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Veröffentlicht am 06.05.2025

Extrem gruseliger Psychothriller

Die Lektorin - Ich schreibe dein Ende!
1

Auf dem Schreibtisch der Lektorin Lilli landet ein Manuskript, das ihr Literaturagent als dringlich eingestuft hat. Sie beginnt zu lesen und stellt fest, dass dieser Text von einem Autor stammt, der sie ...

Auf dem Schreibtisch der Lektorin Lilli landet ein Manuskript, das ihr Literaturagent als dringlich eingestuft hat. Sie beginnt zu lesen und stellt fest, dass dieser Text von einem Autor stammt, der sie selbst auf Schritt und Tritt und sogar in ihren eigenen vier Wänden permanent beobachtet und unter massiven Druck setzt. Er droht, ihre beiden Kinder und ihren Ex-Mann zu töten, wenn sie nicht exakt seinen perfiden Anweisungen folgt. Lilli wendet sich an die Polizei. Kurz darauf bricht ihr Ex-Mann auf einer öffentlichen Veranstaltung zusammen und überlebt nur knapp. Er wurde vergiftet. Für Lilli beginnt ein gnadenloser Höllentrip.

Das ist einer der gruseligsten Thriller, die ich bisher gelesen habe. Man braucht starke Nerven, um diese Geschehnisse zusammen mit der Protagonistin durchzustehen. Einige Szenen sind einfach WOW! Darüber hinaus verlangt das Buch dem Leser einiges an Konzentration ab. Einige Male stolperte ich über ein Ereignis, bei dem ich mir dachte: Hoppla! Habe ich da vorher was überlesen? Um später zu merken: Nein, habe ich nicht. Der entsprechende Hintergrund wird dem Leser erst im Nachhinein präsentiert. Ein raffinierter Schachzug des Autors. Dann wieder überlas ich einen scheinbar sekundären Hinweis, der sich später als wesentlich erwies und musste zurückblättern, um die Zusammenhänge zu begreifen. Der Autor stiftet Verwirrung. Mit voller Absicht. Bis zum Ende des Buches gibt es eine ganze Reihe von Verdächtigen, die Verwirrung ist perfekt.
Leider finde ich bis auf zwei Ausnahmen alle Charaktere unsympathisch. Ab der zweiten Hälfte gleitet die Handlung immer mehr ins Surreale ab. Okay, Lilli steht durch den Psychoterror, dem sie da ausgesetzt ist, völlig neben sich und kann kaum noch klar denken, sie ist einzig darauf konzentriert, ihre Kinder und ihren Ex-Mann zu retten und scheut nicht davor zurück, dabei ihr eigenes Leben zu riskieren.

Das Finale enttäuscht mich. Zwar hatte ich den wahren Stalker durchaus kurz im Verdacht, aber sein Motiv kann ich nicht nachvollziehen.

Alles in allem ist der Hintergrund dieser Geschichte düster und hoffnungslos. Lediglich die Plänkeleien zwischen Lilli und ihrer Jugendliebe Kasper lockern ein wenig auf, aber auch letzteren kann ich nicht wirklich als sympathisch bezeichnen. Im Nachhinein wird mir klar, was mich an der Geschichte am meisten irritiert: Es ist der Mangel an Empathie zwischen den Figuren.
Und der Anfang hat eine andere Entwicklung vorgegaukelt, als das Ende bereithält. Dazu kommt, dass mir die Kapitel zu lang und unübersichtlich sind, das ermüdet beim Lesen. Der Schluss letztendlich wirkt abgehackt.

Trotz der genannten Schwachpunkte bietet dieser Thriller einen raffiniert eingefädelten Psychotrip, der den Leser aus seinem Alltagstrott herausreißt. So soll es sein.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 07.04.2025

Stimmungsvoller Küstenkrimi mit kleinen Schwächen

Ostseedämmerung
2

Mira Schneider, eine Studentin der Archäologie, verschwindet einfach von der Bildfläche, zusammen mit einer bronzenen Gewand-Fibel aus der Wikingerzeit. Anderthalb Jahre später wird das Artefakt zufällig ...

Mira Schneider, eine Studentin der Archäologie, verschwindet einfach von der Bildfläche, zusammen mit einer bronzenen Gewand-Fibel aus der Wikingerzeit. Anderthalb Jahre später wird das Artefakt zufällig in einem Teich, der zu einem Gutshof gehört, wiedergefunden. Pia Korittki und ihr Team rollen den Cold Case neu auf. Im Rahmen ihrer Ermittlungen stoßen sie bei Verwandten, Freunden und Bekannten auf widersprüchliche Aussagen zu der Verschwundenen. Der Fall erreicht einen dramatischen Höhepunkt, als Miras Leiche gefunden wird, verscharrt in einem nahegelegenen Waldstück.

