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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2026

Versuch einer Diskussionsgrundlage

Unsere Geschichte mit Sex
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Oft herrscht in christlichen Kreisen eine zwiespältige Beziehung zum Thema Sexualität. Teilweise wird das Thema gänzlich ausgeklammert, andererseits können moralische Maßstäbe stark propagiert werden und ...

Oft herrscht in christlichen Kreisen eine zwiespältige Beziehung zum Thema Sexualität. Teilweise wird das Thema gänzlich ausgeklammert, andererseits können moralische Maßstäbe stark propagiert werden und zum Ausschluss aus Gemeinde und gar Familie führen.

Dieses Buch möchte als Hilfe zum Gespräch über kontroverse Themen verschiedene Perspektiven von Christen nebeneinanderstellen. Dazu werden mehrere Ratgeber zum Thema Ehe und Sexualität untersucht, ergänzt durch aktuelle Meinungen von christlichen Influencern. Daneben stehen Erfahrungen von vierzehn Interviewpartnern, die in Familie und Gemeinde unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Sexualität gemacht haben.

Im Mittelpunkt stehen Themen wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, Pornokonsum und Masturbation, Geschlechtsidentität, Homosexualität oder Missbrauch. Auch wenn das genannte Anliegen eine neutrale Untersuchung von Meinungen ist, ist eine Wertung zu erkennen. Maßstab ist nicht in erster Linie die Bibel, sondern ein verantwortungsvolles zwischenmenschliches Miteinander.

Nach Aussage des Autorenquartetts verfolgt das Buch folgende Anliegen: „ehrliche Antworten zur Sexualität“, „dass das gegenseitige Verurteilen aufhört“, „konstruktive Gespräche und Debatten anregen“, „dass Menschen ermutigt werden, für die Wahrung ihrer eigenen Grenzen einzustehen“

Diese Anliegen sind gut und dringend notwendig. Die Umsetzung enttäuscht jedoch teilweise. Die Gendersternchen fallen vermutlich als Erstes ins Auge. Ich kann damit leben, finde aber, dass sie den Lesefluss stören und die Sprache verunstalten. Als Frau fühle ich mich auch ohne sie angesprochen. Für mich ist das kein großes Thema, doch ich kenne einige, für die das bereits ein Grund wäre, das Buch abzulehnen.

Das Buch zeigt anhand von Beispielen, wie konservative Einstellungen, wie kein Sex vor der Ehe oder kein Ausleben von Homosexualität, zu starken Verletzungen führen können, sodass Menschen sich sogar ganz vom Glauben abwenden. Diskussionen über solche Themen sind sehr wichtig. Wie schön wäre es, wenn Christen lernen würden, sich trotz gegensätzlicher Meinungen anzunehmen. Dafür wäre es allerdings hilfreich, einen ausgewogenen Text als Diskussionsgrundlage anzubieten und etwas behutsamer mit dem Thema umzugehen, damit konservative Christen nicht von vornherein abgestoßen werden.

Fazit: Eine interessante Diskussionsgrundlage über aktuelle Erfahrungen von Christen mit dem Thema Sexualität. Dabei geht es weniger um den normalen Alltag in einer Ehe, sondern eher um kontroverse Themen. Positiv hervorzuheben ist, dass unterschiedliche Denkweisen nebeneinandergestellt werden. Konservative Christen werden sich jedoch vermutlich nicht mit dem Inhalt dieses Buches identifizieren können und es eher als Angriff auf einen schriftgemäßen Glauben sehen.

Veröffentlicht am 21.10.2025

Wann ist eine Mutter gut genug?

Das Flüstern der Marsch
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„Geheimnisse sind wie ungebetene Gäste. Sie tauchen immer dann auf, wenn man es am wenigsten erwartet.“

Mona will ihre Großeltern besuchen, doch ihr Großvater erzählt ihr, dass ihre Großmutter verschwunden ...

„Geheimnisse sind wie ungebetene Gäste. Sie tauchen immer dann auf, wenn man es am wenigsten erwartet.“

Mona will ihre Großeltern besuchen, doch ihr Großvater erzählt ihr, dass ihre Großmutter verschwunden ist. Schon seit Tagen – und er scheint mehr darüber zu wissen, doch er schweigt beharrlich.

Merkwürdigerweise geht das Leben trotzdem weiter. Die große Feier zum achtzigsten Geburtstag des Großvaters kann nicht mehr abgesagt werden. Mona forscht aber beharrlich weiter. Sie spürt, dass es im Leben ihrer Verwandten bedeutende Geheimnisse geben muss.

Obwohl Janne schon genug mit ihren drei kleinen Kindern zu tun hat, fühlt sie sich überverantwortlich, wenn es etwas zu tun gibt. Auch die Schwiegertochter der Verschwundenen weiß so manches Unstimmige über ihre Schwiegermutter.

Freya leidet darunter, dass es in ihrer Familie keine Liebe und gesunde Bindungen gibt. Was sie mit Monas Großeltern zu tun hat, wird erst gegen Ende des Buches klar.

