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Veröffentlicht am 04.03.2025

Kommt nicht an den ersten Band heran - zu verworrene und komplizierte Handlung

Das Mörderarchiv: Der Tod, der am Dienstag kommt
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Annie lebt mittlerweile in Castle Knoll auf Gravesdown Hall. Sie hat sich mehr oder weniger in die Dorfgemeinschaft eingelebt, trotzdem fühlt sie sich oft alleine auf dem riesigen Anwesen. Zu Beginn der ...

Annie lebt mittlerweile in Castle Knoll auf Gravesdown Hall. Sie hat sich mehr oder weniger in die Dorfgemeinschaft eingelebt, trotzdem fühlt sie sich oft alleine auf dem riesigen Anwesen. Zu Beginn der Handlung begegnet sie Peony Lane, der Wahrsagerin, die auch einst Frances vorausgesagt hat, dass sie ermordet wird. Auch Annie bekommt einige kryptische Andeutungen, mit denen sie nichts anfangen kann. Kurz darauf wird Peony auf dem Anwesen in der Orangerie tot aufgefunden - mit einem Messer im Rücken, auf dem mehr als genug Fingerabdrücke von Annie sind. Annie ermittelt erneut und noch immer gibt es einige ungeklärte und nicht aufgedeckte Geheimnisse in Castle Knoll...

Ich wollte zunächst den zweiten Band in einer Leserunde lesen, konnte mich aber aufgrund der Vielzahl an Personen und Nebenhandlungen überhaupt nicht orientieren. Ein Personenverzeichnis oder Familienstammbaum fehlt auch im zweiten Band, was das Verständnis erheblich stört und für viel Verwirrung sorgt. Deshalb habe ich mir den ersten Band vorgenommen und fand die Geschichte gut - dementsprechend gespannt war ich auf den zweiten Band.
Ich musste mich beim Lesen noch mehr konzentrieren als im ersten Band um den Überblick zu behalten. Annie wirkt noch unstrukturierter, zerstreuter und verkopfter als im ersten Band. Es gibt so unzählig viele lose Enden in den Mordermittlungen, dass nur wenige davon aufgegriffen werden und man als Leser kaum noch hinterher kommt. Die Freude am Miträtseln und Kombinieren wurde mir beim Lesen immer mehr genommen und ich bin recht lustlos durch die Seiten geflogen.
Frances' Tagebucheinträge sind wieder mal recht spannend und geben Hinweise auf frühere Verstrickungen der Figuren und heutige Ermittlungen. Annie in der Gegenwart kann mich jedoch als Ermittlerin nicht überzeugen. Vor allem ihre Beziehung zu Detektive Crane ist mir irgendwann auf die Nerven gegangen, da Annies Freundin Jenny auch immer wieder darüber gekichert hat und Annie mit vielsagenden Blicken bedacht hat.

Für mich kann der zweite Band nicht mit dem ersten mithalten, es werden so viele falsche Fährten gelegt und lose Enden eingeflochten, dass für mich die Handlung zu verwirrend blieb. Schade!

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Veröffentlicht am 06.02.2025

Tolle Ausgangslage in einem Spiegelkabinett - trotzdem ausbaufähig

Nell
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1932: Die junge Nell verschwindet in einem Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt. Sie lebt von nun an dort, kann sich zwar außerhalb des Kabinetts frei bewegen, ist jedoch darin gefangen. Sie altert nicht ...

1932: Die junge Nell verschwindet in einem Spiegelkabinett auf einem Jahrmarkt. Sie lebt von nun an dort, kann sich zwar außerhalb des Kabinetts frei bewegen, ist jedoch darin gefangen. Sie altert nicht und die Menschen um sie herum nehmen sie nicht wahr.
Heute: Alwin ist Illustrator und arbeitet gerne in einem Café an seinen Projekten. Bereits öfter ist ihm eine junge Frau aufgefallen, die dort mit einem Buch sitzt, aber nicht beachtet wird. Sie bestellt nichts und ihre Kleidung und Aufmachung wirken wie aus der Zeit gefallen. Alwin fasst sich ein Herz und spricht Nell an. Die beiden kommen sich näher und verlieben sich - kann die Liebe jedoch unter diesen Umständen bestehen?

