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Veröffentlicht am 16.03.2026

Schlachtengetümmel

Das Amulett der Sekhmet
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Caesar ist tot, der Bürgerkrieg in der römischen Republik nur scheinbar durch das Triumvirat dreier starker Männer befriedet. Doch auch äußere Feinde bedrohen den Frieden. So kämpft Octavius gegen die ...

Caesar ist tot, der Bürgerkrieg in der römischen Republik nur scheinbar durch das Triumvirat dreier starker Männer befriedet. Doch auch äußere Feinde bedrohen den Frieden. So kämpft Octavius gegen die Piraten, die das Mittelmeer unsicher machen und Unterstützung durch den korrupten Statthalter von Sicilien finden. Auf Marc Anton kann er dabei nicht zählen, denn dessen Truppen sind gebunden im Krieg gegen die Parther. Und dabei droht ihm Verrat aus den eigenen Reihen.
In diesem Buch wimmelt es von unzähligen Schlachtgetümmeln, zu Lande und zu Wasser. Diese sind für sich immer packend geschrieben. In ihrer Häufung wurden sie mir zum Schluss hin allerdings etwas viel.
Die Atmosphäre ist gut eingefangen und das römische Leben in seinen üppigen sowie entbehrungsreichen Zeiten in farbigen Bildern beschrieben. Das Glossar enthält einige, wenn auch nicht alle Fachbegriffe, die hier kundig einfließen. Schön wäre dazu noch eine Karte gewesen, denn die Einzelheiten, die sehr häufig wichtig sind, wenn die Bewegung der Truppen oder die Feldzüge aus verschiedenen Richtungen gegen den auf Sizilien verschanzten Sextes, werden zwar detailliert beschrieben, sind ohne Karte aber bisweilen auch verwirrend.
Gerade mit ihren fiktiven Figuren, wie z. B. den Piraten, hat die Autorin schon sehr lebendige Charaktere erschaffen. Auch den realen Personen, die die Vorlage für die hier handelnden Charaktere bieten, kommt der Leser sehr nah, manchmal schon ein wenig zu nah: Man kann sich bei dem großen Octavius manchmal nur schwer vorstellen, dass er selbst hinter einem in Seenot geratenen „Matrosen“ herspringt, um ihn aus dem Meer zu ziehen, oder sich mit wenigen Getreuen durch die Büsche schlägt, um einem Hinterhalt zu entgehen. Aber es macht den späteren Divus Augustus durchaus etwas menschlicher.
Die Figur der Mara ist als solche ganz interessant, auch wenn ich eher glaube, dass die Ehefrauen oder Geliebten der Herrscher mehr Einfluss auf diese haben, als eine Frau, die noch dazu aus einer anderen Zeit kommt. Dieser Teil der Geschichte, die Möglichkeit der Zeitreise durch das Portal eines Amuletts ist für mich ein wenig befremdlich. Zum Glück kommt er hier nur marginal vor, denn die Geschichte läuft auch prima ohne diesen Part. Da erscheint mir eine gewogene Gottheit, die einen Pfeil lenkt oder ein Heilmittel schickt, plausibler oder eher passender als durch ein Zeitportal eingeschleustes Penicillin oder Satellitenkarten.
Wer auf Schlachtbeschreibungen steht und antiken Stoff à la Gladiator oder den Untergang von Pompeji sowie Kleopatra mag, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 18.09.2024

Ohne Heimat

Als wir Schwäne waren
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„Als wir Schwäne waren“ ist wohl ein Roman mit autobiographischen Zügen. Der Erzähler kommt als Junge mit seinen Eltern nach Deutschland. Er wächst auf in einer Siedlung in Bochum, aus der immer mehr ...