Und dann ist da noch die Verschwundene: Annemie. Von 1964 bis in die Gegenwart beleuchtet die Autorin auch ihre Sicht auf die Geschehnisse.

In diesem Buch geht es um Familiengeheimnisse, um unerlaubte Liebe, um die Last einer Mutter und ihr Verhältnis zu ihrem ungeborenen Kind. Dazwischen brillieren Beschreibungen des Marschs, eines beliebten Rückzugsortes, wenn das Leben zu schwer wird.

Das Cover unter dem Einband ist eine wunderschöne Überraschung, es zeigt eine ruhige Landschaft und mehrere fliegende Zugvögel. Die Erzählung wird aus der Perspektive der vier Frauen erzählt, dabei ist es vor allem Monas Geschichte, da sie die einzige Ich-Erzählerin ist. Die Geschichte ist fesselnd, und viele Erlebnisse der Figuren wirken authentisch und lebendig – dennoch bleibt eine gewisse Distanz, die es schwer macht, sich wirklich mit den Frauen zu identifizieren. Interessant sind die Zitate aus einem Erziehungsratgeber der 60er Jahre und das immer wiederkehrende Thema Mutterschaft.

Fazit: „Ich will, dass es mit uns endet.“ - Dieses Buch über die Aufarbeitung von Familiengeheimnissen und das Bemühen, eine gute Mutter zu sein ist spannend und enthält wunderschöne Naturbeschreibungen, doch die Charaktere bleiben bis zum Schluss unnahbar. Empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.09.2024

Was die Wissenschaft über Glück weiß

Das ausgeglichene Gehirn – Was uns die Neurowissenschaft über mentale Gesundheit verrät
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Was macht glücklich? Wie kann ich psychisch gesund sein und das Leben genießen?

Die neurowissenschaftliche Forschung versucht, Fragen wie diese zu beantworten. Die Erforschung verschiedener Bereiche des ...

Was macht glücklich? Wie kann ich psychisch gesund sein und das Leben genießen?

Die neurowissenschaftliche Forschung versucht, Fragen wie diese zu beantworten. Die Erforschung verschiedener Bereiche des Gehirns, Tierversuche und die Beobachtung von medizinischen Behandlungen – all diese Methoden helfen uns, das Gehirn immer besser zu verstehen. Motivation und Glück, Sucht und psychische Krankheiten sind Themen, über die Camilla Nord in diesem Buch schreibt.

Die britische Wissenschaftlerin stützt ihre Erläuterungen auf aktuelle Forschungsergebnisse zur psychischen Gesundheit. Im ersten Teil schreibt sie über die Bestandteile eines ausgewogenen Seins. Sie erklärt die Wirkung von Lust und Schmerz im Gehirn und die Bedeutung von Erwartungen und Motivation für das Erleben von Glück.

Im zweiten Teil stellt sie verschiedene Behandlungsmethoden vor, die in erster Linie Menschen mit Depressionen helfen sollen. Sie erklärt ausführlich die Wirkungsweise und den Nutzen von Placebos, Medikamenten, psychedelischen Drogen, Psychotherapie, Elektroschocks und einem gesunden Lebensstil. Dabei werden Nutzen und Schaden der verschiedenen Methoden gegenübergestellt. An mehreren Stellen betont die Autorin jedoch, dass vieles noch unbekannt ist und dass jeder Mensch unterschiedlich auf die vorgestellten Behandlungsweisen reagiert.

Die Erklärungen der Autorin werden durch Anekdoten aus ihrem Leben aufgelockert, dennoch ist die Sprache stellenweise für Laien schwer verständlich. Die Ausführungen wiederholen sich oft, sodass das Erzählte manchmal im Kreis zu gehen scheint.

Das Buch berichtet von vielen interessanten Forschungsergebnissen, zum Beispiel der Wirksamkeit von Placebos und dem großen Einfluss von Motivation und Erwartungen. Insgesamt ist der Inhalt jedoch vermutlich vor allem für Menschen interessant, die unter Depressionen leiden und die angebotenen Behandlungsmöglichkeiten besser verstehen wollen. Meine persönliche Erwartung an dieses Buch war ein tieferes Verständnis für die Wirkungsweise des Gehirns und praktische Ratschläge, um das Leben positiver zu gestalten. Diese Erwartung wurde nicht vollständig erfüllt, obwohl ich einige interessante Fakten schätzte.

Hilfreich ist das ausführliche Stichwortverzeichnis und die zahlreichen Quellenangaben.

Fazit: Neurowissenschaftliche Erkenntnisse über die Wirkungsweise des Gehirns und verschiedene Behandlungsmethoden für psychische Gesundheit werden zusammen mit kurzen persönlichen Geschichten erläutert. Empfehlenswert vor allem, um Therapien bei Depressionen kennenzulernen.

