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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.11.2024

interessant und gut zu lesen

Die Unternehmerin von Amsterdam
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Im Jahre 1892 steht Lydia nach dem Tod der Eltern plötzlich alleine da. Beim Sichten der Unterlagen ihres Vaters entdeckt sie seine Pläne für eine Käsefabrik. Da ihr wohltätige Arbeit und Herumsitzen nicht ...

Im Jahre 1892 steht Lydia nach dem Tod der Eltern plötzlich alleine da. Beim Sichten der Unterlagen ihres Vaters entdeckt sie seine Pläne für eine Käsefabrik. Da ihr wohltätige Arbeit und Herumsitzen nicht liegt, setzt sie mit Hilfe von Huib diese Pläne um.

Jahrzehnte später erfährt Nora durch Zufalle, wer ihr eigentlicher Vater ist und Hals über Kopf bricht sie mit ihrer Mutter und heiratet nach Belgien. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und das Leben, dass Nora sich an der Seite ihres Mannes erhofft hat findet ein jähes Ende.

Das Buch ist in zwei Teile geteilt. Einmal in die Geschichte von Lydia die die Idee ihres Vaters eine Käsefabrik aufzubauen gegen alle Widerstände umsetzt und sich damit nicht nur Freunde macht. Und dann die Geschichte Noras, die aus ihrer Familie flieht, um ein Leben in der gehobenen Gesellschaft zu führen und am Ende in die Wirren des ersten Weltkriegs gerät. Die Gesellschaft in dies sie einheiratet existiert von einem Moment zum anderen nicht mehr und Nora muss erkennen, dass vieles nur Schein war.

Mir hat das Buch an sich gut gefallen, auch wenn bald abzusehen war, dass Lydias Lebenslüge zu einer schweren Belastung in der Beziehung zu ihrer Tochter werden würde. Auch er zweite Teil war mitreißend geschrieben, auch wenn ich Anfangs das Gefühl hatte, dass Nora trotz der recht bodenständigen Mutter eine ziemlich verwöhnte und arrogante Oberschichttochter war. Die Erlebnisse im Krieg rücken ihr dann ganz schnell den Kopf zurecht und hier sieht man dann eine deutliche Entwicklung.

Schön fand ich auch, wie die Autorin die grundlegende Änderung der Gesellschaft während des ersten Weltkriegs in Belgien zeigt. Die wenigsten Bücher behandeln diese Zeit an diesem Ort.

Die Käsefabrik spielt im zweiten Teil eigentlich keine Rolle mehr, was ich etwas schade fand.

Was ich nicht so gut fand war, dass mir am Ende zu viel offen blieb. Irgendwie hatte ich nicht das Gefühl, das Ende der Geschichte gelesen zu haben. Wäre das Buch Teil einer Reihe hätte das Ende gepasst, aber so war es mir nicht abgeschlossen genug.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Westminster Abbey

Die Kathedrale des Königs
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Als Henri in Reims von einem englischen Mönch angesprochen wird, ob er der Baumeister von Reims ist, ergreift er die Gelegenheit und lässt sich anwerben für den englischen König Heinrich III. in England ...

Als Henri in Reims von einem englischen Mönch angesprochen wird, ob er der Baumeister von Reims ist, ergreift er die Gelegenheit und lässt sich anwerben für den englischen König Heinrich III. in England die Westminster Abbey zu bauen. Schon auf der Überfahrt kommen ihm während eines Sturms Zweifel, ob seine Täuschung richtig war und er schwört der heiligen Jungfrau Maria eine Kathedrale zu erbauen.

In England angekommen trifft er zunächst auf Heinrich und auch auf Carol, eine Baroness, die seine Pläne auf der Überfahrt gerettet hat. Zwischen den beiden entsteht eine Anziehung die dank des Standesunterschieds nicht sein darf.