„Als wir Schwäne waren“ ist wohl ein Roman mit autobiographischen Zügen. Der Erzähler kommt als Junge mit seinen Eltern nach Deutschland. Er wächst auf in einer Siedlung in Bochum, aus der immer mehr deutschstämmige Bewohner weg- und in die immer mehr Migranten unterschiedlichster Herkunft zuziehen. Das Leben in diesem Ghetto gestaltet sich als perspektivlos und ist geprägt von Kriminalität und Gewalt. Viele der Bewohner stammen aus einer sozial benachteiligten Schicht, bildungsfern, ohne Aufstiegschancen. Sie verdingen sich als Drogendealer oder Kleinkriminelle, gerieren sich als Halbstarke und mehr als einmal endet ein solches Leben früh und gewaltsam. Die Eltern des Erzählers sind anders. Sie sind studiert, gebildet. Aber auch für sie gibt es kaum Chancen, in der neuen Gesellschaft Fuß zu fassen. Sie versuchen ihren Status zumindest im Privaten zu kultivieren, erfahren von der Gesellschaft aber auch wenig Wertschätzung und Ausgrenzung. Das Weiterkommen scheint ein Privileg der Einheimischen zu sein. Dennoch versuchen sie dem Sohn ein Gefühl von Stolz und Würde zu vermitteln. Dieser steht zwischen beiden Polen. Zum einen zieht er mit den anderen Jugendlichen um die Häuser, dealt mit und hat viele Kontakte zu kriminellen Existenzen. Auf der anderen Seite hält ihn vielleicht sein Elternhaus davon ab, ganz in den Sumpf der Ausweglosigkeit zu rutschen. Er bleibt immer ein wenig der distanzierte Beobachter zum Geschehen.
In seinem Roman schildert Khani dieses Leben durchaus anschaulich und nachvollziehbar. Die Entwurzelung und Heimatlosigkeit des jungen Erzählers, seine Wut auf ein Land, das er sich nicht ausgesucht hat und das ihm und seinen Eltern keine Chance gibt, ist sehr greifbar. Das respektvolle Denkmal, das er seinen Eltern hier setzt, nötigt auch dem Leser einen entsprechenden Respekt ab und ein Gefühl davon, dass das Schicksal, das Menschen nötigt, ihre Heimat zu verlassen und in einem Land zu leben, in das sie eigentlich nicht wollen, ein ungerechtes und grausames ist.
Befremdlich sind bisweilen die ein wenig kryptisch, lebensphilosophischen Zwischentöne, deren Sentenzen und Bilder sich dem Zugriff verweigern. So bleibt mir letztlich auch das Bild der Schwäne diffus. In einem Land werden sie für Zugvögel gehalten, ähnlich dem Schicksal der Migranten dazu genötigt, immer weiter zu ziehen. In Deutschland aber ziehen sie nicht fort, sondern bleiben sie in ihren Gefilden. Ähnlich den Migranten, die aus dem Auffangghetto nicht hinauskommen, weil das Weiter-, das Fortkommen nur etwas für die Deutschen mit ihren Redewendungen ist, für die von nichts nichts kommt, die keine Müdigkeit vorschützen, Nägel mit Köpfen machen und auf das A-Sagen das B-Sagen folgt.
Der Roman ist sicher keine leichte Kost, am Ende ähnlich perspektivlos und desillusionierend wie das Leben im Ghetto. Während die Eltern wenigsten zurückkehren können an ihre heimatlichen Wurzeln, so bleibt dem Erzähler über seine Wut hinaus nur das Fortgehen ohne Ankommen. Was fängt der Leser an mit dieser Wut und dieser Erkenntnis? Soll er damit etwas anfangen? Oder geht es dem Autor mehr um das Loswerden und Luftmachen?

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Veröffentlicht am 04.04.2022

Für die Hungrigen eher als für die Satten

Im Rausch des Aufruhrs
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Der Autor porträtiert mit großer Kennerschaft das Jahr 1923 monatsweise und gibt im Anhang einen Ausblick, „wie es weiter geht“, indem er kurze Porträts der historischen Figuren gibt, die im Buch vorher ...


Der Autor porträtiert mit großer Kennerschaft das Jahr 1923 monatsweise und gibt im Anhang einen Ausblick, „wie es weiter geht“, indem er kurze Porträts der historischen Figuren gibt, die im Buch vorher in die Ereignisse involviert waren oder die die Ereignisse überhaupt erst angestoßen haben. Und es ereignet sich viel im Jahre 1923. Viele Figuren haben ihren Auftritt, seien es Privatpersonen mit bewegtem Schicksal oder seien es historische Persönlichkeiten, die bereits eine große Rolle spielen, wie Stresemann oder Hitler, wie Anita Berber oder Kurt Tucholsky, oder die noch eine große Rolle spielen werden, wie Sepp Herberger, der in diesem Jahr als Geldzähler inflationäre Eintrittspreise zählen muss, oder Victor von Bülow, Loriot, der in diesem Jahr geboren wird. Wie auch die Mutter des Autors.
Für jeden Leser ist etwas dabei und für jeden Leser liest sich – je nach Interesse – die eine Passage leichter als andere. So kommt der kulturell Interessierte auf seine Kosten, wenn es um die schönen Künste geht, die Literatur, Kafka, Fallada, Gorki, oder das Kino. Der am Leben des kleinen Mannes, um mit Fallada zu sprechen, Interessierte, wenn es um die Sorgen und Nöte, aber auch die Freuden des einzelnen geht, auch wenn letztere eher dünn gesät sind. Wie vergnügt er sich, aber auch wie viel kostet ihn ein Brot? Ganz besonders angesprochen werden die politisch und historisch Interessierten, die sich nicht von den permanent wechselnden Verhältnissen und Regierungen der Weimarer Republik abschrecken lassen. Diejenigen, die der Kampf Rot gegen Braun interessiert, aber auch der gemeinsame Kampf gegen Franzosen im Ruhrpottstreik, wobei das Gemeinsame nicht wirklich verbindend ist. Auch die Inflation ist ein spannendes sowie aktuelles Thema. So hält sich der heutige Leser vor Augen, wie schlimm es einmal mit der Inflation gekommen ist und was wahrer Mangel in den Regalen der Läden, was realer Hunger und reale Not bedeuten. Auch wenn er sich dabei doch nicht ganz losmachen kann von dem Blick auf das, was ihn heute vielleicht doch einmal wirklich bedrohen könnte. So schwankt er zwischen dem Glück, das ihn damit getroffen hat, ein Hundertjahrenachherlebender zu sein, und der flehentlichen Hoffnung, ihn mögen solche Verhältnisse verschonen. Ein Blick über den Tellerrand jedoch hilft gegen den Egozentrismus, der im eigenen Leid immer das größte sieht, auch wenn es nur die vorübergehende Abwesenheit von Mehl, Speiseöl oder Klopapier ist. Worauf der Leser sich dabei allerdings einlassen muss, ist das „Ragout“, wie es der Theaterdirektor seinem Dichter und dem Narren schon in Goethes „Faust“ im Prolog abverlangt. Er muss sich einlassen auf ein buntes Durcheinander von Personen, von Ereignissen, von Anmerkungen zu einem Jahr in einer nicht immer ganz so anderen Zeit, von dem ihm eventuell der eine Happen besser munden wird als der andere. Aber für jeden ist auf jeden Fall etwas dabei. Und jeder wird seinen Lesehunger und seinen Wissensdurst, so er sich diesen in einer satten Zeit bewahrt hat, für eine Zeit – bis zum nächsten Buch – stillen können.