Der Klappentext verspricht eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die ein ebenso ungewöhnliches Setting bietet. Ich war sehr gespannt, wurde jedoch eher enttäuscht. Das Cover wirkt wie ein Gemälde, für mich passt die weiße Schrift des Titels nicht zum Rest und geht fast unter in den anderen Farben.
Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, in dem die junge Nell im Spiegekabinett verschwindet. Man ist sofort im Geschehen, Zeit, Raum und Realität verschwimmen und auch sprachlich haben diese Seiten mich angesprochen. Es folgt ein abrupter Cut, man ist im Hier und Jetzt. Es wird eine Situation im Spiegelkabinett mit drei Jugendlichen geschildert, die auch die heute typische Jugendsprache verwenden. Das hat das Ganze für mich etwas holprig gemacht und man war nicht mehr im Lesefluss wie noch im Prolog.
Generell habe ich mir aufgrund des Klappentextes etwas ganz Anderes unter der Geschichte vorgestellt. Die Geschichte rast nur so dahin auf den knapp 180 Seiten. Die Figuren bekommen kaum Tiefe und Farbe, man sympathisiert nicht wirklich mit den Protagonisten. Der Cut nach der ersten Hälfte kam für mich ebenso abrupt wie das erste Kapitel nach dem Prolog. Ich hätte mir viel mehr Beschreibungen gewünscht, eine Atmosphäre wird nicht beschrieben und kommt auch nicht auf beim Lesen.Was zudem den Lesefluss stört ist die wechselnde Sicht der Protagonisten. Oft von Zeile zu Zeile abwechselnd wird aus einer anderen Perspektive geschrieben, sodass man kaum hinterherkommt und die Geschichte eine Dynamik entwickelt, mit der ich nicht zurecht kam.

Die Ausgangslage bietet so viel Potenzial: im Spiegelkabinett verschwinden, was hat es damit auf sich? Wie lebt es sich dort, wie können Traum, Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen und wie kommt Nell da wieder heraus? Mir haben Details gefehlt, es wird lediglich an der Oberfläche gekratzt, wichtige Fragen bleiben offen.
Trotz allem ist es ein ungewöhnliches Buch, dem eine Chance geben sollte, wer Geschichten abseits der breiten Masse sucht.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Langatmige und nicht auserzählte Handlung mit Charakteren ohne Tiefe

Das Wohlbefinden
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1907: Anna Brenner ist eine einfache Arbeiterin, die in die Heilstätten Beelitz geschickt wird. Sie besitzt anscheinend übernatürliche Kräfte und wird in den Heilstätten als Medium und Hellsichtige angefeindet. ...

1907: Anna Brenner ist eine einfache Arbeiterin, die in die Heilstätten Beelitz geschickt wird. Sie besitzt anscheinend übernatürliche Kräfte und wird in den Heilstätten als Medium und Hellsichtige angefeindet. Dies wird auch für den Leiter immer mehr zum Problem. Johanna Schellmann ist wohlhabend und Schriftstellerin. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann Clemens, der Arzt ist und zwischenzeitlich auch in den Heilstätten forscht und ihren beiden Kindern zusammen. Für die Recherche zu einem Roman reist Johanna nach Beelitz und lernt dort Anna kennen. Zwischen den beiden ungleichen Frauen entsteht eine Verbindung.
1967: Die mittlerweile über 80-jährige Johanna möchte noch einmal einen erfolgreichen Roman schreiben und versucht, die Vergangenheit aufzuarbeiten.
2020: Vanessa, Johannas Urenkelin, lebt in Berlin und sucht verzweifelt eine Wohnung. Durch einen Makler bekommt sie ein Manuskript und Notizen ihrer Urgroßmutter in die Hand.