Claudius Crönert nutzt die Lücken in der Chronik von Westminster Abbey geschickt um sie mit seinen Charakteren zu füllen. Über Henri von Reims ist nicht viel bekannt, außer dass er der Baumeister war der den ersten großen Bauabschnitt zu Ende brachte. Ihm zur Seite stellt der Autor den Mönch Archibald, der ihn anwirbt und auch in England an seiner Seite bleibt. Daneben gibt es noch Maud, Henris Wirtin die im Hintergrund wirkt und beiden eine gute Freundin ist. Lady Carol ist sehr eigensinnig und stellt sich ihrem Bruder Oliver entgegen, als dieser sie mit einem Sohn Simons von Montfort verheiraten will.

Hier kommt auch die zweite geschichtliche Ebene ins Spiel, die deutlich besser dokumentiert ist, der Aufstand der Barone gegen Heinrich und am Ende das Montfortsche Parlament, an dem zum ersten Mal auch Bürgerliche und Kleriker über die Geschicke des Landes bestimmten sollten. Hier erleben wir einen Meilenstein in der englischen Geschichte. Allerdings muss ich sagen, dass mir weder Oliver noch Montforts Sohn sonderlich sympathisch waren. Die Ziele waren vielleicht ehrenhaft formuliert, am Ende ging es aber den meisten nur um die persönliche Macht.

Das Buch lies sich gut und flüssig lesen und ich hatte das Setting vor Augen. Trotzdem hat es mich nicht komplett gepackt, irgendwie waren mir manche Dinge zu konstruiert. Trotzdem kann ich das Buch Geschichtsinteressierten empfehlen.

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Veröffentlicht am 09.08.2024

durchaus spannender Auftaktband

Tankred: Weihrauch und Schwert
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Als im Januar 882 die Normannen das Kloster überfallen, in dem Tankred seine Strafe als Bibliothekar absitzt, flieht er um nach seiner Schwester in Aachen zu suchen. Dort angekommen muss er feststellen, ...

Als im Januar 882 die Normannen das Kloster überfallen, in dem Tankred seine Strafe als Bibliothekar absitzt, flieht er um nach seiner Schwester in Aachen zu suchen. Dort angekommen muss er feststellen, dass sie verschleppt wurde. Daraufhin beschließt er, die Entführer zu verfolgen und Judith zu befreien.

Wir lernen hier die Geschichte Tankreds kennen, der von seinem Vater verstoßen wurde, als er sich eine neue Frau nahm. Den gesamten Hintergrund erfährt der Leser nach und nach, als Tankred seine Geschichte seinem Mitstreiter erzählt. Wir tauchen hier in eine Zeit ein, in der die Gegend rund um Aachen von den Normannen heimgesucht wird und sie die politische Führung so zerstritten hat, dass es kein einheitliches Vorgehen gegen den gemeinsamen Feind gibt. D.h. für die Bevölkerung oft, dass all ihr Hab und Gut verlieren und im schlimmsten Fall auch ihr Leben.

Die Geschichte liest sich gut. Sie ist in der Ich-Form geschrieben und ermöglicht so einen guten Einblick in die Gedankenwelt Tankreds. Allerdings muss ich sagen, hätte das Ganze sicherlich auch gestrafft werden können. Zwischenzeitlich hatte ich immer wieder das Gefühl, dass nicht weiter voran geht. Gegen Ende wird es dann nochmal richtig spannend. Man merkt dem Buch jedoch an, dass es der Auftaktband einer Reihe rund um Tankred handelt. Einige Fragen bleiben schlichtweg unbeantwortet, diese werden wohl in den Folgenbänden beantwortet.

Von mir durchaus eine Leseempfehlung für dieses Buch, besonders für Leser, die sich gerne in einer längeren Reihe mit diesem Teil der Geschichte Deutschlands befassen möchten. (Die Reihe umfasst derzeit 4 Bände)

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Veröffentlicht am 12.07.2024

Hat seine Schwächen

Die Bibliothek im Nebel
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Russland im Jahr 1917. Artur muss aus St. Petersburg fliehen. Sein Ziel ist Leipzig, die Bücherstadt, in der auch die Adoptivtochter seiner Zieh-Eltern Mara lebt. Die Bücher und Mara ist alles was er will.

