Cover-Bild Mein drittes Leben
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22,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Tod, Trauer, Verlust
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 21.08.2024
  • ISBN: 9783257615296
Daniela Krien

Mein drittes Leben

Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024! Sie hat alles gehabt und alles verloren: Sekunden der Unachtsamkeit kosten ihre einzige Tochter das Leben. Tief sieht Linda in den Abgrund und wäre beinahe gefallen, doch da sind hauchfeine Fäden, die sie halten – die Hündin Kaja, die steten Handgriffe im Garten, das Mitgefühl für andere. Wie viel Kraft in ihr steckt, ahnt sie erst, als sie zurückfindet in einen Alltag und zu sich selbst.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2025

Das Leben geht weiter. Immer.

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Das hätte ich nicht gedacht. Wirklich nicht. Dass mich ein Roman mit so einem schweren Thema, welches mich zu Beginn überaus deprimiert hat und die Lektüre zu einer wahren Herausforderung machte, so beeindrucken ...

Das hätte ich nicht gedacht. Wirklich nicht. Dass mich ein Roman mit so einem schweren Thema, welches mich zu Beginn überaus deprimiert hat und die Lektüre zu einer wahren Herausforderung machte, so beeindrucken und begeistern könnte. Daniela Krien ist hier ein kleines Meisterwerk gelungen, denn ihr Roman ist nicht nur authentisch, bis ins Detail nachvollziehbar, schmerzhaft, bedrückend, traurig, niederschmetternd und die Geschichte eines unvorstellbaren Leidens, er ist auch hoffnungsfroh, heilsam, schön und der Zukunft zugewandt.

Ich bin eigentlich kein allzu großer Krien-Fan, aber dieser Roman ist eine bewundernswerte Leistung, denn der Autorin gelingt es, sich mit jeder Faser in ihre Protagonistin Linda hineinzuversetzen, eine Frau, die in ihrem Leben kaum noch einen Sinn erkennen kann, die das Interesse an der Welt verloren hat und einfach nur versucht, Tage, Wochen, Monate zu absolvieren. „Mein drittes Leben“ fasst einen Verlust in Worte, für den es eigentlich keine Sprache gibt. Der Roman taucht ganz tief in die Gefühle bzw. die Abwesenheit von Emotionen ein, die das Denken und Dasein beherrschen, wenn etwas passiert, dass das Leben, wie man es kannte, auf brutalste Weise beendet. Der Text beschreibt empathisch, aber ohne Sentimentalitäten, wie die Hauptfigur mit ihrem Schicksal umgeht. Zahlreiche Rückblenden ergänzen dabei das Charakterbild der Protagonistin und erläutern ihre Sichtweise. Nach dieser schonungslosen und schmerzlichen Auseinandersetzung mit dem, was ist und war, wendet der Roman aber nach einiger Zeit auf fast unmerkliche Weise seine Ausrichtung und wird zu einer eindrucksvollen Darstellung eines Heilungsprozesses im Rahmen der nach so einem Verlust noch bestehenden Möglichkeiten. Quasi in Zeitlupe findet Linda ins Leben zurück, hierzu tragen äußere Gegebenheiten maßgeblich bei, aber auch die Verschiebung in ihrer Innensicht. Selten wurde so überzeugend solch eine Entwicklung nachgezeichnet.

„Mein drittes Leben“ hat mich bei aller Traurigkeit komplett eingefangen und begeistert. Sprachlich auf den Punkt, in überaus gelungenen Sätzen, begleitet Krien eine Figur in einer Extremsituation, die so individuell ist, dass die Umwelt nur begrenzt verstehen kann und schon gar nicht raten kann, wie man mit so einer Erschütterung umgehen kann. Ein außergewöhnliches und außerordentlich gelungenes Lesererlebnis, das zart, schroff und herzzerreißend ist und das man nur uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 30.12.2024

Das Leben ist eine Folge von Abschieden ...

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Es ist als Mutter schwer, dieses Buch zu lesen, doch gleichzeitig ist es auch tröstlich und sehr berührend.
Ich gebe zu, ich bin ein Fan von Daniela Krien. Alle ihre Bücher haben mir bisher unheimlich ...

