"Zeige mir dein Haus und ich sag dir wer du bist"
Die Housesitterin – Ein Traum von einem Job. Oder?Die Housesitterin ist mein erstes Buch der Autorin und eröffnet die Geschichte mit einer spannenden Prämisse und einem Locked-Door-ähnlichen Setting. Auch wenn der Klappentext den Inhalt des Buches recht ...
Die Housesitterin ist mein erstes Buch der Autorin und eröffnet die Geschichte mit einer spannenden Prämisse und einem Locked-Door-ähnlichen Setting. Auch wenn der Klappentext den Inhalt des Buches recht offen hält, muss ich sagen, dass ich ihn ein wenig irreführend finde. Ausgehend von Klappentext und Titel hatte ich grundsätzlich eine etwas andere Art von Story erwartet.
Obwohl die Geschichte recht spannend anfängt, hatte ich meine größte Schwierigkeit mit dem Buch darin, dass ich für einen Großteil ehrlicherweise ein wenig gelangweilt war. Der Anfang war sehr vielversprechend - man wird in die Geschichte eingeführt, Geheimnisse und Fragen werden aufgeworfen, und es wird direkt ein wenig unheimlich, da gut mit dem Setting des verlassenen Anwesens auf einer abgelegenen Insel gespielt wird.
Die Geschichte nimmt dann aber eine eher genre-untypische Wendung und verläuft entsprechend weiter. Das kann positiv sein und einigen sicher gut gefallen, mich hat es allerdings nicht wirklich überzeugen können, da mir größtenteils einfach die Spannung ausblieb. Aufgrund der Perspektivwechsel und der Struktur, wie die Geschichte verläuft, hatte ich für gute 60% des Buches weder richtiges Interesse an der Geschichte noch an den Charakteren, und es wirkte fast eher wie ein psychologisches Drama als ein Thriller auf mich.
Zum letzten Drittel kam dann aber doch noch einmal richtig Spannung auf und die einzelnen Puzzleteile haben sich gut zusammengesetzt. Den Plottwist habe ich zwar vorher voraussehen können, was ich an sich aber gar nicht schlimm finde. Nachdem der Weg dahin nur schon so langatmig war, hat es mich am Ende eher mit einem "Ja, okay"-Gefühl zurückgelassen.
Dafür, dass die Charaktere so im Fokus stehen, haben diese mich leider auch nicht wirklich begeistern können. Sie haben ihre Rollen in der Geschichte gut gespielt, aber abgesehen von der Protagonistin hatte ich den Eindruck, dass die restlichen Charaktere bis auf ihren einen relevanten Aspekt, der zur Geschichte und Figurenkonstellation beiträgt, recht flach waren. Auch wurde der ohnehin schon sehr überschaubare Cast an Charakteren nicht richtig ausgenutzt, da es letztendlich nur um die drei zentralen Charaktere geht, aus deren Sicht auch die Geschichte erzählt wird. Zu Beginn fand ich die Beziehungen und unausgesprochenen Konflikte untereinander noch spannend, aber zum Ende hin hätte man die übrigen Charaktere rückblickend quasi auch weglassen können, weil sie so wenig zur Story beigetragen haben.
Was ich außerdem ganz furchtbar fand und auch einfach nicht verstanden habe, ist das abstoßende Frauenbild, das vor allem durch die Gedanken der männlichen Charaktere, aber auch durch das Handeln der Protagonistin, dargestellt wird und die extrem derben Sexszenen. Ich kann mir vorstellen, dass es zur Charakterisierung beitragen sollte, aber für mich hat das absolut nicht funktioniert, weil es stattdessen einfach nur platt und abstoßend wirkte. Auch wie die expliziten Szenen geschrieben wurden, wirkte auf mich, als ob sie einfach nur des Spices wegen im Buch waren.
Gut gelungen ist jedoch die Vertonung des Hörbuches. Die Stimmen haben alle gut zu den Charakteren gepasst, auch wenn mir Johannes manchmal fast schon ein wenig zu posh klang, und die Sprecher:innen haben die Geschichte spannend umgesetzt.
Insgesamt hat mich Die Housesitterin in diversen Aspekten leider nicht richtig begeistern können und eher enttäuscht zurückgelassen, je nach Leser:in und Geschmack würde ich das Buch ggf. trotzdem weiterempfehlen.
Vielen Dank an den argon Verlag und NetGalley für das Rezensionsexemplar.