Wegen des Covers und Klappentextes wollte ich das Buch sehr gerne lesen - auch die Nominierung zum Deutschen Buchpreis 2024 ließ mich mit großen Erwartungen in die Lektüre starten. Leider wurde ich enttäuscht und hätte ich das Buch nicht innerhalb einer Leserunde gelesen, hätte ich es wahrscheinlich abgebrochen.
Aufgrund der drei Zeitebenen war ich gespannt, wie die Autorin den Bogen spannen möchte: drei Frauen in drei Epochen. Der Einstieg fällt leicht und der Schreibstil ist der jeweiligen Zeit angepasst. Man startet im Jahr 1907 und erhält einen guten Einblick in die Arbeit der Heilstätten Beelitz - ein Grund, warum ich das Buch lesen wollte. Nach etwa einem Drittel flacht die Handlung aber leider ab und man fragt sich als Leser, wo die Autorin einen eigentlich mit der Geschichte hinführen möchte. Die Figuren, allesamt mit großem Potenzial, bleiben blass und ohne Tiefe. Alle drei Frauen bleiben einem unsympathisch und keine ruft große Emotionen oder Empathie hervor.
Auch die Handlung bleibt leider unklar. In der zweiten Hälfte plätschert sie so dahin und vermeintlich wichtige Dinge und Situationen werden angerissen, aber nicht weiter verfolgt und unwichtige Handlungen werden in die Länge gezogen. Das Ende konnte mich ebenfalls nicht überzeugen, es wirkt konstruiert und zu vieles, gerade in Bezug auf Anna, bleibt unklar. Oft kam es mir beim Lesen vor, als wären die Handlungsstränge von Johanna im Jahr 1967 und Vanessa im Jahr 2020 noch dazu erfunden worden um die Handlung aus dem Jahr 1907 in die heutige Zeit zu holen. Sie wirken eher unnötig und geben der Geschichte keinen Mehrwert.

Positiv fand ich, dass die Autorin in die Recherche sehr viel Zeit und Mühe investiert hat, man merkt, dass sie sich mit diesem Thema auseinander gesetzt hat, auch wenn die Geschichte rund um die Heilstätten Beelitz zu kurz kommt.

Ich habe mir einen Roman um zwei starke Frauen in der damaligen Zeit im Kaiserreich erhofft und eine besondere Verbindung der beiden, die intensiv beschrieben wird. Leider wurde ich dahingehend trotz viel Potenzial enttäuscht und die Nomierung für den Deutschen Buchpreis und die Longlist kann ich nicht nachvollziehen. Schade!

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Veröffentlicht am 09.10.2024

Eine ältere Frau und ein jüngerer Mann - trotz guter Ausgangslage eher enttäuschend

The Idea of You
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Solène ist Anfang vierzig, Galeristin und wohnt mit ihrer Teenagertochter zusammen. Sie ist von ihrem Ex-Mann Daniel geschieden. Als sie ihrer Tochter und deren Freundinnen auf ein Konzert der angesagtesten ...

Solène ist Anfang vierzig, Galeristin und wohnt mit ihrer Teenagertochter zusammen. Sie ist von ihrem Ex-Mann Daniel geschieden. Als sie ihrer Tochter und deren Freundinnen auf ein Konzert der angesagtesten Musikband begleitet, gibt es dort auch ein Meet and Greet mit den Stars. Solène unterhält sich lange mit dem Sänger Hayes - der mit Anfang zwanzig fast halb so alt ist wie sie. Die beiden merken, dass da mehr ist zwischen ihnen und sie treffen sich von da an immer wieder, wie es ihre beiden Terminkalender zulassen. Kann diese Liebe trotz Altersunterschied, Berühmtsein und Verpflichtungen bestehen?

