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Veröffentlicht am 15.01.2026

Schöne Sprache

Das Feuer vergessen wir nicht
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Ari und Flint begegnen sich in einem Pflegeheim. Der Roman lebt von ihren Begegnungen, ihren Debatten und dem ineinander Verlieben.
Das Buch ist nur gute 200 Seiten lang, deswegen gibt es nicht soo viel ...

Ari und Flint begegnen sich in einem Pflegeheim. Der Roman lebt von ihren Begegnungen, ihren Debatten und dem ineinander Verlieben.
Das Buch ist nur gute 200 Seiten lang, deswegen gibt es nicht soo viel Handlung. Vor allem am Ende nimmt es allerdings ordentlich an Fahrt auf. Dazwischen ist es primär ein Philosophieren, Identitätssuche und das Behandeln von Themen wie Verbundenheit, Verlust, Zukunftsängsten, Freundschaft.

Der Schreibstil ist peotisch-emotional, aber sehr flüssig und als Jugendbuch sowohl inhahtlich als auch stilistisch absolut passend für die Zielgruppe.
Am spannendsten fand ich den Einschub über den Streik der 1400 Streichholzfrauen in London, die um bessere Konditionen in der Fabrik kämpften. Einige ihrer Namen werden aufgelistet, als Tribut und Erinnerungen daran, dass man nicht allein und hilflos ist, sondern gemeinsam Großes erreichen kann. Den Streik haben sie im 19. Jhdt gewonnen.

Als zweiter wichtiger Punkt ist bei mir ein Kapitel hängen geblieben, in dem die Protagonistin schreibt, was man auf ihren Familienfotos sieht, und danach aufzählt, was man hinter dem Lächeln in der Kamera NICHT sieht. Das hat mir teilweise das Herz gebrochen und einen großen Aha-Effekt hinterlassen.

Insgesamt hat mir so ein bisschen der rote Faden gefehlt, denn im Nachhinein kann ich gar nicht wirklich sagen, worum es plotmäßig geht. Ich kann sehr relevante Themen aufzählen und dass mir die Atmosphäre gefallen hat, aber nicht so richtig ein inhaltliches Alleinstellungsmerkmal von der Handlung her greifen.

Trotzdem habe ich das kurze Büchlein gern gelesen und es hat mich definitiv mehr als einmal berührt.

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Spannende Idee, fehlende Konsequenzen

Nachteule
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Ingrid Noll ist dieses Jahr 90 Jahre alt geworden und hat sich einen Namen in der Literaturszene gemacht. Bei Diogenes erschienen über 20 ihrer Romane.

Luisa ist 15 und kann im Dunkeln sehen. Am liebsten ...

Ingrid Noll ist dieses Jahr 90 Jahre alt geworden und hat sich einen Namen in der Literaturszene gemacht. Bei Diogenes erschienen über 20 ihrer Romane.

Luisa ist 15 und kann im Dunkeln sehen. Am liebsten hält sie sich im Wald auf, wodurch sie auf den jungen Obdachlosen Tim trifft und ihm Unterschlupf gewährt, zwei Welten prallen aufeinander.
Die Grundidee hat mir wirklich gut gefallen. Luisa als Figur, der Coming-of-Age-Plot, ihr Heranwachsen. Aufgrund ihrer zarten Figur wird sie verkindlicht, weshalb die Beziehung der beiden recht einseitig bleibt, Tim hält sie für seinen unschuldigen kleinen Engel.

Während Luisa ihn unterstützt und für ihn immer wieder moralische Grenzen übertritt, nutzt Tim sie von vorne bis hinten aus. Lässt sich durchfüttern, manipuliert und gaslighted sie, verwickelt sie in kriminelle Machenschaften und macht sie letztlich sogar zur M*rderin. Das alles unreflektiert stehen zu lassen fand ich ... schwierig.

Generell war das Frauenbild eher veraltet, z. B. betrügt Luisas Vater die Mutter. Der anderen Frau wird die Schuld gegeben, obwohl wir nicht wissen, ob sie von seinem Doppelleben weiß. Am Ende nimmt die Ehefrau ihn zurück á la "passiert". Liegt diese Ansicht an dem Alter der Autorin?

Auch die Sprache fand ich leider stellenweise sehr unpassend. Die Protagonisten sind Teenager, aber benutzen Vokabeln und Sprechweisen, die z.T. nach einer anderen Epoche klingen. Dass die Autorin einen modernen Schreibstil beherrscht, zeigt sich an der Figur eines weiteren Teenagers und dessen Sprache. Deswegen war mir nicht klar, weshalb Luisa und Tim so hochgestochen und altbacken sprechen.