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Veröffentlicht am 11.04.2026

Auf Verbrecherjagd

Die Bibliothek meines Großvaters
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Ich muss gestehen, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich „Die Bibliothek meines Großvaters“ zu hören begann. Dass es sich bei dem Großvater vor allem um einen großen Krimifan handelte, der damit seine ...

Ich muss gestehen, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich „Die Bibliothek meines Großvaters“ zu hören begann. Dass es sich bei dem Großvater vor allem um einen großen Krimifan handelte, der damit seine Enkelin begeisterte, die sich dann auch in Kreisen aufhielt, die mit viel Freude am Spürsinn Kriminalgeschichten anhängt, war nicht meine erste Vermutung.
So führt die Enkelin mit dem Großvater stets aufs Neue größtenteils überraschend scharfsichtige Dialoge über mysteriöse Vorfälle, zu denen sie stets mehrere Geschichten durchspielen. Herangetragen werden diese meist durch Freunde oder Bekannte an sie. Doch war ich mir am Ende häufig nicht sicher, ob es sich dabei nur um bloße Geschichten oder um „wahre“ Begebenheiten handeln sollte. Noch unklarer war, welche Folgen nun die detektivische Arbeit von Großvater und Enkelin haben sollten. Ein wenig monoton war auf Dauer auch der Ablauf, bei dem der Großvate immer viele Dinge durchaus mit scharfer Beobachtungsgabe erschließen konnte, teils aber auf Wissen zurückgreifen musste, von dem mir nicht klar war, woher er es haben konnte.
Spannend wird es zum Ende hin, als die Enkelin selbst zum Opfer eines Verbrechens zu werden droht.
Die Geschichte spielt in Japan, und das japanische Flair wird in diesem Roman auch sehr gut zum Ausdruck gebracht.
Die Erzählstimme ist angenehm, wenngleich auch ein wenig monoton.
Wer mehr an Bibliotheken und Büchern im allgemeinen als an Kriminalliteratur im speziellen interessiert ist, wird hier vielleicht nicht ganz so auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Sehr düsteres Thema für ein Bilderbuch

Emma und der traurige Hund
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Auch wenn der Titel „Emma und der traurige Hund“ schon auf ein trauriges Thema verweist, zeigt doch das Titelbild eher etwas vom Trost der Gemeinschaft: Hund und Kind in trauter Zweisamkeit blicken auf ...

Auch wenn der Titel „Emma und der traurige Hund“ schon auf ein trauriges Thema verweist, zeigt doch das Titelbild eher etwas vom Trost der Gemeinschaft: Hund und Kind in trauter Zweisamkeit blicken auf die Unendlichkeit des Meeres.
Doch der Hund ist traurig, ohne Grund und ohne Perspektive auf Besserung. Zugute halten muss man dem Buch, dass es das Thema der Depression sehr ernst nimmt und keine schnelle oder einfache Lösung anbietet, so nach dem Motte: einmal pusten und dann ist alles wieder gut. Einzig tröstende Figur ist die optimistische, lebensbejahende Figur Emma, die sich um den Hund bemüht. Nachdrücklich, aber auch vorsichtig. Mit Respekt vor seinen Gefühlen.
Die Bilder changieren zwischen poetisch und düsterem Gekritzel, das auch etwas Aggressives hat. So stelle ich mir gerade die Buchinnendeckel vor, als ob jemand seine Wut mit wilden, dicken Zickzacklinien zum Ausdruck gebracht hat.
Für mich als Erwachsene hat das Buch interessante Aspekte bereit. Doch muss man Kinderseelen schon so früh mit so schweren, schwarzen Themen trüben? Zumal es für die Kinder oft der Hund ist, der der tröstende Spielgefährte ist, und nicht der, der Hilfe braucht und dem Kind die Rolle des Therapeuten auflastet. Ist es kleinen Kindern, für die man sich ja Bilderbücher meist denkt, möglich, den Transfer zu leisten, in dem traurigen Hund eben nicht nur einen traurigen Hund zu sehen? Welche Botschaft sollen sie empfangen? Worauf sollen sie wie reagieren?

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