Es ist als Mutter schwer, dieses Buch zu lesen, doch gleichzeitig ist es auch tröstlich und sehr berührend.
Ich gebe zu, ich bin ein Fan von Daniela Krien. Alle ihre Bücher haben mir bisher unheimlich gut gefallen. Daher habe ich mich auf diese Neuerscheinung sehr gefreut! Auch hier zeigt sich ihr außergewöhnliches Talent, in einer unfassbar klaren und schönen Sprache zu schreiben. Ich liebe ihren Schreibstil!
Die Geschichte von Linda, die ihre einzige Tochter verliert, hat mich tief bewegt und erschüttert. Das Buch ist sicher nicht einfach zu lesen, aber gleichzeitig kann ich es einfach nur empfehlen. Ganz große Klasse, Daniela Krien! Eines meiner absoluten Lese-Highlights dieses Jahr!

"Kann man wieder glücklich werden?", frage ich sie. "Ja", sagt sie nach längerem Zögern. "Aber es ist eine andere Art von Glück. Wie soll ich sagen.... Es hat Tiefe, aber keine Leichtigkeit."

"Vor Sonja bin ich ein eigenständig fühlender, doch unvollendeter Mensch gewesen, ein Individuum ohne Zusammenhang. Ab ihrer Geburt war mein Lebensglück ihrem unterworfen. Von Beginn an und bis über ihr Ende hinaus bin ich das, was sie ist - glücklich, unglücklich, ängstlich, traurig, euphorisch, lebendig oder tot. Denn wenn ein Kind geht, nimmt es dich mit. Es lässt nicht mehr von dir zurück als eine welke Hülle."

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Veröffentlicht am 24.11.2024

Zeiten des Umbruchs

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Linda und Richard erleben den absoluten Alptraum als ihre siebzehnjährige Tochter bei einem Fahrradunfall ums Leben kommt. Während sich Richard Stück für Stück zurück in die Normalität des Alltags kämpft, ...

Linda und Richard erleben den absoluten Alptraum als ihre siebzehnjährige Tochter bei einem Fahrradunfall ums Leben kommt. Während sich Richard Stück für Stück zurück in die Normalität des Alltags kämpft, erkrankt Linda schwer an Krebs, der jedoch erfolgreich behandelt werden kann. Ihre Depressionen hingegen lassen sie nicht los und so fast sie den Entschluss, sich von ihrem privilegierten Dasein zu verabschieden. Die vergräbt sich in nicht enden wollende Arbeit auf einem heruntergekommenen Bauernhof. Trotz Richards Besuche bleibt das Elternpaar hier einsam allein zurück, abgeschieden von vertrauter Zweisamkeit.
Daniela Kriens Roman 'Mein drittes Leben' besticht durch ihr eindringliches, schonungsloses Beschreiben der Gefühle der Ich-Erzählerin und Protagonistin Linda, die sie zu diesem Einsiedlerleben zwingen. Sie muss sich betäuben mit monotoner Arbeit, um den zerstörenden Gedanken keinen Raum zu bieten. Wir erfahren darüber hinaus wozu wahre Liebe im Stande ist und erhalten einen tröstenden Ausblick.
Ich empfehle diesen Roman, der auf der Long-list des Deutschen Buchpreises 2024 stand, sehr gern weiter.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Trauerbewältigung und ein Neubeginn

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In dem Buch „Mein drittes Leben“ geht es um Trauerverarbeitung nach dem Verlust eines Kindes.
Lindas 17jährige Tochter Sonja stirbt nach einem Fahrradunfall. Linda stürzt in ein tiefes Loch, sie sieht ...