Das Buch zieht mich vom ersten Kapitel an in seinen Bann. Wie in allen Krimis von Eva Almstädt tauchen eine ganze Reihe von Verdächtigen auf, die sich im Laufe der Handlung nicht ganz korrekt verhalten, aber stichhaltige Beweise gibt es gegen niemanden. Besonders dramatisch finde ich, dass die zehnjährige Trine, die in ihrem Leben noch nicht viel Glück hatte, scheinbar in das Fadenkreuz des Mörders gerät.

Die Auflösung am Ende enttäuscht mich dann allerdings. Ich kann zum Schluss hin auch keinen echten Spannungsaufbau mehr erkennen. Die Motivation des Mörders leuchtet zwar ein, aber ein packendes Finale sieht anders aus. Auch gibt es dramaturgisch im Verlauf der Handlung zwei peinliche Schwachstellen. Da wird erst seitenlang über einen Sachverhalt in aller Ausführlichkeit berichtet, aber die Auflösung des Rätsels kommt dann lapidar in jeweils einem einzigen Satz.

Insgesamt gefällt mir die Atmosphäre dieses Krimis sehr gut, ich mag Pia Korittki und ihre Familie und Kollegen, und der Anfang ist, wie oben erwähnt, mysteriös und spannend. Auch der Mittelteil ist folgerichtig aufgebaut, und der Schreibstil der Autorin überzeugt mich immer wieder. Aber das Ende von Ostseedämmerung passt für mich nicht.

Trotz der genannten Schwachstellen stellt sich bei mir wieder ein angenehmes Gefühl ein. Man fühlt sich wohl im Universum von Eva Almstädt. Ein bisschen heile Welt muss sein.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 24.03.2025

Trügerische Erinnerung

Der irische Fremde
0

Was geschah wirklich in der Nacht, als Marys Eltern starben? Durch eine Zufallsbegegnung auf dem Flughafen in Oslo drängt sich ihr diese Frage wieder auf. Sie erkennt den Mann, der ihr dort über den Weg ...

Was geschah wirklich in der Nacht, als Marys Eltern starben? Durch eine Zufallsbegegnung auf dem Flughafen in Oslo drängt sich ihr diese Frage wieder auf. Sie erkennt den Mann, der ihr dort über den Weg läuft, er ist eine Schlüsselfigur in dem Drama ihrer Kindheit. Also reist Mary zum ersten Mal nach 25 Jahren wieder in ihre Heimat Irland, um auf eine Wand von Lügen zu stoßen, bis sie selbst in Lebensgefahr gerät.

Das Buch strotzt vor bildhaften Beschreibungen, die ich so noch nie gelesen habe. Normalerweise überfliege ich ausufernde Landschaftsschilderungen in einem Krimi oder Thriller, aber diese entspringen einem so ungewöhnlichen Blickwinkel, dass man darin versinken könnte.

Die wenigen auftauchenden Figuren sind klar voneinander zu unterscheiden, und die Szenen sind angenehm kurz. Der Autor kennt sich aus in der Materie, über die er schreibt. Dennoch sagt der größte Teil des Romans wenig über Land und Leute in Irland aus, im Grunde könnte er überall spielen, wo es ein Gewässer mit Lachsen gibt. Und der Buchtitel ist irreführend.

Der Anfang der Geschichte ist für meinen Geschmack zu melodramatisch und öde. Die Ich-Erzählerin Mary folgt in ihrem Denken und Handeln einem Stereotyp: Als traumatisierte Frau in den 30ern MUSS man qualmen, koksen und mit jedem, der sich anbietet, sofort in die Kiste hüpfen. Das macht sie mir nicht sympathisch.

Teilt man das Buch in vier Abschnitte ein, dann beschränkt sich die für einen Krimi wünschenswerte Spannung lediglich auf den zweiten und dritten Teil. Das Tempo nimmt hier spürbar zu, und Schnappatmung stellt sich ein. Man fragt sich: Was zum Teufel geht hier vor?
Das Finale dagegen enttäuscht mich mit einem zwar überraschenden, aber eher an den Haaren herbeigezogenen Twist. Es tauchen plötzlich Figuren auf, von denen in den drei Abschnitten vorher keine Rede war. Und die Protagonistin ist mir bis zum Schluss hin nicht sympathischer geworden. Damit fehlt für mich ein ganz entscheidender Faktor, dafür ziehe ich einen Punkt ab.

Ein Kriminalroman ist das nicht wirklich, es ging dabei weniger um die Aufklärung der Morde als vielmehr um das verquere Gefühlsleben der Protagonistin. Ansonsten ist der Roman, vor allem im Hinblick auf die sprachlichen Finessen, empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Ein wenig zu ausschweifend erzählt, aber beeindruckend

Die Abschaffung des Todes
3

Der britische Journalist James Henry Windover leitet einen exklusiven Nachrichtendienst für Superreiche. Im Auftrag seiner wichtigsten Kundin reist er in das Silicon Valley, wo sich eine Gruppe hochkarätiger ...

