Moderne Interpretation
Zauberberg 2Jonas Heidebrink muss sich finanziell nie wieder Sorgen machen, er hat sein erfolgreiches Start-up verkauft und hat das was sich viele Menschen wünschen, viel Geld und viel Zeit. Doch ihm geht es nicht ...
Jonas Heidebrink muss sich finanziell nie wieder Sorgen machen, er hat sein erfolgreiches Start-up verkauft und hat das was sich viele Menschen wünschen, viel Geld und viel Zeit. Doch ihm geht es nicht gut. Von zahlreichen Ängsten geplagt und erfolglosen Psychotherapien müde begibt er sich in eine Privatklinik in der Mecklenburger Einöde. Am Anfang ist ihm alles noch sehr fremd, er versucht sich dort einzufügen und gewöhnt sich langsam an die Abläufe. Irgendwann ist die Klinik ein Zuhause für ihn geworden. Als die Angestellten immer weniger werden, das Essen schlechter wird und es scheinbar immer weiter bergab geht mit der Klinik wird Jonas klar, dass er nicht für immer hier bleiben wird.
Der Roman ist eine zeitgenössische Interpretation von Thomas Manns „Der Zauberberg“. Diesen hab ich leider noch nicht gelesen, interessiert mich aber jetzt brennend. Einen Vergleich kann ich also deshalb nicht wagen.
Heinz Strunk schreibt mit viel Ironie und Sarkasmus. Die Angstanfälle von Jonas werden schonungslos dargestellt. Die Mitpatienten sind für mich recht überspitzt dargestellt, da wird oft flapsig und zu stereotyp geschrieben. Da wären zusätzliche noch ein paar „normalere“ Irre schön gewesen. Sonst wurde da recht scharf beobachtet und viel Gesellschaftskritik geübt. Auch wurden die für alle gleichen Therapien infrage gestellt. Wir lesen über Mitpatienten, diverse Therapien und deren Sinn und Versuche der Behandlung mit Medikamenten.
Der Roman wurde zunehmend tiefgründiger. Der anfangs noch recht flapsige Ton wird weniger, dafür wurde Jonas Misere immer deutlicher. Todtraurig, urkomisch und kritisch. Für mich eine absolut gelungene Mischung.
Ja, die Meinungen zu dem Buch gehen sehr stark auseinander. Ich bin begeistert.