Foundfamily Vibes inklusive
Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden TräumeIch hatte beinahe das Gefühl, den Baumwollduft, der so typisch ist für den Binggul-Binggul Waschsalon, selbst in der Nase zu haben, das aufgeschlagene Tagebuch auf einem Tisch am Fenster, die Waschmaschinen ...
Ich hatte beinahe das Gefühl, den Baumwollduft, der so typisch ist für den Binggul-Binggul Waschsalon, selbst in der Nase zu haben, das aufgeschlagene Tagebuch auf einem Tisch am Fenster, die Waschmaschinen rumpeln und Trockner surren - und Frühlingssonne erhellt den Laden, der so viel mehr ist, als ein Ort, an dem Leute stumm ihre Wäsche waschen.
Das Buch hat so starke Foundfamily Tropes. Jede der Figuren, die wir in einer der fünf Episoden verfolgen, hat ihre eigene Geschichte und ist auf irgendeine Art und Weise einsam. Alter, das Atemholen zwischen Alltagspflichten, Selbstzweifel oder der Verlust eines geliebten Menschen. Sie alle eint eine Sache - es zieht sie magisch in den Waschsalon der lächelnden Träume, sie schreiben ihre Sorgen in das Büchlein, das dort liegt und bekommen Ratschläge - auf die ein oder andere Art und Weise. Es ist eigentlich ein Buch über Kommunikation und über Verständigung, in der Grundsubstanz handelt es vom Kampf gegen die Einsamkeit, ohne jedoch den Finger auf die schwärende Wunde zu legen.
Der Waschsalon ist das Glied, das alles verbindet. In jeder der episodenhaften Geschichten rückt ein anderer Charakter in den Vordergrund. Doch wir können uns sicher sein, dass wir sie in den anderen Geschichten wieder treffen und sie der gerade im Vordergrund stehenden Figur gute Ratschläge geben. So webt die Autorin ein feines Netz über das gesamte Buch. Das Buch trieb mir ein Lächeln auf die Lippen, immer wenn ich die Tür, bepackt mit Dreckwäsche, zum Waschsalon öffnete. Und irgendwann wünscht man sich selbst einen solchen Ort. Manchmal habe ich auch diese typischen K-Drama-Vibes verspürt, über die ich Grinsen musste.
Jede Geschichte für sich ist anders. Natürlich kann man auf den knapp dreihundert Seiten kaum die ausschweifenden Biographien von zig Figuren entrollen, die die Straßen und Parks rund um den Salon bevölkern, doch ich hatte nie das Gefühl, das sie mir sonderlich fern waren.
Natürlich muss es einen Bösewicht geben. Das Buch hätte wie ich finde, auch ohne ihn gut funktioniert, und mir die Vibes gegeben, die mir an dem Buch wichtig waren. Deshalb blieb er für mich auch ziemlich blass und eindimensional.
Ein Buch über Einsamkeit und Zusammenfinden, mit einer schönen Schriftsprache und schönen Momenten - ich mochte den Binggul-Binggul-Waschsalon sehr gerne.