Ich habe den Film dazu nicht gesehen, aber nachdem der Film raus kam, wollte ich unbedingt das Buch dazu lesen. Leider konnte es mich nicht überzeugen. Die Ausgangslage ist erstmal nicht verkehrt: eine Frau und Mutter, die mitten im Leben steht und erfolgreich im Job ist, lernt einen der bekanntesten Sänger einer Band kennen, der auch noch halb so alt ist wie sie. Ganz realistisch und alltäglich ist dies natürlich nicht, aber ich fand es dennoch interessant und war gespannt, wie die Autorin dieses Setting ausbaut. Mal eben eine Luxusuhr oder ein Gemälde für mehrere 10.000 Dollar kaufen, weil der Andere es einfach schön fand? Kein Problem für beide.
Das Buch ist aus Solènes Sicht geschrieben, vielleicht auch deshalb fehlte mir etwas beim Schreibstil. Der Altersunterschied ist stets präsent, aber ebenso die Anziehung zwischen den beiden. Leider baut sich diese nur auf Körperlichkeiten auf, sodass kaum Raum für tiefere Gefühle bleibt. Sobald ein Probleme auftaucht, landen die beiden wieder im Bett. So geht es bis zum Schluss, es ist ein Hin und Her zwischen ihnen.
Irgendwann ist Solène mir richtiggehend auf die Nerven gegangen und wurde zunehmend unsympathischer. Sie möchte kaum Gefühle zulassen und handelt viel zu oft unreif und überstürzt. Während Hayes sich Mühe gibt, selbst für ihre Tochter da ist, ihr die Lage empathisch und ruhig erklärt, schafft es Solène nicht, sich eine Beziehung mit Zukunft aufzubauen.
Das Ende konnte mich leider auch nicht wirklich überzeugen auch wenn es mehr Dynamik und Emotionen beinhaltet als der Rest des Buches.

Für mich ein oberflächlicher und von Körperlichkeit geprägter Roman, der trotz ganz gutem Settings viele Schwächen hat und die Emotionen und das Thema des großen Altersunterschieds nicht genügend ausbaut.

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Veröffentlicht am 26.08.2024

Traum oder Trauma?

Ministerium der Träume
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Nushin stirbt unerwartet und hinterlässt ihre Tochter Parvin und ihre Schwester Nasrin fassungslos. Die Polizei sagt, es war ein tragischer Unfall, aber daran glaubt Nasrin nicht. Sie kümmert sich nun ...

Nushin stirbt unerwartet und hinterlässt ihre Tochter Parvin und ihre Schwester Nasrin fassungslos. Die Polizei sagt, es war ein tragischer Unfall, aber daran glaubt Nasrin nicht. Sie kümmert sich nun um die Tochter, die im Jugendalter ist und beide kämpfen mit dem Verlust. Nasrin ist queer und arbeitet als Türsteherin in einer Disco. Parvin meint, dass Nushin auch einem Anschlag zum Opfer gefallen sein könnte und ihr Tod kein Zufall ist. In Rückblenden wird klar, warum sie diesen Verdacht hat und dass er nicht von der Hand zu weisen ist.

Der Klappentext und der Prolog haben mir sehr gut gefallen, aber ich hätte aufgrund dessen etwas anderes erwartet.
Der Schreibstil hat mir nicht sonderlich gefallen, zu oft wird vulgäre Sprache und Jugendsprache benutzt. Nasrin wird sehr gut beschrieben und man kann man sich in ihre Gefühlslage hinein fühlen. Allgemein waren aber sowohl die Charaktere als auch die Handlung meist vorhersehbar. Die Charaktere könnten für meinen Geschmack mehr Tiefe vertragen, da sie viel Potenzial für Komplexität beinhalten.
Der Roman beinhaltet viele wichtige Themen wie die Suche nach der eigenen Identität, Verlust, Familienprobleme und politische Debatten. Für mich sind sie gut angerissen worden, aber es fehlte mir an Tiefe und Spannung. Das letzte Drittel hat mehr an Fahrt aufgenommen, das Ende jedoch hat mich ratlos und verwirrt zurück gelassen.

Das Buch hat einige interessante Stellen und auch die Hauptfigur Nasrin wird gut beschrieben. Mir fehlt jedoch die Spannung und der Tiefgang in der Geschichte, sodass ich das Buch nur eingeschränkt empfehlen kann.

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