Generell hat mir die Idee wirklich gut gefallen, auch Luisa als Person, Identitätssuche & das Pacing des Plots. Allerdings wurde mMn einfach so gut wie nichts reflektiert, wodurch eine Message fehlte, die Rollenbilder von Frau und Mann sind veraltet und klischeehaft, es gab in keiner Situation Folgen für negatives Handeln, es wurde nach rosa Bubble Verdrängung gelebt.
Ich weiß nicht, ob das bewusst so gedacht ist.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Zwiespaltend mit hoher literarischer Qualität

Der fürsorgliche Mr. Cave
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Der Roman ist ein 250seitiger Brief des Vaters an die Tochter, in Tagebuchform ab dem Zeitpunkt des Todes des Sohnes. Ab diesem Moment wird Mr Cave Bryony gegenüber ein 100facher Helikopter-Vater, stalkt ...

Der Roman ist ein 250seitiger Brief des Vaters an die Tochter, in Tagebuchform ab dem Zeitpunkt des Todes des Sohnes. Ab diesem Moment wird Mr Cave Bryony gegenüber ein 100facher Helikopter-Vater, stalkt sie, sperrt sie ein, diktiert ihr ihr Leben, sodass sie sich als Teenagerin gar nicht richtig entwickeln kann. Obwohl das Buch in der Ich-Perspektive verfasst ist, ist man als Leser:in durchgehend richtig wütend auf den Erzähler. Vielleicht kommt es hier darauf an, wer das Buch liest - möglicherweise können Eltern sich hier und dort in Mr. Cave hineinversetzen und verstehen, dass manche Situationen, in die die Tochter gerät, übel enden könnten. Ich hatte eher den Drang, das Jugendamt zu rufen & absolut kein Verständnis.
Natürlich spricht es wiederum für die Qualität des Romans, derart große Emotionen zu wecken, selbst wenn sie neg./zwiegesp. sind. Mr Cave will seine Tochter vor der ganzen Welt beschützen und nimmt ihr damit die Möglichkeit, zu leben, zu wachsen & eigene Erfahrungen zu sammeln.
Im letzten 1/3 wird der Roman dann immer wirrer, man hat das Gefühl, irgendetwas zwischen Blackout und halluzinogenen Pilzen zu lesen, sodass man nicht mehr zwischen Realität und Imagination unterscheiden kann und irgendwie immer wieder den Faden verliert.
Ich bin deshalb unsicher, ob es für mich wirklich spannend zu lesen war, weil fast nur die Tochter gestalkt wird & man richtig Angst vor dem Vater bekommt. "Die Mitternachtsbibliothek" hat mir deshalb besser gefallen.
Ich schätze, es handelt sich um eines dieser Bücher, das man nur sehr sehr subjektiv bewerten kann, eben weil es kein soo großes bewertbares Spektrum gibt. Auf jeden Fall liest man es in einem Rutsch durch, aber beklemmend ist es schon, weil man mehr oder weniger einem von der eigenen Tochter besessenen Menschen dabei zusieht, wie er Seite um Seite mehr dem Wahnsinn verfolgt. Ich sehe solche Lektüren primär im Germanistik-Studium oder Deutschunterricht - eben wegen der hohen literarischen Handwerkskunst des Autors. Zwiespaltend!

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Tolle Idee mit etwas schleppender Umsetzung, aber spannendem Anfang

Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz
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Das Buch ist wunderschön gestaltet mit Illustrationen der beiden Protagonisten im Innenteil der Klappenbroschur 💕
Die Leseprobe hat mich unglaublich in den Bann gezogen, sie war von der ersten Seite an ...

Das Buch ist wunderschön gestaltet mit Illustrationen der beiden Protagonisten im Innenteil der Klappenbroschur 💕
Die Leseprobe hat mich unglaublich in den Bann gezogen, sie war von der ersten Seite an unglaublich spannend, fesselnd und emotional, sodass man direkt weiterlesen möchte.
Leider konnte sich dieses Potential mMn. nicht zu 100% halten. Mir hat es an Word-Building gefehlt, an Erklärungen bzgl. Welt und Kreaturen. Die Sprache ist zwar flüssig und gut zu lesen, aber ich hätte mir durchweg dieselben Emotionen wie am Anfang gewünscht.