An ...

Russland im Jahr 1917. Artur muss aus St. Petersburg fliehen. Sein Ziel ist Leipzig, die Bücherstadt, in der auch die Adoptivtochter seiner Zieh-Eltern Mara lebt. Die Bücher und Mara ist alles was er will.

An der Côte d’Azur findet im Jahr 1928 Liette auf dem Dachboden eine Kette und ein Buch, dass mit einer dicken Kette verschlossen wurde.

1958 beauftragt Liette dann den ehemaligen Journalisten Thomas damit, ebenjene Mara ausfindig zu machen.

Ich war ja von Die Bücher, der Junge und die Nacht total begeistert und habe mich darauf gefreut, noch einmal in ein ähnliches Setting eintauchen zu dürfen. Auch dieses Buch wird auf drei Zeitebenen erzählt und wir treffen Grigori wieder. Allerdings muss ich sagen, konnte mich Die Bibliothek im Nebel nicht so begeistern wie das erste Buch. Die drei Teile sind nur rudimentär miteinander verbunden. Gerade der Teil, der 1928 spielt, fällt da eigentlich sehr heraus. Maras Geschichte wird komplett im Teil von 1917 erzählt, die Suche nach Mara 1958 war mir auch zu dünn und Liette und Thomas waren mir da zu blass.

Das Buch war nicht schlecht, das will ich damit nicht sagen. Es war lebendig geschrieben und hat einen gewissen Lesesog entfaltet. Gerade Arturs und Maras Geschichte fand ich doch auch sehr interessant. Aber im Nachhinein haben mir ein wenig die Verbindungen zwischen den drei Teilen (außer den Protagonisten) gefehlt.

Ich kann es durchaus empfehlen, aber im Vergleich ist es nicht so stark wie der Vorgänger.

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Mord an der Küste

Der Tote im Seebad
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Eva leitet das Hotel der Familie in Laboe. Ein Filmdreh und die damit verbundene Aufmerksamkeit sollen den wirtschaftlichen Durchbruch bringen. Doch als auf der großen Abschlussfeier ein lokaler Unternehmer ...

Eva leitet das Hotel der Familie in Laboe. Ein Filmdreh und die damit verbundene Aufmerksamkeit sollen den wirtschaftlichen Durchbruch bringen. Doch als auf der großen Abschlussfeier ein lokaler Unternehmer tot zusammenbricht, steht für Eva und das Hotel die Zukunft auf dem Spiel.

Eva mischt sich von Anfang an in die Ermittlungen der Kieler Polizei ein und hat dabei Glück, dass sie den jungen Kommissar bereits aus der Vergangenheit kennt. Paul kommt ihr dabei nicht nur bei den Ermittlungen näher.

Ich fand das Buch recht gut geschrieben, allerdings gab es im Nachhinein doch einige Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben. Eva nutzt fast jedes Gespräch im Ort zur Informationsgewinnung und entdeckt da manch Geheimnis, das die Ermittlungen auch weiterbringt. Ich fand es aber teilweise schon heftig, dass sie auch Personen, mit denen sie eigentlich freundschaftlich verbunden ist, sofort als Verdächtige einstuft, nur weil sie ein Detail mitbekommt.

Auch ihr Verhältnis zu Paul fand ich etwas schwierig, es wird nicht so richtig klar, inwieweit sie ihn benutzt, um ihr Hotel zu retten. Sicher ist sie auch persönlich an ihm interessiert, sieht aber nicht ein, dass sie mit ihren Alleingängen auch sein berufliches Fortkommen gefährdet.

Alles in allem war es ein schönes Buch, das ich gerne gelesen habe. Gut geschrieben und mit dem entsprechenden Flair der Zeit. Auch die Auseinandersetzung der Charaktere mit ihren Kriegserlebnissen fand ich gut umgesetzt. Und die Auflösung des Mordfalls war auf jeden Fall überraschend.

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