Zwischen Überforderung und Lebenslust
Zwischen Ende und AnfangMoyes ist bekannt für gefühlvolle, traurige, aber vor allem ehrliche Romane. Mit "Zwischen Ende und Anfang" starten wir vor allem mit dem traurigen Part. Gut die erste Hälfte wirkt der Roman erdrückend ...
Moyes ist bekannt für gefühlvolle, traurige, aber vor allem ehrliche Romane. Mit "Zwischen Ende und Anfang" starten wir vor allem mit dem traurigen Part. Gut die erste Hälfte wirkt der Roman erdrückend und dabei so unglaublich nachvollziehbar. Protagonistin Lila ist überfordert mit der Trennung ihres Partners, den Kindern, ihrer Arbeit und den Pflichten als Nachbarin und Mutter. Ihr Stiefvater wohnt nach dem Tod ihrer Mutter bei ihr und als Lilas richtiger Vater auftaucht, ist das Chaos perfekt. Es ist eine leicht chaotische Konstellation mit zahlreichen Facetten und einem Widerspiegeln der Realität. Wie viele Kleinigkeiten sich zu einer großen Überforderung auftürmen und wie man mit Situationen umgeht, aus denen es kein entrinnen gibt. Ich konnte Lilas Wutausbrüche und Trotzhandlungen teils nachvollziehen, teils nicht. Dennoch ist mir immer die Begründung wichtig und Moyes versteht sich drauf, ihre Charaktere transparent darzustellen. Ihnen Raum für Erklärungen zu bieten.
Lilas Geschichte bietet für den Leser keinerlei großen Überraschungen. Schnell weiß man, was passieren wird. Welche Wege das Buch einschlagen wird und nur wenig konnte mich wirklich überraschen. Doch das tut dem Inhalt keinen Abbruch, denn primär geht es um die Vermittlung von Gefühlen, von sozialen Strukturen und vielleicht auch einem Spiegel für den/die Leser*in. Eine Chance zu reflektieren.
Zusätzlich zu Lilas Sichtweise, bekommt auch ihre Tochter Celie Raum. Eine wohltuende Ergänzung, denn oft geht die Perspektive der Kinder und Teenager verloren. Sie wirken nervig, bockig, kritikresistent. Doch hinter diese Mauer zu schauen und die Beweggründe und Probleme der Jüngeren mal zu reflektieren, das bedarf einer Offenheit, die ich in diesem Buch sehr wertschätzte. Kein Stadium des Lebens ist wirklich locker und leicht. Jede Station bringt ganz eigene Probleme und vor allem Lösungsansätze mit. Das Leben ist nicht stringent, das Leben hat keinen zweifelsfreien Kompass, das Leben passiert und zu Lernen, sich dabei nicht selbst zu verlieren, ist eine Kunst. Eine Empfehlung für alle Leser, die es etwas ruhiger und vor allem ehrlich mögen.