Veröffentlicht am 18.08.2024

Auf der Suche nach Heimat

Als wir Schwäne waren
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Behzad Karim Khani lebt schon fast sein ganzes Leben in Deutschland, ist aber dennoch Iraner geblieben. Schmerzhafte Kindheitserfahrungen, das Aufwachsen in einem von Gewalt und Kriminalität geprägten ...

Behzad Karim Khani lebt schon fast sein ganzes Leben in Deutschland, ist aber dennoch Iraner geblieben. Schmerzhafte Kindheitserfahrungen, das Aufwachsen in einem von Gewalt und Kriminalität geprägten Stadtteil und das Miterleben der Herabsetzungen seiner gebildeten Eltern, nur weil sie Ausländer sind – all dies lässt den Autor fragen, ob Heimat vielleicht woanders ist als an seinem Wohnort.

In diesem autobiographischen Buch beschreibt er seine Kindheit und Jugend. Er schreibt über die Unterschiede zwischen seiner ursprünglichen Heimat Iran und seinem Gastland Deutschland, zum Beispiel was Gastfreundschaft betrifft. So ist es unfassbar für ihn und seine Eltern, dass das Wort „Gast“ in Deutschland jemanden beschreibt, der eigentlich unerwünscht ist und nur geduldet wird. Denn in seinem Ursprungsland wird ein Gast nach Strich und Faden verwöhnt.

Seine Eltern sind Intellektuelle, doch sie werden in der neuen Heimat nicht mit Respekt behandelt. Auch Behzad erlebt Demütigungen, weil er die neue Sprache nicht gleich kann, weil er nicht weiß, was sich in Deutschland gehört, einfach weil er ein Ausländer ist.

In der Jugend finden er und seine Freunde Wege sich aufzubegehren, doch das bringt für manche eine Gefängnisstrafe, für andere gar den Tod. Irgendwann wird Behzad klar, dass er weg muss, um woanders neu anzufangen.

Dieses ehrliche Buch gibt einen guten Einblick in das Erleben von Migranten in Deutschland. Beim Lesen wird es nachvollziehbar, warum für viele Kriminalität eine denkbare Lösung für ihre Probleme ist. Die Sprache ist mal poetisch, mal grob. Kurze, ungeschönte Abschnitte beschreiben Szenen aus der Kindheit und Jugend des Autors. Es ist auch recht viel von Gewalt die Rede, sowohl verbal als auch körperlich – für mich persönlich zu viel, doch ich verstehe, dass das die Erfahrungen des Autors sind.

Fazit: Ein schonungslos ehrlicher Bericht über das Aufwachsen in einem fremden Land, in dem man das Gefühl hat, unerwünscht zu sein. Empfehlenswert!

Veröffentlicht am 26.06.2024

Eine verlorene Tochter findet nach Hause

Dein Gestern bestimmt nicht dein Morgen
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Eva genießt ihre Kindheit und freut sich an ihren liebevollen Eltern. Als ihre Großeltern vermehrte Pflege brauchen, zieht die Familie um. Evas Mutter ist nun voll eingespannt, und auch emotional hat sie ...

Eva genießt ihre Kindheit und freut sich an ihren liebevollen Eltern. Als ihre Großeltern vermehrte Pflege brauchen, zieht die Familie um. Evas Mutter ist nun voll eingespannt, und auch emotional hat sie nur noch wenig Kraft für ihre Tochter, da die Pflege ihr alles abverlangt. Das kleine Mädchen versucht ihrer Mutter alles recht zu machen, doch das gelingt nicht immer. Mehr und mehr fühlt sie sich verloren. Bis das Kind aus dem behüteten Elternhaus ihren Platz in einer Punker-Clique findet.

Feiern, Schule schwänzen, Alkohol und viel Sex, so sieht das Leben von Eva nun aus. Doch sie ist immer auf der Suche. Ihre Sehnsucht wird nie richtig gestillt. Auch in der Esoterik findet sie keine Antwort, allerdings stößt eine Aussage dort sie auf den christlichen Glauben und zurück zu Gott, den sie als Kind in wunderschönen Ferienlagern erlebt hat.

In diesem Buch beschreibt Eva Merg sehr offen und ehrlich die etwa dreißig Jahre ihres bisherigen Lebens. Der Großteil des Buchs handelt von ihren Jahren fern von Gott, auf einem zerstörerischen Weg. Sie zeigt gut ihre eigene Hoffnungslosigkeit und die Hilflosigkeit ihrer liebevollen Eltern.

Es ist schockiert zu lesen, was sie alles erlebt hat. Beim Lesen kann es unangenehm sein von den Tiefen ihrer Verlorenheit zu lesen. So viele zufällige Bekanntschaften, die im Bett enden. So viele durchzechte Nächte. Die Lebensgeschichte ist interessant, gerade um junge Menschen zu verstehen, die ähnliches mitmachen. Mir persönlich wurde es allerdings zu viel, die Details über ihre verlorenen Jahre zu lesen.

Fazit: Die Geschichte einer Hinwendung zu Gott nach Jahren auf der Suche nach Erfüllung. Empfehlenswert!