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Veröffentlicht am 02.09.2024

Humorvoller Regio-Krimi

Nuss und Schluss. Ein Hansel & Pretzel Krimi
3

Linn aus Norddeutschland, 25 Jahre, fängt in Kanada einen neuen Job in der Bäckerei „Hansel & Pretzel“ an, die speziell deutsche Backwarten anbietet, die in dem Ort Kitchener auch sehr beliebt sind. Weniger ...

Linn aus Norddeutschland, 25 Jahre, fängt in Kanada einen neuen Job in der Bäckerei „Hansel & Pretzel“ an, die speziell deutsche Backwarten anbietet, die in dem Ort Kitchener auch sehr beliebt sind. Weniger beliebt war offenbar Sidney, über deren Leiche Linn gleich am ersten Tag in Kanada stolpert. Es wird sogar der Eindruck erweckt, Sidney hätte ihr Schicksal verdient. Linn hört viel in dem kleinen Ort (darf man Stadt sagen?) und kombiniert die Schlüsse der Kitchener Mitbürger und ihre eigenen. Mit viel Geschick kann sie mit den sehr verschiedenen Charakteren ihrer Mitbewohner in der WG umgehen. Die Schlussfolgerungen und Gedanken in Linns Kopf werden regelmäßig durch ihre Hormone durcheinander gewirbelt, die sich bemerkbar machen, sobald ein schöner Mann in Linns Blickfeld auftaucht. Davon gibt es mindestens zwei.

Die ganze Story ist sehr locker-flockig geschrieben und mit viel Humor und markigen Sprüchen gewürzt. Am Ende des Buches werden noch ein paar Rezepte aus der Bäckerei Hansel & Pretzel verraten. Bei einem ebook, das sequentiell gelesen wird, merkt man das aber erst am Schluss.
Während Linn von einer Person im Buch als eine jüngere Ausgabe von „Miss Marple“ charakterisiert wird, würde ich sie wegen ihrer unkonventionellen Art eher als jüngere Ausgabe von „Agatha Raisin“ charakterisieren. Aber lest selbst!

„Nuss und Schluss“ ist ganz klar der Auftakt zu einer Buchserie.

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Veröffentlicht am 12.05.2024

Surreale Verknüpfung von social media und realer Welt

Mind Games
0

Hier wird die Gaming Scene effektvoll mit der realen Welt vermischt. Die betroffenen Personen werden aufgefordert, an einem Spiel mitzumachen („Traust du dich?“). Für einen echten Gamer gibt es darauf ...

Hier wird die Gaming Scene effektvoll mit der realen Welt vermischt. Die betroffenen Personen werden aufgefordert, an einem Spiel mitzumachen („Traust du dich?“). Für einen echten Gamer gibt es darauf natürlich nur eine Antwort. Dummerweise läuft das dann gelegentlich aus dem Ruder, d.h. unter die Erde. Eine Psychologin (Dr. Augusta Bloom) versucht dem auf die Spur zu kommen, und dann wird sie tiefer da hinein gezogen als eigentlich gewollt.
Britisches Flair gehört dazu, ein hoch bleibendes Spannungsniveau, und die surreale Verknüpfung von social media und der realen Welt.
Spoiler (steht aber auch auf dem Klappentext): dies ist der Auftakt einer Thrillerserie um Augusta Bloom, logischerweise muss sie als am Ende überleben.

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Veröffentlicht am 19.03.2024

Alles in Briefen

Das Glück auf der letzten Seite
0

Anne-Lise findet im Hotelzimmer das Manuskript für ein Buch und macht sich auf die Suche nach dem Autor. Schnell stellt sich heraus, dass die zweite Hälfte von jemand anderem stammt. Anne-Lise und weitere ...

Anne-Lise findet im Hotelzimmer das Manuskript für ein Buch und macht sich auf die Suche nach dem Autor. Schnell stellt sich heraus, dass die zweite Hälfte von jemand anderem stammt. Anne-Lise und weitere Beteiligte machen sich auf die Suche nach dem Werdegang des Manuskripts.

Das Besondere an diesem Buch ist die Form: Es werden ausschließlich Briefe abgedruckt, die sich die beteiligten Personen einander zusenden.Alle dieser Briefe sind ausgesucht respektvoll gehalten, auch in Phasen, wenn man einander verärgert ist. Es war mir eine große Freude, dieses Buch zu lesen.

War leider ein schlechtes Zeit/Leistungsverhältnis, weil ich das Buch in einem Tag durchgelesen habe.

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Veröffentlicht am 12.03.2024

Gefährliches Urlaubsparadies

Mörderisches La Rochelle
3

Schön, wenn man da arbeiten kann, wo andere Urlaub machen. Dumm nur, wenn mitten im eigenen Urlaub, der natürlich zu Hause statt findet, drei Menschen ermordet werden. Chevalier wird darum brutal aus seinen ...