Der britische Journalist James Henry Windover leitet einen exklusiven Nachrichtendienst für Superreiche. Im Auftrag seiner wichtigsten Kundin reist er in das Silicon Valley, wo sich eine Gruppe hochkarätiger Wissenschaftler um Investoren für ein Projekt bemüht, das ewiges Leben verspricht. Er soll seine Expertise darüber abgeben, ob an der Sache wirklich etwas dran ist. Dabei stößt er auf mysteriöse Vorfälle und Ungereimtheiten. Welche Rolle spielt Raymond Ferdurci, ein französischer Philosoph, dem für einen Millionenbetrag eine Kurzgeschichte abgekauft wurde? James Henry macht sich auf die Suche nach ihm, ohne zu ahnen, welche Lawine an gefährlichen Ereignissen er damit lostritt.
Die 654 eng bedruckten Seiten dieses Romans sind eine echte Herausforderung. Erzähler ist der liebenswert-verschrobene Brite James Henry, ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle. Sein mit trockenem Humor gewürzter Erzählstil machte mir den Einstieg leicht. Trotz der zahlreichen Figuren hatte ich keine Mühe, den Überblick zu bewahren.
Das zweite Viertel des Romans zieht sich scheinbar endlos hin. Okay, es geht um ein komplexes Thema mit philosophischen Ansätzen, aber eine etwas kürzere Abhandlung hätte meiner Meinung nach auch gereicht. Mitunter kam ich bei dem endlosen Palaver aus dem Gähnen nicht mehr heraus und war etwa in der Mitte schon versucht, das Buch zuzuklappen, weil irgendwie nichts mehr voranging.
Doch das änderte sich schlagartig. Mit dem Auftauchen von Raymond Ferdurci nahm die Handlung gehörig Fahrt auf, wenn auch in eine völlig andere Richtung als zu Beginn. Und so ging es bis zum Schluss weiter. Am Ende wurden mir alle Zusammenhänge sonnenklar.
Ein echter Thriller ist dieser Roman nicht, dazu zogen sich die einzelnen Handlungsstränge zu langatmig hin. Aber sprachlich ist er ein Meisterwerk. Herr Eschbach beherrscht die Kunst der stilvollen Selbstironie und nimmt sich dabei hin und wieder selbst auf die Schippe. Die Schlussszenen finde ich herzzerreißend.
Für den unnötig ausschweifenden Mittelteil ziehe ich einen Stern ab. Ansonsten würde ich sagen, Herr Eschbach hat eine neue Stammleserin gewonnen. Mich.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Toughe chicas weinen nicht

Raiders of the Lost Heart
0

Als der attraktiven Archäologin Corrie Mejia die Teilnahme an einer Grabung im mexikanischen Dschungel angeboten wird, zögert sie nicht lange. Am Ziel angekommen, erfährt sie, dass der Leiter dieser Expedition ...

Als der attraktiven Archäologin Corrie Mejia die Teilnahme an einer Grabung im mexikanischen Dschungel angeboten wird, zögert sie nicht lange. Am Ziel angekommen, erfährt sie, dass der Leiter dieser Expedition niemand anderes als ihr alter Bekannter Ford Matthews ist, mit dem sie seit vielen Jahren in inniger Hassliebe verbunden ist. Sehr bald wird ihr klar, dass er sich für die Suche nach den Überresten des aztekischen Kriegers Chimalli den falschen Ort ausgesucht hat. Wird sie Ford von der Richtigkeit ihrer These überzeugen können? Und wird das Team das unermesslich wertvolle Opfermesser Tecpatl finden?
Angezogen von dem bildschönen Cover mit edlem Farbschnitt fiel mir der Einstieg in dieses Buch nicht schwer. Eine Hommage an Indiana Jones? So schien es zunächst. Der Schreibstil der Autorin ist humorvoll, und mehr als einmal musste ich über Corries freche Eskapaden schmunzeln. Die Anzahl der Figuren ist angenehm überschaubar, ihre Namen sind prägnant, man kann sie ohne Mühe auseinanderhalten. Erschienen zu Beginn der Handlung alle Charaktere sympathisch, so stellt sich bald heraus, dass es einen Verräter in ihrer Mitte gibt. Und der charismatische Held entpuppt sich als Schurke ersten Grades. Kleine Ungereimtheiten im Verlauf der Handlung muss man wegstecken. Auch hätte ich mir die einzelnen Kapitel etwas kürzer gewünscht. Der Mittelteil gestaltet sich zäh, die beiden Protagonisten drehen sich fortwährend im Kreis, aber zum Ende hin gibt es einen verblüffenden Twist, und die Handlung nimmt rasant an Fahrt auf.
Mich persönlich hat der zu sehr auf das Sexuelle gerichtete Fokus der Autorin gestört, was auf Kosten der Action geht. Auch sind die Ortsbeschreibungen dürftig, und die beiden Helden benehmen sich kindisch. Der Klappentext ist irreführend, er verspricht mehr Spannung als das Buch hält.
Dennoch überwiegt der positive Eindruck. Raiders Of The Lost Heart ist ein angenehm zu lesendes Buch für Urlaub, Strand und ereignisarme Abende.

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