten venezianischer Familien ein, lernen aber auch die feinen Standesunterschiede zwischen den Familien kennen und müssen einräumen, dass ein Palazzo auch seine Schattenseiten haben kann, wenn die Feuchtigkeit durch alle Mauern dringt.

Nachdem ich lange kein Buch mehr von Donna Leon gelesen hatte, hat mich dieses durchaus fesseln können und ich empfehle es gerne weiter.

Ich habe die Ausgabe von Weltbild gelesen, was aber inhaltlich gleich sein sollte.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

Freunde sind die Rosen im Garten des Lebens

Einladung in die kleine Pension im Weinberg
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Katies Pension ist gut angelaufen und die Gäste fühlen sich wohl bei ihr. Gerade sind drei ehemalige Schulfreundinnen eingetroffen, die an ihre frühere Freundschaft anknüpfen wollen, aber erst einmal feststellen, ...

Katies Pension ist gut angelaufen und die Gäste fühlen sich wohl bei ihr. Gerade sind drei ehemalige Schulfreundinnen eingetroffen, die an ihre frühere Freundschaft anknüpfen wollen, aber erst einmal feststellen, wie gegensätzlich sie sich doch entwickelt haben. Aber: alte Freundschaft rostet nicht und als sie sich entscheiden, ehrlich miteinander zu sein, kommt auch die alte Vertrautheit wieder zurück.

Theo, Katies engster Mitarbeiter, betrauert das Ende seiner Ehe. Er hat seine Frau in flagranti erwischt und zieht zunächst einmal bei Katie ins Gästezimmer. Sie ist einfach perfekt und auch für ihre Mitarbeiter eine richtig gute Freundin. Oliver findet das zwar nicht ganz so gut, aber auch das kann geklärt werden.

In diesem Fortsetzungsband geht es wiederum viel um die Gäste in der Pension. Die zufällige Entdeckung einer neuen Orchideenart, die Idee, diese Orchidee zu erforschen und das Versteckspiel mit dem Kontrahenten um die Fördertöpfe einer Stiftung waren ausgesprochen amüsant. Jetzt wissen wir wenigstens alle, was eine Blockschwanznatter ist.

Und dann kam auch noch dieser mysteriöse Amerikaner ins Dorf, der Fotos macht, sie an seine Pinnwand klebt und sich überall verdächtig benimmt. Tatsächlich gab es im 19. Jh. eine große Auswanderungswelle von der Mosel in die Vereinigten Staaten und tatsächlich haben einige Karriere gemacht. Witzig, dass gerade Emma, Katies Tochter in England, etwas mit dem Namen anfangen kann und die Situation im Dorf entspannt. Überhaupt scheint sich das Verhältnis von Katie zu ihrer Tochter endlich zu entspannen und schließlich kündigt Emma sogar einen längeren Besuch in Deutschland an. Aber das wird Thema in Band 3.

Man hätte Band 2 durchaus auch unabhängig von Band 1 lesen können, aber natürlich war es schön, die alten Bekannten wiederzutreffen und zu erleben, wie es ihnen mit der kleinen Pension ergangen ist. Ansonsten gilt weiterhin die Kritik an dem wenig aussagekräftigen Titel und der für mich auswechselbaren Gestaltung der einzelnen Bände.

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Veröffentlicht am 18.07.2024

An der Mosel ist es schön!

Die kleine Pension im Weinberg
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In Wümmerscheid-Sollensbach an der Mosel hat Katie ein altes Haus renoviert und eine kleine Pension darin eröffnet. Das allein kann schon Abenteuer sein, aber dank guter Handwerker ist alles gut gegangen. ...

In Wümmerscheid-Sollensbach an der Mosel hat Katie ein altes Haus renoviert und eine kleine Pension darin eröffnet. Das allein kann schon Abenteuer sein, aber dank guter Handwerker ist alles gut gegangen. Nun steht die Pension vor der Eröffnung und die ersten Gäste reisen an.

Alle bringen eine Geschichte mit und wenn man einige Tage so eng beieinander wohnt, lernt man sich auch kennen und nimmt Anteil an deren Leben. Da ist das Ehepaar aus dem Ruhrgebiet, eine alleinerziehende Mutter mit mehreren Kindern und dann kündigt sich auch noch ein Programmierer an, der sich aufgrund seiner Fokussierung auf nur dieses eine Thema plötzlich obdachlos geworden sieht und dringend ein Dach über dem Kopf braucht.

