Toller Roman
Die Bibliothek meines GroßvatersMeinung: Das Cover hat mich sofort angesprochen: schlicht, aber wunderschön gestaltet. Auch der Titel weckte direkt meine Neugier. Als ich dann zu lesen begann, war ich schnell mitten in der Geschichte: ...
Meinung: Das Cover hat mich sofort angesprochen: schlicht, aber wunderschön gestaltet. Auch der Titel weckte direkt meine Neugier. Als ich dann zu lesen begann, war ich schnell mitten in der Geschichte: Kaede, eine junge Lehrerin aus Tokio, entdeckt in einem gebrauchten Buch seltsame Zeitungsausschnitte. Sofort denkt sie an ihren Großvater, der trotz seiner Demenz noch immer über eine erstaunliche Kombinationsgabe verfügt und ein leidenschaftlicher Kenner klassischer Kriminalliteratur ist. Der wahre Zauber des Romans liegt jedoch nicht allein in den Rätseln, sondern in der Beziehung zwischen
Kaede und ihrem Großvater. Der Autor beschreibt mit viel Wärme, wie die beiden miteinander umgehen. Besonders die Darstellung von Demenz hat mich überzeugt: feinfühlig, respektvoll und realitätsnah. Ich konnte mir den alten Mann bildlich vorstellen, wie er mit seiner Zigarette in der Hand über den Fällen nachdenkt, eine Figur, die trotz Krankheit ihre Würde behält. Diese leisen, melancholischen Momente sind es, die mich am meisten berührt haben.
Der Schreibstil ist anders als das, was ich sonst lese, aber überraschend angenehm. Die Sprache ist klar, ruhig und lädt dazu ein, durch die Seiten zu fliegen. Allerdings setzt der Autor auf eine ungewöhnliche Struktur: Statt einer durchgehenden Handlung präsentiert er mehrere in sich abgeschlossene Fälle. Am Anfang fand ich diese Episoden abwechslungsreich und unterhaltsam. Mit der Zeit aber wirkten die wiederholten Muster etwas ermüdend und manche Auflösungen
kamen mir konstruiert vor. Hier hätte ich mir einen stärkeren roten Faden und mehr Verknüpfung der einzelnen Episoden gewünscht. Trotz dieser Schwächen hat mich das Buch nicht losgelassen.