In dem Buch „Mein drittes Leben“ geht es um Trauerverarbeitung nach dem Verlust eines Kindes.
Lindas 17jährige Tochter Sonja stirbt nach einem Fahrradunfall. Linda stürzt in ein tiefes Loch, sie sieht keinen Sinn mehr im Leben. In der Leipziger Wohnung erinnert sie alles an Sonja, sie zieht auf einen Bauernhof auf dem Land und kündigt ihren Job als Kuratorin.
Auf dem Land findet sie allmählich wieder zurück ins Leben. Sie kümmert sich um Hündin Kaja, die ihr mit dem Bauernhof überlassen wurde und lernt Dorfbewohner und Nachbarn kennen. Mit Natascha, der Mutter eines jungen behinderten Mädchens, freundet sie sich an.
Ihr Mann Richard ist in Leipzig geblieben, er besucht Linda regelmäßig, auch nachdem er eine Beziehung mit der Schriftstellerin Brida Lichtblau eingeht. Dann geschieht etwas, das dazu führt, dass sich Richard zwischen Brida und Linda entscheiden muss.
Was ich nicht verstehen konnte, war die Beziehung zwischen Linda und ihrer Mutter. Linda nahm ihrer Mutter übel, dass sie kurz nach der Wende mit ihrer 12jährigen Tochter zu ihrem späteren Mann in den Westen Deutschlands gezogen ist. Sie habe große Eingewöhnungsschwierigkeiten am neuen Wohnort gehabt und keine neuen Freundschaften schließen können, was jedoch nicht an ihrem Stiefvater lag, der sie gut behandelt und gemocht hatte. Ich konnte die Entscheidung der Mutter nachvollziehen, die nicht nur für sich, sondern auch für Linda ein besseres Leben wollte.
Trotz des schwierigen Themas hat mich das Buch nicht traurig, sondern hoffnungsvoll zurückgelassen. Lindas Gedanken und Handlungen kreisen nicht mehr ausschließlich um sie selbst, sie hilft anderen, und ihr Leben hat dank der Unterstützung, die sie Natascha und Nine, Klaus und Bruni, Frau Engel und Richard zukommen lässt, wieder einen Sinn. Von mir eine große Leseempfehlung für diesen berührenden Roman, den ich nicht so bald wieder vergessen werde.

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Veröffentlicht am 15.09.2024

Hat mich schon ein bisschen umgehauen

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Daniela Krien ist ja inzwischen ein Name, an dem man nicht mehr vorbeikommt und deren Werke mir schon von vielen Seiten empfohlen worden sind. Daher habe ich die Nominierung des deutschen Buchpreises zum ...

Daniela Krien ist ja inzwischen ein Name, an dem man nicht mehr vorbeikommt und deren Werke mir schon von vielen Seiten empfohlen worden sind. Daher habe ich die Nominierung des deutschen Buchpreises zum Anlass genommen ihr neustes Buch zu lesen. Kurz und knapp: ich bin jetzt Fan und die anderen Bücher von ihr sind bereits bestellt.

Zum Inhalt: ihr Leben war voller Glück, bis ein Moment alles zerstört und ihre Welt in Dunkelheit versinkt. Gefangen in ihrer Trauer verlernt Linda zu leben, bis sie beschließt, dass sie sich zurück an die Oberfläche kämpfen will.

Also erstmal wow, tough topic. Der Klappentext lässt es ja bereits vermuten und ich bin da eigentlich auch gar nicht sensibel, aber Daniela Kriens Schreibstil trägt dazu bei, dass sich auch bei mir während des Lesens eine gewisse Schwere breit gemacht hat. Lindas Empfindungen werden sehr nahbar und authentisch geschildert, ihre völlige Selbstaufgabe hat mir ganz schön zu schaffen gemacht.

Aber wo Schatten ist, ist auch Licht- allen voran die Menschen, die Linda nicht aufgeben, egal wie harsch sie sie von sich stößt oder es einfach nicht schafft, am Leben teilzunehmen. Wie authentisch die Beziehung zu Robert dargestellt ist, kann ich nicht beurteilen, vor seinem Charakter kann man aber nur den Hut ziehen. Generell gibt es in diesem Buch allerhand berührende kleine Gesten, die so viel ausmachen können.

Die Geschichte kommt mit wenig aus- wenig Figuren, wenig Handlungsort, kein schmückendes Beiwerk. Die Handlung ist Fühlen und Reflektieren, Erinnern und Zurückblicken, Weitermachen und Loslasssen. Die offene Erzählstruktur, die schnörkellos und ungeschönt erzählt, hat mir gut gefallen und mich tief bewegt. Es sind kleine Schritte, mit denen sich Linda ihr Leben zurückholt, die feinfühlig geschildert werden.

Ein grandioses Buch über eine bewegende Geschichte. Für mich ein Buch, dass auch nach dem Zuschlagen noch lange bleibt und nachhallt. Und ein viel zu alltägliches, tragisches Thema, das hier auf sanfte Art ganz wunderbar aufbereitet wurde.

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