Zoé beginnt als starke, toughe Protagonistin, mit der man von Anfang an kämpft, leidet und hofft. Die Autorin hat so viel Herzensblut in diese Figur gesteckt, trotz ihrer Schicksalsschläge war sie so tapfer und bewundernswert.
In der Vorhölle schlug das merkwürdigerweise um. Die Entscheidungen waren nicht immer nachvollziehbar, sie hat wenig hinterfragt und oft naiv und leichtsinnig agiert, obwohl sie zu Beginn ja noch so intelligent und strong erschien. Ich verlor dann auch einiges an Sympathie, weil sie jmd anderes für sich sterben ließ und der Prs später nicht einmal die Wahrheit sagte, sondern ihr Freundschaft vorgaukelte, quasi nur um nicht allein zu sein - sie sieht einfach bei der Hinrichtung einer Unschuldigen zu, die eine kleine Tochter zuhause hat 🙈

Die Lovestory konnte mich letztlich leider auch nicht 100% berühren. Ein paar Kapitel aus seiner Perspektive hätten hier sicher gut getan. Man erfuhr sehr sehr wenig über ihn, er war irgendwie primär die Funktion des super attraktiven Love Interest - und als er Zoé dann in der 🌶-Mausoleumsszene derart respektlos behandelt hat, verlor er für mich auch den letzten Pluspunkt, sodass ich gar nicht verstand, was sie außer der physischen Anziehung an ihm findet. Und warum wird sie dauernd bewusstlos von den Zofen in Reizwäsche in sein Bett gelegt?^^

Die Idee des Plots hat mir wirklich gut gefallen, zum Ende wurde es auch nochmal richtig interessant und die Idee hinter den Artefakten war auch sehr individuell. In der Länge hat es mir jedoch an Spannung gefehlt, weil es so einen Beauty & the Beast "Ankleiden, Haus-Sightseeing, Diner, Baden, wieder Ankleiden"-Plot hatte.
Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass die Folgebände nochmal straffer, spannender und emotional deeper werden, das Potenzial ist definitiv da und ggf. war nur einfach der Auftakt etwas slow!

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Veröffentlicht am 19.06.2024

Wichtige Message in Romanform

Insight – Dein Leben gehört mir
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༺𝕀ℕ𝕊𝕀𝔾ℍ𝕋༻
Antonia Wesseling

⭐REZENSION⭐

Der Roman behandelt sehr ernste Themen wie Stalking, Übergriffigkeit, Belästigung, Deep Fake und vieles mehr.

Die Spannung hat sich durch die vielen kleinen ...

༺𝕀ℕ𝕊𝕀𝔾ℍ𝕋༻
Antonia Wesseling

⭐REZENSION⭐

Der Roman behandelt sehr ernste Themen wie Stalking, Übergriffigkeit, Belästigung, Deep Fake und vieles mehr.

Die Spannung hat sich durch die vielen kleinen und großen Zwischenfälle permanent gehalten. Das Ende war etwas vorhersehbar - der Epilog hat dann aber nochmal alles richtig über den Haufen geworfen. Also, sofern ich diesen richtig verstanden habe, ich bin mir nicht 100 % sicher 🙄

Der Schreibstil war einfach und flüssig zu lesen. Mir persönlich war das Vokabular aber leider viel zu vulgär. Ich bin nicht prüde, aber irgendwie war mir das alles in allem einfach too much.

Die Hilflosigkeit der Protagonistin war absolut greifbar, was ihr zugestoßen ist, ganz furchtbar. Zumal sowas ja leider mittlerweile Alltag ist und daher ein sehr relevantes Thema. Toll, dass die Autor dem einen ganzen Roman gewidmet hat. Besonders erschreckend finde ich, dass ihr kaum jmd geglaubt hat, nicht einmal die Polizei, die ihr so gut wie nicht geholfen hat, und sie schließlich auch noch der Lüge bezichtigt wurde.

Deshalb habe ich Paul an ihrer Seite geliebt, der einfach immer für sie da war und von Anfang an hinter ihr stand. Abgesehen davon war er mir etwas zu glatt, die Figuren eher stereotypisch. Der Polizist, die Bloggerinnen, der Ex Freund, der Manager... Hier hätte ich mir mehr Individualität und Charakter gewünscht.

Spannung brachten auch die emotionalen Rückblenden, die richtig unter die Haut gingen und mehr und mehr über die Vergangenheit der Protagonistin enthüllten. Hier merkt man, wie tief die Autorin in die Matrix ihrer Erzählung eintauchte.

Die Message als auch das Thema fand ich top, der Plot, vor allem aber die Charaktere waren mir etwas zu stereotypisch und austauschbar, aber es wurde deutlich, worauf die Autorin hinaus wollte. Erst der Epilog haute mich so richtig um.

3 ⭐

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