Katie als gelernte Gastronomin fühlt sich in ihrem Metier pudelwohl und meistert jede Herausforderung.

Das Buch war als Wohlfühlbuch angekündigt und das ist es auch. Probleme, die auftauchen, werden gelöst und das auf sehr zuvorkommende und freundliche Art und Weise und wenn Katie selbst einmal etwas nicht lösen kann, dann hat sie gute Freunde, die für sie in die Bresche springen. Der Humor kommt glücklicherweise auch nicht zu kurz, es gab schon einige Passagen, bei denen man sich das Lachen nicht verkneifen konnte.

Ein Kritikpunkt geht allerdings an den Verlag: Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Wohlfühlromanen, die ganz ähnliche Titel haben. Ob es nun die kleine Bäckerei, die kleine Bücherei, das kleine Strandcafé ist, das ist ganz egal. Offenbar triggert das bei den Leserinnen etwas an, mir geht es mittlerweile auf die Nerven. Und Band 1 und Band 2 sind kaum voneinander zu unterscheiden. Wäre da nicht eine etwas andere Farbgebung... Ich hatte doch tatsächlich eben die Rezension zu Band 1 bei Band 2 eingestellt. Wie gut, dass sich das ändern lässt.

Als leichte Sommerlektüre ist das Buch eine gute Wahl und mit einem Glas Moselwein liest es sich noch beschwingter.


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Veröffentlicht am 07.07.2024

Auf keinen Fall mische ich mich ein!

Bedrohliche Provence
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Mittlerweile kenne ich Albin Leclerc schon von einigen Provence-Krimis und habe ihn und seine besonderen Ermittlungsmethoden ins Herz geschlossen.

In diesem Fall mischt er sich nicht selbst in die Belange ...

Mittlerweile kenne ich Albin Leclerc schon von einigen Provence-Krimis und habe ihn und seine besonderen Ermittlungsmethoden ins Herz geschlossen.

In diesem Fall mischt er sich nicht selbst in die Belange seiner ehemaligen Mitarbeiter ein, er wird von einem alten Bekannten dazu aufgefordert. Dieser vermisst seine Nichte und ihren Lebensgefährten und tatsächlich werden die beiden kurze Zeit später erschossen aufgefunden. Und leider bleibt es nicht bei diesem einen Mord, es folgen weitere.

Es ist schon immer wieder interessant, den Ermittlern bei der Arbeit zuzusehen. Da hat man zwei Menschenleben, die ausgelöscht wurden und keiner kennt das Motiv. Man fängt an zu forschen, man wühlt sich durch ihr Leben, sammelt dieses und jenes ohne zu wissen, ob es mit der Tat im Zusammenhang steht.

Albin Leclerc kommt hier seine lange Erfahrung zugute und obwohl seine ehemaligen Mitarbeiter ihn lieber heute als morgen loswerden würden, wissen sie auch, was sie an ihm haben. Wie oft schon hat er sie auf die richtige Fährte geführt oder ihnen entscheidende Hinweise geben können. Im Zwiegespräch mit seinem Mops Tyson, der mittlerweile die ganze Polizeibehörde mit seinem Nachwuchs versorgt hat, klopft er seine Gedanken auf Plausibilität ab und entscheidet sich oft für ganz andere Wege, als es die Kollegen getan hätten.

Ich fand diesen neuesten Krimi von Pierre Lagrange lesenswert, auch deshalb, weil er nicht erst auf den letzten Zeilen in einem fulminanten Höhepunkt abrupt endet, sondern weil die Hintergründe, die zu den Taten führten, erklärt werden und man zumindest hoffen darf, dass es auch den Hintermännern an den Kragen geht.

Auch privat scheint sich für seine Tochter einiges zu entspannen und man darf auf eine neue glücklichere Partnerschaft hoffen.

Für das Gemüsemosaik hätte ich übrigens gerne eine Anleitung gehabt. Vor Jahren habe ich ähnliches in Frankreich gegessen, das Nachkochen ist mir zwar geschmacklich gelungen, aber leider nicht in dieser Form, es sah bei weitem nicht so gut aus.

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