Platzhalter für Profilbild

Gisel

Lesejury Star
offline

Gisel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gisel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.11.2017

Verzweifelte Flucht in die Freiheit

Underground Railroad
0

Cora lebt als schwarze Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia, unter unvorstellbaren und unmenschlichen Bedingungen. Zusammen mit dem Sklaven Caesar macht sie sich auf die Flucht in ein besseres ...

Cora lebt als schwarze Sklavin auf einer Baumwollplantage in Georgia, unter unvorstellbaren und unmenschlichen Bedingungen. Zusammen mit dem Sklaven Caesar macht sie sich auf die Flucht in ein besseres Leben. Mit der Underground Railroad beginnt ihre Suche nach einem Leben in Freiheit, immer wieder gibt es Rückschläge, sie wird gnadenlos verfolgt. Immer wieder kehrt sie zu einer Station der Untergrundbahn zurück, sie lernt Menschen kennen, die ihr gerne helfen, auch unter dem Einsatz des eigenen Lebens, wie auch Menschen, die sie aus den verschiedensten Gründen verfolgen. Wird ihre Flucht erfolgreich sein?

Das Buch spielt in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Underground Railroad gab es wirklich, es war ein Hilfswerk, das Sklaven bei der Flucht aus den Südstaaten in die Freiheit der Nordstaaten half. Verwendet wurde dabei das Vokabular der Bahn, um unerkannt zu bleiben. Der Autor verwendet diese Metapher im eigentlichen Sinn und macht daraus eine echte Eisenbahn. Coras Flucht ist geprägt von einem Wechsel aus vielen kleinen Erfolgen und empfindlichen Rückschlägen. Obwohl sachlich geschrieben, geht die Geschichte unter die Haut, sie lässt niemand kalt, denn der Autor Colson Whitehead spiegelt detailliert die brutalen Lebensbedingungen der Sklaven wieder. Manches davon ist kaum zu ertragen, und manche der Passagen gerät etwas langatmig.

Die Geschichte spiegelt ein dunkles Kapitel der amerikanischen Geschichte und lässt diese Zeit auf eine äußerst realistische Weise auferstehen. Das Buch ist ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis 2017, und das kann ich sehr gut nachvollziehen. Deshalb auch von mir, trotz kleiner Mängel, eine Leseempfehlung für ein wichtiges Buch über das dunkle Kapitel der Sklaverei.

Veröffentlicht am 10.11.2017

Guter Krimi mit leichten Längen

Finster ist die Nacht
0

Detective Macy Greeley ist in einem Entführungsfall unterwegs – und muss hilflos zusehen, wie der entführte Radiomoderator vor ihren Augen erschossen wird. Sie selbst versteckt sich umgehend, um sich aus ...

Detective Macy Greeley ist in einem Entführungsfall unterwegs – und muss hilflos zusehen, wie der entführte Radiomoderator vor ihren Augen erschossen wird. Sie selbst versteckt sich umgehend, um sich aus der Gefahrenzone zu bringen. Wer war der Motorradfahrer, der vermutlich sowohl die Schuld an der Entführung wie auch an dem Mord trägt? Kurze Zeit später wird ein drogensüchtiges Paar, das wohl beteiligt war an der Entführung, erschossen aufgefunden. Die Suche nach dem Motorradfahrer scheint lange ins Leere zu laufen.

Der Vorgänger dieses Bandes hat mich sehr begeistert, von den überraschenden Wendungen des Falles war ich sehr angetan, auch von der kompetenten Ausstrahlung der Ermittlerin und von ihrem Privatleben. Auch dieser Band birgt einige überraschende Wendungen sowie das Gefühl der drohenden Gefahr für die Tochter des Entführungsopfers, dennoch waren mir manche Passagen etwas zu ausführlich geraten. Und so ist meine Begeisterung für diesen Band nicht ganz so hoch wie für den Vorgänger.

Obwohl dies der dritte Band ist um Macy Greeley, ist der Fall in sich abgeschlossen und kann gut für sich selbst gelesen werden. Auch die Kleinstadtatmosphäre ist gelungen dargestellt, die Voraussetzungen für einen guten Krimi sind eigentlich gegeben, denn der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und gut lesbar. Schade, dass das Buch dann doch einige Längen hat. So richtig überzeugt hat es mich nicht. Deshalb hoffe ich, dass der nächste Band wieder mit viel Spannung und einem ausgefeilten Kriminalfall sowie einer kompetenten Ermittlerin überzeugen kann.

Veröffentlicht am 07.11.2017

Ermittlungen in einem äußerst emotionalen Fall

Wildeule
0

Bei einer Beerdigung gibt es grobe Unstimmigkeiten: Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes entdeckt, dass der Sarg nicht richtig verschlossen ist, und statt der erwarteten Toten liegt ein Mann im Sarg, der Bestattungsunternehmer ...

Bei einer Beerdigung gibt es grobe Unstimmigkeiten: Friedhofsgärtnerin Gesine Cordes entdeckt, dass der Sarg nicht richtig verschlossen ist, und statt der erwarteten Toten liegt ein Mann im Sarg, der Bestattungsunternehmer selbst. Gesine macht sich Gedanken, was hier nicht stimmen kann, doch als ihr bester Freund Hannes als konkurrierender Bestattungsunternehmer in Mordverdacht gerät, ist sie der Polizei gegenüber nicht mehr ganz so freiherzig. Umso mehr, als sich die Verdachtsmomente häufen und sie mit Hannes Verständigungsschwierigkeiten hat. Wie aber kann sie bei der Aufklärung des Falls die Wahrheit aufdecken?