Schön, wenn man da arbeiten kann, wo andere Urlaub machen. Dumm nur, wenn mitten im eigenen Urlaub, der natürlich zu Hause statt findet, drei Menschen ermordet werden. Chevalier wird darum brutal aus seinen Urlausbfreuden gerissen, um sich dem Fall (oder den Fällen?) zu widmen. Das Ganze ist ziemlich verzwickt, und Komissar Chevalier muss sich intensiv um die Zusammenhänge kümmern. Vor allem muss erst mal festgestellt werden, wer überhaupt anwesend war und was gesehen oder sogar getan haben könnte.
Das idyllische Urlaubsparadies mausert sich zum lebensgefährlichen Pflaster. Sehr viele Menschen dort haben Kampferfahrung, und viele sind gewaltbereit. Alle Personen sind irgendwie miteinander verbandelt. Der 4. Mord stellt erhöhte Anforderungen an die Kampfkraft des Mörders.
Am Ende wird der Fall natürlich gelöst, der Mörder (oder Mörderin?) ist nicht unbedingt die Person, die vorher bei der Leser:in im Hinterkopf geisterte. Oder doch?

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Veröffentlicht am 20.03.2025

Beklemmendes leben im totalitären Regime

Julia
0

Das Buch erzählt die Handlung von George Orwells „1984“ aus anderer Perspektive. George Orwells „1984“ erschien im engluischen Orginal 1949, also vor 75 Jahren. Die Handlung spielt 1984, also vor 40 Jahren. ...

Das Buch erzählt die Handlung von George Orwells „1984“ aus anderer Perspektive. George Orwells „1984“ erschien im engluischen Orginal 1949, also vor 75 Jahren. Die Handlung spielt 1984, also vor 40 Jahren. So viel zu den Jubiläumszahlen.
George Orwell beschrieb eine beklemmende Dystopie eines totalitären Regimes aus Sicht des Protagonisten Winston. Sandra Newman beschreibt dieselbe Situation aus der Sicht seiner Freundin Julia. Weil die beiden erst im Laufe der Zeit zueinander finden, entsteht bereits zu Beginn eine andere Perspektive, sowohl auf die Situation in der Arbeitswelt als auch auf die Charaktere. Anhand von Schlüsselszenen ist sehr gut nachzuvollziehen, dass in beiden Büchern verschiedene Sichtweisen beschrieben werden.

Das Buch wendet sich ganz klar an Leser, die „1984“ von Orwell gelesen haben. Einige Eigenschaften der Lebensweise in dem totalitären Regime werden bei Newmann knapper eingeführt als bei Orwell. Dazu gehören die Sprache des Regimes („Neusprech“) und die verlogene Wahrheitsdarstellung der Regierung. Die Darstellungen aus Sicht von Winston (Orwell) und Julia (Newman) ergänzen sich vortrefflich. In beiden Büchern werden aber auch Vergangenheitserlebnisse der Protagonisten beschrieben, die natürlich jeweils nur in einem Buch enthalten sind. Das erhöht signifikant das Verständnis einiger Reaktionen in der Beziehung zwischen Winston und Julia.

Die deutsche Übersetzung von Newmans „Julia“ durch Karoline Hippe basiert auf der Neuübersetzung von „1984“ von Frank Heiberts von 2021. Ich selber hatte „1984“ in der Übersetzung von Kurt Wagenseil von 1950 gelesen. Das macht sich in einigen Vokabeln bemerkbar (z. B. „Televisor“ 1950, „Telemonitor“ 2021), einigen Ausdrücken („Trainingsanzug“ 1950, „Overall“ 2021), die dem Lesegenuss aber keinen Abbruch tun. Es fielen aber auch subtile Unterschiede auf. 1950 wurde ganz klar kommuniziert, dass Juden zum Feindbild des totalitären Systems galten, sicher unter dem Eindruck des kürzlich besiegten Naziregimes. 2024 kam das nicht mehr vor, auch wenn dieser Aspekt wieder eine traurige Aktualität gewinnt. Anderereits wurde der kommunistische Aspekt 2024 stärker in den Vordergrund gestellt.

Sowohl in „1984“ als auch in „Julia“ werden teilweise sehr drastische Aspekte des Regimes beschrieben, die beklemmende Eindrücke hervor rufen kann. Wer „1984“ gerne gelesen hat, wird in „Julia“ eine willkommene Ergänzung finden. Wer „1984“ noch nicht gelesen hat, möge das tun. Beide Bücher lassen sich auch parallel lesen.

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