Dies ist bereits der dritte Fall der Friedhofsgärtnerin Gesine, die früher selbst bei der Polizei tätig war. Auch diesmal kribbelt es sie wieder schnell in den Fingern, mit der Kommissarin Marina Olbert zusammenzuarbeiten, doch da Hannes in Verdacht gerät, ist dies schwierig. Klar, dass sie selbst ermitteln muss und auch selbst in Gefahr gerät. Das Buch liest sich sehr flott, die Autorin schafft es von der ersten Seite an, den Leser mit der Geschichte in ihren Bann zu ziehen. Sehr gut gelungen ist diesmal die Ermittlerin Gesine, die vieles in Frage stellen muss, weil sie persönlich betroffen scheint.

Das Buch ist gut für sich allein zu lesen ist, da der Fall in sich abgeschlossen ist. Wer aber die Vorgänger kennt, wird sich auch für die persönliche Entwicklung der Protagonistin interessieren. Ein spannendes und unterhaltsames Buch mit viel Schnee und Winterkälte.

Veröffentlicht am 06.11.2017

Eigenwillige Ermittler und eine Region mit einem besonderen Charme

Umkehrschuss
0

Welch eine Aufregung, als auf dem kleinen Friedhof in Kehr eine Leiche gefunden wird, zwischen den Gräbern, auf dem Rasen, mit einem Loch in der Brust, und keiner der Bewohner kennt den Toten! Doch die ...

Welch eine Aufregung, als auf dem kleinen Friedhof in Kehr eine Leiche gefunden wird, zwischen den Gräbern, auf dem Rasen, mit einem Loch in der Brust, und keiner der Bewohner kennt den Toten! Doch die Aufregung geht weiter, denn im Magen des Toten finden sich Bestandteile des Menüs aus Katja Kleins Gaststätte. Obwohl niemand den jungen Mann dort gesehen hatte. Neben einigen Familienfeiern im Lokal muss Katja bei den Ermittlungen unbedingt mitmischen.

Dies ist bereits der achte Band um Katja Klein, die als Besitzerin der „Einkehr“ immer auch an den Ermittlungen in Kriminalfällen beteiligt ist. Bisher kannte ich diese Reihe nicht, doch da der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist, kann man ihn auch gut einfach so lesen. Sicherlich ist es aber sinnvoll, ihn in der richtigen Reihenfolge der Geschehnisse zu lesen, so wird der Leser vermutlich schneller in die kleine Welt der Kehr finden, diesem Ort in der belgisch-deutschen Grenzregion. Sie bietet sich durch ihre Eigenheiten und ihre wechselhafte Geschichte als interessante Krimi-Örtlichkeit regelrecht an. Diese Eigenheiten hat die Autorin Martina Kempff geschickt in den Kriminalfall mit einbezogen und ergänzt sie durch Erläuterungen zur Region und witzigen Anekdoten der Bewohner. Der Ton der Erzählung ist dabei eher heiter und bringt einige Geschehnisse voller Situationskomik in die Geschichte hinein. Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, so dass man sofort weiterlesen möchte. Katjas inspirierende Gerichte in der Einkehr werden als interessante Rezepte dem jeweiligen Kapitel vorgestellt und man kann schon gespannt sein, wie das Thema des Gerichts im Verlauf der nächsten Seiten aufgegriffen wird.

Ein spannender Krimi aus einer besonderen Region mit ausgefeiltem Wortwitz und originellen Ermittlern, das macht das Buch lesenswert. Ich bin gespannt auf die bisherigen Bände und warte voller Vorfreude auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 15.05.2025

Klassische Detektivgeschichte

Campion. Tödliches Erbe
0

Albert Campion erfährt, dass der legendäre Kelch der Familie Gyrth gestohlen werden soll. Er bietet dem Sohn der Familie, Percival Gyrth, seine Hilfe an, um den Raub zu verhindern. Val konnte gerade einer ...

Albert Campion erfährt, dass der legendäre Kelch der Familie Gyrth gestohlen werden soll. Er bietet dem Sohn der Familie, Percival Gyrth, seine Hilfe an, um den Raub zu verhindern. Val konnte gerade einer Entführung entgehen, und kaum kehrt er mit Campion und dessen Assistenten Lugg zu seiner Familie zurück, wird seine Tante tot aufgefunden. Wird der Detektiv den Raub des Kelches tatsächlich verhindern können?

Albert Campion ist ein eher unscheinbarer Detektiv, so dass man ihn recht schnell unterschätzt. Doch er ist einer der besten Detektive der Welt. Ohne ihn hätte die Familie Gyrth keine Chance, ihren Kelch zu behalten, was weitreichende Folgen hätte. Wobei es nicht immer leicht fällt ihn einzuschätzen, denn er gibt sich zu seiner Person eher verschwiegen. Die Geschichte enthält einige überraschende Wendungen, die Spannung in den Krimi bringen, bis hin zu scheinbar übernatürlichen Phänomenen. Der Krimi erscheint in der Tradition der britischen Krimis und spielt in Großbritannien in den 1930er Jahre. Der vorliegende Band der Reihe wurde neu aufgelegt. Die Sprache wirkt manchmal etwas antiquiert und ist geschrieben in der Tradition britischer Kriminalklassiker, was sich auch im Geschehen selbst spiegelt. Hier geht es weniger um Action als vielmehr um eine klassische Detektivgeschichte, unterlegt mit einer Prise britischem Humor.

Diese Detektivgeschichte in klassischer Tradition hat mich gut unterhalten können. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.